4. Frank Böhmert - Die Traumkapseln

Odyssee 4Die Rebellen sind von der Gefängniswelt geflohen und von den Quochten nach Zaphitti gebracht worden. Bevor wir sie aber wiedertreffen, erfahren wir näheres über die Rebellen und ihre merkwürdige Welt. Offensichtlich schwelt ein Konflikt zwischen rivalisierenden Parteien. Neben dem Bewahrer des Bewährten, gibt es auch Personen, die eher der Meinung sind, daß Kampf nötig ist. Und eine dieser Personen ist Errek Mookmher. Er will die Rebellen in einen Kampf führen und bittet deshalb seinen Vater darum, einen Angriff auf eine Gefangenenwelt durchführen zu dürfen. Diese Bitte wird gewährt und sein alter, gebrechlicher Vater Tarak Mookmher begibt sich in seine Schnecke zurück. An seiner Seite befindet sich Dandar Shawdandar, die Schwester von Shirkam Otmookmher, dem Bewahrer des Bewährten.

Natürlich entpuppt sich ausgerechnet Darracq Mogmorgh als besagter Errek und daß er der Sohn vom Chef ist, hat sich auch bis zu den Quochten herumgesprochen. Vor seiner Abreise war er bereits sogenannter Hüter des Herdes, wenn sein Vater auch den Titel Hüter der Grenzen immer noch trug. Und als solcher wird er nun von den Quochten entlarvt. Zuvor allerdings macht er sich noch unbeliebt, indem er einen Rebellen erschlägt, der gegen die Internierung in dem Quochtenschiff rebelliert. Er enthauptet ihn einfach und zieht sich damit nicht nur den Unmut der Quochten, sondern auch der Menschen zu. Die Quochten wollen ihn so schnell wie möglich loswerden.

Das erweist sich aber als nicht so einfach. Die Quochten weisen ihnen einen reichlich unkomfortablen Frachtraumer zu und wollen sie schnell von ihrer Welt entfernen. Die Rebellen machen ihnen aber einen Strich durch die Rechnung, indem sie einfach davonrennen und sich in den Wäldern verstecken. Auf die besorgte Frage des Quochten, bestätigt der Rebellenführer, daß die Flüchtigen sicher morgen wiederkommen werden, so es ihnen auf Zaphitti nicht eventuell besser gefallen sollte. Perry Rhodan und Bully, der als Ich-Erzähler fungiert, nutzen die Chance und schauen sich auf dem Planeten um.

Und sie finden auch etwas interessantes. Da gibt es einen Turm, der ganz offensichtlich den Wissenschaftlern von Cor'morian zuzurechnen ist, auch wenn er schon lange verlassen erscheint. Bei der Erkundung landen die beiden Terraner Bully und Rhodan auch in einem Turmzimmer, in dem offensichtlich einmal ein Rat getagt hat. Dort finden sie, hinter einer Platte verborgen, ein hochinteressantes Relief einer Weltraumszene, es lässt sich aber nicht so genau entziffern, was das denn eigentlich sein soll.

Deshalb machen sie sich dann doch langsam auf den Weg zu den Sphären, in denen sich die Rebellen verstecken. Das Transportschiff, das sie von den Quochten erhalten haben, geben sie natürlich zurück. Das ist eine Frage der Ehre. Und ihre Kultur erweist sich als vielfältig und voller merkwürdiger Sitten und gebräuche. Ehre ist absolut wichtig und niemand würde sie jemals verraten, das macht ihnen Errek klar. Und als er nach Hause kommt und feststellen muß, daß sein Vater praktisch im Sterben liegt, erschrickt er zum ersten Mal. Danach muß er noch erfahren, daß Shirkam der neue Hüter der Grenzen ist. Sein Vater, der immer schwächer wurde, hat ihn dazu ernannt, weil er jemanden brauchte, dem er offensichtlich vertrauen konnte. Und - noch schlimmer - seine Frau hat sich ebenfalls in Shirkam verliebt und ist von ihm schwanger, sein Sohn ist ihm anscheinend entfremdet.

So scheint sich alles gegen den Sohn des Tarak ohne Nas verschworen zu haben. Und deshalb trifft er auch eine folgenschwere Entscheidung. Zunächst findet er sich mit seiner Rolle als neuer und alter Hüter des Herdes ab und verzichtet auf die Rolle als Hüter der Grenzen. So lange sein Vater lebt, kann er an der Situation nur in einem Zweikampf mit dem Amtsinhaber etwas ändern. Da er aber lange nicht mehr die traditionellen Kampftechniken trainieren konnte, hätte er keine Chance.

Die Terraner nutzen die Zeit, um sich erst einmal einzuleben. Bei den Rebellen herrscht die Meinung vor, daß Spezialisierung schädlich ist. So erfahren unsere Helden von der Geschichte, in der die Menschen sich spezialisiert hätten. Aber da jeder nur noch einen Tätigkeit, ein Handwerk, beherrschte, konnte niemand mehr beurteilen, ob das, was die anderen gemacht haben, wirklich nun gut oder schlecht ist. Und so verloren sie alle die Lust an dem was sie taten. Bis schließlich jeder wieder alles beherrschen lernte und deshalb sieht vieles auch ziemlich unfertig aus, weil sich niemand wirklich in eine Richtung professionalisieren konnte.

