3. Michael Marcus Thurner - Die letzte Enklave

Bad Earth 3Jiim ist ein Narge. Als Jäger ist er unterwegs, um seinem Volk Nahrung zu besorgen, als er beinahe einen tödlichen Fehler macht. Das Cherss ist dabei ihn zu töten, und Jiim stößt den Todesruf seines Volkes aus.

In diesem Augenblick löst sich eine Zornesträne vom zerstörten Mond dieser Welt und lenkt den Cherss ab, der in Panik flüchtet. Jiim geht zu dem Ort, an dem die Zornesträne niedergegangen ist. Dort findet er vier Wesen in der offenen Schleuse und entschließt sich dazu, sie zu bergen. Inzwischen erheben sich alle Nargen in die Lüfte, angeführt von ihrem Suprio, und fliegen an die Stelle, an der die Zornesträne niederging.

Der Suprio ist offensichtlich nicht sehr begeistert von der Entdeckung des jungen Jägers. Er macht ihn vor allen anderen lächerlich und bestimmt ihn schließlich zum Hüter der vier Wesen, weil er aufgrund verschiedener Tatsachen nicht einfach ihren Tod befehlen kann. Zum Beispiel sind sie zu viert, das entspricht der heiligen Zahl. Jiim verspricht, auf sie acht zu geben.

Dies erweist sich auch als nötig, denn kaum kommt John zu sich, fällt er auch schon aus dem Baumhaus und zerschmettert fast nach einhundert Meter Absturz. Jiim kann ihn im letzten Augenblick retten. In der Folge beschäftigen sich die vier gestrandeten mit dem Wesen und bringen ihm ihre Sprache bei. Scobee ist offensichtlich ausgebildet, mit fremden Völkern Kontakt aufzunehmen und berät John dabei, wie er sich dem Wesen nähern soll. Verblüffend ist, daß John plötzlich wieder der Anführer der Gruppe zu sein scheint, obwohl doch noch in Band 1 Scobee dazu bestimmt wurde. Köstlich hingegen sind die Mißverständnisse, die sich beim Kennenlernen so ergeben. Michael schildert ausgesprochen munter und glaubwürdig, wie sich die beiden Völker einandern annähern.

Und schließlich erzählt ihnen der Narge von der Katastrophe, die sie heimgesucht hat. Als der Mond Maron, der Zerstörer, offensichtlich explodierte und Stücke davon auf die Welt Kalser, die Zerstörte, niederprasselten und die Welt daraufhin in einer Eiszeit versank, die beinahe die gesamte Bevölkerung dahingerafft hat. Nur in einer Enklave am Rande einer gewaltigen Schlucht konnten Nargen überleben. Offensichtlicher Grund ist, daß aus der Tiefe dieser Erspalte Magma nach oben drückte und die Kälte etwas zurückdrängen konnten. Seither leben nur noch genau 200 Nargen unter der Herrschaft ihres Suprio, der ihnen Regeln auferlegt und ihnen kaum Freiheiten läßt. Jiim möchte diesen Zustand ändern und die vier vermeintlichen Götter, die der Narge schon längst als vollkommen normale Wesen entlarvte, versprechen, ihm zu helfen. Da nur Jiim und sie englisch sprechen, werden sie bei der zu erwartenden Versammlung sicher Punkten können und den Suprio so vor seinem Volk schlecht aussehen lassen können.

Der Plan funktioniert leider überhaupt nicht, denn augenscheinlich beherrschen alle Nargen plötzlich englisch. Sie haben sich schon zuvor gewundert, daß Jiim so schnell Wissen aufsaugen konnte. Offensichtlich gibt es eine Art gemeinsamer Erinnerung, eine Art von gemeinsamem Bewußtsein, das Wissen erzeugt und verwendet, das von außen kommt. Verwunderlich ist nur, daß die Nargen von damals heute in einer steinzeitlichen Gesellschaft leben. So schnell, wie sie lernen, muß da noch wesentlich mehr sein. Vorläufig aber können sie froh sein, daß dank Johns schneller Auffassungsgabe und seinen guten Ideen der Suprio überzeugt werden kann, daß sie wirklich als Boten von den Göttern kommen.

Allerdings kann er sie nicht davon überzeugen, daß Jiim der neue Sprecher der Götter sein soll. Suprio entlarvt Jiim und einige weitere Narge, zufällig auch genau wiederum vier, dank der Hilfe eines fünften, der zum Verräter an den anderen wird, als Umstürzler, die die bestehende Ordnung gefährden und verurteilt sie zu Kiin-tu. Dabei handelt es sich offensichtlich um eine Rituelle Hinrichtung, bei der den Verurteilten die geflügelten Arme zusammengebunden und zusätzlich noch die Ellbogen durchstochen werden. So verstümmelt, werden sie über die Kante in die Schlucht geschleudert, die Ausmaße wie der Grand Canyon aufweist.

