3. "Die Savannenreiter von Vinara" von Michael Marcus Thurner

Atlan Obsidian 3Atlan und Jorge Javales stehen Rücken an Rücken, aber der Terraner ist dem Arkoniden nicht wirklich eine Hilfe. Die Raptoren haben sie umzingelt und drohen, sie umzubringen. Sie sind offensichtlich durchaus intelligent, jedenfalls in einem tierischen Sinne. Das Alphatier gibt das Kommando zum Angriff und für Atlan und Jorge sieht es nicht sonderlich gut aus. Sie stehen ohne Deckung und ohne Waffen und blicken den heranstürmenden Tieren entgegen.

Als plötzlich drei der Tiere von etwas getroffen niedersinken.

Pfeile ragen aus den Körpern der toten Tiere und das Alphatier überlegt einen Augenblick, ob die Beute weitere Opfer wert ist. Als noch mehr der eigenen Raptoren getötet werden, entscheidet es sehr schnell und gibt das Zeichen zur Flucht. Atlan und Jorge Javales sind gerettet, von einer Gruppe merkwürdiger Gestalten, die auf riesigen Hirschkäfern sitzen und über die Handelswege dieser Welt reisen.

Schnell finden die beiden Gestrandeten heraus, dass die Wesen Elemente bekannter Sprachen benutzen. Interkosmo ist ebenso enthalten, wie es das alte Lemurisch ist und noch andere Elemente bekannter Sprachen können sie erkennen. Es dauert nicht lange und sie beherrschen die Sprache der Savannenreiter, die ihnen Nahrung überlassen und sie über Gebräuche ihres Volkes aufklären. Jorge wird fast wütend, als er erfährt, dass die Hirschkäfer von einem Gift abhängig gemacht werden und nur so überhaupt gebändigt werden können. Atlan kann gerade noch verhindern, dass er die Savannenreiter zu sehr beleidigt. Verwundert stellt er fest, dass die Schamanin, die den Tieren das Gift verabreicht, seine Aura zu erkennen scheint. Als sie mit dem Essen fertig ist, bezeichnet sie ihn als Angehörigen des Ordens der Wächter der Eisgruft. Sie führt ihn vermittels eines magischen Pulvers in Bereiche einer mystischen Trance, in der er noch mehr über die Geschichte des Kampfes zwischen Sardaengar und Litrak erfährt. Nachdem Sardaengar Litrak besiegt hat, muss er sich etwas überlegen, um den Widersacher auch wirklich sicher zu verwahren, denn ihm ist sehr wohl klar, dass Litrak nicht tot ist, gar nicht tot sein kann, denn wenn er einst tot ist, dann wird die Welt nicht mehr bestehen, deshalb begräbt er ihn im ewigen Eis des Casoreen-Gletschers. Und Denia, die dicke Schamanin, klärt Atlan über Geheimnisse ihres Volkes auf. Sie erfahren auch Dinge, die vor allem Jorge eigentlich gar nicht wissen will. Zum Beispiel über Denidas Liebesleben, die sich einfach einen der Savannenreiter ins Bett holt. Jorge hat Befürchtungen, dass Atlan ihn sozusagen opfern würde. Ihr Verhältnis scheint nicht einfach, zumal Jorge für solche Situationen nicht ausgebildet ist, aber Atlan hat sicher genug Erfahrung, um sie beide zusammenzuhalten.

Währenddessen muss Lethem erkennen, dass er einen Begleiter erhalten hat. Die Varganin hat ihm den Überschweren an die Seite gestellt und ihm sozusagen einen Spion ins Nest gesetzt. Mit ihm zusammen erkundet er die neue Welt, in der sie sich befinden. Er stellt schnell fest, dass viele der Führungskräfte ihres Schiffes verletzt sind und er praktisch genommen der ranghöchste unverletzte ist. Das bringt ihn aber nicht weiter, nach wie vor glauben die Einwohner dieser merkwürdigen Stadt auf Vinara nicht daran, dass es ein Unglück geben wird und auch der überschwere Barde besingt die Katastrophe eher als abstraktes Ereignis in seinen Liedern. Auf diese Weise wird er wohl diese Stadt nie verlassen können. Zumal die einzige Möglichkeit dazu ohnehin Schiffe sind, die ihm aber kaum helfen werden, die Entfernung zu anderen Planeten zu überwinden.

