5. Thomas Ziegler - Die letzten Tage Lemurias

Lemuria 5Angriff der Haluter - und die Lemurer können nichts dagegen tun. Mit ihren Paratronschirmen und den Intervallkanonen sind sie der Halbraumtechnik dieser Zeit weit überlegen. Diese Erkenntnis gewinnt auch Thore Bardon, der der Kommandant einer kleinen Gruppe lemurischer Schlachtschiffe ist. Sie treffen mit den Bestien zusammen und werden beinahe von ihnen vernichtet - eine Tatsache, die das Ende all ihrer Hoffnungen wäre.

Im Krieg hat er bereits viele Menschen verloren, die für ihn wichtig waren. Während er eine wichtige Industriewelt verteidigen half, haben die Bestien eine weniger wichtige Agrarwelt vernichtet. Mit dem Schönheitsfehler, daß auf dieser Welt seine Familie war. Seine Frau und seine Kinder - für immer verloren. Und da ist er bei weitem nicht der einzige im Verband.

Die IBODAN ist sein Schiff. Sie haben keine Chance gegen die Bestien. Und deshalb fliehen sie lieber, wenn sie ihnen begegnen, was gar nicht so einfach ist, wenn der Halbraumantrieb nicht geht. Es wird knapp, aber es gelingt und damit ist die letzte Hoffnung nicht vernichtet. Sie sollen eine Welt anfliegen, auf der sich Zeittransmitter befinden. Vielleicht können sie damit die Bestien schon besiegen, bevor sie überhaupt angreifen. Und seine Familie aus dem kalten Grab holen. Ein schöner Traum, der beinahe unter den Intervallkanonen der Bestien in Energie vergeht.

Und es wird nicht besser - kaum folgen sie einem Notruf, das das Flaggschiff der siebten Flotte ausstrahlt, schon tappen sie wiederum in eine Falle. Und diesmal haben sie keine Chance, denn die Reparatur ihres Antriebs würde 30 Minuten dauern. Viel zu lange. Die beiden Begleitschiffe werden deshalb weggeschickt und die IBODAN stellt sich den vier angreifenden Haluterschiffen.

Ein auftauchender Verband von 30 Kampfschiffen erscheint im letzten Augenblick und hilft ihnen, allerdings nicht ohne Opfer. Der kleine Verband um die IBODAN ist auf zwei Schiffe zusammengeschmolzen und der Verband der Helfer auf 20 Einheiten. Darüber hinaus besteht der Admiral der kleinen Flotte darauf, dass Thore Bardon mit seinen zwei Einheiten in seine Flotte integriert wird, denn die Verteidigung von Tanta III ist wichtiger. Auf den Widerspruch des Kommandanten wird nicht gehört.

Unterdessen erscheint Icho Tolot in der Vergangenheit. Er muss sich erst orientieren, denn sein körperloser, entstofflichter Rücksturz in die Vergangenheit kostet ihn zunächst alles Wissen. Als er wieder weiß, wer er ist, und weshalb er unterwegs ist, findet er sich in einem geschlossenen Raum wieder. Die Situation ist eine andere, als auf der Ausgangswelt im Gorbas-System. Tolot bemerkt, dass er nicht eine Zeitmaschine, sondern einen Zeittransmitter benutzt hat. Wo er gelandet ist, kann er aber noch nicht sagen. Das Wann hingegen ist einigermaßen klar. Die Lemurer, denen er begegnet, reagieren traumatisch auf den Haluter, was bedeutet, dass sie seinesgleichen und die Gefahr, die von den Bestien ausgeht, sehr wohl kennen. Es wird sich also um die Endphase des etwa einhundert Jahre währenden Krieges gegen die Bestien handeln.

Wie er weitermachen soll, weiß der Haluter aber nicht. Und so läuft er erst einmal weg und versteckt sich, denn töten möchte er nicht unbedingt. Wer weiß denn schon, welche Auswirkungen das auf die Zukunft haben könnte?

Als er in Sicherheit zu sein glaubt, greifen die Bestien an und er hat die Wahl, entweder Flucht oder Kampf. Er entscheidet sich gegen sein Planhirn und will gegen die Haluter kämpfen, denn ihm scheint klar, dass die Bestien den Zeittransmitter ohne langes Zögern gegen die Lemurer verwenden werden. Dass andernorts bereits ganz ähnliche Pläne geschmiedet werden, ahnt er allerdings nicht.

