8. Inferno - Manfred Weinland / Timothy Stahl
Und da erkennt sie die Gesichter um sich. Ihr eigenes Gesicht, aber in hundertfacher Ausführung. Überall um sie herum. Und als sie dem Gang folgt, der sich vor ihr auftut, erkennt sie noch mehr Monitore, die ebenfalls ihr Gesicht zeigen. Und sie hat den Eindruck, dass ihr Gesicht ein anderes überdeckt. Ein Gesicht, das vermutlich zu einem der Erbauer der Station gehört. Aber sie kann es nicht richtig erkennen, immer ist es gerade außerhalb ihrer Wahrnehmung, bevor es durch ihr eigenes ersetzt wird. Darven ist am Rande einer Panik, kurz davor, einfach in den Schacht zu springen, aber er wird zurückgehalten. Er lässt sich kaum bändigen, aber der Schlag des Bürgermeisters, der ihn außer Gefecht gesetzt hat, hat ihn zumindest abgekühlt. Und so hört er auch hin, als Kord – ausgerechnet Kord! – einen Vorschlag macht. Nämlich den, eines der Luftschiffe einfliegen zu lassen um mit genügen Seil eine Rettung wagen zu können. Das Seil, das sie hier haben, reicht jedenfalls nicht aus, um auf den Grund des Schachtes zu gelangen. Darven ist dafür und der Bürgermeister lässt sich überzeugen. Währenddessen untersuchen sie auch den Schacht genauer und Darven erkennt die Monitore, von denen schon seine Frau verwirrt wurde, ebenfalls. Mit dem Gesicht von Shola, die aber ersetzt werden durch sein eigenes, als er sich mit dem Seil abseilen lässt, zumindest ein Stück weit. Weiter kommt er aber nicht, und so muss er auf die Ankunft des Luftschiffes warten, das schnell herbeieilt, aber den Otmanu niemals erreicht. Kurz bevor er dort ankommt, wird der Pilot von dem Gewitter überrascht. Durch den Blitz stürzt er ab, aber der Blitz löst noch etwas aus, in dem recht frischen Krater im Inneren des Berges findet er sein Ziel in einer Art Antenne, die daraufhin die Zugänge ins Innere des Berges öffnet. Wenigstens brauchen sie nun die Seile nicht mehr. Sie müssen nur noch Shola finden. Aber zunächst finden sie nur wieder Bildschirme, auf denen viele Teile der unterirdischen Station abgebildet werden. Und Darven entdeckt auch seine Frau. Er hält es nicht mehr aus, schlägt gegen den Bildschirm, der daraufhin zu zerspringen scheint. Heraus kommt ein sargähnliches Gebilde, in das sich Darven legt. Er wird sofort übermenschlich beschleunigt und landet so direkt bei Shola. Er hinterfragt nicht, was er da erlebt hat, sondern nimmt die junge Frau mit, die eine Entdeckung gemacht hat. Eine Reihe von eiähnlichen Gebilden. Eines davon ist zersprungen, aber sie kann nicht identifizieren, was da passiert ist. Sie lässt sich von Darven abtransportieren. Darven ist glücklich, dass er sie wieder hat. Und die Station ist ihm egal, sie wird untersucht werden. Aber gleichzeitig ist da noch etwas anderes. Denn Shola verhält sich anders, als er es gewohnt ist. Er schafft es nicht, sie in ihr altes Leben zu integrieren. Sie will nicht, ist ständig abwesend und reagiert kaum noch auf ihn. Er ist unglücklich. Aber er kann nichts dagegen machen. Auch Varga, der Farmhelfer, kann nicht helfen. Nur dabei, die immer wieder verschwindende Shola aufzuspüren. Sie hat einen Käfer in der Hand, als Darven sie findet. Er will den Käfer töten, was ihm aber nicht gelingt, dafür landet das Tier bei Varga, der es einfach in den Mund nimmt und aufisst. Shola