10. Aufbruch - Susan Schwartz

Mission Mars 10Wiederum sind viele Jahre vergangen, an die Protagonisten und Geschehnisse aus der letzten Trilogie erinnert wenig.

Die Präsidentin des Mars ist auf dem Weg in ihren Palast, der sich in Elysium befindet. Die Stadt hat sich zur Hauptstadt entwickelt, während Bradbury, die erste Siedlung auf dem Planeten, mittlerweile an Bedeutung verloren hat. Das liegt sicher auch daran, dass dort die ersten Siedler, die damals gestrandeten, lebten. Und dass dieser Teil des Mars heute so etwas wie ein Museum ist.

Die Präsidentin schaut sich genau um, sieht all die Dinge, die erreicht wurden und stellt sie auf diese Weise auch vor. Technik ist mittlerweile keine Ausnahme mehr, sondern eine Selbstverständlichkeit. Eine Technik, die selbst auf der Erde vor dem Kometen Erstaunen hervorgerufen hätte, steht den Marsianern nun zur Verfügung.

Es ist immer noch kälter, als auf der Erde und so sind entsprechende isolierende Kleidungsstücke sehr wichtig. Außerdem wird die Welt vorgestellt, wie sie sich nun, mit deutlich größerer Bevölkerung, darstellt. Die Menschen dort sind anders, als die Menschen auf der Erde. Sie werden immer noch von einem Gremium geleitet, an dem die fünf Häuser beteiligt sind. Und die Präsidentin stammt aus der Mitte dieses Gremiums, wird von ihm gewählt, nicht also vom Volk selbst.

Darüber hinaus gibt es nun aber auch gewisse Konsortien. Insgesamt drei, die groß genug sind, um ebenfalls eine Beteiligung an der Regierung zu verlangen. Sie akzeptieren zwar ihre Rolle, aber ihre Forderungen werden immer deutlicher. Auch die Funktionen, die die einzelnen Häuser haben, werden beschrieben. Gewisse Spezialisierungen sind feststellbar, so sind die Saintdemars zum Beispiel überwiegend Ärzte und Forscher geworden, während die Gonzales eher begnadete Techniker sind. Die Präsidentin stammt aber derzeit aus dem Hause Tsuyoshi und ihre Tochter kennt den Sohn des Patriarchen der Gonzales sehr gut. Beide mögen sich aber nicht sehr.

Geld gibt es auf dieser Welt nicht. Der Gegenwert wird in Arbeitskraft gemessen. Jeder Mensch leistet die Arbeit, die er leisten will. Damit kann er ein Arbeitszeitkonto füllen. Dieses dient als Grundlage für alle Extras, die der Mensch in dieser Welt erreichen kann. Eine gewisse Grundversorgung steht jedem zu, wirklich arbeiten muss also niemand. Durch die eigene Arbeit kann man aber das Arbeitszeitkonto entsprechend füllen, dessen Inhalt dann quasi wie eine Währung behandelt wird. Was man kaufen will, kauft man dann zu Lasten des Arbeitszeitkontos.

Die angesprochenen Konsortien, haben entsprechend gefüllte Arbeitszeitkonten, deren Inhalt vielfach in Forschung und Entwicklung fließt. Insgesamt also eine interessante Ausgangsposition, die sich die Siedler geschaffen haben.

Die Vergangenheit ist dank John Carter, der wie ein Held verehrt wird, auch nicht vergessen. Und die Erde kennt man aus den Aufzeichnungen und Berichten der Vorfahren so gut es eben geht.

Sogar die gefundene Station wird genutzt. Das unterirdische Bahnsystem hat zu einer neuen Siedlung in der Nähe eines der Pole geführt, nicht weit von der Stelle entfernt, wo der Strahl immer noch aus dem Boden kommt. Woraus er gespeist wurde, haben die Siedler nie herausgefunden. Vermutet wird, dass man die Energien des Marskerns angezapft hat. Allerdings sind die Forschungen diesen Strahl betreffend nie sonderlich viel weiter gekommen.

Außerdem haben sich Fauna und Flora entwickelt. Die Tierwelt besteht aus inzwischen sehr vielen Tieren, die aus dem Genspeicher entstanden sind, der bei der Vulkankatastrophe entstanden sind und die in Phoenix erforscht wurden.

In dieser Situation tritt der Patriarch aus der Gonzales-Familie mit einem Vorschlag an den Rat heran. Er will ein Raumschiff mit einem neuartigen Antrieb bauen, dessen Fähigkeiten denen selbst der damaligen Siedler überlegen wären. Mit diesem Gefährt, will er zur Erde fliegen, um endlich zu erfahren, warum von dort niemals jemand gekommen war, um auf dem Mars nach dem Rechten zu sehen.

Sein Sohn hat das Schiff auch schon fast fertig. Und die Präsidentin stimmt zögerlich zu, ein Raumschiff zu bauen, mit dem zumindest ein Testflug zu den Marsmonden möglich sein wird.

Als Besatzung wird ausgerechnet neben ihrer Tochter auch der Sohn des Gonzales-Patriarchen und der Mann, den die Präsidentin bereits bei der Geburt der Tochter als möglichen Ehemann für sie ausgewählt hatte, bestimmt. Wobei ihre Tochter das Kommando übernehmen soll.

Die arrangierte Ehe allerdings, davon will die Tochter nichts wissen. Sie hat schon sehr früh ihren eigenen Willen gehabt und ist als eine der wenigen in der Lage, sich dem Willen der Mutter zu widersetzen.

