5. Timothy Stahl - Friedhof der Wölfe

Woelfe 5Rowena erzählt ihre Geschichte. Nachdem sie Donny aus dem Haus rennen sah, wartete sie auf seine Rückkehr und überlegte, die Polizei zu rufen. Aber sie kam nicht mehr dazu, denn plötzlich erschien dieses riesige Ungeheuer, sprang durch die Tür und griff sie an. Sie konnte sich aber ins Schlafzimmer retten und suchte dort nach der Waffe, die ein Cop wie Hunt vermutlich dort verstecken würde. Und er tat auch genau das, tat ihr den Gefallen, der ihr vermutlich das Leben rettete. Sie erreichte den Nachttisch, gerade als der Wolf hinter ihr erschien und konnte irgendwie auch die Waffe erreichen. Sie konnte aber den Wolf nicht vollständig abwehren, er zerbiß ihre Hand, die plötzlich fehlte, aber sie konnte einen Schuß abfeuern, der ihn so schwer verletzte, daß sie flüchten konnte, bevor er sich regenerierte. Und danach erinnerte sich Donny an nichts mehr, mußte aufgrund der Hand, die dort lag, aber vermuten, daß er seine Freundin getötet und aufgefressen hatte.

Hatte er aber nicht, wie wir inzwischen wissen. Das Mädchen wurde von jemandem gerettet, den sie nicht kannte und schließlich wuchs auch eine Hand nach, die nun in seiner Hand liegt, eine Kinderhand, die sich nur langsam weiterentwickelt. Aber auch sie ist nun eine Wölfin.

Lucy, die wir noch aus Band 2 kennen, entschließt sich mittlerweile, Morgan und Hunt zu folgen. Sie will zu diesem Zweck zum ersten Mal seit sehr langer Zeit ihre Zuflucht in diesem zeitverschobenen Ort verlassen und ihr Vater rät ihr dringend davon ab. Aber sie sieht es als ihre Aufgabe an und macht sich so auf den Weg. Sie trifft viele Menschen, die nicht wirklich gut zu ihr sind und es auch nicht gut mit ihr meinen. Viele von ihnen werden sie nie wieder vergessen. Und schließlich sitzt sie im Auto eines Mannes, der ebenfalls keine gute Ausstrahlung hat.

Ross Downum ist genaugenommen ein Mörder, den man wohl als Serienkiller bezeichnen würde. Er fährt einen Porsche, der aber genaugenommen nicht seiner ist. Das Fahrzeug gehört eine Kunden, der es aber an einem anderen Ort in den USA entgegennehmen will. Downum bringt Fahrzeuge dorthin, wo sie gebraucht werden und kassiert dafür Geld. Und er nimmt immer wieder junge Anhalterinnen mit, deren schlimmster Alptraum er dann wird. Keine hat das bisher überlebt.

Und auch diesem jungen Ding mit den wie silbern wirkenden Haaren will er auf seine besondere Art im Gedächtnis bleiben. Nicht für lange, aber lange genug, daß er sich an ihrem Schrecken und entsetzen weiden kann. Da will sie aber plötzlich aussteigen, als aus der Nacht eine Raststätte vor ihnen erscheint. Er will nicht, kann aber nicht verhindern, daß sie einfach aus dem Wagen springt. Aus dem fahrenden Porsche, wohlgemerkt. Er fährt einfach weiter in seinem Schrecken, merkt dann aber sehr schnell, daß es kaum in seinem Sinne sein kann, wenn die Verletzte mit ihm in Verbindung gebracht wird. Also fährt er doch zurück.

In der Raststätte sitzen Morgan, Brandon und Rowena. Letztere erzählen sich gegenseitig, was sie seither erlebt haben, während Morgan gewaltige Mengen an Steak in sich hineinstopft. Er erklärt ihnen dann, daß er Brandon zum Friedhof der Wölfe bringen muß, weil das nun einmal seine Aufgabe ist. Und als er zur Toilette geht, ergreift Rowena die Initiative. Sie schnappt nach Brandons Hand und rennt mit ihm davon. Auf dem Parkplatz allerdings stehen sie plötzlich Lucinda gegenüber, die sich blitzschnell in einen Wolf verwandelt und Donny angreift. Rowena ist plötzlich verschwunden, während er sich gerade so selbst verwandeln und dem Kampf stellen kann.