Außerdem lernt Perry Rhodan den Traumfamnir des örtlichen Habitats kennen. Dabei handelt es sich um eine Art riesenhaften Drachen, eine vergrößerte Ausgabe der Reittiere, die die Rebellen ansonsten so nutzen. Und diese Traumfamnire halten die Welt sozusagen zusammen. Denn die Habitate sind kleine Brocken, die wie Planeten im All schweben und hinter einer Art fünfdimensionalem Schirm liegen, eingebettet wie in eine Hyperraumblase. Und diese Gebilde werden von den Traumfamniren stabilisiert, die ihrerseits von speziell ausgebildeten Schamanen betreut werden. Perry Rhodan, begleitet von Bully und Fran, sucht einen solchen auf und erfährt näheres über die Welt, in der sie sich befinden. Und er wird von dem Drachen aufgefordert, das Instrument zur Lebensverlängerung abzulegen, was der Terraner natürlich verweigert.

Eine besondere Geschichte gilt auch noch Bully und Fran. Der dicke Kumpel von Perry, schafft es endlich, seine scheu abzulegen und sich selbst gegenüber ehrlich genug zu sein, um zu erkennen, daß es ohne diese Frau nicht geht. Und er sagt ihr das auch und so kommen sie endlich wieder zusammen. Shimmi Caratech hingegen freundet sich mit der örtlichen Dorfjugend an und wird so letztendlich auch ihre Katzenkinder los. Da Shikago nämlich rattenähnliche Wesen auf vollkommen natürliche Weise tötet und damit möglicherweis ein großes Problem für die Rebellen lösen kann, wären die Katzenkinder für sie sehr wertvoll. Shimmi stimmt zu.

Und schließlich passiert natürlich genau das, was nicht passieren soll. Tarak stirbt und Errek wird halb wahnsinnig vor Trauer. Nachdem er schon fast ausflippte, als er erkannte, daß seine Frau von seinem Rivalen schwanger ist und nur von Fran daran gehindert wird, sie schwer zu verletzen, nimmt ihn die Trauer sehr mit und er braucht mehrere Tage, bis er sie überwunden hat und Tarak schließlich beerdigt wurde. Shirkam gibt sein Amt als Hüter der Grenzen ab, wie es die Tradition verlangt. Dafür fordert er aber den Gegner zu einem Zweikampf heraus. Dieser besteht aus drei Runden, deren erste in einem Wettkampf auf literarischer Ebene besteht. Shirkam gewinnt diesen ziemlich locker. Der zweite besteht aus einer Mischung zwischen Reitkunst und Schießkunst. Während sie um die Wette reiten, müssen sie gleichzeitig in jeder Runde entsprechende Ziele treffen. Errek reitet zwar schneller, trifft dafür aber nicht und deshalb sind sie sich über den Ausgang nicht einig. Merkwürdigerweise besteht Shirkam darauf, daß Errek gewonnen hat, während Errek es genau anders herum sieht.

Der dritte Kampf, Mann gegen Mann, soll dann aber die Entscheidung bringen. Und das tut er dann auch, auf tragische Weise. Shirkam wird verletzt, er erleidet schwere innere Verletzungen und nicht einmal die Medoeinheit im Bus kann ihn stabilisieren. Und so stirbt er noch bevor man ihn zu den Schamanen bringen kann. Errek hat gewonnen. Und damit wird die Politik künftig wesentlich offensiver werden. Allerdings ist der Sieg teuer erkauft, denn eigentlich ist niemand wirklich sicher, daß Shirkam der Böse ist, als den ihn Errek sieht. Zwar ist immer noch fraglich, wer sie damals bei dem Angriff auf die Gefangenenwelt wirklich verraten hat, ob das überhaupt jemand tat, aber das wird sich nun niemals mehr klären lassen.

Als gut erweist sich jedenfalls, daß es in den Traumkapseln eine Station der Wissenschaftler gibt und so treffen sie auch endlich auf den obersten aller Wissenschaftler, dem sie ihre Versetzung in die Zukunft zu verdanken haben. Und sie erfahren, wie es eigentlich zu all dem kam, was heute in dieser Galaxis realität ist. Lange Zeit gab es nämlich keine Menschenähnlichen. Sie wurden von den Wissenschaftlern sozusagen erst entdeckt, als sie ein Schiff mit Roboter fanden und dort die Baupläne eines Schwarms entdeckten. Außerdem fanden sie da auch genetische Informationen, aus denen sie selbst die Nodronen geklont haben. Heute haben sie sich gegen sie verschworen und sind dabei, den Schwarm als ganzes zu übernehmen und ein Schreckensregime in diesem Teil des Universums anzufangen. Die Wissenschaftler haben sich also selbst an den Rand der Ausrottung gebracht. Und so wurde eine neue Erfindung, nämlich ein Tempraltransmitter, dazu benutzt, Perry und Co in die Vergangenheit zu holen. Die Zwillingsgötzen sind allerdings auch den Wissenschaftlern von Cor'morian ein Rätsel. Sie haben sie noch nie gesehen und überhaupt kennt sie niemand. Allerdings scheinen sie mindestens 1500 Jahre alt zu sein, denn schon so lange hausen sie dort. Da wird doch wohl nicht eine Überraschung vorbereitet? Vielleicht sind es ja unsterbliche, die wir aus der Vergangenheit schon kennen?

