3. Timothy Stahl - Die Jagd des Wolfes

Woelfe 3Nowhere heißt die kleine Stadt, die in der Mitte von Nirgendwo liegt, in einer Gegend, die viele als den Arsch der Welt bezeichnen. Nicht die alten des Dorfes, die würden lediglich behaupten, dass man von Nowhere aus diesen besonders gut sehen könnte.

Auch Sadie Carter lebt in dieser Gegend und hält sich Nachts gerne in dem alten Gefängnis auf, das schon viele Jahre leer steht. Als Kinder hatten sie bereits darin gespielt, aber das wurde inzwischen schon lange nicht mehr getan. Und auch sie hatte eigentlich anderes im Kopf, obwohl man schon als Spiel bezeichnen könnte, was zwischen ihr und Jim Phelan vorging.

Der Sheriff des County hatte es ihr angetan und ihr auch schon lange versprochen, dass er seine Frau endlich verlassen und sie zu einer „ehrbaren“ Frau machen würde. Aber immer, wenn er seinen Spaß gehabt hatte, schien er genau dies zu vergessen. In dieser Nacht würde sie ihm klar machen, dass sie das Spiel nicht länger mitspielte, wenn er nicht endlich sein Versprechen halten würde.

Und als sie die Geräusche hörte, glaubte sie, er würde endlich kommen. Aber dass er auf sie warten ließ, irritierte sie dann doch. Zwar wurden von dem alten Gefängnis Spukgeschichten erzählt, an diese glaubte sie jedoch nicht und sie hatte auch noch keine Geister hier gesehen. Also spürte sie den sehr realen Geräuschen nach.

Was sie umgehend mit dem Leben bezahlte. Das Monster war plötzlich über ihr, brach ihr den Arm und schlug seine Zähne in ihren jungen Körper. Die Schmerzen waren grauenvoll, aber sie starb nicht sofort.

Jim Phelan hörte ebenfalls Geräusche und war sich nicht sicher, was er davon zu halten hatte. Er ging in das Gefängnis und fand die blutüberströmte junge Frau. Wut stieg in ihm hoch und er schwor dem Mörder grausame Rache – der plötzlich hinter ihm stand und sich auf ihn warf, seine Hauer ebenfalls in den Körper des Mannes senkte und ihn ebenso blutüberströmt neben die junge Frau legte.

Doch als er sich gerade an den beiden verstümmelten Körpern gütlich tun wollte, tauchte noch eine dritte Person mit einem Gewehr auf. Der Wolf wusste sehr wohl, was ein solches anrichten konnte, und ergriff die Flucht. Maggie Phelan jedoch taumelte auf die Strasse, direkt vor das Auto eines in Nowhere lebenden Menschen, der einen Anhalter mitgenommen hatte. Einen Anhalter, der einen PickUp mit Anhänger am Strassenrand stehen lassen musste ...

Allison Danaher, die First Deputy, sah sich unversehens in der Rolle der obersten Polizistin des County. Und als sie die Leichen sah, hatte sie gleich das Gefühl, dass es nicht so einfach werden würde. Es war nicht einfach eine eifersüchtige Ehefrau, die ihren Mann und seine Gespielin erledigen wollte. Da steckte mehr dahinter. Der Doktor bestätigte, dass es sich um den Angriff eines Tieres handeln musste und da war auch noch der Anhalter, den sie befragen musste. Sie wollte sich dem nicht stellen, aber ihr blieb keine andere Wahl.

Der Wolf hingegen bemerkte sehr schnell, dass die Tat eher der Frau zugeschrieben wurde. Also machte er sich auf den Weg, der Bevölkerung zu beweisen, dass er dahinter steckte und Angst und Schrecken in dem Dorf zu verbreiten. Sein erwähltes Opfer, ein Mädchen, das sich gerne auf dem Friedhof aufhielt und die Schwester des Second Deputy war, wurde aber von ihrem Bruder gerettet, bevor es gefährlich werden konnte. Aber da gab es ja noch die Frau des zweiten Opfers, der man die Untaten zu schrieb. Sie konnte er doch ebenfalls zum Opfer machen ...

