5. "Im Zeichen des Kristallmondes" von Bernhard Kempen
Das Tor ist fertig und Atlan und Tamiljon treten hindurch. Währenddessen blicken Lethem und seine Begleiter dem heranfliegenden Meteoriten entgegen, der auf den Zug zugeflogen kommt. Der Gesteinsbrocken zerbricht aber rechtzeitig und die meisten der entstandenen kleineren Teile landen etwas weiter entfernt. Eines aber kommt ihnen doch sehr nahe … Und Sardaengar begibt sich zu einem Spezialtor, mit dem er andere Transmitter beeinflussen kann. Aber für Atlan und seinen Begleiter kommt er zu spät. Der Arkonide und der Mann mit dem Kristallsplitter, der doch kein Wächter ist, kommen auf eine merkwürdige Welt, auf der ihnen Soldaten entgegentreten, die Uniformen tragen, wie sie in Deutschland im neunzehnten Jahrhundert modern waren, samt der Pickelhauben. Dass einer der Verfolger den Weg durch das Transmittertor gefunden hat, bevor es erloschen ist, ist da schon eher nebensächlich. Die beiden geraten in eine merkwürdige Schlacht, in der sich die Soldaten zweier Heere gegenseitig mit altmodischen Hinterladern beschießen, ausgelöst durch ein Missverständnis. Atlan und sein Begleiter können sich nur retten, indem sie davonlaufen. Und über die Kante eines Abgrundes rennen… Auf diesen drei Ebenen entwickelt sich die Geschichte weiter und es geht schon wieder mit Cliffhangern los. Lethem da Vokaban und seine Freunde schauen den Einschlägen weitgehend hilflos zu, aber sie haben keine größeren Probleme. Alle überstehen das Naturereignis mit einem gehörigen Schrecken und als sie aus dem Zug aussteigen, müssen sie erkennen, dass die Schienen beschädigt sind. Der Brocken ist genau vor dem Zug auf dem Gleis gelandet und hat einen verbogenen Haufen Schrott hinterlassen. Ihnen bleibt nichts übrig, als Hand anzulegen und die Gleise zu erneuern. Der Zug führt dafür extra Ersatzteile mit sich. Aber schließlich kommen sie weiter und erreichen sogar die nächstgelegene Stadt, eine Hochburg der Perlenträger von Helmdor. Das Ograhan Gebirge ragt direkt hinter der Stadt Helmdor auf und sie betreten die Stadt mit gemischten Gefühlen. Hier haben nur die Perlenträger das Sagen und diese sind Anhänger des Sardaengar. Und sie sind durchaus unfreundliche Gesellen. Kythara kennt offensichtlich andere in dieser Stadt und verschafft ihnen eine Unterkunft, die einigermaßen preiswert ist. Das kann allerdings einen guten Grund haben, wie sie in der Nacht feststellen. Nicht nur, dass der Besitzer sie über das gesamte Haus verteilt hat. Zanargun und Lethem werden auch das Opfer eines Überfalls. Ein Unbekannter schafft es, lautlos bei ihnen einzudringen und ihre Zahlungsmittel zu entwenden. Mit merklich geschrumpftem Vorrat verlassen sie nach kurzem Schlaf die Herberge wieder. Eine Beschwerde bei den Ordnungshütern bringt nichts ein. Atlan lernt währenddessen eine merkwürdige Welt kennen, die ihn sehr an die Erde des Jahres 1900 erinnert. Nicht nur schwarz gekleidete Gardisten mit merkwürdigen Pickelhauben gibt es dort. Auch mit Dampfkraft betriebene Kassen kann er genauso finden, wie dampfbetriebene Lastwagen. Offensichtlich sind einige Entwicklungen nicht ganz parallel gelaufen. Aber das sind nicht ihre einzigen Sorgen. Atlan und Tamiljon waren ja nach ihrer Flucht dabei, über eine Klippe abzustürzen. Und sie fielen dabei an die 20 Meter tief. Der Arkonide hatte das Glück, relativ weich auf dem Dach eines Marktzeltes zu landen, das unter seinem Gewicht riss. Der Aufprall auf dem Tisch war schmerzhaft genug, aber nichts im Vergleich zu dem, was sonst hätte passieren können. Schnell macht sich Atlan davon, als der wütende Blue, dem der Stand gehört, Anstalten macht, auf ihn loszugehen. Und Tamiljon hat sich offensichtlich telekinetisch gerettet. Sie tauchen in der Stadt unter und kommen gerade noch so davon, als die Gardisten sie suchen. Und Tamiljon, der offensichtlich schon in Aroc gewesen ist, führt Atlan in eine Herberge, in der der Arkonide warten soll. Was er auch