41. Marc Tannous - Das falsche Universum

Bad Earth 41Die Virgh greifen an - und die RUBIKON steht am Abgrund. Mit diesem Cliffhanger ließ Marten Veit den Leser nach dem letzten Band allein. Am Anfang steht die Auflösung: Auch Torrel versagt. John Cloud sieht sich gezwungen, mit der letzten Waffe anzugreifen, die er noch aufbieten kann. Die Kontinuumswaffe schafft einen Riss zwischen den Welten. Aber außer den Schiffen der Virgh, die immer mehr werden, wird auch die RUBIKON selbst ein Opfer ihrer eigenen Waffen. Die Schüsse der Virgh treffen nicht nur das Schiff und vernichten den Schutzschirm, der es umgibt, sie reißen auch die Anker aus dem Universum, das ein Abdriften des eigenen Schiffes verhindert. Und die RUBIKON verschwindet ebenfalls durch den Riss …

John Cloud erwacht als erster in seinem Sarkophag und muss feststellen, dass es kein Licht mehr gibt. Kein Licht, keine Energie, keine künstliche Intelligenz. Er liegt in dem Sarkophag wie lebendig begraben, aber er kann ihn nicht öffnen. Klar muss es eine Schaltung geben, die für einen solchen Notfall vorgesehen ist. Oder sind die Foronen so arrogant, auf eine solche zu verzichten? Cloud verzweifelt beinahe, mit einem solchen Vorfall konnte wohl niemand rechnen. Aber als er schon in Panik geraten will, klappt der Deckel doch plötzlich auf. Nur weiß Cloud nicht so recht, was er getan hat, um das zu erreichen. Allerdings hat er einen gewissen Hebel im Verdacht, der da am Fußende des Sarkophags lauert …

Was auch immer der Grund war, er ist frei. Und seine Freunde? Die kann er von außen nicht befreien - aber Jarvis kann es sehr wohl. Er sprengt sein Gefängnis und nach und nach auch das der Gefährten. Und stellt dann fest, dass sie vermutlich schon nicht mehr allein in dem Schiff sind. Cloud begrüßt die langsam erwachenden Freunde und reagiert dann auf Jarvis. Fremde im Schiff? Er kann sich nicht einmal darüber aufregen, denn plötzlich sind sie da, die Foronen. Wie aus dem Nichts erscheinen sie in der Zentrale und übernehmen sofort das Kommando. Widerstand ist zwecklos, das muss Cloud erkennen. Ein merkwürdiger Energieball lähmt ihn und alle anderen - außer Jarvis, dessen unglaublicher Körper im letzten Moment zerfließen kann und die Energiekugel einfach so durchlässt. Dafür formt er nun selbst seine Arme zu Dolchspitzen um und will den Angreifer angreifen. Das bekommt ihm nicht gut, denn die anderen Ankömmlinge schießen ihre Energiekugeln nun gleichzeitig ab und gegen vier davon kommt auch Jarvis nicht an. Er zerfließt zu einer Pfütze.

Cloud wird von dem Foronen darauf hingewiesen, dass sie nun das Schiff übernommen hätten und Cloud und die seinen darin nicht mehr willkommen wären. Aber der Mensch weißt ihn darauf hin, dass er das Schiff nicht verlassen kann, weil ihn die SESHA nicht lässt. Der Forone löst das Problem für den Menschen und verlässt mit ihm zusammen das Schiff. Die anderen folgen ebenfalls nach.

Durch einen Korridor im All scheinen sie mit gewaltigen Schritten zu gehen, immer näher auf eine Konstellation zu, die aus zwei Planeten besteht, die durch eine Art Brücke verbunden sind. Poranauu ist die Hauptwelt der Foronen in Samragh. Und die Menschen dürfen sich als Gäste betrachten. Als sie die Welt erreichen, werden sie darauf hingewiesen, dass man sie erst durchleuchten müsse und dann würden sie zum Herrscher gebracht. Cloud willigt ein, ist darüber aber nicht sehr begeistert. Vor allem nicht darüber, dass sie zum Herrscher der Foronen gebracht werden sollen.

In den Verhören sagt er die Wahrheit und muss schnell erkennen, dass es wohl nicht so einfach ist, wie gedacht. Sie scheinen in einer anderen Realität zu sein. Vermutlich in einem parallelen Universum. Die Foronen erkennen, dass Cloud die Wahrheit gesagt hat. Sie wollen ihn deshalb zusammen mit den Freunden als Gäste aufnehmen, sein Schiff reparieren und sie so lange dem Herrscher vorführen.