Wie auch immer, es werden Pläne geschmiedet, wie man weitermachen kann. Als damals zwischen den Rebellen und den Quochten ein erster Beistand verabredet wurde, kam es zu einer gewaltigen Schlacht. Kurz davor allerdings baten die Quochten um eine Verschiebung derselben, was die Rebellen aber als unehrenhaft vollkommen ablehnten. Der Grund war aber, daß kurz zuvor ihre Königin verstorben war und deshalb der Bau weitgehend führerlos. Sie brauchten wenige Tage, um eine neue Königin aufzubauen und wieder handlungsfähig zu werden. Aber da war der Schaden im Verhältnis der beiden Völker schon angerichtet. Und Errek versteht nach der Lähmung, die der Tod seines Vaters in ihm ausgelöst hatte, schon sehr gut, was in den Quochten vorging. Er fliegt deshalb noch einmal nach Zaphitti und bittet um Frieden. Dazu tut er auch etwas, was für einen Nodornen sehr ungewöhnlich ist. Er beugt das Knie und bittet um Verzeihung. Und das ist dann der Anfang einer neuen, wundervollen Freundschaft. Schon gut, daß manche über ihren Schatten springen können.

In Zwischenspielen wird noch eine sehr interessante Nebenhandlung erzählt. Pelmid Sulcatob, die Stellvertreterin des Axx Cokroide, ist nicht vergessen. Sie trifft auf Kion eine alte Freundin wieder. Tonka arbeitet im Justizministerium und ladet ihre Freundin zum essen ein. Um ihr die Augen über den tollen Axx Cokroide zu öffnen. Das muß sie aber eigentlich nicht tun. Denn die fürchterlich gedemütigte Pelmid verbirgt ihren Körper nicht umsonst unter einer lückenlos geschlossenen Bluse, obwohl es durchaus warm genug wäre, etwas mehr Haut zu zeigen. Da diese Haut aber zerschlagen und zerschunden ist, kann sie es nicht zeigen. Da sie von dem Son'Trokhete regelmäßig vergewaltigt und mißhandelt wird, ist ihr schon lange klar, daß sie in großer Gefahr ist und sie macht sich mehr und mehr Gedanken darum, wie sie ihm entkommen kann. Zunächst kann sie das nicht, er wird sogar quasi befördert, indem er von den Zwillingsgötzen ein Mandat verliehen bekommt, ein deutlich sichtbares Siegel der Macht, mit dessen Hilfe er nach den Terroristen um Rhodan suchen soll. Schließlich, nachdem aber auch ihre Freundin Tonka verschwunden ist, wird ihr klar, daß sie sich in Sicherheit bringen muß. Und als in dem ehemligen Zwillingsturm der Wissenschaftler einige interessante technische Neuerungen gefunden werden, macht sie sich sowohl einen Translator, als auch ein Gravopack zu eigen. Und verschwindet damit. Am Schluß landet sie ausgerechnet in Wrischaila und rettet keinem geringeren als dem Linksbeistand Sneber Grax das Leben. Und bittet ihn, sie zu den Rebellen von Nodro zu bringen. Sie gibt sich ihm gegenüber als Tonka aus.

Fazit

Der Roman kann wirklich begeistern, wenn er das auch nicht von Anfang an tut. Man muß ihn sich auf den ersten Seiten erst erarbeiten. Frank versteht es aber wunderbar, die Menschen als solche darzustellen. Seine Figuren sind absolut menschlich, verhalten sich auch die ganze Zeit so. Besonders gelungen fand ich, daß er Bully in der Ich-Form agieren ließ, das hat dem Dicken viel Tiefe verliehen, die ihm seit Hubert eigentlich kaum jemand geben konnte. Und vor Hubert konnten das eigentlich auch nur Eschbach und Schwartz. Wir erfahren einiges aus der Vergangenheit des Dicken. Die Geschichte, wie er an seine Narben kam, war jedenfalls ziemlich köstlich ;-). Ebenfalls stark ist Pelmid Sulcatob beschrieben, die sich zu meiner Lieblingsfigur in der Serie entwickelt. Ich hoffe wirklich, daß ihr am Schluß die Rolle des Henkers für Cokroide zufällt, nach allem, was er ihr angetan hat. Auf jeden Fall gewinnt die Geschichte nun deutlich an Fahrt und mit der nächsten Folge werden wir wohl die Zwillingsgötzen auch mal näher kennen lernen.

PR - Odyssee

1. Die Kolonisten der Zukunft
2. Der geheime Krieg
3. Das Energie-Riff
4. Die Traumkapseln
5. Das strahlende Imperium
6. Die Lebensboten


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