Mittlerweile muß sich Morgan einem ganz anderen Kampf stellen. Der Fremde aus dem letzten Band taucht plötzlich auf. Tyrone Vanderburgh ist ein sehr erfolgreicher Anwalt von der Westküste und ebenfalls Wolf, allerdings keiner, der sich nur mit den Kräften des Wolfes in der Menschenwelt hocharbeitete. Er kennt die Traditionen durchaus sehr genau. Und während Morgan diese Begegnung mit den Augen des First One durchaus vorausgesehen hat, hat Vanderburgh mit gänzlich anderen Augen noch wesentlich mehr gesehen. Er hat nämlich die Augen der Mutter, der Frau des First One, die dem Wolfsgeschlecht dereints das Leben schenkte. Und mit diesen Augen hat er Dinge gesehen, von denen nicht einmal Morgan weiß. Und der weiß nach dem Tod des Last One eine Menge ...

Aber daß Vanderburgh dank dieser Augen einen schlimmen Fluch der Wölfe gegen ihn verwenden würde, das konnte er nicht vorhersehen. Offensichtlich wurde die erste Wölfin mit dem Totsprech-Ritus getötet, einer unglaublich grausamen Form von Fluch, die keinem der modernen Wölfe bekannt sein dürfte. Jeder, der die Worte hört, gegen den sie ausgesprochen werden, stirbt. Jeder Wolf zumindest, und so passiert es Morgan, daß er miterleben muß, wie sein Wolf stirbt, er selbst aber weiterlebt. Und er fragt sich nur kurz, was die First One wohl getan hat, daß man diese Grausamkeit gegen sie einsetzte. Er jedenfalls stirbt nicht, nur sein Wolf. Und damit verliert er einen Großteil seiner Kraft. Aber zumindest kann er den Trailer noch benutzen, um zum Friedhof zu kommen ...

Den haben Rowena und Brandon nämlich dagelassen. Als Brandon mit der Wölfin kämpfte, tauchte seine Freundin plötzlich mit dem PickUp auf und rammte sie einfach. Was sie durchaus überlebte. Der zurückkehrende Ross Downum war der leidtragende, auf den sie sich stürzte und der dem PickUp folgen mußte. Von der Strasse flüchteten die beiden mit dem PickUp auf einen Feldweg, weil sie dort schneller waren, als der Porsche. Das schien auch zu klappen, jedenfalls bis hinein in eine Geisterstadt, die eine offensichtliche Bergarbeitervergangenheit hatte. Brandon findet heraus, daß in dieser Stadt offensichtlich viele Menschen von etwas befallen wurden, was aus den Minen kam, etwas, das sie in Monster verwandelte, die ihre immunen Mitbewohner töteten. Aber genau genommen hat er ein anderes Problem, denn eigentlich waren er und Rowena dabei, sich vor den Verfolgern zu verstecken, als er diese Entdeckung machte. Und das war ihr Verhängnis. Rowena wird von Lucy gefangen und gegen Brandon als Geisel eingesetzt. Der natürlich kommt, weil er seine Freundin nicht wieder verlieren will. Aber auch Lucy ist nicht sein Verhängnis, ein Schuß tötet sie. Abgefeuert von einem merkwürdig verfaulten Gesellen, der der berühmte Knochenmann ist. Also der, der aus den Gebeinen der Last One die heiligen Waffen formte, mit denen sie erst getötet werden können. Er will den New One zum Friedhof bringen, jenem Ort, an dem alle toten Old Ones inzwischen begraben liegen, jenem zeitlosen Ort, der erst durch den Tod dieser uralten Wölfe entstanden ist. Und er tötet Ross Downum, der ebenfalls zu einem Wolf zu werden droht, mit dem Vermerk „Für euch ist kein Platz mehr in der Zukunft“. Die Realität wird immer mehr durchdrungen von dieser surrealen Welt, die der Friedhof der Wölfe darstellt.

In Wahrheit, erfährt Brandon in den Bergwerken, wurde der First one von einem Wolf und einer menschlichen Frau gezeugt. Dieser First One hat zusammen mit einer Wölfin zwölf Kindern das Leben geschenkt. Diese zwölf Kinder waren die Wölfe, die als Old Ones bekannt wurden und deren letzter erst unlängst gestorben ist. Und damit endete die erste Zeit, wie der Knochenmann Brandon erklärte. Der Geist des First One ist in den Old Ones gespeichert und wenn der New One erscheint, dann muß er den Weg des First One gehen und die Geister aller Old Ones in sich aufnehmen. Was auch immer dann passiert, auf jeden Fall ist dies die Geburtsstunde der zweiten Zeit.

