2. Andreas Brandhorst - Die Trümmersphäre

PAN-THAU-RA 2Die Flotte der Oxtorner ist vernichtet, genauso wie die wenigen Schiffe des Residenten. Perry Rhodan selbst ist verschollen und die Trümmerflotten der Loower breiten sich über den Herrschaftsbereich der LFT aus. Das ist die Situation, die Reginald Bull vorfindet, als er im Umfeld des einstigen Planeten Snowflake auftaucht. Noch schlimmer - der Resident könnte sogar tot sein, umgekommen in der gewaltigen Raumschlacht, der er sich nie hätte stellen sollen.

Allerdings gibt es auch Terraner, die anderer Ansicht sind. Sogar unter seinen Admirälen gibt es Stimmen, die eher für einen harten Kurs plädieren, denn immerhin ist der Gegner noch nicht vollständig, seine Stärke vielleicht noch in einem Bereich, in dem Terra eine Chance hat. Aber Bully bezweifelt das und die gemäßigten Stimmen in seinem Führungszirkel sehen das genauso. Deshalb wird zunächst versucht, zu verhandeln. Das erweist sich aber als ungemein schwierig. Denn die Loower wollen von den Terranern nichts wissen. Von ihren Welten hingegen sehr wohl. Und so treffen sich Bully und die Truppen des Gegners in einem Sonnensystem, in dem sich eine terranische Kolonie befindet. Das Two-Faces System mit der Hauptwelt Marittima - ein Planet, der für Urlaub gut wäre, wenn er nur in der Nähe der galaktischen Hauptreiserouten liegen würde - rückt in den Focus der Aufmerksamkeit.

Eigentlich würde Bully lieber nach Perry Rhodan suchen, aber er betraut Gucky, den Ilt, mit dieser Aufgabe, weil er sich auf die Führung der LFT und die Flotten der Loower konzentrieren muss. Einige der Schiffe im System Two-Faces waren an der Schlacht mit Rhodan beteiligt, aber er kann nichts über das Schicksal des Residenten herausfinden. Stattdessen wird er Zeuge, wie die Loower sich wieder einmal gegenseitig bekämpfen. Die Flotte, die Marittima anfliegt, gewinnt. Die Verlierer beschießen ein Gebäude auf dem Planeten. Es erweist sich als Niederlassung der Neo-Entelechie, was Bully zumindest auf eine Spur bringt. Eventuell sind gerade solche Welten das Ziel der Angriffe und Terra hat auch eine solche Station. Das liberale Terra hat jeder Religionsform ihre Ausübung zugestanden und so ist auch die Neo-Entelechie in die LFT gekommen.

Der Planet wird in einen Schutzschirm gehüllt, unter dem noch einige Evakuierungsschiffe der Menschen gefangen sind. Anfragen der Terraner werden zwar beantwortet, aber nur mit dem Hinweis, dass jeder, der den Loowern in die Quere kommt, getötet wird. So lange sich die Terraner aber neutral verhalten, sind die Loower ihnen gegenüber friedlich.

Währenddessen lernen wir den Loower Karn-Terg kennen. 68 Jahre nach der Einkehr, ist er zum Tode verurteilt, denn er will sich nicht von der Vergangenheit lösen. Damit passt er nicht in das Bild der neuen Machthaber. Er wird aber begnadigt, weil sich seine alte Kommandantin für ihn ausspricht. Aranta-Margi kann ihm aber nicht die Freiheit geben. Er erhält eine neue Aufgabe. Er wird Kinderwart an Bord seines alten Schiffes. Das will er aber nicht. Er versucht zu fliehen. Das wird mit dem Abzug vieler Punkte bestraft. In der Gesellschaft der Loower kann man nur aufsteigen, wenn man sein Punktekonto auffüllt. Das von Karn-Terg steht aber nach seinen Taten bei Minus 200.000 und er hat praktisch keine Chance mehr, das zu ändern.

