30. Marc Tannous - Jeltos Traum

Bad Earth 30Der Pflanzenwächter Jelto ist an Bord der SESHA mehr als einsam. Er kommt kaum damit zurecht, dass ihm sein gewohntes Umfeld fehlt. Mehr und mehr will er in seinen Wald zurück, wieder Pflanzen um sich haben und diese pflegen und betreuen dürfen. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass der Klon unglücklich ist.

Aylea bemerkt das Aufleuchten seiner Aura, denkt sich aber nichts dabei, als sie die Kabine verlässt, um John Cloud aufzusuchen. Der ist mittlerweile aber mit anderen Dingen beschäftigt. Einerseits versuchen sie immer noch, ihr Treffen mit den Spinnen zu bewerten denn ihm ist nach wie vor nicht ganz geheuer, dass Sobek rücksichtslos die Energie dieser Wesen entwendete. Andererseits beginnen sie mit Sobeks Genehmigung damit, das Schiff zu erkunden. Scobee und Jarvis übernehmen diese Aufgabe und gehen auf Wanderschaft durch das Schiff.

Jelto kommt in scheinbare Schwierigkeiten und Cloud eilt mit Aylea und Sobek zur Kabine des Klons. Sie stehen verwundert vor einer grünen Wand, die die Türe zu verschließen scheint. Offenbar hat es Jelto irgendwie geschafft, an Pflanzen zu kommen und dafür gesorgte, dass diese zu blühen begannen. Sobek kennt da allerdings wenig Rücksichtnahme. Er beginnt sofort damit, die Pflanzen auszureisen. Aylea und Sobek hindern ihn aber daran, denn Jelto leidet offenbar körperliche Schmerzen, wenn seine Pflanzen angegriffen werden. Was sollen sie nun tun?

Scobee hat derweil andere Sorgen. Bei ihrer Erkundung kommen sie auch an den Quartieren der Besatzung vorbei und wundern sich darüber, dass sie lange Zeit ausschließlich an offensichtlichen Unterkünften vorbeigehen. Schließlich aber erreichen sie auch andere Bereiche des Schiffes. Und kommen an eine Tür, hinter der sich ein merkwürdiger Raum befindet. Dieser Raum hat eine Art Schutz vor den Wänden, den beide nicht einordnen können. Und plötzlich erscheint wie aus dem Nichts eine Gestalt, die aus einem ähnlichen Material zu bestehen scheint wie Jarvis in seiner neuen Hülle, aber völlig gesichtslos ist. Dasselbe Material kann es aber nicht sein, denn die Oberfläche ist vergleichsweise eher starr. Das stimmt aber auch nicht ganz, denn als Scobee die Gestalt, die sie für einen Roboter hält, eine Zeit lang betrachtet, beginnt diese, sich zu verändern. Und bildet nach und nach eine Gestalt aus, die Scobee nur zu vertraut ist. Denn es ist sie selbst.

Fassungslos betrachtet sie das Wesen, das vor ihr steht. Nachdem sie gebührend gestaunt hat, will sie sich umdrehen und aus dem Raum wieder verschwinden, weil ihr das doch nicht ganz geheuer ist. Dieser Roboter hatte sie nämlich zu einem Duell gefordert! Als sie sich umdrehte, spürte sie einen Stich im Rücken. Der Roboter schoss offensichtlich auf sie, um sie zu provozieren. Und Scobee lässt sich auf das Duell ein. Schnell muss sie aber erkennen, dass sie ein Risiko eingegangen ist, das sie nicht überblicken konnte.