Da Allison nicht wusste, was sie sonst tun sollte, begab sie sich in das Motel, in dem der Fremde eingecheckt hatte. Donny Hunter, so sein Name, war allerdings morgens kurz nach 4.00 Uhr nicht für sie zu sprechen. Nach einigem hin und her sah sie dies dann doch auch ein, denn so einfach jemanden aus dem Schlaf zu holen, der nicht verdächtig war, war doch keine so gute Idee. Also machte sie sich auf den Weg zum Doktor. Floyd Shepherd hatte angekündigt, dass er bis zum frühen Morgen wissen würde, was mit den Toten wirklich geschehen war und diese Zeit war für sie früher morgen. Als sie an seinem Haus ankam, sprang ihr der Wolf entgegen. Ein gewaltiges Monster jedenfalls, das sich aus einem der Fenster auf sie stürzte und ihren rechten Arm verletzte. Was ja umgehend dazu führt, dass die betroffenen ebenfalls zu Wölfen werden. Auch bei ihr? Wir werden es sehen.

Jedenfalls kehrt „es“ aus dem Wald zurück und wird von Allison bereits erwartet. Allerdings mit der Waffe in einer zittrigen linken Hand und der Schuß geht fehl. Was auch besser ist, denn der Ankömmling erweist sich als der Doktor, der ihre Schnittwunden daraufhin sofort verarztet und ihr erzählt, dass die Bestie Maggie Phelon erledigt hat.

Mit ihrem lädierten rechten Arm kann Allison nicht mehr wirklich viel tun, jedenfalls nicht wenn es gefählich wird. Und so kehrt sie erst einmal in ihr Office zurück, wo sie feststellen musste, dass jemand eingebrochen hatte. Und offensichtlich an ihrem Computer war, um die Fahndungslisten von Polizei und FBI zu checken. Warum und wer, fragte sie sich? Donny Hunter jedenfalls ist nicht mehr in dem Hotel, in dem er nächtigte. Das regt sie zwar auf, aber natürlich weist der Rezeptionist nicht zu unrecht darauf hin, dass er wohl kaum eine Handhabe haben wird, um ihn festzuhalten. Also macht sie sich auf die Suche nach ihm. Angeblich soll er in den Wald gegangen sein, wo sein PickUp mitsamt dem Anhänger steht. Er hat dazu den Mechaniker des Ortes mitgenommen, der ihm aber nicht helfen konnte.

Dafür steht der Wolfsmensch nun zwischen den Bäumen und belauert die Deputy, die sich dem Wagen nähert. Aber ihn nicht erreicht, denn bevor sie die Tür öffnen kann, steht er hinter ihr und erweist sich als durchaus hilfsbereiter Mensch, zu dem sie sich merkwürdigerweise hingezogen fühlt. Sie unterhält sich kurz mit ihm und macht sich dann wieder auf den Weg in die Stadt. Offensichtlich ist er kein Problem.

In ihrem Office wird sie bereits von einem Reporter des San Francisco Chronicle erwartet, der sie mit einem Foto überrascht. Sie mag zwar nicht, dass er anwesend ist und damit droht, über die Ereignisse in der Stadt zu berichten, aber andererseits kann sie ihm das kaum verbieten. Das Foto allerdings überrascht sie doch sehr, denn es zeigt den vermeintlichen Donny Hunter, der in Wahrheit kein anderer als Brandon Hunt ist. Warum hat er einen falschen Namen angenommen? Sie ist sich plötzlich sicher, dass er auch hinter dem Einbruch in ihr Office steckt, denn dass er nicht auf den Fahndungslisten steht, hat er wohl erst durch den Einbruch herausgefunden.

Sie lässt zur Jagd auf den Wolf blasen. Im Verdacht steht ein Wolf, der in dieser Gegend als „Silver Ghost“ bekannt ist und Steve, der Deputy Nummer 2 erweist sich als Angehöriger einer Wolfsfamilie. Er sorgt dafür, dass seine kleine Schwester eingesperrt wird. Die sich allerdings umgehend wieder selbst befreit, denn die Freiheit will sie nicht aufgeben.

Das war allerdings ein verhängnisvoller Fehler. Obwohl Steve sich für den Friedhof einteilen ließ, weil er sehr genau weiß, dass seine Schwester gerne dort auftaucht, kann er nicht verhindern, dass der zweite Mann, Adam Byers, den silbernen Wolf sieht und sofort schießt. Er muss mitansehen, wie seine Schwester getroffen wird, im Sterben sich in Laura Hawley zurückverwandelt und in seinem Schoß stirbt. Der erschrockene Adam wird daraufhin beinahe zum Opfer von Steve, der plötzlich ebenfalls zum Wolf wird und nur von Allison und ihrem Gewehr gestoppt werden kann, die rechtzeitig auftaucht. Anscheinend ist damit die Gefahr gebannt, auch wenn sie nicht versteht, dass Steve oder Laura die Wölfe gewesen sein sollen. Der Reporter Corbin Slater jedenfalls würde nicht zu überzeugen sein, dass das Problem schon gelöst war. Denn er ist fest davon überzeugt, dass Brandon ein Wolf ist. Als er attackiert wird, kann er den Hiebem der scharfen Krallen gerade noch ausweichen und sich bei einem zweiten Wolf bedanken, der plötzlich auftaucht und den erst von ihm ablenkt. Plötzlich sind beide Wölfe verschwunden und Slater ahnt, was hier in Wahrheit vorgeht.