In der Bevölkerung allerdings sieht nicht jeder den geplanten Flug positiv. Das geht so weit, dass letztendlich eine radikale Splittergruppe, die es auf dem Mars eigentlich gar nicht geben sollte, sich gegen die Präsidentin stellt. Sie lässt ihren Mann entführen, der zugleich eine Art Protokollchef der Präsidentin ist. Und sie lässt alles so aussehen, als wären die Baummenschen die wahren Entführer.

Aber sie haben nicht mit der Tochter der Präsidentin gerechnet, die ihren Vater sehr gerne wiederhaben würde. Sie hat Beziehungen zu den Baummenschen. Und als alles schon auf einen Bruderkrieg zwischen den Baummenschen und den Marsianern hindeutet, gelingt es den Baummenschen, John Carter Tsuyoshi zu befreien. Der ist selbst der Meinung, dass es nur einen geben kann, der für die Entführung in Frage kommt. Und zwar ausgerechnet der Patriarch der Gonzales, den die Präsidentin wohl besser kennt. Und auch John Carter Tsuyoshi kennt ihn sehr gut, es gab wohl in der Vergangenheit auch ein Zerwürfnis zwischen ihnen.

Bevor er aber mit seinem Wissen an die Öffentlichkeit treten kann, fällt er einem Attentat zum Opfer. Nur die Baummenschen wissen nun noch Bescheid. Und die teilen ihre Erkenntnisse mit der Präsidentin, die dem Oberhaupt der Gonzales deutlich seine Grenzen aufzeigt.

Der Flug zur Erde wird aber durchgeführt. Allerdings nicht direkt zur Erde. Um zu vermeiden, dass sie in eine eventuell problematische Situation gezogen werden, legt die Präsidentin fest, dass der Flug zum Mond führen soll. Dort gibt es eine Station der Menschheit und nach all der Zeit, könnte es durchaus sein, dass diese noch funktionsfähig ist. Von dort aus kann man in jedem Fall die Erde beobachten und erst einmal die Lage sondieren. Mit dem neuen Raumschiff, dessen Antrieb auf eine Weise funktioniert, die nicht einmal mehr besondere Startfenster nötig macht, können sie den Abgrund in nur wenigen Monaten überwinden und sind damit erheblich schneller, als die Vorfahren. So soll der Flug zum Mond dann in Angriff genommen werden.

Kritik von Ralf König

Eine interessante Utopie ist Gegenstand der ersten zwanzig Seiten, die von Susan Schwartz geboten werden. Woher die Technik kommt, ist allerdings nicht Gegenstand des Romans. Sie ist einfach da und hat wohl neben normalen Entwicklungen ihren Ursprung auch in einigen Erkenntnissen, die aus den Artefakten der Alten gezogen wurden. Geschickt wird aber auch der Bogen zu einigen der Trilogien geschlagen, es wird auf die Erkundung des ersten Artefakts und die eher unbefriedigenden Erkenntnisse mit dem grünen Sabbermonster Bezug genommen. Und auch die Marskäfer und die neuen Menschen tauchen auf, haben sich entsprechend weiterentwickelt. Der Genspeicher aus Phoenix ist ebenfalls nicht in Vergessenheit geraten.

Langsam neigt sich die kleine Serie ihrem Ende entgegen. Nur noch zwei Romane und deshalb richtet sich der Fokus der Aufmerksamkeit wieder in Richtung der Erde. Susan Schwartz liefert nicht nur eine gelungene Darstellung der Situation auf dem Mars, sondern entspinnt auch eine spannende Geschichte, die das ewige Verwirrspiel eines Dunkelmannes zum Gegenstand hat, der die wichtigsten Gruppen des Mars – nämlich die Baummenschen und die Nachfahren der gestrandeten Bewohner des Planeten – gegeneinander hetzen will. Das gelingt glücklicherweise nicht, und so kann der Krieg auf dem Mars vermieden werden. Wer letztendlich dahinter steckt, kann man sich denken und wird auch angedeutet. Aber vielleicht erleben wir ja hier noch eine Überraschung.

Leider erfährt man wieder nicht sehr viel über den Strahl und die Geheimnisse der Alten. Zwar wissen wir nun, dass der Strahl auf die Erde gerichtet ist und sie zumindest streift, aber mehr ist nicht bekannt. Wie es auf der Erde steht, wissen die Maddrax-Leser hingegen sehr wohl. Allerdings nicht die Marsianer, die deswegen auch gerne nachschauen würden.

Wie üblich, müssen allerdings die meisten erst einmal überzeugt werden. Und so zieht sich der Aufbruch in Richtung Erde dahin und wird wohl erst im nächsten Band thematisiert werden. In diesem jedenfalls sind neben den Informationen über den Mars und die – durchaus gelungene – Entführungsgeschichte kaum Informationen enthalten.

Fazit

Trotzdem hat der Roman alles in allem Spaß gemacht. Zu Anfang waren die Informationen etwas gehäuft, so dass der Rest der Geschichte beinahe nicht genug Platz bekommen hätte. Das Ergebnis ist aber insgesamt trotzdem spannend und lesenswert und hat sich ein GUT redlich verdient.

Mission Mars

1. Die Ankunft
2. Gestrandet
3. Überleben
4. Artefakte
5. Invasion!
6. Der Vorstoß
7. Die Brut
8. Inferno
9. Bruderkrieg
10. Aufbruch
11. Die Basis
12. Rückkehr



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