Aylea schafft es mittlerweile, zu dem Klon vorzudringen. Die Pflanzen scheinen vor ihr zurückzuweichen und sie macht sich auf den Weg, ins Innere des Raumes. Sie findet den Klon auf einer Liege, umgeben von seinen Pflanzen. Und aus seiner Brust, dort, wo sich das erste Korn befindet, sprießt eine prächtige Blume mit einer roten Blüte. Jelto hat die Geschichte des ersten Korns einmal Cloud erzählt. Dieses Korn war sozusagen seine Abschlussprüfung. Er musste daraus eine Pflanze erblühen lassen und sie dann wieder in das Korn zurückzwingen. Dies ist ihm gelungen und seither trägt er das erste Korn bei sich. Nun hat er daraus die Blume entstehen lassen, es sieht aus, als wachse sie direkt aus seiner Brust. Ein Anblick, der Aylea einen Schrei der Panik entlockt, was Cloud und Sobek vor der Tür zwar registrieren, aber Cloud will nicht, dass Sobek in irgendeiner Form eingreift. Also passiert zunächst einmal nichts, außer dass Sobek dem Menschen Unentschlossenheit vorwirft.

Scobee kämpft inzwischen mit ihrem Schatten. Sie erhält eine Waffe von dem Wesen und erfährt die Spielregeln, die denkbar einfach sind. Wenn das Signal ertönt, müssen sich beide umdrehen und schießen. Und wer zuerst trifft, der hat gewonnen. Hört sich einfach an, das Problem ist aber, dass das Wesen nicht nur Scobees äußeres zu kopiert haben scheint, sondern auch dessen inneres. Als das Duell beginnt, hat Scobee konsequenterweise auch keine Chance und kriegt den Strahl der Waffe ab. Jetzt ist sie sauer und verlangt Revanche. Die sie auch erhält, aber ebenso kläglich verliert. Und jetzt erkennt sie die Perfidie dieser Falle. Denn die Waffen der Kontrahenten geben plötzlich erheblich mehr Energie ab, als beim ersten Duell. Anstatt eines Nadelstichs, bekommt sie eine höhere Dosis ab, die erheblich mehr schmerzt. Und aus dieser Spirale kann sie nicht entkommen, denn obwohl sie ein Ende des Kampfes einfordert, nimmt der Roboter wieder Aufstellung und konfrontiert sie mit ihrer Vergangenheit, als sie noch willfährige Sklavin des amerikanischen Geheimdienstchefs war. Nicht nur scheint sie dieser Mensch wie ein Schatten zu verfolgen. Nein, dieses Wesen verwendet ihre Vergangenheit auch noch gegen sie, konfrontiert sie mit einer Seite, die sie absolut verwundbar macht. Fassungslos muss sie erkennen, dass es kaum ein Entkommen für sie geben kann. Und als sie die nächste Dosis abbekommt merkt sie, dass sie wohl an der übernächsten sterben wird.

Gerade, als alles zu Ende scheint, im letzten Duell, kippt sie vornüber, eine Reaktion, die der Roboter nicht voraussehen konnte. Der Strahl aus der Waffe des Roboters geht über sie hinweg, wird von etwas reflektiert und trifft den Roboter, der ihr daraufhin zum Sieg gratuliert und verschwindet. Es ist Jarvis, der im letzten Moment auf Befehl von Sobek eingetreten ist. Sie verschwinden schnell aus der Trainingsanlage, die offensichtlich für wesentlich robustere Wesen geschaffen wurde, als es Scobee ist. Und das obwohl sie als GenTec ja ohnehin schon besser, als jeder normale Mensch, reagieren kann.

Dafür setzen sie aber die Erkundung des Schiffes fort.

Aylea gerät inzwischen in den Bann des Traumes von Jelto, der davon träumt, wie er dereinst in den Wald um das Getto gebracht wurde. Die Soldaten, die er nicht mochte, haben ihn dort abgesetzt und ihm Kirko vorgestellt, der die Pflanzen bisher verwaltete. Jelto ist jung und vollgestopft mit den Parolen, die ihm die Machthaber der Erde eingetrichtert haben. Immer und immer wieder. Und deshalb nimmt er fassungslos wahr, wie eine Pflanze einen der Soldaten angreift und beinahe erwürgt. Der andere beendet den Angriff, indem er Kirko bedroht. Und Jelto erkennt als einziger, was wirklich passiert ist. Die Pflanze wurde von Kirko auf den Soldaten gehetzt. Er wundert sich, warum der Grüne, wie er von den Soldaten genannt wird, das tut. Und muss langsam erkennen, dass die Dinge nicht so sind, wie sie zu sein scheinen. Kirko jedenfalls ist ein alter Gärtner, der schon sehr lange in diesem Urwald lebt. Und er sieht genauso aus, wie Jelto, nur eben viele Jahre älter. Zum ersten Mal steht er einem anderen Klon seiner Baureihe gegenüber und kann sich an das alte Antlitz, das seinem so sehr ähnelt, fast nicht gewöhnen.

