31. Marc Tannous - Der Ruf der schwarzen Sonne

Bad Earth 31John Cloud macht sich wieder einmal Gedanken. Nicht nur über seine eigene Situation, in die er so unverhofft geraten ist, sondern auch über die Situation seines Vaters, der vor langer Zeit auf den Mars geflogen und dort spurlos verschwunden ist. Erst viele Jahre später, als die beiden GenTec Jarvis und Resnick auf dem Mars angekommen sind, finden sie eine Spur der damals verschollenen Besatzung. Wir kennen die Geschichte bereits. Die damalige Besatzung wurde eingefroren in einer merkwürdigen Substanz und in einem tiefschlafähnlichen Zustand gehalten. Jetzt sind sie schon so lange in diesem Zustand, dass kaum abzusehen ist, wie sie bei einer Erweckung reagieren. Und natürlich ist zu erwarten, dass sie nicht mehr bei Verstand sein werden, erste Experimente in dieser Hinsicht lassen genau das erwarten.

Und so entschied sich John dazu, seinen Vater in diesem Zustand zu belassen. Schließlich ist es besser, ihn immer wieder in einem merkwürdigen Stadium zwischen Tod und Leben besuchen zu können und damit auch zu hoffen, als ihn endgültig tot zu sehen.

Als er die Stelle in der langen Reihe von Eingefrorenen erreicht, an der sein Vater steht, friert er selbst zunächst für wenige Sekunden ein, denn diese bestimmte Stelle ist leer. Zunächst denkt er noch, er hätte sich verzählt, aber dem ist nicht so. All die vertrauten Gesichter, die ihm Respekt und das Gefühl von Verlorenheit einflössen, sind noch da. Nur eben sein Vater nicht.

Und damit schlägt der Mensch erst einmal Alarm.

Er beeindruckt seine unfreundlichen Freunde aber nicht damit. Die Foronen zeigen sich wenig interessiert an der Hysterie eines Menschen und kümmern sich viel lieber um ihre eigenen Probleme. Zum Beispiel diese schwarzen Sonnen, die so merkwürdig undurchdringlich sind. Und einen merkwürdigen Lockruf ausstrahlen. Kein Orterstrahl kommt dazwischen. Der Bereich zwischen den Sonnen wirkt wie ein abgeschiedener Hof, den niemand jemals erreichen kann. Zumindest kann ihn niemand jemals wieder verlassen. Das beweisen auch die Sonden, die von den Foronen ins Innere des Sonnenhofes geschickt werden. Sie verschwinden, werden zerstört, noch bevor sie überhaupt ihre Aufgabe verrichten können. Und das ist ein erheblich wichtigeres Problem, als diese lächerlichen Probleme eines Menschen.

Trotzdem hört Sobek zu und stellt dem Menschen einige Helfer an die Seite. Zunächst geht er selbst mit und schaut sich die Situation an. Es macht ihn doch nachdenklich, als ihm bewusst wird, dass da nicht nur eine Gestalt in einer Tiefschlafeinrichtung fehlt, sondern auch noch alle dazugehörigen Aufzeichnungen nicht mehr zugänglich sind. Das System ist einigermaßen einfach zu bedienen und vor allem John mit seiner Affinität zu der Technik der Foronen kommt sehr schnell dahinter. Deshalb kann er Sobek zeigen, dass viele der Informationen nicht mehr zur Verfügung stehen, einfach verschwunden scheinen. Auch das Bordgehirn kann nicht weiterhelfen.

Ratlos schauen sich die Menschen an und müssen erkennen, dass Sobek immer noch ein schwer auszurechnender Charakter ist. Er hat schnell eine Lösung parat und lässt kurzerhand einen der anderen Wissenschaftler, die Clouds Vater auf der Reise zu Mars begleiteten, aus seiner Erstarrung erwecken. Da die Technik den Foronen wohlvertraut ist, kommt es zu wenigen Problemen bei der Erweckung. Kein Zerfall, kein schreiender Wahnsinn, der sich nur noch in sinnloser Zerstörung und dem eigenen Tod äußert, sondern ein wieder erwachter Wissenschaftler, der aber offensichtlich nicht mehr Herr seiner Sinne ist. Er ist nicht ansprechbar und wird von einer energetischen Zwangsjacke gehalten. Alexej Wolinow sieht eigentlich aus wie immer, aber seine Augen, sein Blick, erzählen eine andere Geschichte. Er reagiert zunächst kaum, horcht aber auf, als er den Namen eines vertrauten Menschen hört. Cloud, das sagt ihm etwas. Und nicht nur das, da war noch etwas anderes. Wolinow war nicht allzu weit von Clouds Vater entfernt geparkt und hat deshalb Dinge mitbekommen, die keiner der anderen gesehen hat. Und er erzählt ihnen von dem katzenhaften Schatten, liefert eine Beschreibung, die bei Jarvis eine Erinnerung auslöst. Eine Erinnerung, die er eigentlich gar nicht mehr haben dürfte.

