1. Frank Borsch - Die Sternenarche

Lemuria 1Perry Rhodan hat sich an Bord eines privaten Prospektorenraumschiffes begeben, um in einem entlegenen Teil der Galaxis nach den Akonen zu suchen. In diesem Bereich ist nicht nur das Forum Raglund, vor allem mit den Blues, gerne vertreten, um nach neuen Welten zu suchen, auf denen sich wertvolle fünfdimensionale Schwingquarze finden und ausbeuten zu lassen.

Die Akonen trifft er zwar nicht, aber dafür verlieren sie eines der Scoutschiffe, das den umliegenden Weltraum absuchen soll. Als sich das Schiff nach einem Hypersturm nicht mehr meldet, wird eine Suchaktion angesetzt, die allerdings ergebnislos verläuft.

Perry Rhodan erkennt sehr schnell, dass von dem Schiff nicht mehr viel übrig ist. Als sie auf ein Wrack treffen, das steuerlos durch das All treibt, wollen sie zunächst weiterfliegen. Das Wrack nehmen sie aber doch auf, bevor sie weitersuchen. Die Kommandantin kann sich zunächst nicht so recht entscheiden, Perry macht ihr aber schnell klar, dass sie nahezu Lichtgeschwindigkeit fliegen und aufgrund der relativistischen Effekte, sollten sie doch sehr schnell das Schiff bergen und weiterfliegen. Dies vor dem Hintergrund, dass in der Zeit, in der sie in diesem Geschwindigkeitsbereich unterwegs sind, außerhalb des Schiffes viel wertvolle Zeit vergeht, die sie besser mit Suchen verbringen sollten.

Aber ihm ist auch klar, dass sie von dem Schiff und seiner Besatzung wohl nicht mehr viel finden werden. Die andere Hälfte von dem Wrack dürfte vermutlich schuld am Ende des Schiffes sein.

Das Schiff erweist sich als Beiboot, denn ihm fehlen die Möglichkeiten zu einer langen Reise. Damit muss es auch ein Mutterschiff geben. Bei der Erkundung finden sie zumindest einen bewusstlosen Humanoiden, der im einzigen noch einigermaßen warmen Raum des Schiffes liegt und schon mehr tot, als lebendig, ist. Der Humanoide lässt sich von Perry zunächst beruhigen, aber als er die uniformierte Kommandantin sieht, ist es mit der Ruhe vorbei. Er greift nach dem Strahler, den die Kommandantin fahrlässigerweise fallen lies, und erschießt sich damit.

Vernon hieß der Insasse dieses Beibootes. Und Vernon träumte von den Sternen. Sein Leben an Bord des Schiffes, mit dem sie schon so lange durch das Weltall fliegen, verläuft eintönig, wie das aller Mechaton. Sie müssen in den Außenbereichen des Schiffes arbeiten, wo sie der Weltraumstrahlung ausgesetzt sind. Zwar sind sie deshalb durchaus kräftig, außerdem gesund durch rationierte, ausgewogene Ernährung, aber die Strahlung des Weltalls zerstört ihre Erbsubstanz uns schädigt sie sehr stark. Dazu kommen der ständige Energiemangel und die endlichen Ressourcen des Schiffes. Mit ihnen müssen sie haushalten, so gut es geht. Deshalb sind die Regeln im Schiff sehr streng und die Menschen müssen sich eine Bevormundung gefallen lassen, die an Diktatur grenzt.

Vernon und einige seiner Freunde träumen von den Sternen und der junge Mensch erhält Informationen, wie er zu ihnen gelangen kann. Noch bevor das Schiff ihn daran hindern kann, verlässt er das Schiff durch eine Rettungsschleuse und betritt ein Beiboot, mit dem er fliehen will. Die Sicherheitskräfte des Schiffes kommen ein klein wenig zu spät, viele von ihnen sterben, als Vernon rücksichtslos das Schott zerschießt und die Körper nach draußen gerissen werden. Der junge Mensch selbst erkennt sehr schnell, dass er nun zwar bei den Sternen, ansonsten aber zum Sterben verurteilt ist. Als er gerettet wird, kann er es kaum fassen. Die Stimme des Terraners Perry Rhodan beruhigt ihn zwar scheinbar, aber als er die schwarze Uniform der Kommandantin sieht, ist ihm klar, dass er wieder in die Hände seiner Häscher gefallen ist. Um seinem Schicksal zu entgegen, richtet er sich selbst hin. Seine Schwester indessen fährt mit dem Fahrrad verzweifelt durch das Schiff und sucht nach ihrem Bruder, mit dem sie so vieles verbindet. Aber auch ihre Freunde wissen nicht, wo er ist, und gerade, als sie sich dazu entschließt, ihn zu melden, kommt die Nachricht aus dem Netz des Schiffes, dass ihr Bruder einen schweren Verrat an den Idealen des Schiffes begangen hat. Ab sofort, ist ihr klar, wird man auch sie jagen und gnadenlos versuchen, sie zu fangen, sie für den Verrat zu bestrafen, den der Bruder begangen hat und den ihre gesamte Organisation darstellt.