grollend tut, denn langsam regt es ihn doch sehr auf, dass andere machen, was sie wollen, und er nur daneben stehen kann. Dafür macht sein Herz einen Sprung, als ihn die Bedienung in der Herberge anspricht. "Li", durchzuckt es ihn, denn die Rothaarige hat eine verblüffende Ähnlichkeit mit seiner verflossenen Geliebten. Aber wer nun glaubt, dass Lis Körper endlich auf einem Planeten dieser Gruft materialisiert ist, der irrt. Die junge Frau entpuppt sich als Mädchen, das der schönen Li sehr ähnelt. Aber nicht mit ihr identisch ist. Und sie will eindeutig etwas von dem Arkoniden, der prinzipiell auch kein Problem damit hätte. Wenn sie nur nicht wie Li aussehen würde, und so lässt er sie erst mal abblitzen. Was Kalitra durchaus übel nimmt. Dafür nähern sie sich auf einer anderen Ebene an und werden gute Freunde. Kalitra führt ihn zur Veranstaltung einiger Gaukler, was Atlan besser nicht zugelassen hätte. Denn er wird dabei von den Gardisten gesehen, die gegen die Gaukler vorgehen. Vorher erfährt er wieder einmal die Geschichte von Litrak, der im Eis eingefroren ist, nachdem er die Angriffe des Sardaengar nicht abwehren konnte. Als Tamiljon wieder in der Herberge erscheint, greifen die Gardisten an und sie fliehen, zusammen mit Kalitra, in Richtung eines großen Gebäudes, in dem sich eine Überraschung nicht nur für den Arkoniden befindet. Zwischenzeitlich wird Sardaengar von seinem besonderen Obsidiantor nicht eben freundlich empfangen. Der Kristallmond beeinflusst ihn und er kommt deshalb nicht an die Kontrollen heran. Nicht genug damit. Ein Geist, der fast im Nichts verweht wäre, materialisiert in dem Tor und erweist sich als Li, die es endlich schafft, auf einem der Planeten zu materialisieren, und das ganz in der Nähe von Sardaengar, der die Ausstrahlung der Imaginären spürt. Lethem und seine Freunde versuchen, in den Innenhof des Hauses zu kommen, das die Zentrale der Perlenträger ist. Leider kommen sie in das Gebäude selbst nicht hinein. Dafür stellen sie fest, dass sie von anderen Perlenträgern verfolgt werden. In einem Hinterhalt lauern sie ihnen auf und nehmen ihnen ihre komplette Ausrüstung ab. Geldsorgen haben sie damit schon mal keine mehr, aber auch die Kutten der Perlenträger können sie gut gebrauchen. Sie dringen damit erneut in den Innenhof vor und versuchen, in das Gebäude zu kommen. Die Wachen schöpfen aber Verdacht. Trotzdem kommen sie hinein, indem sie angreifen und die Wachen niederschlagen. Mit dem Ergebnis, dass sie zwar in dem Gebäude sind. Aber auch dort sind sie alles andere als sicher. Wenigstens sind sie bewaffnet, aber als die Perlenträger in Scharen auf sie zu kommen, bringt ihnen das auch nichts. Ihr kurzweiliges Versteck im Raum eines Perlenträgers, den sie töten, bringt unterm Strich auch nichts. Sie finden sich in einem gewaltigen Kampf mit den Perlenträgern wieder und Lethem ist der einzige, der noch keinen Gegner gefunden hat. Er fragt sich, wem er zu Hilfe kommen soll, als auf den Hals der Akonin die Klinge eines Messers zufährt … Atlan staunt nicht schlecht, als er in der gewaltigen Industriehalle ein Luftschiff erkennt, das er dort natürlich nicht erwartet hätte. Es sieht aus, wie ein Zeppelin der Erde. Und nicht nur das, es sieht aus, wie ein ganz bestimmter. Der auf den Eigennamen HINDEBURG hörte und in Lakehurst im Jahre 1937 jämmerlich verbrannte. Brennbarer Wasserstoff ist eben deutlich gefährlicher, als Helium. Das Schiff hört auf den Namen LITRAK und als die Gardisten wieder auftauchen, springen sie schnell hinein und lassen sich von einem Schiff aus dem Hangar schleppen. Dann fahren sie in Richtung des Gletschers, in dem Litrak eingefroren sein soll. Dazwischen wollen sie noch einmal Station in Malenke machen, einem Tempelzentrum des Litrak-Ordens. Sie erreichen diesen auch. Davor macht Atlan einige Entdeckungen. Er muss erkennen, dass das Schiff nicht nur aussieht, wie die HINDENBURG. Es ist ihr bis ins kleinste Detail nachgebaut. Sogar die Duschkabinen