13. "Die letzten Masken" von Hanns Kneifel

Atlan-HC 13Die Geschichte der Menschheit aus der Sicht von Atlan zu erzählen war das Ziel der Zeitabenteuer, und dieses Ziel wurde auch bis zum Schluss durchgehalten. Das Buch beginnt dort, wo Band 12 aufgehört hat, nämlich im Frankreich des ausgehenden 18. Jahrhunderts und Napoleons Aufstieg. Der kleine Korse hat seine ersten Sporen bereits verdient, als er in das Blickfeld des Arkoniden rückt, und macht sich auf den Weg nach Ägypten.

Das Terrain ist Atlan wohlvertraut. Wehmütig erinnert er sich an vergangene Liebschaften, rüstet sich für eine Wüstenexpedition und tritt als Atlan Ben Arcon, ein großer und wichtiger Fürst, auf, während er sich dem Korsen nähert. Er versucht, ihn kennen zu lernen und ist beeindruckt. Der kleine Korse hat eine ungeheure Ausstrahlung - spricht aber offensichtlich schlechtes Französisch. Von Atlans Bildung zeigt er sich sehr beeindruckt.

Gleichzeitig schleicht sich Nelson mit einer Flotte ins Mittelmeer und bei Abukir vernichtet er die Flotte der Franzosen, was den Ägyptenfeldzug fast zu einem Desaster werden lässt. Aber Napoleon kann das Schlimmste für sich noch verhindern und wird nur wenig später zum ersten Konsul von Frankreich gewählt.

Nelson hingegen ist wohl der kommende Mann, derjenige, der England zur wichtigsten Macht in Europa machen könnte. Welchen von beiden er unterstützen wird, weiß Atlan zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Auf lange Sicht gesehen aber eher England.

Erst nach einigen Jahren taucht der Arkonide wieder in die Welt der Barbaren ein und da ist Napoleon bereits Kaiser und auf dem Weg nach Russland. Bei Austerlitz trifft er wieder auf ihn und lernt ihn als durchaus visionär kennen. Seine Absicht erscheint nur allzu verständlich. In Frankreich konnte er die Rückkehr des Adels gerade noch verhindern, den Rest von Europa versucht er vom Adel zu befreien und das so befreite Gebilde soll zu einem vereinigten Europa werden, wie wir es heute kennen. Er musste scheitern, denn sich mit den Weiten und der Kälte der russischen Tundra anzulegen ist Wahnsinn.

Moskau erreicht er noch, aber im kommenden Winter wird seine Armee von den wie Guerillas kämpfenden russischen Truppen regelrecht ausgelöscht.

Atlan allerdings schafft es nicht, in dem Wirrwarr Nonfarmale, der sich am Leid wieder einmal weidet, wie es seiner Rolle als Psychovampir zukommt, zu töten. Lediglich verwunden kann er ihn, bevor er wieder in seine Jenseitswelten zurückkehrt.

Neuerlich taucht der Cyno dann immer wieder auf, vermutlich nur um zu sehen, ob der Arkonide auch mal reagiert. Tut Atlan nicht, er verschläft die Zeit lieber zusammen mit seiner derzeit angesagten Gefährtin Amoustrella. Erst kurz vor dem amerikanischen Bürgerkrieg wird er von Rico wieder geweckt. Nonfarmale errichtet sich ein Heim in der Nähe des Mississippi und auch Atlan baut sich in der Folge dort eine Bleibe auf, rettet noch einigen Indianern das Leben und kämpft erneut gegen den Seelensauger. Diesmal verliert er fast sein Leben, wird aber wieder gesund gepflegt, nicht nur von Rico, sondern auch von den dankbaren Indianern, insbesondere von der äußerst dankbaren "Lachender Schatten", die er während einer Schlafphase der Amoustrella zur Geliebten auf Zeit ernennt.

