4. Michael Marcus Thurner - Welt unter Eis

Bad Earth 4John Cloud träumt, erwacht dann aber sehr schnell und kann sich noch gut an den Moment erinnern, als ihn der Balken des einstürzenden Hauses getroffen hat. Anscheinend ist er so ziemlich der einzige, der wirklich etwas abbekommen hat. Die Gen Tec jedenfalls sehen noch frisch aus.

Jiim schwebt immer noch in der Rüstung vor ihm. Die anderen Nargen sind wütend auf die Menschen und geben ihnen die Schuld an dem schweren Unfall, den ihr Suprio erlitten hat. Nicht zu unrecht, denn es war ja Gen Tec Scobee die den Unfall verursachte. Jiim kann sie aber daran hindern, etwas gegen die Menschen zu unternehmen.

Er schlägt vor, zusammen mit John Cloud die Eiswüste zu erkunden. Jarvis und Resnick hingegen sollen versuchen, den Landeplatz der "Zornesträne" zu finden. Kein Narge erklärt sich bereit, sie dort hin zu bringen. Aber in den Schrund, in dem immer noch Lava glüht, wollen sie sie bringen.

Scobee bleibt zurück und will dem Suprio helfen, wenn es ihr möglich ist, denn die Wesen haben immer noch Angst, dass der Führer ihres Volkes stirbt und damit ihr gesamtes Volk, das ja nur noch aus den wenigen Nargen in dieser Siedlung besteht, nicht überleben wird. So entspinnen sich also drei Handlungsebenen. Die wichtigste scheint in jedem Fall die zu sein, auf der sich John Cloud befindet. Zusammen mit dem Nargen und seiner Rüstung fliegen sie in die Eiswüste. Sie erjagen Beute, denn sehr schnell wird klar, dass Jiim zumindest ein Stück weit recht hatte. Es gibt Leben auch außerhalb des Lagers am Schrund und dieses Leben erweist sich als durchaus essbar, um nicht zu sagen, wohlschmeckend.

Das Essen wird mit einer merkwürdigen Masse namens Zeke gewürzt. Diese Masser versetzt John in eine Art Trance und in dieser Trance erfährt er mehr aus der Vergangenheit der Nargen. Er erfährt von den Ganf, mit denen die Nargen einmal in Symbiose lebten. Die Ganf sind hochintelligente, friedfertige, philosophisch orientiere, riesenhafte Wesen, die den Nargen ihr Wissen zur Verfügung stellen und nicht nur das, auch ihre riesigen Körper, die von den Nargen als Versammlungsorte benutzt werden. Und er erfährt außerdem von dem außerkalserischen Volk, das die Ganf getötet hat, sie alle vernichtet und ausgerottet hat. Ein Rundstein, an den er gelehnt sitzt, ist offensichtlich ein Ganf-Kind und Jiim bittet ihn, den Toten zu ehren.

Sie machen sich nach der Nachtruhe auf den Weg um die Alte Stadt zu erreichen. Dabei werden sie allerdings von einem Womp verfolgt...

Unterdessen werden die beiden Gen Tec Jarvis und Resnick im Schrund abgesetzt. Zwischen den Lavaströmen machen sie sich auf den Weg zum Landepunkt ihres Schiffes. Sie geraten dabei in Todesgefahr, als sie plötzlich von der Lava eingeschlossen werden und einen Fluß aus glühendem Gestein überqueren müssen, der an seiner engsten Stelle 20 Meter breit ist. Mit Hilfe von Steinen, die sie auf die Lava werfen, schaffen sie es gerade noch, zu entkommen.

Scobee hingegen ist nicht sehr willkommen in der Höhle, in der der Suprio behandelt wird. Allerdings ist ausgerechnet der Suprio selbst der Meinung, dass sie doch bitte dableiben soll. Heilkundige Nargen versuchen alles, um ihn zu retten und bringen sie in eine unangenehme Situation, als sie sie zwingen, ihm ein Zäpfchen zu verabreichen. Sie erfüllt die unangenehme Aufgabe und sagt dem Suprio kurze Zeit später auch zu, ihm eine Bitte zu erfüllen. Welche das ist, verrät Michael dem Leser aber nicht.