Er wird auf den Planeten Alkyra II verbannt, wo man seinen Kinderhort neu aufbaut. Dort findet er sich langsam mit seinem Leben ab, erkennt, dass er durchaus noch eine Aufgabe hat. Nämlich die Vergangenheit zu bewahren. Er optimiert das unorganisierte System der Kinderbetreuung auf eine Weise, die es ihm ermöglicht, sich sicher in dem Hort aufhalten zu können. Anfangs bekämpfen vor allem die Neuner ihre eigenen Artgenossen, ein Prozess, der gewollt ist, denn nur die Stärksten sollen überleben. Das ändert Karn-Terg. Als eine Zweier, die ihm sehr ans Herz gewachsen ist, wegen einem Neuner ums Leben kommt, optimiert er das System auf eine Weise, die den Kindern wirklich etwas bringt. Und er nimmt auf diese Weise auch Einfluß auf das Leben in der Trümmersphäre, wie er sie nennt, die sich im Laufe der Jahre über ihm bildet. Der Planet selbst erhält kaum noch Licht, weil die Stadt im Orbit immer größer wird. Spiegel bringen das verlorene Licht schließlich doch wieder auf den Planeten. Aber auch das endet mit der Zeit und totale Finsternis und eisige Kälte kehren auf Alkyra II ein.

Alkyra hat intelligente Bewohner, die die Loower aber zu Anfang nicht als solche erkennen. Erst der Anschlag des Neuners, der zwei Zweiern das Leben kostet und Karn-Terg schwer verletzt, legt einen Zugang in einen unterirdischen Hangar frei. Und dort findet der Kinderwart ein Raumschiff der Monaden. Sie teilen sich ihm mit, weil sein Schmerz über den Tod von Melra-Mar ihnen Zugang zu seinem Denken verschafft. Das wird ihm allerdings nicht als Verdienst angerechnet, weil es nicht zu seinen Aufgaben als Kinderwart gehört.

Langsam findet er ein System, sich Nachrichten aus der Trümmersphäre zu verschaffen. Er erfährt, dass seine alte Kommandantin zunächst eingesperrt und später getötet wurde. Der neue Quellmeister ist offensichtlich paranoid, was letztendlich sein Ende bedeutet. Der Rat der Neun erhält daraufhin einen neuen Quellmeister. Die neue Regierung ist liberaler, was für ihn von Vorteil ist, denn er wird nicht mehr so gut überwacht. Und er legt seine Saat, seine Geschichten aus der Vergangenheit, weiterhin in die Jugend seines Volkes. Karn-Terg hat seine Aufgabe gefunden.

Perry Rhodan hat die Schlacht überlebt. Er wird von einem Nichtdenker an Bord eines Loowerraumschiffes gerettet. Was ein Nichtdenker ist, erfährt er allerdings nicht. Sie geben ihm Kleidung und verstecken ihn unter ihresgleichen. Weder die Eindenker, noch die Zweidenker, haben den Residenten bergen können. Das erfüllt die Nichtdenker mit Stolz. Der Terraner wird von ihnen aufgenommen und versteckt, aber sie sagen ihm nicht, was sie wirklich vorhaben. Er hilft ihnen, weil ihm wenig anderes übrig bleibt. Bis sich schließlich etwas ändert. Etwas steht kurz bevor, macht ihm sein Betreuer Zlusch klar. Er steht beständig mit dem Halo in Verbindung, aber was das ist, wird Perry Rhodan nicht so ganz klar. Nur, dass die Nichtdenker in irgendeiner Form von Abhängigkeit stehen, die ihnen aber selbst nicht bewußt ist.

Trotzdem treiben sie etwas voran. Und zwar etwas, das mit dem Terraner zu tun hat. Eine Space-Jet, beschädigt zwar, steht in einem der Hangars, unbemerkt von den Loowern. Perry Rhodan erhält eine neue Aufgabe, er soll sie reparieren, was er mit der Hilfe der Nichtdenker auch schafft. Als ein Loower das praktisch fertige Schiff findet, bleibt ihnen nichts mehr übrig. Gemeinsam mit Zlusch, flüchtet er von dem Schiff, mitten in eine Raumschlacht hinein. Mit Mühe überstehen sie die Schlacht, entkommen ihren Verfolgern aus dem Schiff, aus dem sie geflohen sind, aber nicht. Und schließlich stranden sie im nichts, als der Gegner von anderen Loowern vernichtet wird.