interessiert das augenscheinlich nicht. Sie macht Darven nur klar, dass sie nach Hause will. Und auf der Farm fühlt sie sich nicht mehr zu Hause. Was aber bedeutet für sie zu Hause? Für Varga bedeutet es offensichtlich, zur Station zu gehen. Er folgt einfach den Stimmen in seinem Kopf, die ihn dorthin führen. Und dringt in die Station ein, wo etwas mit ihm geschieht, das ihm nicht gefällt, das er aber nicht ändern kann. Rondo Gonzales aber kann es. Er hat einen Auftrag erhalten vom Bürgermeister, den er wohl gerne beerben würde, weil er ihn nicht mehr für entschlussfreudig genug hält. In dem Fall hat der Bürgermeister aber einen Entschluss gefasst, nämlich ihm eine Waffe zu überlassen, die von den Atlen stammt. Aus einer Station, die vor langer Zeit entdeckt wurde. Mit dieser Waffe dringt er in die Station ein, um sie für weitere Erkundungen vorzubereiten. Aber es kommt nicht mehr dazu. Zusammen mit dem Piloten des Luftschiffes, der den damaligen Absturz wundersamerweise überlebt hat, erkundet er die Station und findet Varga darin. Der schrullige Alte ist anscheinend durchgedreht. Er hat etwas im Mund – kleine, harte Eier – aufgeweicht von seinem Speichel, sind daraus weitere Käfer geschlüpft. Und er hat etwas vor, eine Kreatur von ihren Leiden zu erlösen, die Rondo Gonzales ebenfalls zu sehen bekommt. Er bricht in Panik aus, schießt auf den Alten und die Kreatur, vernichtet sie damit beide mit dieser ungeheuer gefährlichen Waffe. Und löst damit das Inferno aus. Darvern verfolgt seine Frau zwischenzeitlich, die zielstrebig auf das Museum zugeht. Ein Ort, der von Kords Mutter verwaltet wird und über die alte Erde erzählt. Aber dieser Ort scheint noch für etwas anderes verwendet zu werden. Alles deutet darauf hin, als würde seine Frau mit diesem Kord – was auch immer tun. Darven ist wütend und dringt hinter seiner Frau ebenfalls in das Haus ein, um Kord weh zu tun. Aber es kommt nicht dazu, denn die beiden sind nicht allein. Sie sind zusammen mit anderen, ebenfalls „befallenen“. Menschen, die etwas verstehen, anscheinend einem Geheimnis des Mars auf der Spur sind. Das zum Beispiel dafür sorgte, dass Shola die Siedlung vor dem Sturm retten konnte. Und die Blitze daraufhin in den Otmanu eingeschlagen sind. Kord hat etwas vor. Er will seine Kinder und seine Mutter ebenfalls durch Käfer infizieren. Aber sie wissen nicht, ob das gelingen wird, denn die Käfer wählen sich eigentlich ihre Opfer selbst aus. Und es geht auch schrecklich schief. Kords Mutter stirbt qualvoll bei dem Versuch. Trotzdem will Kord auch seine Kinder infizieren. Darven hindert ihn daran, aber dann kommt das Inferno und Kord wird durch die einstürzende Decke erschlagen. Wie ein Vulkan bricht der Otmanu aus und verschlingt den gesamten Ort. Darven würde lieber sterben, als seine Beziehung zu Shola plötzlich auf diese Weise beendet zu sehen, aber er kann nichts mehr tun. Sie werden zwar gerettet. Aber die auf merkwürdige Weise erleuchteten interpretieren das Inferno als Warnung und gleichzeitig als Aufbruch zu neuen Ufern. Sie sind der Meinung, dass die Menschen nichts auf dem Mars zu suchen haben. Und bald schon werden alle merken, dass sie hier falsch sind. Die Erleuchteten haben bereits zu einem gänzlich anderen Verständnis des Mars gewonnen, leben mehr mit ihm, als