Von dem Angehörigen eines Hilfsvolkes, der wie ein vergreister Zwerg erscheint, werden sie auf den Palast des Herrschers zugeführt, denn dort sollen sie als Gäste untergebracht werden. Jarvis ist allerdings nicht dabei, er ist angeblich krank und bereits auf dem Weg zu den Gästequartieren. Cloud glaubt den Wesen nicht so ganz, aber ihm bleibt nicht viel anderes übrig, als ihm zu vertrauen. Also fliegen sie mit ihrem Führer und nähern sich dem Palast, der wie eine Pyramide aussieht. Der Sitz des Herrschers selbst soll in der Kugel auf der Pyramidenspitze sein.

Jarvis ist so ungewöhnlich, dass er näher untersucht werden soll. Wirklich krank jedenfalls scheint er nicht zu sein. Und die Foronen, die das Schiff durchsuchen, finden unterdessen den Raum mit den beiden Stasekammern. Sie erkennen, dass Foronen darin liegen und lassen sie sogleich erwecken. Das männliche Wesen erhebt sich und gibt sich als Sobek zu erkennen, als Mitglied es Hohen Rates. Er befiehlt Demut und bezeichnet sich als Herrscher aller Foronen.

Sobek wurde von Jarvis in Stase gelegt, weil er in Band 40 aufgrund seiner Todessehnsucht versuchte, sich das Leben zu nehmen und dabei auch gleich das Schiff zu zerstören. Siroona lag in Stase, weil auch sie versuchte, sich das Leben zu nehmen. Interessant nur, dass die Foronen selbst Cloud gegenüber äußerten, dass es "schon lange" keine Sieben Hohen mehr gibt. Es gibt nur noch einen Herrscher …

Dementsprechend reagieren die Foronen auch auf Sobek. Sie werfen ihn kurzerhand in den Kerker und Siroona gleich dazu. Sie unterziehen ihn einer sehr tiefen Auslotung und holen alle nötigen Informationen aus ihm heraus.

Inzwischen behandelt der Herrscher die Rüstung auf besondere Weise - er entzieht ihr ein Bewusstsein und verpflanzt es in einen Androidenkörper. Aber es ist nicht etwa das Bewusstsein von Jarvis, das er dem Körper entnimmt. Anschließend erzählt er dem Androiden und dessen neuem Bewusstsein eine Geschichte.

Cloud wird derweil von den anderen getrennt und zu Sobek und Siroona gesperrt. Dort tauschen sie sich über ihre neuen Erkenntnisse aus. Die Wachen holen sie ab und bringen sie zum Herrscher. Der entpuppt sich als alter Bekannter. Mont ist der Herrscher der Foronen dieses Universums! Und er gibt zu, dass er die anderen sechs Hohen verraten und ermordet hat, um diese Position zu erreichen. Als Sobek sich darüber entrüsten will, schleudert er ihm die mittlerweile gewonnene Erkenntnis entgegen - nämlich, dass er sehr genau weiß, dass Sobek in seinem Universum der Mörder von Mont ist. Das beweißt er dann sogleich, indem er den Androiden hereinbittet. Siroona kann seine Ausstrahlung ohne weiteres identifizieren und ist fortan auf Sobek nicht mehr sonderlich gut zu sprechen. Auch Mont im Androidenkörper hat mit Sobek ein Problem. Und so beschließt der Herrscher der Foronen des falschen Universums, dass die Menschen in einem Kerker verrotten sollen - zusammen mit den beiden Foronen. Das Schiff hingegen soll in seiner Gewalt bleiben, genauso wie die Rüstung, die ja eigentlich ihm gehört. Oder besser dem Mont aus dem anderen Universum.

Er lässt sie wieder einsperren. Mont und die Rüstung bleiben bei ihm und verschwören sich gegen den Herrscher, der dem Mont aus dem "richtigen" Universum doch zu skrupellos ist. Ihm bleibt nicht sehr viel anderes übrig, als alle Gefangenen zu sich bringen zu lassen, nicht nur Siroona, denn letzten Endes ist es seine immer noch vorhandene Liebe zu ihr, die ihn so handeln ließ. Gemeinsam kämpfen sie sich zum Werftplaneten und zum Schiff durch. Die KI ist inzwischen repariert und holt Cloud per Teleportation an Bord. Dieser holt dann die anderen nach, allerdings ist es für Mont in seinem Androidenkörper zu spät. Er wirft sich todesmutig einer Armee der Wachen entgegen und sprengt sich selbst in die Luft. Mittlerweile können die Menschen entkommen, mit den Waffen des Schiffes ein Loch in die Schleuse schießen und ins Weltall entfliehen. Praktischerweise hat die KI des Schiffes inzwischen auch schon einen Weg gefunden, die Kontinuumswaffe zu benutzen, um die Reise nach Hause antreten zu können. Sie erreichen das eigene Kontinuum, allerdings doch einige Lichtjahre von ihrem Ausgangspunkt entfernt, was nicht so verwunderlich ist. Schließlich mussten sie ja einige Lichtjahre zurücklegen, um ins System der Foronen zu kommen. Sie können sich nun wieder um die Virgh kümmern und versuchen, die Satoga zu befreien.