Boreguir.

Das Wesen, das sie auf dem Mars kennen und schätzen gelernt hatten und das kurz nach ihrer Ankunft auf dem Schiff einfach verschwand oder besser vergessen wurde. Und Jarvis erinnert sich plötzlich an einen Namen, immer mehr Einzelheiten kommen ihm zu Bewusstsein. Die anderen erinnern sich zunächst nicht. Aber mehr und mehr kommt ihnen zu Bewusstsein, dass da etwas war. Und Wolinow nicht nur ein Gespenst gesehen hat.

Und auch Boreguir ist erstaunt, dass sich jemand an ihn erinnert. Das ist noch keinem Vergessenen passiert.

Jelto und Aylea haben ebenfalls einen Auftritt. Sie betreten die Halle mit einer Pflanze, die Jelto in seinem neuen Garten gezüchtet hat. Dabei handelt es sich um eine Pflanze, die die Gegenwart von anderen damit quittiert, dass sie sich einfach schließt und unglaublich zu stinken beginnt. Jelto kennt sie und auch Aylea ist kein Problem, denn sie wird von Jelto gegenüber der Blume sozusagen legitimiert. Aber plötzlich schließt sie sich scheinbar unmotiviert und versetzt die beiden Menschen in Angst und Schrecken. Sie sind mit zwei Foronen unterwegs gewesen, aber das hilft ihnen im Augenblick nichts, denn die beiden sind um die nächste Ecke verschwunden und können ihnen nicht helfen.

Aber der Moment der Panik vergeht.

Auch Scobee hat plötzlich den Eindruck, etwas zu hören. Sie beschleicht gekonnt einige der Tiefschlafbehälter, hinter denen sie den Schatten vermutet und steht unvermutet einer durchaus vertrauten Gestalt gegenüber. Jarvis und Scobee schauen sich verblüfft an, lachen dann aber über den Schrecken, den sie sich vermeintlich gegenseitig eingejagt haben. Den Schemen, der kurz nach ihnen auf leisen Sohlen verschwindet, sehen sie aber nicht mehr. Doch dann verdrängen die Probleme mit dem Sonnenhof doch die Schwierigkeiten mit dem verschwundenen Menschen. John Clouds Vater ist nicht vergessen, aber in den Hintergrund gerückt, als die Menschen sich in der Zentrale versammeln. Zumindest John selbst und Scobee tun das, teilweise unterstützt von Jarvis. Aylea und Jelto hingegen helfen noch etwas bei der Suche.

Die Sonden sind vernichtet, aber die SESHA selbst kann ja durchaus noch aktiv werden. Und so brechen sie schließlich ins Innere des Sonnenhofes auf. Das gelingt zwar auch, sie kommen in den Hof hinein. Dafür verlieren sie kurz darauf die Kontrolle über das Schiff. Hilflos müssen sie mit ansehen, wie das Schiff sich immer näher auf eine Ansammlung von anderen Schiffen zu bewegt, die zunächst einen Alarm ausgelöst haben, sich aber bei genauerer Betrachtung als Wracks erweisen. Die SESHA ist zwar noch kein solches, aber der Antrieb reagiert kein bisschen mehr. Und so kommen sie den Wracks immer näher. Das ist aber noch lange nicht das Schlimmste.

Plötzlich beginnt es.

Überall im Schiff beginnen die Foronen, das Bewusstsein zu verlieren und legen sich an Ort und Stelle hin. Auch Sobek bleibt nicht verschont. Innerhalb kürzester Zeit erlischt jegliches Leben im Schiff. Mit einigen wenigen Ausnahmen. Die Menschen sind noch aktiv und auch Boreguir ist noch durchaus bei Bewusstsein. Aber kein einziger Forone bewegt sich mehr. Und sie sind nicht wieder zum Leben zu erwecken.