Levian Paronn ist der Technad von Tanta III. Er hat das Memo von Thore Bardon vor sich liegen und erkennt sofort die Chance, die sich ihm bietet. Dieser Levian Paronn hat bereits einen Zellaktivator erhalten, von einem Wesen mit einer schimmernden Aura, den er für den Zwölften Heroen Veraátho hält. Und er gedenkt, die Informationen über den Zeittransmitter zu nutzen. Zwar sind ihm die theoretischen Erwägungen der Temporalphyisk geläufig, aber er weiß nicht, dass es Gruppierungen gibt, die bereits sehr weit fortgeschritten sind in der Anwendung. Der Suen-Klub jedenfalls schein ein fertiges Exemplar eines Zeittransmitters bereits fertiggestellt zu haben.

Es erscheint logisch, diesen nun gegen die Bestien einzusetzen. Etwa dreißig Jahre vor Ausbruch des Krieges, denkt er sich, mit den Plänen für all die Waffen und Kriegsschiffe, die sie heute haben, das müsste die Rettung sein. Und so befiehlt er dem Admiral, ihm 20 Schiffe und Bardon als Kommandant der Einheiten zur Verfügung zu stellen. Mit dieser Gruppe will er den Vorstoß in die Vergangenheit wagen, wenn es den Zeittransmitter geben sollte.

Der Flug zum System des Suen-Klubs verläuft weitgehend ereignislos und so können sich die Besatzungsmitglieder ihrer Spannung und ihren Ängsten hingegeben. Als sie über dem Planeten erscheinen, ist bereits eine Schlacht im vollen Gange. Bestien haben die Welt entdeckt und sind dabei, sie dem Erdboden gleich zu machen. Ob der Transmitter unter diesen Umständen noch existiert, ist fraglich. Aber das werden sie herausfinden müssen, denn Paronn befiehlt die Landung und ein Ablenkungsmanöver, um die Bestien vom Planeten wegzulocken. Und so zeigt sich ein Teil der Flotte den Bestien. Als sie angreifen, ergreifen sie die Flucht und locken so alle Bestienschiffe aus dem System.

Aber auch auf dem Planeten sind welche zurückgeblieben.

Das merkt auch Tolot, der sich gegen eine der Bestien stellt und mit der Unterstützung lemurischer Soldaten, schaffen sie es auch, den Gegner trotz verhärtetem Metabolismus zu vernichten. Die Soldaten, obwohl sie kurzzeitig mit dem Haluter zusammengearbeitet haben, können sich aber nicht vorstellen, dass er wirklich die Seiten gewechselt hat. Und kaum ist die Bestie vernichtet, stellen sie sich wieder gegen den Haluter aus der Zukunft. Tolot erkennt, dass es wirklich nicht leicht werden wird, in dieser Zeit Verbündete zu finden.

Und so will er Taten sprechen lassen. Wiederum greift er eine der gegnerischen Bestien an und tötet sie. Erschreckt stellt er fest, dass er dieses töten sogar genießt. Ein Haluter in Drangwäsche - er erkennt, dass er das Erbe der kriegerischen Vorfahren immer noch in sich trägt. Aber er kann es kontrollieren.

Als er in eine Funkstation eindringt, trifft er auf Lemurer, die sich lieber selbst töten, als ihm in die Hände zu fallen. Und auf einem Bildschirm sieht er ein Gesicht, das ihm bekannt vorkommt. Er reagiert aber nicht darauf, denn im selben Augenblick erkennt er die Selbstzerstörung, die da läuft und flieht lieber aus der Station.

Paronn erreicht mit einem Gleiter den Planeten und stellt sich den Bestien entgegen. Aber sie verlieren die ersten beiden Gleiter bereits, während sie gegen eine einzige Bestie kämpfen. Offensichtlich müssen sie sich auch noch eine Weile mit der Gefahr befassen, denn die Mitglieder des Suen-Klubs melden sich nicht. Und so wenden sie sich auch gegen die Bestie in der Funkstation, die sie kurzfristig auf einem Bildschirm gesehen haben. Tolot gerät ins Fadenkreuz der Lemurer und da er nicht töten will, flüchtet er lieber. Er schafft es, zu entkommen, aber letztendlich bleibt ihm nun nur noch ein Ausweg. Da auch er inzwischen erkannt hat, dass der Planet unter einem unlöschbaren Atombrand liegt, bleibt ihm nur noch eines. Er muss sich zum Zeittransmitter durchschlagen, in die Vergangenheit gehen, wo die Bestien noch nicht bekannt sind und bei der Herstellung der Archen helfen. Und er muss Paronn finden. Er ahnt nicht, dass der unsterbliche Lemurer ganz nahe ist.

