1. Frank Borsch - Die Lebenskrieger
Mit PAN-THAU-RA Band 1 wird eine Tradition von Taschenbuchserien fortgesetzt, die mit Andromeda im Heyne-Verlag ihren Anfang nahm. Anders, als die alte Taschenbuchserie, in der einzelne Romane mit abgeschlossenen Geschichten erschienen (zumindest überwiegend), bestehen die Reihen inzwischen aus mehreren Bänden, die zusammen einen kleinen Zyklus ergeben. Mit Andromeda wurde die Tradition vor einigen Jahren begründet. Odyssee setzte sie fort und Lemuria war der bislang letzte Zyklus, eine exzellent ausgearbeitete Geschichte, die die Erwartungen an das neue Produkt bei Heyne sehr hoch geschraubt haben. Anstatt sechs Bände, hat die neue Serie nun nur noch drei, die aber zusammen den gleichen Umfang haben. Das Format ist größer, richtige Paperbacks sind es, die der Leser nun erhält. Und mit über 500 Seiten, erreichen sie einen Umfang beinahe wie einer der legendären Silberbände. Die Geschichte selbst greift einen der erfolgreichsten und besten Handlungsstränge der Originalserie wieder auf. Die Loower und PAN-THAU-RA, das Sporenschiff, tauchen auf und machen deutlich, dass die Serie nicht umsonst ihren Namen hat. Ein Angriff der Zweidenker auf die PAN-THAU-RA ist vordergründig das Thema des Romans. Anhand einer Gruppe von Loowerischen Soldaten und besonders an der Soldatin An-Keyt, wird der Vormarsch der Truppen in das gewaltige Sporenschiff geschildert. Allzu menschlich kommen sie daher, die Soldaten in dem Raumschiff, aber trotzdem ist die Schilderung der Situation spannend. Die Handlungen der Soldaten sind aber trotzdem nicht ganz nachvollziehbar. Einerseits der so genannten Entelechie verpflichtet, streben sie an, für das Leben zu streiten. Dabei töten sie aber ganz profan, wenn auch Anfangs wenigstens schnell und schmerzlos, soweit das möglich ist. Aber dabei bleibt es nicht. Irgendwann ändert sich die Strategie, werden die Soldaten mit Hilfe von Drogen zu mordlüsternen Bestien gemacht. Und dabei werden sie von einem Vordenker angeführt, dessen Führungsrolle beständig untergraben wird. Eigentlich kein Wunder, bedenkt man, dass der Söldner Jevek-Kart viel mehr Erfahrung mit Situationen wie dieser hat. Und wie man an An-Keyt merkt, hat sie als einfache Soldatin mehr Gespür und Einfühlungsvermögen, als der Vordenker. Sein Handeln ist eher gefährlich für die Gruppe, er lässt sich von dem Söldner und anderen in dem Verband immer wieder die Führungsrolle streitig machen, weil er auch die eigene Philosophie der Entelechie nicht richtig anwendet. An-Keyt hat einen der gegnerischen Soldaten getroffen, ohne ihn zu töten oder von ihm getötet zu werden. Mit ihm wollen sie schließlich eine Verständigung erreichen, die aber daran scheitert, dass der Söldner der Truppe nicht zuhören will. Und die meisten anderen, einschließlich des Neundenkers, wohl ebenso wenig. Insofern war die Handlung der Soldatin wohl allzu naiv. Folgerichtig überlebt sie den Roman nicht, während aber die Loower an sich ihr Ziel, die PAN-THAU-RA zu erobern, wohl erreicht haben. Was aber bezwecken sie mit ihrem „Krieg für das Leben“ , der menschenverachtender nicht sein könnte? An sich ist die Schilderung des Vordringens anhand von An-Keyts Gruppe eine sehr gute Studie, die schildert, wie die Loower versagen. Aber trotzdem scheinen sie den Angriff zunächst siegreich gestalten zu können. Doch wie der Söldner schon sagt – man muss das Gebiet nicht nur erobern, sondern auch langfristig sichern. Etwas merkwürdig erscheinen auch die Sitten der Oxtorner zu sein. Durchaus nachvollziehbar ist natürlich, dass bei diesen extremen Umweltbedingungen auf ihrer Heimatwelt die Umweltangepassten merkwürdige Riten entwickelt haben. Dass dazu aber auch handfeste Auseinandersetzungen gehören, um die Hierarchie in den Raumschiffen zu klären – und es nicht von vorneherein eine Hierarchie gibt – ist wenig nachvollziehbar. Auch dass die Oxtorner die Finger gleich an den Feuerknöpfen haben, erscheint unverständlich. Anscheinend haben sie ihre menschlichen Wurzeln gänzlich vergessen. Als das Raumschiff BANDIKOT beschossen wird, aus Versehen allerdings nur, Streifschüsse quasi, da werden die nicht angeschnallten Oxtorner wie Fliegen an die Wand geklatscht, eine Behandlung, die auch sie nicht so ohne weiteres