Auch die Übernahme der Steuerung und damit verbunden die Koppelung an die künstliche Intelligenz des Schiffes helfen John nicht.

Er erfährt lediglich, dass der schlimmste anzunehmende Fall eingetreten ist. Die Foronen sind tot. Alle. Ohne jegliche Ausnahme.

Das heißt, zwei Ausnahmen gibt es da doch. Zum einen Sobek, zum anderen aber auch Siroona. Nur die beiden Hohen sind noch am Leben und das auch nur deshalb, weil sie in ihre Schutzanzüge gehüllt waren. Spinnenartige Roboter, die Aylea und Jelto in Angst und Schrecken versetzen und vor denen Jelto in Panik davonrennt, die ihn aber einfach an der Decke übersprinten, nehmen die beiden Körper auf und tragen sie davon.

Irgendwohin, wo Cloud sie nicht mehr erreichen kann.

Und notgedrungen wird er von der künstlichen Intelligenz erneut als Kommandant der SESHA akzeptiert. Sie vermeldet, dass der Funkspruch, der sie bisher angelockt hat, verstummt ist. Stattdessen wird ein gänzlich anderer Funkspruch in eine gänzlich andere Richtung abgestrahlt. Dessen Zielt liegt in Samragh. Und die KI kennt sogar die Sprache, die verwendet wird. Es ist die Sprache der Virgh.

Offensichtlich ist der Sonnenhof eine geschickt vorbereitete Falle, in der sich der große Feind auch prompt verfangen hat …

Fazit

Der Roman steht in seiner Qualität der Nummer 30 in nichts nach. Wiederum erzählt Marc Tannous eine spannende Geschichte voller durchaus interessanter Wendungen, die, wenn auch nicht überraschen, so doch in besonderem Masse unterhalten können. Und so ist auch die Nummer 31 ein Roman, der Neugier auf mehr macht.

Einziger Kritikpunkt: Aylea und Jelto erscheinen in dem Roman, wie in einem billigen Horrorfilm, als die kreischenden Frauen, die immer genau dort sind, wo es gefährlich wird und natürlich wie gelähmt der Gefahr entgegensehen. Das passt nicht zu den beiden. Eine aktivere Rolle würde ihnen zwar durchaus stehen, dann aber eher so wie in der Nummer 20, wo sie auch wirklich agierten und nicht nur einfach reagierten.

Die Menschen sind also die einzigen, die an Bord der SESHA noch aktiv sein können und die Große Magellansche Wolke ist nicht sehr weit entfernt. Aber das hilft keinem, denn sie sind gefangen in einer Falle, die offensichtlich schon seit Äonen an dieser Stelle steht, wohl fast ebenso lange, wie der Auszug der Foronen aus ihrer alten Heimat. Und die offenbar nur einen Zweck hat, nämlich den alten Feind aufzuhalten und die Virgh zu warnen, wenn er wieder nach Hause kommt.

Langsam wird es interessant. Aber leider nicht sofort, was auch kaum zu erwarten war. Bevor wir die Virgh kennen lernen, müssen wir erst noch die Bekanntschaft der Gravo-Läufer machen, die offensichtlich angreifen wollen. Dabei treffen sie auch auf das Volk der Merimden, wie der Teasertext verrät. Ob es sich dabei um die Gravo-Läufer handelt? Das werden wir wohl von Alfred Bekker erfahren, der nun ebenfalls zwei Romane in Folge abliefern wird. Wir dürfen gespannt sein.

Bad Earth

25. Sobeks Plan
26. Schatten über Crysral
27. Die Arche der Foronen
28. Das Ende der Freiheit
29. Am Rande der Galaxis
30. Jeltos Traum
31. Der Ruf der schwarzen Sonnen
32. Angriff der Gravo-Läufer
33. Der Vergessene
34. Der Meister des verbotenen Wissens
35. Planet aus Glas
36. Die Brut
37. Das Geheimnis der Spore Auri
38. Der Große Krieg
39. Notruf der Cirr
40. Tod den Cirr
41. Das falsche Universum
42. Der letzte Ganf
43. Die Begegnung
44. Der Jahrtausend-Plan
45. Die träumende Galaxis

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