Ganz geklappt hat das nicht, was sich Zlusch vorstellte. Aber zumindest ist klar, dass Perry Rhodan bald dem Anderen gegenüberstehen wird. Denn er ist der Eine.

Und der Andere? Der scheint im Volk der Loower zumindest eine wichtige Rolle zu spielen.

Karn-Terg hat die Zeit genutzt, um seinen Schülern viel beizubringen. Ganz besonders stolz ist er auf ein Brüderpaar, das er wie seine eigenen Söhne aufzieht. Kilan-Gerp ist ein Träumer, der sich von den Geschichten über den Schwarm und die Vergangenheit der Loower begeistern lässt. Er lernt sehr vieles über das Fliegen mit einem Schwarm, indem er mit Karn-Terg zusammen Abenteuer in holografischen Welten erlebt. Sein Bruder Hisk-Mekang will davon nichts wissen. Er ist pragmatischer und damit gänzlich anders, wie Kilan-.Gerp. Beide entwickeln sich prächtig und als sie erwachsen geworden sind, erreichen sie beide in der Gesellschaft der Loower wichtige Stellungen. Auf ganz unterschiedliche Weise allerdings. Da ist zum einen Kilan-Gerp, der den Loowern gerne ein neues Tiefenbewusstsein wiedergeben will und dazu die Hilfe der Nichtdenker benötigt. Diese sind aus den Monaden hervorgegangen, denen man ihre Vergangenheit genommen hat. Hisk-Mekang hingegen wird zum Ersten Konstrukteur der Loower. Die Brüder arbeiten gegeneinander, denn Kilan will die Trümmersphäre auseinandernehmen, die Hisk aber innig liebt. Shanha Sha ist sein ein und alles, aber der Konflikt in ihrer Gesellschaft wird immer schlimmer. Bis er schließlich kaum noch zu übersehen ist. Karn-Terg ist inzwischen der einzige Kinderwart, der noch auf dem Planeten lebt. Aber dafür wird er immer beliebter, denn die Loower erkennen, dass die Kinder aus seinem Hort sehr erfolgreich sind. Deshalb werden immer mehr Kinder zu ihm geschickt, was es nicht einfacher für ihn macht. Hisk hilft ihm aber immer wieder, in dem er die Anlagen optimiert. Und Kilan kommt ihn ebenfalls besuchen. Anfangs kommen sie noch gemeinsam, aber schließlich kommt es zum Zerwürfnis. Und damit zu einem Bruderkrieg unter den Loowern. Die Eindenker um Hisk-Mekang wollen die Zweidenker um Kilan-Gerp, der sich Neundenker nennt und die Neo-Entelechie begründet hat, an ihrem Tun hindern.

Und das hat durchaus mit den Stationen auf den LFT-Welten zu tun. Denn dort verbirgt sich etwas, was sie brauchen. Insgesamt neun Transferanlagen werden sie brauchen, um die eroberte PAN-THAU-RA aus dem Zwischenraum zu holen. Sie wollen sie gegen die Kosmokraten einsetzen. Und sich so auf einen sehr gefährlichen Krieg einlassen.

Karn-Terg bekommt das aber nicht mehr mit. Im Alter der Reife können sich die Loower selbst aufhören, sprich ihr Leben erlöschen lassen. Und das tut er, als ihm klar wird, dass sich nichts mehr ändern wird.

Gucky trifft auf eine Terranerin namens Sirken, die ihn dazu bringt, ihn zu Perry Rhodan zu fliegen. Denn der Terraner soll wichtig sein und Sirken versteht nicht nur, was die Zweidenker vorhaben. Sie versteht auch, wie Perry Rhodan den Konflikt beenden kann. Und so wird sie von Gucky zu einer der Welten geflogen, die von den Zweidenkern angegriffen wird. Dort stranden sie in der Station der Neo-Entelechie. Der Planet ist von den Zweidenkern bereits abgeriegelt.

Der Krieg mit den Zweidenkern wird von Bully im letzten Augenblick verhindert. Und so können sie nun nur noch abwarten, die Welten soweit es geht evakuieren und darauf hoffen, dass Perry Rhodan wieder auftaucht.