Inzwischen sind John Cloud und Jiim in der Alten Stadt angekommen. Nur noch Ruinen stehen dort, wo sie einmal gewesen ist und Jiim will die Stadt zu Fuß erkunden und John stimmt zu, weil er erkennt, dass der Narge die Geschichte erleben will, die mit den alten Gebäuden verbunden ist. Viele pyramidenartige Bauwerke erinnern ihn an Mittelamerika, die Stadt hinterlässt einen interessanten Eindruck, sie wirkt genau wie eine uralte Großstadt in Mexiko. Schon vor 1500 Jahren hatte Teotihuacan schon über 200.000 Einwohner. Cloud erinnert sich noch an seinen Besuch dort und vor allem an seine damalige Freundin. Leider aber nicht mehr an all die Geschichten, die ihm der Fremdenführer erzählte.

Dafür entdeckt der Narge einen merkwürdigen Kältefleck, mit dem er nichts anzufangen weiß, einen Bereich, der kälter ist, als die Umgebung, in der sie leben. Der Leser könnte nun vermuten, dass es das Womp ist, das den beiden gefolgt ist. Aber John und Jiim wissen nichts davon. Und so machen sie sich, vorsichtig zwar, auf in die Alte Stadt hinein. Sie erreichen eine Pyramide, die Jiim - nach Input seiner Rüstung - als Wolkenheim bezeichnet. Einen Zugang können sie nicht entdecken. Es ist kalt, sie frieren beide und der Narge hat dazu noch das Problem, solche Anstrengungen nicht gewohnt zu sein. Sie müssen ins Innere gelangen. Cloud wird klar, dass der Zugang für ein fliegendes Volk nicht notwendigerweise ebenerdig sein muss und findet eine Möglichkeit in etwa drei Meter Entfernung. Schriftzeichen sind dort zu erkennen, mit denen Jiim vielleicht etwas anfangen kann, wenn er sie alle lesen könnte. Cloud beginnt, das Eis wegzuschlagen. Das Womp ist ihnen dicht auf den Fersen.

Währenddessen begegnen Jarvis und Resnick einem eher unerfreulichen Vertreter der Welt Kalser. Ein Nihuana steht vor ihnen. Die Nargen hatten gesagt, einen solchen würde man am Ringelschwanz erkennen. Aber er hatte vergessen zu erwähnen, dass diese Tiere ungeheuer groß waren. Eine Art urzeitlicher Echse scheint das Tier zu sein und die beiden Gen Tec kämpfen mit bloßen Händen dagegen an. Jarvis gelingt es, dem dornenkronen bewehrten Schwanz zu entkommen und auf den Rücken des Tieres zu klettern. Mit einem Stein erschlägt er es schließlich. Scheinbar etwas zu leicht, denn warum sollte ein gewaltiger Saurier wegen einem Stein, den man ihm auf den Kopf schlägt, tot umfallen? Auch wenn die Kräfte eines Gen Tec mit Sicherheit die eines normalen Menschen übersteigen, sollte das nicht so einfach sein. Andererseits ist das wohl Geschmackssache. Resnick jedenfalls ist nach überstandenem Kampf spurlos verschwunden.

Das Wolkenheim ist verschlossen und die Kälte wird immer schlimmer für die beiden einsamen Wanderer. Als sie schon aufgeben wollen und Jiim bereits das Bewusstsein verloren hat, öffnet sich die Tür doch noch. Sie kippten ins Innere. Cloud richtet sich mit letzter Kraft noch einmal auf, zieht den Nargen vollends über die Schwelle und betätigt wahllos Knöpfe, bis die Tür wieder zugleitet. Nun kann man sicher darüber nachdenken, ob das klug ist, andererseits blieb ihnen kaum anderes übrig und dieser Versuch, fremde Technik zur Kooperation zu bringen, kann sicher als verzweifelt und fast zum scheitern verurteilt bezeichnet werden. Insofern geht das in Ordnung.

