1. "Im Licht des Kristallmondes" von Hubert Haensel

Atlan Obsidian 1Atlan hat es geschafft. Es ist ihm gelungen, das Zentrum von Omega Centauri zu erreichen und die Feinde des Reiches dort zu besiegen. Dabei traf er aber auf alte Bekannte und Geheimnisse der Vorzeit. Wen darüber näheres Interessiert, der möge sich die entsprechenden Zusammenfassungen in der Phantastik-Ecke anschauen.

Der Hinweis ist auch angebracht, denn zu Anfang der Reihe treffen wir genau auf den Atlan, der immer noch den Tod seiner Freundin Li da Zoltral bedauert und der sich nun per Transmitter gerne wieder auf das Raumschiff TOSOMA begeben würde.

Aber dort kommt er nie an. Bevor sie den Transmitter betreten, kommt aber noch eine Alarmmeldung der TOSOMA herein. Ein unbekanntes Objekt materialisiert inmitten der Sonnen, die den Sonnentransmitter in dieser Dunkelwolke bilden.

Unbekannt ist dieses Objekt allerdings nur für die anderen. Atlan kennt die Plattform sehr wohl, die er sofort als verlorene Plattform bezeichnet. Mit Fartuloon zusammen hat er sich auf dieser Plattform bereits einmal wiedergefunden, im Zuge der Geschichte um die Varganen und den dreißig-Planeten-Wall. Damals erkannte er, dass diese Plattform einen Ruf hat, für alle, die ihm begegnen gefährlich zu sein. Sie haben auch genug tote dort gefunden. Aber selbst haben sie den Ausflug überstanden. Trotzdem warnen sie die TOSOMA davor, dem Objekt zu nahe zu kommen.

Atlan will mit den Gefährten möglichst schnell durch den Transmitter, um von Bord der TOSOMA aus auf das Auftauchen der Plattform zu reagieren. Allerdings wird ihnen der Transmitterdurchgang zum Verhängnis. Der Schmerz der Entmaterialisation ist durchaus gewaltig, sie kommen niemals an ihrem Ziel an. Und sie erkennen schnell, dass sie in einer durchaus unangenehmen Lage sind.

Zunächst aber ist Atlan orientierungslos. Seine Begleiter erkennen die Lage wesentlich schneller und beziehen Position gegen das achtbeinige Monster. Atlan merkt, dass sie dabei in seine Richtung schauen und schon zögerlich nach den Strahlern greifen. Aber er ist schneller, er greift sich das Spinnentier, das an seinem Schenkel nach oben klettert und schleudert es von sich. Es kommt aber sofort wieder und Atlan schaut, gegen den Rat seines Extrasinns, dabei zu, wie das Monster vernichtet wird.

Nur ist es leider nicht das Einzige. Umgehend tauchen weitere Monster auf. Die aber von den angegriffenen schnell ebenfalls beseitigt werden.

Inzwischen an Bord der TOSOMA. Lethem da Vokoban ist der Pilot des Beibootes der ATLANTIS. Er will nicht glauben, dass Atlan und die anderen verschwunden sind. Sehr schnell rückt die Plattform in den Mittelpunkt des Verdachts. Wo sollen die Verschwundenen auch sonst sein, als an Bord dieser neuen Bedrohung? Und dort sollen sie nicht bleiben. Deshalb kommt Lethem auf die Idee, in einem Manöver möglichst nahe an das Objekt heranzuspringen und direkt über dem Objekt einen Shift mit einer Truppe auszuschleusen, die den Arkoniden retten soll. Gesagt, getan. Das Schiff springt näher an die Plattform heran.

Atlan und seine drei Begleiter schlagen sich inzwischen mehr schlecht als recht durch die Plattform. Nach dem Angriff der Spinnenwesen, der gerade noch so abgeschlagen werden konnte, reagieren die Angegriffenen - bis auf Atlan - leicht verwirrt. Der Arkonide vermutet, dass die Kameraden auf eine noch unbekannte Weise beeinflusst wurden. Sie schlagen sich durch das Schiff und treffen auf weitere der Spinnenwesen. In immer neuen Kämpfen werden sie von den Spinnenwesen eindeutig in eine bestimmte Richtung gedrängt, wie nicht nur der Extrasinn feststellt. Auch Atlan wird das sehr schnell klar. Horgald Massarem wird das erste Opfer der angreifenden Spinnen. Javales löst sich in einer Leuchterscheinung fast auf, während er von Atlan getragen wird. Gerade, als dem Arkoniden klar wird, dass er eventuell dabei ist, seinen Zellaktivator zu verlieren, schieß Horgald nach oben, weil er den Eindruck hat, das Leuchten komme von dort. Tatsächlich, es klappt - das Leuchten erlischt. Dafür sind die Spinnen nun ausdrücklich hinter Horgald her und auch Atlan kann nicht verhindern, dass sich eine Übermacht der Spinnen auf den Freund stürzt. Er löst die Energiekammer seines Strahlers aus und Atlan kann im letzten Augenblick entkommen. Neben einer Vielzahl von Spinnen, wird auch der Terraner von der Explosion getötet. Nunmehr nur noch zu dritt, gehen sie weiter in die Plattform hinein. Auch wenn die beiden Kameraden sichtlich Zweifel an ihren Chancen haben.