In der Folge lernt er alles, was er lernen muss, von dem alten Mann. Allerdings nicht wirklich alles, zumindest hat er dieses Gefühl. Kirko macht ihm aber klar, dass es Dinge gibt, bei denen er ihn nicht beeinflussen will. Er meint dabei zum Beispiel das Getto. Und er ermahnt Jelto, vorsichtig zu sein und niemandem zu vertrauen. Das Buch, in dem er immer wieder liest, bekommt Jelto aber niemals zu Gesicht. Anscheinend enthält es Dinge, die den Machthabern der Erde nicht gefallen würden. Als Jelto eines Tages in seinem Wald zwei Menschen trifft, bemerkt er schnell, dass Kirko recht hatte. Der eine ist bereits von einer der Pflanzen getötet worden. Die Frau aber lebt noch. Und sie erzählt ihm, dass sie aus dem Getto geflohen sind. Aber in dem Urwald hatten sie wenig Chancen. Gerade, als Jelto Hilfe holen will, holen die Wachen den alten Kirko ab und bringen ihn weg. Er übergibt damit offiziell alle Geschäfte an Jelto. Und der kann sich gerade noch beherrschen, als ihm einfällt, dass man ihm Vorsicht angemahnt hatte. Er sagt besser nichts. Aber die Frau überlebt den Angriff der Pflanzen nicht. Als er wieder bei ihr ist, ist sie bereits tot.

Scobee erfährt auch eine Geschichte. Als sie in einem labyrinthartigen Bereich des Schiffes merkwürdige Gerüche wahrnimmt, suchen sie nach dem Ursprung und finden schließlich Siroona, die dort offensichtlich im Gebet vertieft ist. Zunächst ist die Hirtin ungehalten, aber schließlich lässt sie die Menschen zu und zeigt ihnen den toten Körper Monts, der dort aufgebahrt liegt. Und sie erzählt ihnen eine Geschichte. Als sie noch sehr jung war, musste sie miterleben, wie ihr Vater von merkwürdigen, mutierten Spinnenmonstern mit Giftstachel und Scheren enthauptet wurde. Sie kam nur wenige Momente zu spät, fand den toten Körper des Vaters und musste miterleben, wie einer ihrer Begleiter von einem solchen Monster zuerst aufgespießt und dann geköpft wurde. Ihr Retter in höchster Not, als sie allein und Waffenlos vor dem Monster stand, war kein anderer als der junge Mont. Sie macht Scobee klar, welche Gefühle sie gegenüber dem anderen Hirten von Anfang an hegte. Offensichtlich war er ein guter Freund.

Jelto muss seinen schlimmsten Kampf bestehen, als Sobek sich endlich entschließt, einzugreifen. Zunächst will er Aylea befreien, die aber von alleine nach dem Ende der Geschichte aus dem Raum kommt und Sobek aufhalten will. Dann will er aber dem Spuk ein Ende machen und greift an. Jelto wehrt sich, indem er die Pflanzen auf Sobek hetzt. Als der Forone regungslos von den Pflanzen gefesselt in der Luft hängt, scheint alles vorbei. Aber die KI des Schiffes greift auf Befehl des Foronen ein und lässt die Kabine schrumpfen, in der sich Jelto befindet. Das kontert der Klon, indem er den Foronen ins Innere der Kabine zieht. Dafür lässt Sobek die Liege, auf der der Klon liegt, nach oben fahren, um ihn an der Decke zu zerquetschen. Cloud will beide stoppen und schließlich schafft es Aylea, die mit der Blume redet, die von Jeltos Brustkorb gerutscht ist. Der Angriff wird unterbrochen, Sobek auf den Boden gelassen und seine Beine befreit. Die Arme bleiben aber noch gefesselt. Und Sobek erkennt die Friedensbemühungen an und gibt nach. Nicht nur das, als der Kampf beendet ist, erklärt er sich bereit, dem Klon einen Bereich der SESHA zur Verfügung zu stellen, in dem er sich ein Pflanzenparadies erschaffen darf. Einen hydroponischen Garten also, nach dessen Fertigstellung Jelto stolz Aylea sein neues Reich zeigt.