Als sie schon glaubt, gefangen zu sein, wird sie von einem Tenarch, der ebenfalls zu ihrer Gruppe gehört, im letzten Augenblick gerettet. Dafür gerät eine andere aus der Gruppe in Gefangenschaft und Mika wird unter der Folter sterben müssen, nachdem sie ihre Kameraden verraten hat.

Sie versteckt sich bei einem Temuren, der zu den Führungskräften des Schiffes gehört, aber heimlich auf der Seite der Träumer steht. Dort kann sie aber nicht lange bleiben. Da ist es gut, dass ihr Bruder wohl ahnte, was auf sie wartet und deshalb ein Geschenk für sie versteckt hat. In dem Geschenk findet sie eine neue Identität, die ihr ermöglicht, unerkannt vom Bordrechner weiterhin auf dem Schiff leben zu können. Dafür muss sie aber auch eine neue Aufgabe erfüllen, die ihr nicht so sehr gefällt. Mit der sie sich aber mit der Zeit auch anfreunden kann. Denn anstatt auf den Feldern im äußeren Deck, ist sie nun in den Lüftungsschächten unterwegs.

Inzwischen geht die Jagd nach all den Träumern weiter und alle, außer Vernons Schwester, werden gefunden. Das Mädchen verrät sich dabei oft beinahe selbst, weil sie immer wieder erfahren muss, dass Menschen gestorben sind, die sie zu ihren Freunden zählte. Aber sie hält sich zurück und nimmt ihr neues Leben an.

Während der Herrscher des Schiffes sich mit seinen persönlichen Zipperlein befassen muß und außerdem nebenbei die Suche nach den Rebellen betreibt. Denn es gibt nur ein wichtiges Dogma und das ist, daß alles, was außerhalb des Schiffes ist, gefährlich ist. Inzwischen treffen Perry Rhodan und das Prospektorenschiff bei dem Raumschiff der Lemurer ein. Der Unsterbliche brachte sie darauf, daß sie nach einem solchen in der Nähe suchen sollten, denn das Beiboot alleine war wohl kaum in der Lage, dort aufzutauchen. Und so erreichen sie das Schiff, kurz bevor ein weiteres Schiff dort auftauchen kann. Der Neuankömmling hat abgeplattete Pole und ist eindeutig akonischer Bauaurt ...

Die Akonen erweisen sich aber als sehr menschlich. Der Kommandant des Schiffes ist ein Typ, den man als eher leger bezeichnen muss, obwohl die Akonen ansonsten großen Wert auf Etikette legen. Und auch die Bordhistorikerin ist eher eine Außenseiterin, die sich in Foren herumtreibt und dort Kontakt mit dem Feind, nämlich den Terranern, pflegt. Und diese bittet er in die Zentrale, denn er hat etwas geortet. Das er mit ihrer Hilfe als Artefakt der Lemurer deuten kann. Da er ein Forschungsschiff befehligt, interessiert ihn das doch sehr. Und so lässt er das Schiff anfliegen. Um dort mit den Terraner zusammenzutreffen.

Zur Abwechslung entschließen sich Terraner und Akonen zu einer Zusammenarbeit. Beide Seiten wollen lieber erst das Schiff erkundigen, bevor sich Militär damit befasst. Eine Expedition, die aus Mitgliedern beider Schiffe besteht, ist da ein gutes Mittel. Die Expedition erkundet das Schiff und findet viele Dinge heraus, die der Leser bereits aus den Schilderungen des Lebens an Bord kennt.

Außerdem gibt es einen Austausch. Von jedem Schiff geht eine Person an Bord des anderen Schiff und bildet so eine Art Geisel. Während sich der terranische Abgesandte über die vorbildliche Art der akonischen Gastgeber nur wundern kann, geht es umgekehrt der Akonin an Bord der terranischen Schiffes genauso, allerdings in eher negativem Sinne. Ausgerechnet der Funker wird ihr zugeteilt, weil der Funkkontakt mit der Expedition ohnehin unter dem Ortungsschutz des Schiffes verschwunden ist. Und so muss die Akonin nicht nur terranisches Bier kennen lernen, das ihr allerdings sehr vertraut ist. Nachdem der Sixpack leer ist, geht es weiter mit einem Joint, den sich der Funker dreht und den er dann gemeinsam mit der Akonin raucht…

An Bord des lemurischen Schiffes hat die Expedition unterdessen - unter Beteiligung Rhodans übrigens - die äußere Ebene erreicht und besichtigt die leeren Gartenanlagen, in denen sich niemand aufhält. Die Bewohner haben die Flucht ergriffen, denn sie fürchten die Eindringlinge. Aber nicht Vernons Schwester, die sich ihnen sofort nähert. Bevor sie eintrifft, finden die Suchenden aber noch einen verborgenen Altar, der einigermaßen Zweifelsfrei einen Haluter zeigt. Keine Bestie. Solche haben die Kolonisten noch nicht kennen gelernt, denn als ihr Schiff abreiste, gab es solche noch nicht für die Lemurer.