Dafür ahnt dieser inzwischen, dass die Bestie in dem ungewöhnlichen roten Schutzanzug eventuell anders ist, als diejenigen, gegen die sie sonst gekämpft haben. Sie hat ihnen etwas zugerufen und in Richtung der Station gezeigt, wo sich der Zeittransmitter befindet. Leider ist das Gerufene mit Bordmitteln nicht entschlüsselbar. Und so lässt Paronn das Bordgehirn ihres Raumschiffes die Aufnahmen sichten. Er selbst dringt in den Stützpunkt ein und trifft auf Lemurer, die seinen Plänen eher ablehnend gegenüber stehen. Die eigene Rettung ist ihnen jedenfalls wichtiger, als temporale Spinnereien eines Technads. Widerstrebend erklärt er sich mit einer Rettungsmission einverstanden. Sie haben einen Tag Zeit bevor der Planet verbrannt ist. Und natürlich hat er mit seinen Bedenken Recht. Die erste Gruppe kann noch evakuiert werden, aber als die zweite abgeholt wird, wird das Schiff von Kommandant Thore Bardon vernichtet - mit vielen Lemurern an Bord. Und die Bestien beschränken sich nicht nur auf das Schiff, sie greifen auch den Stützpunkt an.

Nun kann nur noch Tolot helfen. Er greift ein und hilft dabei, die beiden Bestien zu besiegen. Danach ist er aber so geschwächt, dass ihn die Lemurer gefangen nehmen können. Nur Paronn erkennt, dass die Bestie ihnen geholfen hat und entschließt sich zögernd, dem Besucher aus der Zukunft zu vertrauen. Der erweist sich dieses Vertrauens als würdig und verhilft ihnen zu einem Haluterschiff, einem leichten Kreuzer, einhundert Meter durchmessend. In diesen verladen sie den Zeittransmitter und fliegen nach Lemur.

Tolots Anwesenheit, und die Ankunft in einem Schiff der Bestien, lässt sich zwar kaum begründen, aber irgendwie schaffen sie es doch. Auf Lemur setzen sie den Zeittransmitter wieder zusammen und wollen ihn auch in Betrieb nehmen. Aber einer der Helfer um Paronn, der von Bestien bereits grauenhaft gefoltert wurde, kann dem Haluter nicht vertrauen. Und so verschwindet er erst einmal, um allein zu sein, seine Gedanken zu ordnen. Da übernimmt etwas seinen Körper. Er kann nur noch beobachten, wie er zum Verräter am lemurischen Volk wird. Und ihm wird zu spät klar, dass die Bestien ihn konditioniert haben. Er verrät das geplante Zeitexperiment.

Tolot ist es gelungen, Paronn seine Planungen auszureden und ihn auf die wirklich erlebten Vorkommnisse einzuschwören. Der Lemurer will es zwar nicht glauben, aber die Begründung des Haluters klingt durchaus plausibel. Er macht ihm klar, dass die Bestien aus einer anderen Galaxis kommen und von der Ersten Schwingungsmacht geschickt wurden. Diese Auftraggeber können die Haluter erheblich früher mit den notwenigen Anlagen wie Paratrons ausstatten und so würde das Experiment vor allem dem eigenen Volk schaden, weil es nicht die Zeit hätte, sich mit den Sonnentransmittern nach Karahol in Sicherheit zu bringen. Paronn stimmt zu, es mit den Sternenarchen zu versuchen. Insgeheim will er aber die von Tolot beschriebene Waffe gegen die Bestien aus der Zukunft holen.

Das Zeitexperiment gelingt, aber im letzten Augenblick, als die Bestien bereits angreifen. Und Tolot gerät in ihre Gewalt. Er kann sich mit Geschichten über die angeblich führende Rolle der Bestien in der Zukunft das Vertrauen seiner Vorfahren erschleichen, die mit der Zeitmaschine nun ihrerseits in die Vergangenheit reisen wollen, um Paronn aufzuhalten. Tolot erinnert sich an eine Episode aus Rhodans Erzählungen, in der Paronn ein Schiff der Bestien vernichtet hat. Er schmiedet deshalb einen Plan, der auch gelingt. Ein Schiff der Bestien erreicht daraufhin dank seiner Stealth-Viren mit erheblichen Schäden die Vergangenheit. Ein zweites kann er übernehmen und das Superschlachtschiff der Bestien ist lahmgelegt. Der Zeittransmitter selbst scheint noch zu existieren, aber er funktioniert vorläufig nicht. Und die Unterlagen über die Archen, die die Bestien erbeutet haben, kann Tolot ebenfalls an sich nehmen. Mit ihrer Hilfe kann er dann auch alle Archen anfliegen und zu dem Hüter werden, als der er in der Zeit, aus der er stammt, bekannt ist. Aber wer weiß, vielleicht verzichtet er ja darauf, an Bord der LEMCHA OVIR zu reisen und verändert die Vergangenheit damit? Die Möglichkeiten, die er nun hat, erscheinen ihm ungeheuer vielältig.