gegen ihn anzukämpfen. Darven erkennt, dass er nicht dazugehört und zeigt Shola, dass er nicht bereit ist, auf sie zu verzichten, auf ihre gemeinsame Liebe. Er will dafür alles aufgeben, wenn nötig. Er greift sich einen der Käfer, den er Kord abgenommen hat, und setzt ihn auf seine nackte Brust, direkt über seinem Herzen … Raban, der Pilot des Luftschiffes, konnte den Otmanu noch verlassen, zusammen mit Gonzales, im letzten Augenblick. Er muss nun miterleben, wie der Bürgermeister in dem Inferno stirbt, von den Lavamassen verschlungen wird. Viele andere sterben ebenfalls. Am Ende wird Raban gerettet – mit der Kugel im Arm, die er von Gonzales erhalten hat. Was auch immer es ist, es löst Erstaunen und Verblüffung unter seinen Rettern aus. Kritik von Ralf KönigDas Artefakt der Alten wird nicht so wirklich erkundet, aber immerhin werden erste Geheimnisse der Alten angerissen. Trotzdem ist einer der Auslöser des ganzen wiederum ein Monster, das in der Station lebt und irgendwie wohl dort nicht mehr leben will, sich von Varga gerne vernichten lassen würde. Diesen Willen erfüllt ihm Gonzales ja dann auch, mit der grausamen Waffe, die er gegen das Monster einsetzt. Glücklicherweise ist das Monster nur eine Episode, die schnell vorbei ist. Die Geschichte mit den von den Marskäfern infizierten, die sich zu neuen Menschen entwickeln und ein Erbe des Mars mit ihren neuen Erkenntnissen zum Leben erwecken, ist viel interessanter. Und da gibt es noch etwas, das Raban aus dem Schoß des Berges mitgebracht hat, oder besser Gonzales, der es dann an Raban übergab. Die kleine Siedlung ist jedenfalls dem Erdboden gleich gemacht und viele seiner Einwohner sind nicht mehr am Leben. Nicht jedoch Darven und Shola, dessen Eifersucht auf Kord ziemlich überzogen erscheint und kaum nachvollziehbar ist. So viel Vertrauen sollte er in seine Frau schon haben, jedenfalls als sie noch normal war, hätte er dieses haben sollen. Mit dem Befall durch die Käfer sieht das aber anders aus. Die Käfer scheinen auch nur als eine Art Boten gedacht zu sein, die eine wie auch immer geartete Saat ausbringen sollen. FazitDie dritte Trilogie ist irgendwie interessanter geraten, als ihr unmittelbarer Vorgänger, obwohl auch sie an die erste Trilogie nicht heranreichen kann, jedenfalls noch nicht. Trotzdem ist eine Steigerung, eine Entwicklung, gegenüber dem ersten der beiden Bände feststellbar. Die Geschichte ist interessant und die Figuren sind lebendig, die Atmosphäre der Geschichte dicht und von den beiden Autoren wunderbar eingefangen. Insofern ein durchaus lesbares Ergebnis. GUT. Da die Trilogien ja aus Romanen bestehen, die aufeinander aufbauen, kann man wohl erwarten, dass im nächsten Band „Bruderkrieg“ auf die entstandene Situation mit den neuen Menschen auf dem Mars näher eingegangen wird. Und der Titel wird sich wohl darauf beziehen, dass die neuen gegen die alten Menschen ankämpfen werden, oder umgekehrt. Hoffen wir auf weitere spannende Enthüllungen. |
Mission Mars
1. Die Ankunft |

Shola Angelis im freien Fall. Ihre Neugier brachte sie in Gefahr und nun stürzt sie durch den Schacht, der sich unter ihr geöffnet hat. Aber sie hat keine Angst und sie hat auch kaum einen Grund dazu, denn der Schacht bremst sie ab. Bis sie auf dem Grund ankommt und dort sanft aufsetzt.