sehen so aus, wie an Bord des größten Flugobjekts, das die Menschen vor dem Raumfahrtzeitalter gebaut haben. Mit 240 Meter Länge ist die Zigarre nicht gerade klein. Und er muss erfahren, dass sie tatsächlich Wasserstoff geladen haben, anstatt mit dem nicht brennbaren Helium zu fliegen. Mit gemischten Gefühlen macht er sich an die Untersuchung des Schiffes und erkennt, dass es zumindest sehr solide gebaut scheint. Das hilft allerdings auch nichts, als das Schiff Malenke schließlich erreicht. Die Seile schweben schon in Bodennähe, bereit, von den Helfern eingefangen zu werden, als der Alarm durch das Schiff gellt. Wir ahnen es, das Schiff brennt. Lakehurst scheint sich wiederholen zu wollen. Natürlich erfahren wir weder, wie sich Lethems Truppe befreien kann, noch wie Atlan aus dem Schiff kommt. Schalten Sie nächste Woche wieder ein, wenn Hans Kneifel Sie in die Eisgruft entführen will … FazitMal ehrlich - die Cliffhanger sind eine schöne Sache, aber sie sind eben nur eine Weile schön. Wenn sie als Stilmittel in jedem Roman eingesetzt werden, dann verlieren sie irgendwie an Wirkung. Sie regen kaum noch auf, weil die Geschichte ja irgendwie weitergehen wird. Und jeder von denen wird schon nicht sterben, schon gleich gar nicht Atlan in seinem brennenden Luftschiffchen. Aber da kann Bernhard Kempen eher weniger dafür, das zwingt ihm höchstwahrscheinlich das Expose auf. Freudig stellt man fest, dass die Geschichte einen Zusammenhang hat und damit bisher nicht ohne Überbau auskommt. Man muss schon den Zusammenhang kennen, um der Geschichte ganz folgen zu können. So soll eine - vor allem kurze - Serie sein. Bernhard fängt stilistisch sauber, wenn auch nicht aufregend an, verbeißt sich dann aber regelrecht in das Thema und die Lektüre des Romans macht mehr und mehr Spaß. Auf der Ebene Atlans sogar noch mehr, als auf der Ebene Lethems und Kytharas. Die Schilderung einer Parallelwelt ist nicht wirklich neu, trotzdem ist sie mehr als gelungen und die HINDENBURG wurde offensichtlich sauber recherchiert. Auch die Personen handeln nachvollziehbar und sind gut charakterisiert. Bemerkenswert ist, dass Bernhard auch auf Anhieb mit dem Charakter eines Unsterblichen sehr gut zurecht kam. Interessant auch der Hinweis von Li auf On und Noon-Quanten. Das habe ich bisher nur im Zusammenhang mit Sporenschiffen gehört. Ein Backupsystem soll diese Obsidiangruft sein. Wofür? Für ein Sporenschiff? Haben die OIdtimer, die Stefan im Verdacht hatte, doch nichts damit zu tun? Auf der anderen Seite gingen aus ihnen ja die Querionen hervor, die unter anderem auch den Schwarm erbaut haben, der dereinst in der Milchstrasse landete. Und das hat sehr wohl auch was mit der Steigerung von Intelligenz und der Schaffung neuen Lebens zu tun. Es wird wohl tatsächlich eine Überraschung geben. Für Neueinsteiger ist der Zyklus jedenfalls nur bedingt geeignet. Bernhard hat einen guten Roman vorgelegt, der mir sehr gefallen hat und genau so ist somit auch die Wertung: ein lockeres GUT. Das Titelbild wollen wir nicht unerwähnt lassen. Bereits im letzten Zyklus gefielen mir die Arbeiten von Hank Wolf, der die letzten vier Bilder des Centauri-Zyklus geschaffen hat, sehr gut. Und mit dieser Grafik knüpft er genau da an, wo er zuvor aufgehört hat. Sehr schöne Zeichnung. |
Obsidian
1. Im Licht des Kristallmondes |

Der Arkonide steht mit dem Rücken zum Obsidiantor und Tamiljon ist bereits auf dem Weg hindurch. Atlan bestärkt ihn noch darin, endlich zu springen, aber Tamiljon tut es nicht. Im Gegenteil, er stellt sich neben den Arkoniden und blickt den heranstürmenden Anhängern Sardaengars entgegen. Diese werden plötzlich durcheinander gewirbelt, scheinbar unmotiviert fliegen sie plötzlich zu den Seiten. Tamiljon wendet sich der Steuerung des Tores zu und programmiert den Transmitter. Atlan beschäftigt sich währenddessen mit den letzten beiden Angreifern. Dass Tamiljon offensichtlich Telekinet ist, ist Atlan inzwischen doch klar geworden.