Diese Affäre blieb nicht folgenlos. Nach einiger Verwirrung, von der Atlan nichts mehr mitkriegt, weil er sich in den Tiefschlaf begibt, erfährt Rico von der Schwangerschaft der Indianerin. Die "positronische Hektik", die daraufhin ausbricht, ist köstlich. Jedenfalls kommt die kleine Aieta, auch Schwarzer Mond genannt, behütet zur Welt und entwickelt sich schnell zu einer eigenständigen Persönlichkeit. Im Alter von 15 verschwindet sie, weil sie mit den Plänen der Mutter nicht einverstanden ist, ihre Hochzeit zu planen. Der Roman wird dann besonders gut, wenn Hanns Kneifel wieder einmal seine üblichen knappen Schilderungen verlässt und ins Detail geht. In den Szenen, in denen der Arkonide durch Nordamerika reitet, um seine Tochter zu finden und ihre Mutter gleich dazu, wird er zu einem Bewohner der Erde wie er menschlicher nicht sein könnte. Er erkennt, dass sie auf ihn wütend ist, weil er sie mit einer nicht vorhandenen Hoffnung und einem Kind allein gelassen hat. Dabei hat sie allerdings übersehen, dass er von dem Kind nichts wissen konnte. Als sie endlich schwanger zurück kam, war Atlan bereits im Tiefschlaf. Und so gilt es zunächst, einige Missverständnisse auszuräumen.

Dann allerdings geht es weiter mit Nonfarmale. Wir erfahren Geheimnisse aus ferner Vergangenheit, die mit der fernen Zukunft in Verbindung stehen. Nonfarmale ist ein Cyno, angehöriger eines Volkes von Schwarmwächtern, die auf der Erde warten, bis ihr Schwarm endlich ankommt. Sie vertreiben sich die Zeit mit den Menschen, aber auch mit den dreißig Planeten eines geheimnisvollen Walls. Atlan erkennt, dass er nicht nur von ES manipuliert wird, sondern auch von seinem Widerpart, Anti-ES. Ein kosmisches Schachspiel, Jahrtausende vor dem eigentlichen Schachspiel, zwischen zwei übernatürlichen Wesenheiten.

Und dazwischen der Hüter einer Welt, die langsam aber sicher erwachsen wird. Und auf der dann doch erste Brüche auftauchen. Historische betrachtet, trifft Atlan nach dem amerikanischen Bürgerkrieg noch einmal während dem ersten Weltkrieg auf Nonfarmale und schlägt sich mit ihm während dem dritten Weltkrieg. Mittlerweile hat seine Tochter selbst geheiratet, die sich übrigens zu einer selbständigen Frau entwickelt hat, die ihrer Zeit weit voraus ist und allein weite Reisen gemacht hat. Sie heiratet, lässt sich in Kanada nieder und schenkt Atlan einen Enkel, mit dem zusammen er sich dann an den endgültigen Kampf gegen Nonfarmale macht. Das Ende kommt in Kanada und natürlich steht am Ende ein Obelisk, der keinen Schatten wirft.

Und ein Atlan, der in einen Tiefschlaf geht. Nicht allerdings ohne sich noch ein Unterseeboot aus dem ersten Weltkrieg zu besorgen, das Rico auf besondere Weise ausrüsten wird. Die nächsten Jahre verbringt Atlan im Tiefschlaf und in der Parallelwelt, die Nonfarmale verwendet. Dabei erfährt er endlich näheres über diese Gegend und erinnert sich an einige Dinge, die eigentlich durch den OMIRGOS-Kristall blockiert sein sollten, Dinge aus seiner Jugend, die uns wohl näher erst in den Jugendabenteuer erklärt werden (und in Atlan exclusiv schon zu lesen waren). Ischtar begegnet uns da genauso, wie Ra der Barbar oder auch Vorry der Eisenfresser, namen, die Lesern besagter Atlan-Serie etwas sagen sollten. Offensichtlich gibt es da einen Zusammenhang und einen dreißig Planeten Wall, den wir wohl ES zu verdanken haben. Was auch immer in der anschließenden Trilogie von Rainer Castor zu finden sein wird, an manchen Stellen klingt dieser Roman wie eine Vorgeschichte.