Fazit

Gut geschrieben, wie man es auch schon vom Einstieg des Marc Tannous in die Serie gewohnt war. Allerdings weißt die Handlungsführung doch einige Ungereimtheiten auf, die den Lesegenuss etwas trüben.

Die Idee, ein Paralleluniversum einzuführen, ist nun sicher keine sonderlich neue, vor allem eines, das bis ins Haar dem eigenen entspricht, mit dem Unterschied, dass einige Dinge anders gelaufen sind, als im eigenen Universum. Zu Hause starb Mont und alle sechs anderen leben noch. In diesem Universum ist Mont der einzige Überlebende.

Dass es Mont war, war nicht im ersten Augenblick offensichtlich, ich hätte zunächst auf Sobek getippt. Trotzdem war es etwas vorhersehbar, dass der Herrscher ein bekanntes Wesen sein würde. Überraschend war hingegen die Tatsache, dass der Mont aus dem eigenen Universum noch nicht ganz tot war, sondern im Körper von Jarvis überlebte. Wie er dort hineingekommen sein könnte, ist allerdings nicht so ganz klar, denn Mont starb in seinem Stasetank. Die Rüstung war dabei aber anscheinend bei ihm, sonst könnte das Bewusstsein wohl kaum dort hineingelangt sein. Aus der Erinnerung an die Romane, geht das aber nicht so recht hervor. Und dann John Cloud in der Waffenkammer der Foronen. Willkürlich rafft er Waffen an sich, kann sie offensichtlich intuitiv auch bedienen und schmeißt ungeniert mit etwas herum, das eine Handgranate sein könnte. Natürlich passiert dann auch genau das, was die Gruppe gerade braucht. Wie in Band 15, frage ich mich wieder, was wäre eigentlich gewesen, wenn die Handgranate eine Mini-Atombombe gewesen wäre, die die halbe Stadt der Foronen in Schutt und Asche gelegt hätte? Mag vielleicht nicht sehr wahrscheinlich sein, dass sich so etwas in der Waffenkammer befindet, aber warum eigentlich nicht? Zumindest hätte Mont seine Kommentare dazu geben können. Das hätte allen Beteiligten geholfen.

Erstaunlich auch, dass sich die SESHA dazu entschied, nur den Kommandanten in das Schiff zu teleportieren. Immerhin haben eine Reihe von Personen die Autorisierung von Cloud erhalten, diese hätten ja immerhin auch transferiert werden können. Alles in allem sind viele der Maßnahmen eher dazu angetan gewesen, die Spannung etwas anzuheizen, aber das war in einige Fällen doch etwas vorhersehbar.

Erstaunlich auch, dass die SESHA sich so lange einen Weg nach Hause überlegen konnte. Und dass das dann auch noch so einfach ist, die Wirkung der Waffe umgekehrt und zurückgeflogen, das war ja anscheinend kein wirklicher Aufwand für das Schiff. Zu einfach.

Und zu kurz. Offensichtlich war der Roman zu lang geraten, so dass Marc am Ende keine Zeit mehr für die Rückkehr hatte. Deshalb werden die Flucht und die Rückkehr auf wenigen Zeilen zusammengedrängt. Man kann aber andererseits auch nicht sagen, dass man andere Teile des Romans dafür hätte weglassen müssen. Die Geschichte wirkte schon wie aus einem Guss.

Höhen und Tiefen also, die dicht beisammen liegen. Die Tiefen sind allerdings nicht ganz so schlimm, die Höhen setzen sich klar durch. Insofern kommt der Roman - trotz weniger Punkte die auffällig sind - auf ein klares GUT.

Bad Earth

25. Sobeks Plan
26. Schatten über Crysral
27. Die Arche der Foronen
28. Das Ende der Freiheit
29. Am Rande der Galaxis
30. Jeltos Traum
31. Der Ruf der schwarzen Sonnen
32. Angriff der Gravo-Läufer
33. Der Vergessene
34. Der Meister des verbotenen Wissens
35. Planet aus Glas
36. Die Brut
37. Das Geheimnis der Spore Auri
38. Der Große Krieg
39. Notruf der Cirr
40. Tod den Cirr
41. Das falsche Universum
42. Der letzte Ganf
43. Die Begegnung
44. Der Jahrtausend-Plan
45. Die träumende Galaxis

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