Als John nach einiger Auszeit wieder zu sich kommt, ist es wesentlich wärmer geworden. Sie wissen zwar nichts davon, aber das Womp lauert draußen vor der Tür und ist wütend, weil es zu spät gekommen ist. John kann den Nargen, der schon beinahe erfroren ist, wiederbeleben. Frierend machen sie sich auf den Weg in die Pyramide und entdecken einen gewaltigen. Abgrund. Jiim erhält weitere Informationen von seinem Nabiss und erzählt, dass die Nargen Häuser gerne in die Tiefe gebaut haben, aus Respekt vor der Höhe, in der sie normalerweise leben.

Sie sind in einem Verwaltungsgebäude, das gleichzeitig Bibliothek ist und alte Einkommensteuererklärungen halten sie warm, die sie nach und nach verbrennen. Jiim erzählt weiter aus der Vergangenheit seines Volkes. Die fremden Raumfahrer versklavten in der Vergangenheit die überlebenden Nargen, richteten viel Unheil an und sorgten dafür, dass immer weniger Nargen geboren wurde. Wer noch lebte, wurde gezwungen, Tribut zu entrichten. Die meisten mussten in den Fabriken der Angreifer arbeiten und Raumschiffe für sie bauen.

John stellt sich derweil sehr anschaulich vor, wie die Bibliothek wohl einmal ausgesehen hat. Hunderte von Metern hohe Regale, an denen Nargen entlang flattern, Bücher lesend, Plattformen, auf denen sie sich niederlassen können, um gewissen Informationen zu vertiefen. Ein interessantes Bild, das sich da vor dem geistigen Auge bildet, atmosphärisch dicht geschildert.

Jarvis sucht Resnick und entscheidet sich, als er ihn nicht findet, ihrem eigenen Ziel weiterhin entgegenzustreben. Bei seiner Suche stößt er auf die Landefläche, auf der sie damals niedergegangen waren, aber auch auf Parasiten, die ihn befallen. Gerade, als er das Leben aus sich weichen fühlt, wird er von jemandem gerettet und als er wieder zu sich kommt, ist er in dem Schiff, in dem sie Kalser erreicht hatten. Darnok hat ihn gerettet, er war die ganze Zeit da, unter einem Tarnschirm, und hatte sie begleitet. Er will allerdings keine Dankbarkeit, "nicht von solchen wie euch".

Der Suprio liegt im Sterben, aber er hat noch eine letzte Bitte. Und während draußen erste Explosionen ertönen, erfüllt Scobee ihm diese, sie hilft ihm, sein Kind auf die Welt zu bringen, den er Pern nennt. Der Heiler der Nargen nimmt sich des Eis an und redet von einem Gefühl, das alle Nargen erfasst, ein Gefühl, dass alles gut wird, dass die Zukunft viel besser werden wird.

Scobee besteigt nun ebenfalls das Schiff des Darnok und muss mit an sehen, wie die Schiffe der Menschen Kalser angreifen. Wiederum sind es Schiffe mit Buchstaben von der Erde, die Worte von der Erde ergeben.

John und Jiim verlassen das Wolkenheim und fliegen zu einer ehemaligen Werft. Sie glauben, den Kältefleck abgeschüttelt zu haben. Aber gerade, als sie sich eines der Gebäude näher betrachten wollen, bricht es aus dem Boden hervor und greift sie an. Sie fallen in den Trichter, den das Wesen verursachte, und versuche verzweifelt, am Rand nach oben zu klettern. Nachrutschendes Geröll und Eis lässt sie immer wieder zurückrutschen. Der Wurm hat sie fast erreicht, als ein größeres Exemplar derselben Gattung es angreift, in zwei Hälften zerbeißt und wieder verschwindet. Sie erheben sich in die Lüfte und beobachten, wie der Große zurückkehrt und die beiden Hälften mit sich nimmt. Der Leser erfährt nun, dass der Große das Elter war, das das Junge vor langer Zeit vertrieben hat und ihn nie mehr wieder in seinem Revier sehen wollte. Nun hat es die Strafe erhalten und eine neuerliche Auflage der unsäglichen Raketenwürmer ist somit Geschichte.