Atlan jedenfalls stellt fest, dass etwas auf seiner Erde nicht stimmt. Und vor allem Cyr Aescunnar macht uns immer wieder auf zweideutige Szenen aufmerksam. Wie zum Beispiel verschiedene Angaben, die so nie passiert sind. Florida wurde nicht von Amerika gekauft, obwohl der Arkonide das behauptet. Und Pyramiden auf der Baja California gibt es auch nicht. Geschweige denn ein Apollo-Raumfahrtprogramm und einen Neil Armstrong. Wir leben also offensichtlich in einer Parallelwelt, die eher von Anti-ES kontrolliert wird und in der Atlan teilweise landet. Aber Anti-ES kann nicht verhindern, dass der Arkonide wieder zurück geht und Perry Rhodan zum Mond schickt, als der verantwortliche Triebwerksingenieur für ein atomar betriebenes Schiff.

Das Ende ist dann so, wie man es erwarten kann. Die Sonden fallen nach und nach aus, Atlan und Rico landen in der Unterwasserkuppel, vor allem weil der Arkonide Angst vor dem großen Atomkrieg bekommt. Sie werden von der Außenwelt abgeschnitten, vermutlich hat ES auch da seine Finger im Spiel. 70 bis 75 Jahre will er noch schlafen, als er 1971 in den Tiefschlaf geht. Nach nur 69 Jahren, im schicksalhaften Jahr 2040, erwacht er und sieht sich einer veränderten Welt gegenüber ...

Das Ende besteht aus zwei Epilogen, einmal aus Sicht des Arkoniden im Jahr 2040 und einmal aus Sicht der beteiligten Chronisten auf Gäa, die Atlans vollständige Wiederherstellung feiern und vermutlich auch die 13 Bände der unglaublichen Chronik.

Fazit

Was bleibt ist Freude über diese hervorragenden Zyklus und ein wenig Wehmut, weil er endlich überstanden ist. Dabei ist das eigentlich das falsche Wort. Es war schließlich alles andere als eine Strafe, diese 13 spannenden Romane lesen zu dürfen. Ein epochales Werk ist abgeschlossen und wenn man bedenkt, dass Hanns Kneifel praktisch alles selbst geschrieben hat, bis auf wenige eingeflochtene Texte, um die zehntausend Seiten originales Manuskript, dann sieht man, wie ungeheuer groß die Leistung von Hanns Kneifel war und wie viele Jahre ihn die Abenteuer des Arkoniden beschäftigt haben. Jetzt geht es weiter mit Rainer Castor in drei Bänden. Wenn sie nur annähernd so gut sind, wie sich in Band 13 andeutet, dann wird auch das ein Vergnügen. Mal sehen ...

Jedenfalls kann ich die Zeitabenteuer jedem empfehlen, der phantastische Abenteuer liebt.

Zeitabenteuer

1. An der Wiege der Menschheit
2. Säulen der Ewigkeit
3. Karawane der Wunder
4. Hüter des Planeten
5. Strafkolonie Erde
6. Wolken des Todes
7. Söldner für Rom
8. Ritter von Arkon
9. Herrscher des Chaos
10. Balladen des Todes
11. Kontinente des Krieges
12. Samurai von den Sternen
13. Die letzten Masken

Arkon-Trilogie

14. Imperator von Arkon
15. Monde des Schreckens
16. Juwelen der Sterne

Der Kristallprinz

17. Der Kristallprinz
18. Die Folterwelt
19. Piraten der Sterne
20. Flucht ins Chaos
21. Der Weltraumbarbar
22. Ring des Schreckens
23. Die Goldene Göttin

Varganen-Zyklus

24. Die letzten Varganen
25. Attacke der Maahks

This page is part of PROC Community. There are many other interesting projects at the PROC Community:

News:

×