Die erste Begegnung haben sie dann mit der Schwester des Mannes, der in Perry Rhodans Armen starb. Sie versprechen ihr Schutz, als plötzlich die Truppen des Schiffes auftauchen und der Anführer ihnen entgegenkommt. Perry Rhodan schafft es aber schnell, das Vertrauen dieser Menschen zu gewinnen. Er redet nicht nur ihre Sprache, sondern er identifiziert ein Amulett, das der Kommandant des Schiffes trägt, als Zellaktivator, der aber offensichtlich Funktionsstörungen hat. Er kann den Träger nämlich nicht vor seinen Problemen mit dem Altern schützen. Rhodan gibt sich ebenfalls als Träger eines Aktivators zu erkennen. Sie erfahren, dass die Träumer alle gerade hingerichtet werden sollen. Da die Kommunikation mit dem Mann, der die Hinrichtung leiten soll, nicht gelingt, fliegt einer der Akonen mit einem Drachen zu der Schleuse, aus der die Menschen geworfen werden sollen. Er kommt aber zu spät, sie sind alle bereits tot. Mit der Hinrichtung betraut war ausgerechnet der Mann, der Denetree vor der Verfolgung rettete. Er ist untröstlich über das vermeidliche Ende der Träumer.

Und plötzlich sind überall Soldaten der Akonen. Eine Flotte kreuzte in der Nähe und wollte unbedingt wissen, was das Forschungsschiff so tut. Der Kommandant konnte das Erscheinen nicht verhindern und damit nehmen die Militärs das Schiff in Besitz. Die Historikerin schafft es aber noch, den Militär davon zu überzeugen, dass Denetree eigentlich eine getarnte Terranerin ist. Sie wird daraufhin mit den Menschen auf ihr Schiff gebracht.

Am Ende feiern beide gemeinsam auf der Botschaftswelt der Maahks.

Fazit

Frank Borsch führt uns auf ruhige Weise in die Geschichte ein. Vordergründige Action lässt er dabei zu Gunsten einer durchdachten Geschichte mit sehr gut recherchiertem Hintergrund einfach weg, was der Geschichte gut tut. Auf gefällige Weise beschreibt er die Figuren, spielt eine seiner großen Stärken, nämlich das Charakterisieren seiner Protagonisten, voll aus. Und in diesem Roman hat er auch den Platz dazu.

Die neue sechsteilige Taschenbuchserie aus dem Heyne-Verlag, umfasst ganze 300 Seiten, die allerdings nicht ganz so eng gesetzt sind, wie man das aus der Vergangenheit kannte. Im ersten Band werden die Figuren dieser Geschichte eingeführt und der Hintergrund wird erläutert. Ein Raumschiff aus der Vergangenheit taucht plötzlich vor den Augen des Terraners auf, als er gerade danach trachtet, die Verhältnisse mit den Akonen etwas zu verbessern, und zwar auf durchaus informellen Wegen. Damit haben wir einmal nicht eine erzwungene, künstliche Zeitblase oder auch eine sinnlose Reise in die Zukunft, um die Geschichte serienunabhängiger präsentieren zu können. Ein Generationenschiff der Lemurer ermöglicht einen Einblick in die Vergangenheit, mit Wesen, die schon lange an der Lichtmauer entlang gereist sind, somit in scheinbar kurzer Zeit einen großen Zeitraum und eine gewaltige Entfernung überbrückt haben, ohne jedoch ihr Ziel erreicht zu haben. Eine gute Gelegenheit für Perry Rhodan und den Leser, um viele Informationen aus einer bewegten Vergangenheit zu erfahren. Es scheint, als würde das Konzept dieser Serie einmal etwas anders, als üblich sein, und die Welt, die der Autor erschafft, weiß durchaus zu faszinieren.

Wenn der Rest der Geschichte ebenso gut und gewissenhaft präsentiert wird, dann darf man sich mit Lemuria wohl auf ein besonderes Abenteuer gefasst machen, das dem Leser viele interessante und spannende Stunden bescheren wird.

Geheimnisse gibt es jedenfalls genug zu lösen. Warum zum Beispiel treffen sich beide Parteien auf der Botschaftswelt der Maahks und feiern dort eine Art Karaoke-Party? Warum hat der Kommandant des lemurischen Generationsraumschiffes einen Zellaktivator? Und was soll der Haluter, den die Lemurer offensichtlich verehren? Fragen über Fragen … Insgesamt eine Leistung des Autors, die man als GUT bewerten muss. Frank hat die Aufgabe der Protagonistenvorstellung exzellent gelöst und weiß zu unterhalten.

PR - Lemuria

1. Die Sternenarche
2. Der Schläfer der Zeiten
3. Exodus der Generationen
4. Der erste Unsterbliche
5. Die letzten Tage Lemurias
6. Die längste Nacht


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