Kritik von Ralf König

Ein Kinderwart erklärt die Welt der Loower, das ist der Hauptteil des Romans von Andreas Brandhorst und der beste Teil des Romans. Die Loower nehmen die Kinder nicht sehr ernst und die Kinderwarte erst recht nicht. Aber Karn-Terg ist eine Ausnahme. Er entwickelt Methoden, die für die Kinder gut sind und ihnen einen Vorteil in der Welt über ihm erschaffen. Die von ihm Trümmersphäre genannte Stadt aus Raumschiffen, die den Planeten bald wie eine Schale umgibt, ist ein Moloch für ihn und er bedauert sehr, dass die Loower ihre großartige Vergangenheit aufgegeben haben. Aber seine Ansicht, dass die Kosmokraten ihnen etwas weg genommen haben, ist von der Obrigkeit nicht wohl gelitten.

Dass die Loower nicht verstehen, welchen Einfluss er auf die Gesellschaft nehmen kann, wenn er die Kinder beeinflussen kann, ist schon erstaunlich. Und Karn-Terg macht das, was seine Freunde sich wohl auch erhofft haben. Er sorgt dafür, dass die alten Ideen sich durchsetzen. Gleichzeitigt sorgt er aber auch für den Konflikt, der die Geschichte um den Wiederauszug der Loower bestimmt.

Ein Bruderkrieg, eigentlich nichts neues, aber von Andreas Brandhorst ist er auf besondere Weise in Szene gesetzt. Die Geschichte kann gerade in den Bereichen überzeugen, in denen Karn-Terg seinen Schützlingen die Welt erklärt und da wird der Roman auch ganz besonders stark. Die Geschichte hat deswegen auch eine große Kraft, eine Auswirkung auf den Leser, die über den der normalen Perry Rhodan Romane weit hinausgeht. Aber das soll bei den Taschenbüchern ja auch genau so sein.

Wohin sich der Konflikt entwickeln wird, dürfte auf jeden Fall noch interessant werden. Wer ist der Andere? Ist es eventuell der erste Konstrukteur Hisk-Mekang, der sich gegen seien Bruder gestellt hat, weil er den Irrweg erkennt, auf den der sich begeben wird? Die Idee Kilans ist durchaus gut, aber auch gefährlich gegenüber den Kosmokraten. Er will nichts weniger, als gegen sie vorgehen, indem er das Leben mit Hilfe der PAN-THAU-RA im Universum verbreitet. Obwohl die Kosmokraten mit der Hyperimpedanz klar gemacht haben, dass es von ihnen nicht erwünscht ist.

Schlimm ist, dass auch Hisk-Mekang für das Leben streitet, denn er will den Wahnsinn seines Bruders verhindern. Und so haben sie beide eigentlich das gleiche Ziel, das ihnen von Karn-Terg eingegeben wurde. Der wiederum hat diesen Kampf für das Leben von den Monaden gelernt.

Die Zweidenker arbeiten nun also daran, neun Transferstationen zu bergen, mit deren Hilfe sie die PAN-THAU-RA in das diesseitige Universum holen wollen. Interessanter Ansatz. Wie Perry Rhodan und Sirken das verhindern wollen, dürfte Gegenstand des Abschlussbandes sein. Man darf gespannt sein.

Fazit

Eine gut durchdachte Geschichte wird uns von Andreas Brandhorst präsentiert. Der Autor schafft es, dass der Roman kaum langweilig wird. Über weite Strecken, vor allem, wenn Karn-Terg seinen Schützlingen die Welt erklärt, ist der Roman wirklich hochklassig und nimmt fast kosmisches Niveau an. Nicht so gelungen ist die Klischeehaftigkeit der Admiräle, die Bully umgeben und das merkwürdige Verhalten des Ilts, als er sich als RdU selbst beweihräuchert. Aber sonderlich störend sind diese Punkte eigentlich nicht, dazu ist die Geschichte insgesamt viel zu gut erzählt. Ein SEHR GUTer Roman, der einen den Abschluss der Geschichte herbeisehnen lässt.

PR - PAN-THAU-RA

1. Die Lebenskrieger
2. Die Trümmersphäre
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