vertragen. Medo-Roboter hat man natürlich aus dem Schiff geworfen, wozu braucht ein Oxtorner solche denn auch? Lieber wird der Platz für mehr Besatzungsmitglieder genommen, denn die Oxtorner wollten möglichst alle an Bord. Reiner Zufall, dass eine Oxtornerin unverletzt geblieben ist, weil sie sich aus sentimentalen Gründen neben einen Terraner gelegt hat und deswegen angeschnallt war. Die übrigen Oxtorner haben anscheinend vergessen, dass sie auch nur Menschen sind und auf jeden Schutz verzichtet. Aber die Oxtornerin kennt sich nicht mal richtig aus, vieles im Schiff ist zerstört, eine Hypnoschulung für die Bedienung hat sie wohl erhalten, aber nicht für die Reparatur. Dafür hat man dann einen terranischen Diplomaten, der noch weniger von Technik versteht, aber doch den einen oder anderen Erfolg hat. Schon reichlich merkwürdig, wie sich die Geschichte entwickelt. Allerdings ist der Überlebenskampf der Oxtorner in der BANDIKOT trotzdem sehr spannend geraten. Das Verhältnis zwischen Lifkom Tremter und Modesto ist schwierig, dabei scheint es um die Oxtornerin Talina zugehen, an der beide aus unterschiedlichen Gründen Interesse haben. Sie mögen sich deshalb nicht, arbeiten aber trotzdem zusammen und finden schließlich ihre Rettung an Bord einer vollkommen zerstörten Space Jet. Das zumindest kann man aus den Erzählungen an Bord der Lucky Jim schließen, die ein Raumschiff mit zwei Oxtornern und einem Terraner aufgegriffen haben. Ihre Rettung wird jedenfalls nicht mehr direkt geschildert. Insgesamt sind die Figuren aber durchaus gut charakterisiert. Besonders beeindruckend ist das Verhör von Yun und seine Erzählungen von Snowflake. Frank Borsch versteht es sehr geschickt, eine entsprechende Stimmung beim Leser zu erzeugen. Er lässt den Jungen in seiner ganz eigenen Sprache erzählen und kreiert so die interessanteste der drei Ebenen. Shon Leehan ist ein herrlich zwielichtiger Charakter, der offensichtlich ein Ziel verfolgt, nämlich mehr über die Tring herauszufinden. Die Einwohner von Snowflake könnten intelligent sein. Felton Cannard, der eingefrorene Überlebende des damaligen Absturzes, der zur Gründung der Kolonie auf Flake erst geführt hat, hat eine besondere Form der Kommunikation gefunden, indem er für sie getanzt hat. Und er hat auch herausgefunden, wo sie eigentlich leben, nämlich unter dem Eis, im Meer des Planeten. Dort warten sie auf den Frühling, den Felton ebenfalls gerne erleben würde. Deswegen will er sich fünfunddreißigtausend Jahre lang einfrieren lassen und das auch noch in Anlagen, die mit unzuverlässig ausreichend umschrieben sind. Seine erworbene Barschaft hat er wohlüberlegt investiert. Ohne allerdings die Hyperimpedanz zu bedenken, von der er natürlich auch nichts wissen konnte. So werden aus dem Vermögen eben doch nicht eine Billion Dollar, wie in dem Roman von Andreas Eschbach. Und Felton ist mit seiner nach dem Auftauen eher durchsichtigen Haut ein Gescheiterter, der aber von Yun und Shon zunächst aufgefangen wird. Bis der Planet in die Schusslinie gerät, zwischen zwei Trümmerflotten. Evakuiert sollen sie werden, aber sie wollen nicht ohne die Tring abziehen. Shon erreicht aber auch nicht beim Residenten selbst, dass sie gerettet werden. Und so geht das Volk der Tring zusammen mit den anderen unter. Während Yun mit seinem Gleiter dank des Impulstriebwerks in den Orbit gelangt, wo er schließlich von der Lucky Jim aufgefischt wird. Mit der Zeit ist die ungepflegte Sprache des Jungen etwas anstrengend zu lesen und die Geschichte kommt auch nicht sehr schnell vorwärts. Dazu kommt noch, dass diese umgangssprachliche Art der Schilderung auch auf andere Bereiche der Geschichte abfärbt. In allen Handlungsebenen lässt Borsch hin und wieder die Kontinuität in der zeitlichen Gestaltung vermissen. Der Roman ist in der Vergangenheitsform geschrieben, aber die Gegenwartsform schleicht sich immer wieder ein und stört den Lesefluss an Stellen, wo sie nichts verloren hat. Trotzdem ist dieser Teil der Geschichte der spannendste. Rhodan beobachtet also, wie sich immer mehr der Trümmerflotten in der Milchstrasse sammeln, darunter auch in der Nähe Terras. Wenn eine zweite dazukommt, entspinnt sich sofort ein Kampf zwischen den offensichtlich verfeindeten Gruppen, die von