Und Brandon steht nun vor der Entscheidung, sich diesem Kampf freiwillig zu stellen.

Offensichtlich kann er seinem Schicksal nicht entkommen, das scheint der bisherige Weg zu beweisen. Aber es ist seine freie Entscheidung, ob er sich darauf einlässt oder nicht und Brandon ist schon kurz davor, sich gegen diese Option zu entscheiden.

Da taucht Vanderburgh auf und er hat natürlich seine Freundin im Arm. Seine zur Wolfshand gewordenen Klaue liegt an ihrem Hals und das Blut sickert aus den Wunden, die sie bereits hat. Brandon entscheidet sich doch dazu, den Weg zu gehen, den er gehen muß, weil ihn Wanderburgh dazu zwingt. Bei dieser Alternative gibt es für Brandon nur eine Entscheidung. Er geht den Weg und die Töpfe, in denen sich die Geister der toten Old Ones befinden, öffnen sich. Sie wollen sich auf Brandon stürzen, aber da trifft ihn etwas anderes von hinten. Vanderburgh tötet ihn ohne Gnade und die Geister nehmen nun einfach denjenigen, der noch am Leben ist.

Kurz darauf taucht aus dem Strom der Zeit einer der Old Ones auf. Der Last One erscheint und schneidet aus dem Fell des New One das Stück, das Morgan bereits in Band 1 zu sehen und zu riechen bekommen hat.

Morgan erscheint nun auch und erkennt, daß er zu spät kam. Der New One ist bereits tot und damit ist genau das Ergebnis erreicht, das er vorhergesehen hat...

Fazit

Wenn eine Geschichte in ihrem vorletzten Band bereits so furios ist, dann fragt man sich, wo da noch ein Höhepunkt herkommen soll. Und genau ein solcher soll Band 6 ja wohl werden. Wenn aber im vorletzten Band bereits der Held stirbt, was soll das dann für ein Höhepunkt werden?

Deshalb liegt wohl die Vermutung nahe, daß Brandon genauso wenig tot ist, wie das Rowena nach Band 1 gewesen ist. In einer Geschichte, die so sehr vom Strom der Zeit lebt, fragt man sich doch sehr, wo eigentlich noch die Spannung herkommen soll, wenn eigentlich alles schon vorherbestimmt erscheint und die Handelnden bisher auch wenig Gelegenheit hatten, von dem abzuweichen, was vorherbestimmt ist. Eine Überraschung wird Stahl also wohl noch bereit halten, sonst wäre die ganze Geschichte auch wenig sinnvoll. Was nicht so ganz ersichtlich ist, woher nimmt eigentlich Lucy ihre Motivation, wenn ihr doch ohnehin klar wird, wie die Zukunft aussieht? Durch die Augen des First One betrachtet, sieht man keine mögliche, sondern die tatsächlich passierende Zukunft, so wird uns zumindest erklärt. Wie kommt sie also darauf, daß ihre Versuche, Brandon zu töten, von Erfolg gekrönt sein würden?

Und inwiefern wird Brandon wohl den Untergang des alten Volkes der Wölfe bewirken?

Das werden wir dann wohl in dem letzten Band erfahren, der den Titel „Der Herr der Wölfe“ trägt. Eines muß man Timothy Stahl jedenfalls lassen. Er hat dem Genre des Werwolf-Horrors durchaus Leben eingehaucht. Die Geschichte geht jedenfalls wesentlich weiter, als alles, was in dem Bereich bisher zu lesen oder zu sehen war. Und das ist auch gut so, denn ehrlich gesagt ist die Werwolf-Geschichte lange nicht so interessant, wie vieles anderes. Der Hintergrund dieser Reihe hat die Geschichte aber wirklich zu einem Abenteuer gemacht, und das ist allein Timothys Verdienst.

Wölfe

1. Der Fluch des Wolfes
2. Der Bund der Wölfe
3. Die Jagd des Wolfes
4. Der Kerker der Wölfe
5. Friedhof der Wölfe
6. Der Herr der Wölfe

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