Auch Allison ahnt langsam etwas. Und sie treffen sich alle im Haus des Doktors zum Showdown, denn kein anderer als Floyd Shepherd ist der Übeltäter. Er ist ein sogenannter Lykomane, ein Mensch, der sich für einen Wolf hält und der sich deshalb nicht nur wie eine solcher verkleidet, sondern auch wie ein solcher handelt. Er kann Allison in seine Gewalt bringen und weil er sehr genau weiß, wer oder was Brandon ist, verlangt er von ihm, in einen Wolf verwandelt zu werden. Der geht zum Schein darauf ein und als Allison, die in ihrer linken Hand immer noch die Schußwaffe hält, schießt und den Doktor in den Fuß trifft, wirft er sich auf ihn und tötet ihn.

Er kann Allison allerdings nicht erklären, was seine Motivation in Wahrheit ist, denn plötzlich sind die Hubschrauber da und ein Betäubungsgewehr verschießt einen Pfeil, der ihn schlafen legt. Eine Stimme macht Allison klar, dass sie durchaus Sheriff werden kann, wenn sie die Klappe über das Vorgefallene hält und dann verschwinden die Gestalten mit Brandon.

Und Colin Slater wird von einem Paar aufgehalten. Zwei Wölfe, die ihn töten und seinen Leichnam verschwinden lassen. Die auch schon in Folge zwei aufgetaucht sind.

Morgan benutzt die Möglichkeiten des geheimnisvollen Ortes, in dem sie sich in Band zwei aufgehalten haben, um von dort aus direkt in den Anhänger zu gehen und holt sich so seinen PickUp zurück. Er hat außerdem das Auge der Schamanin an sich genommen. Nun verfügt er über beide Augen, die wie Steine aussehen und die einmal dem First One gehört haben. Er sieht gerade noch den Hubschrauber verschwinden und scheint auch zu wissen, wohin dieser fliegt.

Der „Friedhof der Wölfe“ scheint ein Ziel zu sein. Ein Name, der auch schon auf dem Zettel stand, den Brandon am Ende des letzten Bandes unter den Scheibenwischern gefunden hat...

Fazit

Anscheinend hat die Geschichte nicht sehr viel mit dem Volk der Wölfe zu tun, geschildert werden Abenteuer in einer Kleinstadt, in der plötzlich ein Wolf auftaucht, eine Geschichte, wie sie auch in John Sinclair als Einzelabenteuer auftauchen könnte. Trotzdem vermittelt der Roman die Art von Spannung, die man von Timothy Stahl erwarten kann. Sprachlich und stilistisch ist die gesamte Serie auf einem hohen Niveau, was sich in dem Roman auch wiederspiegelt.

Brandon Hunt wird vorgestellt und seine Wandlung zum Wolf näher beleuchtet, ein Lykomane eingeführt, also ein Wesen, das kein Werwolf ist aber gerne einer sein würde. Und eine Familie, die tatsächlich schon lange in Nowhere wohnt und für Legenden über Wölfe in der Gegend sorgte, gibt es ebenfalls. Und alle Protagonisten tauchen nach und nach doch auf, die man aus den vorhergehenden Bänden kannte. Die Hälfte des Zyklus ist zu Ende und langsam wird es spannend. Was hat es mit dem Friedhof der Wölfe auf sich? Welche Rolle spielt Brandon und was ist die Aufgabe von Morgan? Eigentlich ist der Zyklus viel zu kurz für so viele Fragen.

Etwas störend ist die Tatsache, dass der gefundene Zettel aus Band 2 so knapp erwähnt wird. So überrascht, wie Brandon war, hätte man da schon mehr erwartet. Aber anscheinend nimmt sich Timothy die Zeit, auch in einer nur sechsbändigen Reihe seine Charaktere langsam zu entwickeln, eine Tatsache, die durchaus wohltuend ist, vor allem auch deswegen, weil die Romane trotzdem eine Menge Tempo haben. Trotzdem wollen wir schon jetzt hoffen, dass die Serie nicht nach sechs Folgen bereits beendet ist.

Wölfe

1. Der Fluch des Wolfes
2. Der Bund der Wölfe
3. Die Jagd des Wolfes
4. Der Kerker der Wölfe
5. Friedhof der Wölfe
6. Der Herr der Wölfe

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