10. "Lordrichter Saryla" von Achim Mehnert
Kritik von Ralf KönigAchim Mehnert ist in der Atlan-Serie inzwischen kein unbekannter mehr. Mit Lordrichter Saryla legt er den nunmehr dritten Roman innerhalb der Serie vor, mit durchaus unterschiedlichem Erfolg. Der vorliegende Roman behandelt die Lebensgeschichte des Lordrichters Saryla, den Atlan im vorhergehenden Band von Christian Schwarz gefangen setzen konnte. Saryla hat die eigentlich typische Kindheit und Jugend eines PR-Bösewichts. Insofern hat Achim Mehnert hier tief in die Trickkiste vieler Lebensgeschichten gegriffen, die vor allem in der PR-Serie mittlerweile Bestandteil der Handlung sind. Andererseits ist Achim Mehnert kein Stammautor und so kann er dem Thema doch einige neue Seiten abgewinnen, die so neu aber auch wieder nicht sind, denn sicher ist die Geschichte vom Expose vorbestimmt. Saryla ist Sohn von reichen Eltern, die als Plantagenbesitzern reichlich klischeehaft Personal beschäftigen, das fast wie Sklaven gehalten wird. Sie verdienen wenig und haben auch wenig zu sagen. Und der junge Saryla wächst in dem Wissen auf, dass das Geld seines Vaters alle Probleme für ihn löst, was ihn zu einem Egoisten macht. Dem steht aber die Lehre entgegen, die Disziplin und Gehorsam in den Vordergrund stellt und kein ?Ich? zulässt. Das lernt Saryla erst später kennen, als er sich bereits seines ersten Widersachers entledigt hat, einem jungen Mann, der ihm seine Freundin streitig machen will. Mit ihr zusammen trifft er in einer Vorlesung an seiner Universität zum ersten Mal auf die Lehre von Trodar. Der neue Dekan ist es, der ihnen diese Lehre nahe bringen will. Und er macht aus allen treue Anhänger von Trodar, nur nicht aus Sarylas Freundin, die dem skeptisch gegenüber steht. Nach seinem Abschluß, bleibt er bei dem Lehrmeister, lässt sich von ihm vollends in Troder einweihen. Und es interessiert ihn kaum, dass in dieser Zeit seine Eltern sterben und sich der Dekan des Geldes seiner verstorbenen Eltern bedient, bis nichts mehr da ist. Als ihm klar wird, dass er nur ausgenutzt wurde und als der Dekan ihm mitteilt, daß er seine Welt und ihn nunmehr verlassen wird, tötet er den neuerlichen Widersacher. Nun muss er ein neues Vermögen aufbauen, was ihm mit seiner Skrupellosigkeit gelingt. Seine Freundin stumpft immer mehr gegenüber seinem Verhalten ab. Er wählt immer häufiger Mittel der Gewalt, um seine Ziele zu erreichen, bis er sogar seine Freundin tötet, weil sie ?zu viel weiß?. Dabei bemerkt er eine Bewusstseinserweiterung. Aber er ahnt nicht, was da in ihn gefahren ist. Und dann trifft er auf das Schwert der Ordnung, das ihn zum ersten Lordrichter in Gruelfin weiht. Damit hat er dann die Mittel, die nötig sind, um sich endgültig gegen die Ganjasen zu stellen. Aber anscheinend sind nicht alle Lordrichter auf seiner Seite oder aber der oberste Lordrichter und das Schwert der Ordnung sind gegen ihn. So kommt es, dass er Atlan in die Falle geht, weil er nicht über ausreichende Informationen verfügt. Der Splitter Ovarons erkennt dann zum Schluß, dass der Bewusstseinssplitter in Saryla eine negative Komponente aus seinem eigenen Bewusstsein ist. Übrigens ist Eschens Welt tatsächlich wieder nicht Gegenstand der Geschichte. Das verschiebt sich noch einen weiteren Band, denn außer Saryla zu verhören und einen Pakt mit ihm zu schließen, gegen den der Extrasinn eigentlich etwas einzuwenden hat, macht Atlan nichts weiter. So ist das Ergebnis nur, dass Saryla seine Hilfe anbietet im Kampf gegen die übrigen Lordrichter, weil er noch eine Rechnung mit ihnen offen hat. Hoffentlich vertraut der Arkonide Saryla nicht wirklich. Interessant ist übrigens auch, wie oft Atlan als derjenige dargestellt wird, der ja nun wirklich nichts Böses tun würde. Wirklich? Naja, um anderen zu schaden, eher nicht. Aber er ist auch gegenüber den ?Bösen? nicht wirklich zimperlich. Und da muss man sich dann schon fragen, ob diese schwarz-weiß Malerei wirklich noch normal ist. Es ist halt nicht das Gleiche, wenn zwei dasselbe tun. Im einen Fall sind die Absichten ach so hehr, im anderen ach so nieder. Wer legt die Grenzen der Moral denn eigentlich fest? Und warum ist das Verhalten Atlans auch so viel moralischer, als das des Lordrichters? Seine Gedanken gegenüber Saryla sind jedenfalls kaum von denen Sarylas zu unterscheiden. Insgesamt wird mir persönlich darüber zu wenig reflektiert. Eine klare Abgrenzung zwischen Gut und Böse sollte man sowieso nicht machen, weil beide Seite oft eher durch Zufall in eine der beiden Richtungen abdriften und da auch noch viele andere Faktoren mitspielen. Bei Saryla hätte es dazu viele Gelegenheiten gegeben, die dem Lordrichter deutlich mehr Tiefe verliehen hätten und so natürlich auch das Lesevergnügen deutlich gesteigert hätten. FazitAlles schön und gut, auch durchaus nicht uninteressant erzählt. Aber als Leser vermisst man doch eine Menge in dem Roman. Vielleicht kann eine Geschichte über das Leben Sarylas nur so aussehen, aber eigentlich würde man doch mehr erwarten. Nur mehr von was? Drei Romane vor dem Ende der Serie lesen wir einen Roman über einen Lordrichter und am Ende ist man doch enttäuscht, denn man hat den Eindruck, eigentlich nichts Neues erfahren zu haben. Und das, wo nun nur noch zwei Romane übrig sind. Denn die Informationen, die in dem Roman transportiert werden, sind in den Romanen zuvor bereits bekannt geworden. Und so ist der Roman, obwohl er gut geschrieben ist, irgendwie unbefriedigend. Der Autor hat aber irgendwie noch das Beste daraus gemacht und im Vergleich zu einigen der Vorgänger, ist es eine durchaus lesenswerte Geschichte, die aber an einigen Schwächen krankt. Insofern erklärt sich auch die Wertung. NICHT ÜBEL. Nachdem ja nun nur noch zwei Romane übrig sind, kann man aber jetzt wohl langsam schon erwarten, dass es endlich losgeht mit dem Finale? Für das Thema kam das Ende wohl doch zu früh, so muss man die mühsam aufgebaute Geschichte nun in zwei Romanen zu einem Ende bringen. Was doch eigentlich sehr schade ist. |
Flammenstaub
1. Zwischen den Dimensionen |