Fazit

Nun liegt er also hinter uns, der letzte Roman von Thomas Ziegler.Der Autor, der im wahren Leben Rainer Zubeil hieß, starb wenige Tage nach Vollendung des Manuskripts - wie es im Buch steht - an Herzversagen. Am 11. September 2004 war das, aber mit dem Erscheinen seines letzten Romans wird einem die Tatsache erst so richtig bewusst.

Band 5 der Lemuria-Serie ist ein geradlinig geschriebener Roman, der leider den besonderen Humor und die Skurrilität seiner sonstigen Romane etwas vermissen lässt. Trotzdem ist er ein Lehrstück einer spannenden Geschichte, die unterhaltsam ist und über weite Strecken ein ungeheures Tempo hat.

Etwas merkwürdig muten allenfalls die Gedanken Tolots an, der die Bestien unbedingt aufhalten muss, weil sie sicher keine Skrupel hätten, den Zeittransmitter einzusetzen und gegen die lemurische Menschheit zu verwenden. Kaum nachvollziehbar angesichts der Tatsache, dass die Bestien ein Produkt der ersten Schwingungsmacht darstellen, das ausgesandt wurde, um Zeitverbrechen der Lemurer zu sühnen und zu verhindern. Ausgerechnet die Polizei soll ein Paradoxon herbeiführen wollen?

Die Gedanken über temporale Kausalität hingegen sind nachvollziehbar, an anderer Stelle sicher in ähnlicher Form schon so verbreitet worden und insofern auch glaubwürdig. Trotzdem vermisst man manchmal den Gedanken, der seit Tradom bei Zeitexperimenten eigentlich gegenwärtig sein müsste: Es geschieht, weil es geschah. Immerhin entspricht die Theorie des Levian Paronn in etwa dieser Gesinnung, denn er ist der Meinung, dass solche Zeitexperimente keinen Unterschied machen. Im eigenen Universum wird sich nichts verändern, allenfalls wird es ein neues Universum, einen Seitenzweig mit veränderten Bedingungen geben, von dem der Erzeuger allerdings wenig mitbekommt, höchstens in einer anderen, parallelen Ausprägung seiner selbst. Paronn formuliert dies als Theorie der Mulitversen, scheint in dieser Zeit aber ein eher wenig anerkannter Wissenschaftler zu sein.

Bei genauem Nachdenken, gibt es sicher noch mehr Ungereimtheiten, so zum Beispiel auch die Frage, ob der Zeittransmitter nun eine Gegensation braucht, oder nicht. Laut Band 2, wo Paronn quasi vom Himmel fiel, wohl eher nicht. Andererseits materialisierte Tolot im Zeittransmitter und erst dadurch wurde auch seine Begegnung mit Paronn möglich. Was ist nun der Fall, eventuell beides?

Trotzderm werden die losen Fäden der vier Vorgängerromane hier zusammengefügt und logisch verknüpft, ergeben insofern ein schlüssiges Ganzes, was bei einer solchen Zeitschleife, die ja auch nicht linear präsentiert wird, wohl nicht ganz so einfach ist. Das Experiment ist gelungen und zurück bleibt eigentlich nur die Frage, wie denn nun Band 6 aussehen wird, denn für Hubert sind gar nicht mehr so viele Rätsel übrig geblieben. Einzig die Frage nach den 250.000 Klonbestien, die wohl Nachfolger der Zeitgerechten sein werden und insofern eine ungeheure Gefahr darstellen, ist noch übrig. Und natürlich wie Rhodan und der nun erheblich ältere Tolot - älter sogar als Atlan - mit dieser Gefahr denn fertig werden.

Wir dürfen uns jedenfalls überraschen lassen, wie der sechste Band das Geschehen auflöst. Hoffentlich wird es nicht wieder so, wie in der Vorgängerreihe "Odyssee" sein, wo man den sechsten Band eigentlich besser weggelassen hätte. Aber angesichts der noch offenen Fragen, gibt es in jedem Fall noch einiges aufzulösen.

Band 5 jedenfalls hat eine Menge Qualitäten und verdient sich insofern ein SEHR GUT.

PR - Lemuria

1. Die Sternenarche
2. Der Schläfer der Zeiten
3. Exodus der Generationen
4. Der erste Unsterbliche
5. Die letzten Tage Lemurias
6. Die längste Nacht


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