Und die Menschen begeben sich mit Sobek wieder in die Zentrale. Um festzustellen, dass direkt vor der Großen Magellanschen Wolke einige schwarze Sterne einen Ruf aussenden. Dem Sobek auch zu folgen gedenkt.

Fazit

Der Roman ist eigentlich nur dazu gedacht, die Zeit bis zum Eintreffen in der Großen Magellanschen Wolke zu überbrücken. Auch in anderen Serien sind solche Geschichten durchaus üblich, wenn lange Reisen gemacht werden, nur führen die zumeist in entlegenere Gegenden des Universums. Und solche Romane sind natürlich ideal dafür geeignet, einen neuen Autor auszuprobieren, bevor man ihn auch an wichtigere Aufgaben innerhalb einer solchen Serie lässt. Marc Tannous meistert seine Aufgabe aber mit Bravour. Zwar ist Sobek nicht ganz konsistent geschildert, er ist etwas zu sarkastisch, andererseits schadet dem Foronen eine solche Haltung gar nicht. Auch nutzt der Autor seine Stärken und bringt den Gruselfaktor ein, den viele seiner bisherigen Romane auszuzeichnen schienen, denn er kommt aus einer eher von Horror geprägten Richtung, sowohl was seine Romantic Thriller bei Kelter angeht, als auch was seinen kurzen Auftritt bei "Vampire" betrifft, für die er eine Folge beigesteuert hat.

Die Geschichte ist insofern wesentlich von seinem Hang zum Grusel geprägt, egal ob nun Scobee ihrem eigenen Ich begegnet oder merkwürdige Spinnenmonster Foronen fressen. Oder ob Jelto Fleischfressende Pflanzen gegen Sobek hetzt. Die Geschichte ist insofern nicht ganz SF, aber auch nicht ganz Horror. Sie ist ein Zwischending, das aber vor allem einem hohen Anspruch gerecht wird: Es bereitet Spaß, diese Geschichte zu lesen. Marc Tannous ist ein Autor, der mit Worten umzugehen weiß und stilistisch sauber agiert. Er hat kaum Probleme mit dem Handwerk und schafft es außerdem, eine lesenswerte Geschichte abzuliefern, die Spannung erzeugt und Interesse weckt. Insofern ist es durchaus erfreulich, dass mit Band 31 gleich noch ein Beitrag des Autors erfolgt. Insgesamt wird es jetzt aber schon Zeit, dass wir die Große Magellansche Wolke erreichen und dort erste Abenteuer erleben.

Was wohl aus den Virgh geworden ist?

Bad Earth

25. Sobeks Plan
26. Schatten über Crysral
27. Die Arche der Foronen
28. Das Ende der Freiheit
29. Am Rande der Galaxis
30. Jeltos Traum
31. Der Ruf der schwarzen Sonnen
32. Angriff der Gravo-Läufer
33. Der Vergessene
34. Der Meister des verbotenen Wissens
35. Planet aus Glas
36. Die Brut
37. Das Geheimnis der Spore Auri
38. Der Große Krieg
39. Notruf der Cirr
40. Tod den Cirr
41. Das falsche Universum
42. Der letzte Ganf
43. Die Begegnung
44. Der Jahrtausend-Plan
45. Die träumende Galaxis

Eigene Domain

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