Währenddessen fliegt die TOSOMA auf die Plattform zu und erreicht sie. Das bekommt ihr aber schlecht, sie wird beinahe vernichtet. Im buchstäblich letzten Augenblick bevor das Schiff aufgegeben werden müsste, schafft es Lethem, aus dem unmittelbaren Gefahrenbereich zu entkommen. Aber deshalb geben sie natürlich ihren Plan noch lange nicht auf. Sie fliegen wieder auf die verlorene Plattform zu.

Atlan erkundet die Plattform, soweit ihn die Spinnen lassen. Er verzichtet mittlerweile weitgehend darauf, die Spinnen zu erschießen, weil ihm klar wird, dass sie eventuell massiver gegen die Eindringlinge vorgehen werden, wenn zu viele von ihnen getötet werden. Er sieht einen Schemen, der in einer merkwürdig bizarren Maschinenlandschaft verschwindet. Die angeschmolzen aussehenden Aggregate bieten ein ideales Versteck und wirklich, Atlan begegnet dem Schemen, den er kurzfristig gesehen hat. Er sieht aus wie ein Maahk, nur dass er Sauerstoff zu atmen scheint. Und er greift den Arkoniden an, bis der Kraahmak spricht. Der Pseudo-Maahk zögert daraufhin sichtlich. Atlan will sich mit ihm unterhalten. Mit entsetzen sieht er die Stümpfe von Spinnenfüßen aus Metall, die aus dem Rücken des Maahk ragen. Sie sehen aus, als wären sie abgerissen worden. Und vermutlich sind sie das auch. Atlan wird langsam klar, was diese Spinnen mit ihnen vorhaben.

Der Maahk wird von einem weiteren Leuchteffekt entmaterialisiert. Sie fliehen weiter und erreichen einen Bereich, der wie eine Kabinenflucht aussieht. Atlan verschwendet etwas Zeit mit der Durchsuchung, geht dann aber mit den anderen weiter, bis sie übergangslos in einer riesigen Halle stehen, die wie ein Dschungel aussieht. Eine Landschaft mitten in dem Schiff. Und die Spinnen kommen immer noch, von allen Seiten sozusagen, auf sie zu. Als Atlan schon bereit ist, in den Sumpf zu flüchten, wo es die Spinnen sicher schwerer haben, tauchen plötzlich weitere dieser Maahks auf. Und sie sind sozusagen vollständig, denn sie werden von Spinnen gelenkt. Die Spinnen haben sich mit ihren Gliedmaßen in den Körpern der Wesen verankert, teilweise sind sie von Körpergewebe regelrecht überwuchert. Und sie scheinen die Wesen zu beeinflussen, was wohl auch der Grund für die vorübergehende Orientierungslosigkeit der beiden Kameraden zu Anfang war.

Sie fliehen weiter, kommen aber nicht von den Wesen weg. Und von den Spinnen letztendlich auch nicht. Sie greifen die drei Eindringlinge nun massiv an, springen auf ihre Rücken und dirigieren sie in eine bestimmte Richtung. Atlan ist die Gegend sehr bekannt. Er erkennt das Leuchten des Hoagh, dem er schon mit Fartuloon gegenüberstand. Sein Körper wehrt sich immer noch gegen den Eindringling, was diesem auch durchaus nicht verborgen bleibt. Als sie das Tor zum Leuchten durchschreiten wollen, wird es plötzlich dunkel. Atlan fühlt einen fürchterlichen Schmerz und ihm wird klar, dass das keine einfache Transition ist. Was er schon länger befürchtete, nämlich dass die Plattform mit ihnen verschwinden würde, das scheint nun einzutreten. Und nicht nur sie, sondern auch die TOSOMA ist von dem Effekt betroffen.

Sie landen in einem unbekannten Raum, den sie zunächst einmal analysieren müssen. Auffällig ist, dass es nur fünf Planeten und eine Sonne zu geben scheint. Mehr scheint dieses sehr kleine Universum nicht zu bieten zu haben. Aber es ist mehr als das, es ist eine Dunkelwolke. Und innerhalb dieser Dunkelwolke gibt es nun zwei Gebilde mehr, nämlich die verlorene Plattform und die TOSOMA.