Inzwischen hat auch Li die Absicht, die Plattform zu verlassen, um auf die Planeten zu kommen. Das erweist sich aber als gar nicht so einfach, denn auch ihre Technik versagt.

Atlan lernt inzwischen seine neuen Freunde näher kennen und schätzen. Sie kennen sich in dieser Umgebung sehr gut aus und sind sehr gute Kämpfer. Dazu sind sie aber auch gute Reiter, ihre Dendibo, wie die Hirschkäfer genannt werden, beherrschen sie jedenfalls ausgezeichnet. Atlan und Jorge hingegen haben damit Probleme. Während der Historiker und Terranostalgiker immerhin noch das Glück hat, ein sanftes Reittier zu erhalten, hat Atlan das Pech, mit Gantschula erhält er ein temperamentvolles Weibchen, das er kaum unter Kontrolle halten kann. Sehr zur Erheiterung der Schamanin, stellt er sich äußerst dämlich an. Schließlich gelingt es ihm, das Tier einigermaßen geradeaus zu steuern, angeleitet von den Nomaden und links und rechts flankiert von Helfern, die einen Ausbruch des Tieres verhindern. Und so bewegen sie sich auf die Karawanserei zu. Zwischenzeitlich finden sie auch Wasser, was die Nomaden damit erklären, dass es hier überall Wasser gibt. Es gibt aber Stellen, wo es sehr dicht unter der Oberfläche ist und diese Stellen kann man mit sehr viel Erfahrung finden. Gamondio, der Häuptling seines Stammes, wird daraufhin doch etwas misstrauisch. Ein Bote des Ewigen Litrak sollte eigentlich mehr können.

Schließlich erreichen sie die Karawanserei in der Oase, erleben Farbtupfer in dieser Einöde, die sie regelrecht überwältigen. Zarband ist eine Abwechslung auf ihrer Reise.

Unterdessen lernt Lethem die Welt Vinara besser kennen und wird dabei immer noch von dem Überschweren begleitet. Dieser erklärt ihm die Währung dieser Welt und macht ihm klar, dass nur Grundnahrungsmittel und Kleidung hier umsonst sind. Sie werden von den überall gegenwärtigen Robotern geliefert. Alles, was darüber hinausgeht, muss bezahlt werden und das ist für ihn natürlich ein Problem, denn er ist als Überschwerer an etwas größere Portionen gewöhnt. Er zeigt ihnen auch den Hafen, den Lethem gerne nutzen würde, um mit einem Schiff über den Ozean zu kommen, eines der Obsidiantore zu erreichen und damit den Planeten zu wechseln, um endlich Atlan zu finden. Er kann sich zwar nicht die Erlaubnis des Kommandanten holen, aber um weiter zukommen, entschließt er sich dazu, eines der Schiffe zu kapern.

Freiwillig will sie jedenfalls keiner mitnehmen. Jedenfalls nicht umsonst. Der Angriff verläuft erfolgversprechend. Bis auf die Kleinigkeit, dass sie an Bord allerdings bereits erwartet werden. Obwohl sie Umrin in einer gewaltigen Sauftour lahmlegten, erwartet er sie zusammen mit weiteren Überschweren und einer gewissen Varganin in der Kajüte des Kommandanten des Dampfers. Niedergeschlagen ergeben sie sich, aber Kythara stellt klar, dass sie ihnen durchaus Glauben geschenkt hat. Nur bezweifelte sie die Ernsthaftigkeit ihrer Absichten, die aber durch diesen Angriff belegt wurden. Deswegen werden sie nun genau mit diesem Dampfschiff auslaufen, um zu dem Obsidiantor zu gelangen. Sie kommen dort aber nie an. Auf der großen Überfahrt, werden sie von den Wellen und dem Sturm überrascht und gegen eine Insel geworfen. Das Schiff läuft auf Grund und die Kameraden werden auf ein Boot geschickt. Sie rudern um ihr Leben und erreichen schließlich Land. Allerdings können sie nicht landen, weil die Steilküsten das nicht erlauben. Die Bucht, die Rettung verspricht, wird von gefährlichen Klippen gesäumt. Diese schlitzen ihr Boot auf und sie versinken in den Tiefen des Meeres ...