den Terranern oder Oxtornern nichts wissen wollen. Dafür kämpfen sie umso heftiger miteinander. Rhodan will die Feinde daran hindern, die Milchstrasse neben ihren Gefechten zu zerstören. Das ist aber gar nicht so einfach, denn der Gegner ist gewaltig überlegen. Und das trotz Hyperimpedanz. Wieder einmal müssen wir erleben, dass die Terraner trotz ihrer vermeintlich so tollen Vorbereitung nach den Änderungen der Bedingungen mit am Schlechtesten da stehen. Die Hypertermtriebwerke der Loower funktionieren hingegen so, wie gewohnt. Ausgerechnet die Terraner sind immer diejenigen, die im Hintertreffen sind. Anscheinend wurde die Hyperimpedanz nur eingeführt, um die Technik der Menschheit einzubremsen, nicht die ihrer Gegner. Wie dadurch spannendere Geschichten erreicht werden sollen, ist mir persönlich schleierhaft. Ein weiterer Punkt ist Rhodans interessante Taktik. Er schickt bemannte Space Jets in die Trümmerflotte, um einen Gefangenen zu machen, aus dem er letztendlich nichts herausbekommt. Er erfährt nur, dass es sich um Loower handelt. Dafür sterben aber viele Menschen. Anscheinend hat die Hyperimpedanz mal wieder alle Roboter lahmgelegt und von automatischen Sonden haben die Menschen an Bord der IMDABAN wohl auch noch nie etwas gehört. Da mutet die Verzweiflung des Residenten eher aufgesetzt an. Das wäre sicher auch anders gegangen. Gelungen sind die Stücke, in denen über die Geschichte der Loower und Perry Rhodans und der Menschheit Begegnung mit ihnen berichtet wird. Für Neuleser, die mit dem Produkt ja ebenfalls angesprochen werden, ist das sicher keine leichte Kost, zumal es heute schwierig ist, an den entsprechenden Zyklus zu kommen. Als Silberbände ist er noch nicht erschienen. Aber für den Kenner der Serie durchaus erfreulich. Und am Ende stellt sich der Resident gegen den Interimskommandanten, weil der sich schließlich mit seinen Oxtornern und den 500 Schiffen der oxtornischen Heimatflotte gegen die Trümmerflotte stellt. Mag sein, dass er keine Chance hat. Aber letztendlich ist sein Handeln nur konsequent, denn Flake ist seine Welt, er hat die Vierten geklont und will nicht einfach zusehen, wie ihre Heimat vernichtet wird. Deshalb lässt er die Oxtorner Aufstellung nehmen, um den Planeten abzuschirmen. Rhodan setzt ihn als Kommandanten ab, was den Oxtorner – und offensichtlich alle anderen – nicht interessiert. Und als sich die Flotte in den Kampf stürzt, macht Perry mit. Sehr konsequent, der Herr Resident. Was dann wirklich passiert, wird nirgends klar erwähnt. Aus den Bemerkungen Wilton Dolsons geht jedenfalls nur hervor, was mit den beiden Oxtornern und dem terranischen Diplomaten passiert ist. Man kann aus den Schilderungen allerdings schließen, dass die Flotte der Oxtorner – mit einem großen Teil der Bevölkerung an Bord – vernichtet wurde und die Einheiten des Residenten zusammen mit Perry Rhodan selbst zumindest verschwunden sind. Und wir erfahren, dass Tifflor eine Expeditionsflotte an die Seite gestellt bekommen hat, um die 70.000 Lichtjahre bis in den Halo der Milchstrasse, wo die Loower heute angesiedelt sind, zurücklegen zu können. Er soll dort nach dem Rechten sehen. Vermutlich wird es darum in Band 2 gehen, wo Andreas Brandhorst über die Trümmersphäre berichten wird. FazitEine insgesamt gut erzählte Geschichte mit einigen Grausamkeiten. Zwar macht die Geschichte über weite Strecken Spaß, ist aber doch zu lang geraten. Dadurch wirken manche Bereiche sehr gestreckt. Bedauerlicherweise scheint dafür an anderer Stelle eher etwas zu fehlen. Die Raumschlacht am Ende zwischen den Oxtornern und den Trümmerflotten sowie dem Terranischen Residenten und seinen Einheiten geht jedenfalls ziemlich unter. Vielleicht wäre es doch besser gewesen, die Reihe in kleineren Häppchen zu präsentieren und dafür mehr Autoren an die Geschichte zu lassen. Für den nächsten Band kann man sicher auf Besserung hoffen, denn Andreas Brandhorst sollte mit dem längeren Medium umgehen können. Frank Borschs Auftakt war über weite Strecken sehr gut und auch spannend geschrieben, aber andererseits sicher nicht überragend. Insgesamt NICHT ÜBEL, allerdings mit Tendenz zu einem Gut. NICHT ÜBEL PLUS, sozusagen. |
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Zusammenfassung und Kritik