Die Orter der TOSOMA stellen noch mehr fest. Der Raum scheint aus Obsidian zu bestehen, zumindest von einem Wall aus Obsidian um geben zu sein. Und das im freien Weltraum!

Atlan träumt unterdessen merkwürdige Dinge und ist im Körper eines anderen Wesens gefangen. Zuletzt denkt er noch an eine Obsidian-Kluft. Als er endlich zu sich kommt, muss er sich erst einmal von den Spinnen befreien. Er schafft dies auch bei Jorge, aber Veloz hat leider Pech gehabt. Er wird das zweite Opfer. Und langsam werden die anfangs etwas betäubten Spinnen wieder sehr agil.

Veloz kann nicht mehr gerettet werden. Also vertrauen sie sich dem Leuchten des Hoagh an und springen durch den Torbogen. Sie werden entmaterialisiert.

Die TOSOMA kann den Sprung orten und den Planeten bestimmen, auf dem Atlan materialisiert. Aber sie können den Kurs nicht ändern und fliegen weiterhin auf eine der Welten zu, die von einem Kristallmond umkreist wird. Die Plattform versucht, zu entmaterialisieren. Aber sie schafft es nicht. Es scheint, als würde auch dieses uralte Gebilde in dem Obsidian-Raum festsitzen.

Die TOSOMA hat aber nun andere Probleme. Die Oberfläche dieser Welt kommt immer näher …

Fazit

Irgendwie verpufft der schönste Cliffhanger im nichts, wenn der geneigte Redakteur die Füße nicht stillhalten kann. War es denn wirklich nötig, in der Vorankündigung darauf hinzuweisen, dass die TOSOMA es gerade noch schaffen wird, aufzusetzen? Da hat sich der liebe Hubert ganz umsonst Mühe gegeben.

Insgesamt ist der Roman ja durchaus gefällig erzählt. Die Personen werden gut charakterisiert, das alles erscheint durchaus stimmig. Atlan kommt glaubwürdig rüber und seine Begleiter werden ebenfalls gut geschildert. Insofern gibt es wenig zu bemängeln.

Was aber treibt unsere Helden ausgerechnet an einen solch merkwürdigen Ort? Eigentlich hätte ich erwartet, dass der Transmitter selbst im Mittelpunkt stehen wird, was er eigentlich ja auch tut. Nur scheint nicht der Transmitter der Auslöser des Transports gewesen zu sein, sondern die Plattform. Und in diesem Obsidian-Raum scheint es zumindest keinen Transmitter zu geben. Insofern ist wohl auch nicht zu erwarten, dass es um Geheimnisse aus lemurischen Zeiten gehen wird. Die Anspielungen auf die alten Atlan-exclusiv Romane ist eigentlich auch nicht schlecht. Aber auch hier drängt sich einem das Gefühl auf, dass dieser weitgehend dem Wunsch entspricht, das Alternativprodukt der Atlan-Hardcover etwas zu bewerben. Denn es kommt wohl kaum von ungefähr, dass es da ausgerechnet um Varganen geht und damit wohl genau um die Geschichten, die auch mit der verlorenen Plattform zu tun haben. Es ist ja schön, dass diese alten Begebenheiten wieder aufgenommen werden. Dass sie aber dann offensichtlich nur aus Gründen des crossmedialen Marketings herangezogen werden, macht es auch nicht schöner.

Kann man nicht einfach mal eine Reihe nur um der tollen Geschichten wegen schreiben? Das dürfte eventuell schon genug Leser erfreuen. Früher jedenfalls hat das für einen Erfolg durchaus ausgereicht.

Erfreulich ist aber zumindest, dass die Reihe durchaus Überbau zu haben scheint. Und am Ende scheint auch eine alte Bekannte wieder aufzutauchen. Oder ist die Rothaarige, die da plötzlich erscheint, etwa nicht Li?

Wir werden sehn.

Insgesamt verdient der Roman allerdings nicht mehr als ein NICHT ÜBEL. Was nicht unbedingt an Hubert Haensel hängt, für einen Auftaktband war aber die Hinführung aufs eigentliche Thema etwas gestreckt.

Obsidian

1. Im Licht des Kristallmondes
2. Insel der Verdammten
3. Die Savannenreiter von Vinara
4. Tamiljon
5. Im Zeichen des Kristallmondes
6. Die Eisgruft
7. Sardaengars Botschaft
8. Die Technostadt
9. Braune Pest
10. Im Land der Silbersäulen
11. Die Macht des Kristallmondes
12. Die Obsidian-Kluft erwacht

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