12. "Das Schwert der Ordnung" von Michael Marcus Thurner

Atlan Flammenstaub 12

Kritik von Ralf König

Am Ende schlägt Michael Marcus Thurner einen Bogen zurück an den Anfang. Das kann man eigentlich auch erwarten, wenn ein solcher Großzyklus beendet wird. Wo steigt er also ein? Am Beginn des Lordrichter-Komplexes? Nein, eigentlich nicht. Eher am Beginn des Obsidian-Zyklus. Oder, wenn wir ganz genau sind, vielleicht sogar am Beginn von Omega-Centauri. Das bedeutet also, dass eigentlich alles, was nach Traversan war, im Nachhinein auf die Lordrichter hingebogen wird. Ist das gut?

Nein, eigentlich ist das gar nicht gut denn es gibt viele Dinge, die sich so ohne weiteres nun auch nicht in diese Kontext zwängen lassen. Was ich mich nach wie vor Frage ist, wie Emion planen konnte, dass Atlan mit dem Pedopeiler der Cappins von Dwingeloo nach Gruelfin geschickt wurde. Denn eigentlich tauchte dieser doch nur dort auf, weil Atlans sterbendes Alter Ego sich diesen hergewünscht hatte. Und die Beeinflussung von Wahrscheinlichkeiten ist in der Regel nur einmal möglich, oder hat Emion zuerst beeinflusst? Eigentlich egal, er hätte niemals das gewünschte Ergebnis erreichen dürfen.

Hat er nun aber doch, und so kniet Atlan zu Beginn des Romans ganz unprosaisch vor dem Wurm und hat ein Schwert über sich, das ihm den Kopf abschlagen will. Geführt wird das Schwert von keinem anderen als Saryla, der schnell die Seiten gewechselt hat und wieder das macht, was Herrchen von ihm will.

Aber es ist noch nicht zu spät für den Arkoniden, denn da ist ein Rhoarxi, der verschollene Choch nämlich, der den verwehenden Flammenstaub des sterbenden Arkoniden in sich aufnehmen soll. Wenn er denn könnte. Und dass er nicht kann, liegt überwiegend an seinem erbärmlichen Zustand. Er ist verrückt und in diesem entscheidenden Augenblick am Durchdrehen. Also nimmt Emion ihn kurzerhand mit und damit Atlan keinen Fehler machen kann, packt er ihn in seinen willfährigen Sklaven, ein Wesen, das mit Harno verwandt sein könnte. Sargon speichert das Bewusstsein des Arkoniden und seinen Extrasinn, aber es darf nicht mit ihm reden.

Ein Glück, dass da auch noch Ovarons Splitter ist, der nun stattdessen als Gesprächspartner dient. Und Sargon enthüllt das Leben des Schwerts der Ordnung. Eigentlich ist dieses nämlich selbst nur ein Haustier gewesen, auf der anderen Seite, in einem sterbenden Universum. Mit dem letzten Viertel Hangays wurde es transferiert und entdeckte in diesem Universum plötzlich seine überragende Intelligenz. Und Sargon, der Wahrscheinlichkeiten beeinflussen kann, indem er zwischen Wahrscheinlichkeitsebenen wandert. Aber Sargon kann Emion nicht geben, was er will, deswegen hat er noch alternative Pläne, wie zum Beispiel den Urschwarm. Dieser schlägt aber dank Atlan fehlt. Oder aber die Psi-Quellen der Varganen und einige weitere Hinterlassenschaften von ihnen. Auch den Dunkelstern kann Atlan aber ausschalten und auch dies stört Emion kaum. Aber diesmal wird es gelingen, denkt sich das Schwert der Ordnung, diesmal wird Atlan ihm genau das geben, was er haben will. Nämlich den Flammenstaub und mit Hilfe von Choch und den übriggebliebenen aber leider degenerierten Rhoarxi des verschollenen vierten Schwarms, könnte er dann vielleicht doch die Wahrscheinlichkeiten so beeinflussen, wie er es will. Damit die Schmerzen endlich aufhören ...