Sie wenden sich nun endlich der Werft zu und John entdeckt, dass es radioaktive Strahlung gibt, Plutonium, allerdings auf einem noch ungefährlichen Niveau. Diese ist wohl auch der Grund, warum im Bereich der Fabrik vergleichsweise wenig Schnee liegt. Sie verlieren beinahe die Orientierung, weil sich die Welt plötzlich nicht mehr normal verhält. John sinniert darüber, ob er den völlig ungeschützten Nargen weiterhin mitnehmen soll. Ach ja? Immerhin trägt der eine Rüstung, während John lediglich den Raumanzug einer rückständigen, ziemlich unerfahrenen Raumfahrerrasse anhat. Immerhin erreichen sie das Zentrum der Werft und sehen das Skelett eines halbfertigen Schiffes. Eines Aeskulapschiffes, wie John verblüfft und entsetzt feststellt.

Die Angriffe kommen überraschend und John erkennt die Schiffe wieder, denen sie schon einmal ausweichen mussten. Er flieht zusammen mit dem Nargen und seiner Rüstung, nimmt Funkkontakt zu den Freunden auf und lässt sich von ihnen kurz informieren. Sie machen einen Treffpunkt aus, während dem Nargen klar wird, dass es einen neuen Suprio gibt. Sie müssen sich verabschieden. Im letzten Moment entkommt das Schiff mit Darnok und den Menschen.

Der Narge bleibt auf Kalser zurück.

Im All können sie den Angreifern im letzten Augenblick entkommen, aber nur weil Darnok das Magoo - was auch immer es sein soll - bis zum letzten belastet. Sie fliehen in den Aqua-Kubus und nebenbei werden ihnen auch noch Chips eingepflanzt, die sie die Verkehrssprache sprechen und verstehen lassen.

Darnok macht klar, kein Freund zu sein sondern ihnen nur zeigen zu wollen, was ihr Volk an Leid über die Galaxis brachte. Kalser sei nur ein erstes Beispiel, eine Lektion gewesen.

Verwundert, verblüfft, voller Respekt und gespannt tauchen sie in den Aqua-Kubus ein.

Fazit

Wieder schafft es Michael Marcus Thurner, die Spannung im Verlauf des Romans zu steigern, so dass man ihn am Ende kaum noch weglegen kann. Am Anfang ist es aber teilweise etwas dünn, ist es doch aufgrund dessen, was im Vorgängerband geschah, reichlich vorhersehbar, wohin sich der Narge und John wenden werden. Trotzdem ist es nie wirklich langweilig, den Roman zu lesen.

Schöne Ideen werden von Thurner umgesetzt, nicht nur die Geburt eines neuen Suprio bringt wer wunderbar sondern auch die fremde Welt und ihre Geschichte wird durchaus faszinierend geschildert. Die Menschheit ist also verantwortlich für einen ungeheuerlichen Krieg. In den folgenden Romanen werden wir vermutlich Beispiele für das Verhalten der Menschen bekommen und auch neue Völker kennen lernen.

Nach wie vor stört mich allerdings, dass wir nichts mehr von der eroberten Erde hören. Wann werden wir in die Vergangenheit zurückkehren und erfahren, was mit den Menschen unserer Zeit geschehen ist?

Bad Earth

1. Armageddon
2. Phantomjagd
3. Die letzte Enklave
4. Welt unter Eis
5. Der Auserwählte
6. Flucht in den Aqua-Kubus
7. Meister der Materie
8. Für Menschen verboten
9. Die Grenze zum Nichts
10. Jenseits der Grenze
11. Architekten der Zeit
12. Planet der Kriege
13. Das Komplott der Jay'nac
14. Rückkehr ins Sonnensystem
15. Die Dschungelwelt
16. Hinter dem Schattenschirm
17. Die neue Menschheit
18. Endstation der Träume
19. Fremde unter Fremden
20. Auf dem Gipfel der Macht
21. Operation Omikron
22. Im Herzen der Macht
23. Skytown
24. S.O.S. vom Mars
25. Sobeks Plan

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