Atlan erfährt inzwischen von der großen Fehde, die zwischen den Afalharo und den Nathals. Sie begegnen sogar Kanzemon, dem Häuptling dieses Stammes. In der Karawanserei kann es aber keinen Kampf geben, denn dieser ist neutraler Boden. Und so verlagert sich der Kampf viel später in die Steppe. Die Nathal jagen sie mit einer großen Übermacht. Die Rivalitäten gehen auf die Vergangenheit zurück, als Sardaengar in die Obsidiangruft verschlagen wurde und gegen den Ewigen Litrak gewann. Die Afalharo sind nach wie vor Anhänger des Ewigen Litrak, während sich die Nathal von den Versprechungen Sardaengars verführen ließen.

Anscheinend gibt es diesen Menschen wirklich, in einem Zwischenspiel erfahren wir sogar noch etwas mehr. Er lebt in einem Gebirge, dem Ograhan-Obsidian-Gebirge. Und er bekommt die Ankunft der Menschen mit, wie er die Ankunft von allen Schiffen bisher mitbekommt. Aber diesmal ist etwas anders, er fühlt die Ausstrahlung eines Ritters der Tiefe. Und er kennt diese Ritter sogar, er kennt Atlan. Außerdem fühlt er die Ausstrahlung eines Imaginären an Bord eines Gebildes, das er kennt. Die Vergessene Positronik ist in der Obsidiangruft gestrandet.

Nathal jagen Afalharo und Atlan wendet seine Erfahrung an, um ihnen einen Vorsprung zu verschaffen, denn auch sie sind auf der Suche nach einem Obsidiantor, einem Transmitter, den die Schamanin unbedingt finden will. Gamondio gewinnt jedenfalls etwas von der Achtung zurück, als er erkennen muss, dass der Arkonide durchaus nicht dumm ist. Und so sind sie schließlich nur noch zwei Tagesritte von diesem Tor entfernt, als die Nathal sie fast eingeholt haben. Es gibt scheinbar nur einen Ausweg, nämlich die Ruinenstadt von Ardaclak, in der es aber spuken soll. Merkwürdige Dinge passieren dort. Das macht aber zunächst nichts, denn sie erreichen diese Stadt ohnehin nicht. Das Reittier Atlans lahmt und plötzlich bricht der Dendibo Gamondios zusammen und stirbt. Nur einen Augenblick lassen sie sich von ihrer Trauer ablenken, da sind plötzlich die Termiten da.

Die Genjis fallen wie ein Meer über sie her und treiben sie in die Enge. Auf einem Felsen, in vier Metern Höhe, verbergen sich Atlan und Jorge zunächst. Aber sie haben auch dort keine Chance. Sie werden aber nicht gleich getötet, sondern ein gesponnen und von den Genji in ihre unterirdischen Höhlen gebracht. Nathal und Afalharo scheinen sich dabei zu bekriegen, aber das bekommt Atlan nur noch am Rande mit. Es ist ihm auch egal.

Die Königin der Termiten tritt vor sie.