Irgendwie hören sie dann auch auf, denn Atlan kann Sargon dank Ovarons Hilfe davon überzeugen, dass Emion ihn nur ausgenutzt hat und man ihn deswegen doch bestrafen sollte. Und weil Emion es nicht mag, wenn ein Plan nicht funktioniert, sorgen sie dafür, dass genau das passiert. Und Sargon nimmt den jammernden Emion mit in die am leichtesten zu erreichenden Wahrscheinlichkeitsebenen. Ausgerechnet Saryla hilft ihm dabei. Und wird dabei gleich noch von Ovaron zu eine guten Wesen gemacht. Was natürlich auf Dauer auch schief gehen könnte, aber so haben die Wesen in der Heimat des Schwerts der Ordnung vielleicht doch noch eine Chance, denn genau diese Welt ist die Belohnung für Saryla, den Massenmörder.

Fazit

Das Ende ist erreicht und damit endet die Atlan-Serie ein zweites Mal. Gut, wenn man die Minizyklen dazurechnet, dann eventuell sogar ein viertes Mal ... oder so ...

Genau genommen, wird alles zusammengerafft, was seit dem Traversan-Zyklus gedruckt wurde und mal eben so hinerklärt. Eventuell ist aber genau das auch das Problem der Atlan-Reihe, die immerhin 60 Bände erlebt hat und damit vier komplette Minizyklen. Sie wurde als Reihe von Minizyklen vermarktet, die aber aus einem großen Zyklus bestand. Es wäre da sicher besser gewesen, hier flexibler zu sein und nicht alles in den großen Kontext zu bringen. Aber gut, hinterher ist man immer schlauer.

Was auch immer letzten Endes die Gründe dafür waren, festhalten muss man jedenfalls, dass die Atlan-Serie im Heftformat erneut gescheitert ist. Letztendlich sind dafür immer Menschen verantwortlich, entweder weil sie fälschlicherweise nicht gekauft haben oder weil bei der Vermarktung Fehler gemacht wurden. Was auch immer hier zutrifft, vieles hätte gerne anders sein dürfen.

Michael Marcus Thurner haben wir mit dem Intrawelt-Zyklus immerhin ein Highlight zu verdanken und auch dieser letzte Zyklus fing eigentlich gut an. Aber viele der Romane dieses letzten Abschnittes hätten mir besser gefallen, wenn sie nicht erschienen wären. Die wirklich guten Geschichten muss man wirklich suchen, viel Durchschnitt und auch einiges schlechte machen den Zyklus zu keinem Highlight.

Er beendet aber den Komplex um die Lordrichter und macht damit Platz für Neues. Neues, das hoffentlich besser beim Publikum ankommt, denn trotz allem möchte ich Atlan nicht missen.

Der letzte Band hat ein klein wenig entschädigt, denn er hat auch viele interessante Aspekte, wie z.B. woher Emion denn nun eigentlich wirklich stammt. Aber er weißt auch Widersprüche auf. Warum zum Beispiel hat Saryla plötzlich seine Eltern ermordet? Mir deucht, Achim Mehnert wusste davon noch nichts, denn immerhin sind sie dort bei einem Unfall gestorben und Saryla war immerhin noch ein klein wenig erschüttert. Aber gut, vielleicht hat Achim auch nur vergessen, das zu erwähnen.

Eventuell hätte man auch erklären sollen, wie Saryla plötzlich nach Eschen kam und die Seiten wechselte, so war man über den Einstieg in den Roman doch etwas erstaunt. Aber insgesamt war es gute Unterhaltung und damit ein GUTer Abschluss der Atlan-Serie.

Etwas mehr hätte man sich aber an einigen Stellen doch erwartet ...

Flammenstaub

1. Zwischen den Dimensionen
2. Hauch des Todes
3. Todeszone Shimayn
4. Die Versammlung
5. Die Rache der Juclas
6. Ein Zentralgehirn in Not
7. Entscheidung auf Extosch
8. Der Zorn der Lordrichter
9. Eschens Welt
10. Lordrichter Saryla
11. Die verlorenen Rhoarxi
12. Das Schwert der Ordnung

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