Im letzten möglichen Augenblick gibt John sein Okay und Scobee stürzt sich auf Jiim, um mit ihm gemeinsam in die Tiefe zu fallen. Zum ersten Mal erhalten wir einen Einblick in das Können der GenTec. Nach zehn Meter freiem Fall kann sich Scobee an der Wand an einem winzigen Vorsprung festhalten, wobei ihre Finger verletzt werden, und schafft es, Jiims Fesseln zu lösen. Gemeinsam mit ihm klettert sie wieder nach oben. Die Nargen sind vollkommen überwältigt, nicht einmal er Suprio wagt noch, einzugreifen. Allerdings ist er nicht davon zu überzeugen, daß die Verurteilten befreit werden müssen. Dem Willen der vier Götterboten folgend, läßt er zwar die drei anderen frei, aber Jiim will er sterben sehen. Nur mit Mühe lässt er sich zu einem Kompromiss überreden, nämlich Jiim in die Wüste aus Eis zu schicken.

Bevor das geschehen kann, stattet allerdings Scobee dem Suprio einen nächtlichen Besuch ab, der sie mit einer Strahlenwaffe töten will. Sie wehrt sich und verletzt ihn schwer. Plötzlich sind alle Nargen in Aufruhr, weil das sie verbindenden Netz nicht mehr funktioniert. Jiim übernimmt das Kommando und befiehlt, den Suprio zu verarzten. Als die anderen Wesen, die Scobee wieder in Jiims Hütte gebracht haben, gerade dabei sind, die Hütte zu zerlegen und sich an den Menschen für den vermeintlichen Tod ihres Anführer zu rächen, fliegt plötzlich Jiim heran, in einer schimmernden Rüstung, und zeigt ihnen, daß er das Erbe seines Volkes, von dem er einiges in der Höhle des Suprio gefunden hat, verstehen und bedienen kann. Effektvoll löst er sich in Luft auf. Die Hütte stürzt vollends zusammen und mit diesem Cliffhanger lässt uns Michael Marcus Thurner bis zur nächsten Folge zappeln.

Fazit

Michael glänzt auch in diesem Roman mit seinem Humor, den er schon in seinen Beitrag zur Atlan-Reihe einbrachte. Außerdem baut er einen spannenden Handlungsbogen auf, der am Anfang nur durch die gekonnte Schilderung der Situation Interesse weckt, zum Schluß aber immer intensiver auf einen Höhepunkt zustrebt. Da trägt sich die Handlung fast von alleine. Und dann lässt er uns mit diesem Cliffhanger einfach im Regen stehen. Eigentlich eine Unverschämtheit ;-). Sieht man sich dadurch doch genötigt, den nächsten Band auf keinen Fall zu verpassen.

Man merkt dem Roman schon an, daß Michael erst am Anfang seiner Karriere steht. Die souveräne, flüssige Eleganz von Manfred Weinland oder Conrad Shepherd fehlt im schon noch und in einigen Bereichen hätte das Lektorat ruhig noch was ändern dürfen. Aber das macht eigentlich kaum was aus. Die Geschichte ist handwerklich sauber und sehr gut erzählt und hält den Spannungsbogen auch über das Wort "Ende" hinaus. John als Sofortumschalter - wohin soll das noch führen? ;-).

Von der Erde hören wir leider wieder nichts, aber anscheinend geht es bei Bad Earth auch mehr um die Odyssee der vier überlebenden Raumfahrer. Hoffen wir, daß die Serie einen langen Atem hat. Bei dem, was allein in den ersten drei Folgen schon an Geheimnissen aufgerissen wurde, könnte es eine Weile dauern, sie alle zu einem sinnvollen Abschluß zu bringen.

Bad Earth

1. Armageddon
2. Phantomjagd
3. Die letzte Enklave
4. Welt unter Eis
5. Der Auserwählte
6. Flucht in den Aqua-Kubus
7. Meister der Materie
8. Für Menschen verboten
9. Die Grenze zum Nichts
10. Jenseits der Grenze
11. Architekten der Zeit
12. Planet der Kriege
13. Das Komplott der Jay'nac
14. Rückkehr ins Sonnensystem
15. Die Dschungelwelt
16. Hinter dem Schattenschirm
17. Die neue Menschheit
18. Endstation der Träume
19. Fremde unter Fremden
20. Auf dem Gipfel der Macht
21. Operation Omikron
22. Im Herzen der Macht
23. Skytown
24. S.O.S. vom Mars
25. Sobeks Plan

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