Fazit

Der Roman hat eigentlich kaum etwas von dem viel geforderten Überbau der Serie zu bieten, trotzdem erklärt er sehr viel. Li ist in der Vergessenen Plattform und kann sich dort vor den Spinnen und den Mutanten verbergen. Sie nähert sich mit der Plattform langsam aber sicher dem Kristallmond, der so etwas wie der Schlüssel zu sein scheint und einen Strahl ausschickt, den sogar Sardaengar deutlich zu sehen bekommt, denn er endet mitten in diesem Obsidiangebirge. Und auf den beiden Welten wird es langsam interessant. Beide Gruppen wollen Transmitter erreichen, die in Obsidiantoren verborgen sind. Beide schaffen es aber zunächst nicht. Und so haben wir jetzt gleich einen doppelten Cliffhanger und zur Abwechslung mal keinen Hinweis, wie die Situation aufgelöst werden wird. Lethem und die Seinen scheinen zu ertrinken, was durchaus nicht gut ist, nachdem er versprochen hat, die Varganin zu beschützen. Die allerdings kaum beschützt werden muss, wie er glaubte. Und Atlan hat nun wirklich ein Problem. Einerseits hat er Jorge versprochen, ihn zu retten, andererseits liegen sie nun beide ein gesponnen zwischen den Termiten und warten auf die Königin. Und einen Unbekannten, dem sie laut Vorankündigung wohl noch begegnen werden, einem gewissen Tamiljon.

Michael Marcus Thurner legt einen sehr schwungvollen Roman vor, der interessant und lesenswert geschrieben ist und ehrlich gesagt hat es mir kaum etwas ausgemacht, dass in den Romanen für die Gesamthandlung wohl eher wenig passiert. Schließlich sind wir keinen Schritt wirklich weitergekommen, dafür haben beide Gruppen spannende Abenteuer erlebt und die Charaktere sind weiter vorgestellt worden. Vor allem Jorge hat deutlich an Tiefe gewonnen und der Unterschied zwischen den beiden Charakteren Atlan und Javales ist sehr schön herausgearbeitet worden. Kein wirklicher Konflikt, aber immerhin ist es nicht so einfach, miteinander aus zukommen.

Und auch Lethem gewinnt deutlich an Profil. Er setzt sich zwar über alles hinweg, als er die Lautäußerungen des verletzten Kommandanten als Zustimmung interpretiert und kriegt dafür seine Quittung – nämlich dass er suspendiert wird, wenn er Atlan nicht finden sollte, aber immerhin erhält er noch den Auftrag zur Rettung des Arkoniden. Und damit dürfen wir wohl gespannt sein, wie es weitergeht.

Sardaengar kennt also Atlan. Kennt der Arkonide umgekehrt auch den Tamrat? Vielleicht ist er gar kein solcher, sondern ein alter Bekannter des Arkoniden, ein Unsterblicher wohl in jedem Fall, wie auch Litrak ein solcher zu sein scheint. Fragen sind genug übrig für die nächsten Bände.

Vermutlich werden wohl die übrigen Romane ähnlich ablaufen, nämlich als Abenteuer auf den Planeten dieses Systems. Aber so lange die Geschichten so spannend und schlüssig erzählt werden, ist das kein Problem. Thurner wäre jedenfalls ein Kandidat für die Perry Rhodan Serie, wenn er denn trotz seines Engagements für Bad Earth Gnade vor den Augen des Redakteurs findet.

Ich schrecke trotz des Lobs vor der Höchstwertung zurück, denn ich bin der Meinung, dass es noch besser geht. Ein SEHR GUT hat der Roman aber allemal verdient. Und das Titelbild im übrigen auch.

Obsidian

1. Im Licht des Kristallmondes
2. Insel der Verdammten
3. Die Savannenreiter von Vinara
4. Tamiljon
5. Im Zeichen des Kristallmondes
6. Die Eisgruft
7. Sardaengars Botschaft
8. Die Technostadt
9. Braune Pest
10. Im Land der Silbersäulen
11. Die Macht des Kristallmondes
12. Die Obsidian-Kluft erwacht

This page is part of PROC Community. There are many other interesting projects at the PROC Community:

News:

×