9. "Eschens Welt" von Christian Schwarz

Atlan Flammenstaub 9

Kritik von Ralf König

Christian Schwarz ist als Autor von Heftromanen bereits früher in Erscheinung getreten. In letzter Zeit nicht nur bei Jerry Cotton, sondern auch bei der anderen großen Science Fiction Serie, die im Bastei Verlag erscheint und Bad Earth vor einiger Zeit beerbt hat, der Serie Sternenfaust.

Christian Schwarz setzt in dem vorliegenden Roman die Geschichte auf der Freihandelswelt vor, die von H.G. Ewers vor zwei Wochen begonnen wurde. Er bedient sich derselben Charaktere, im Wesentlichen jedenfalls, und trotzdem hat man eigentlich den Eindruck, neuen handelnden Personen zu begegnen. Ein regelrechter Bruch ist es, der zwischen den beiden Geschichten liegt.

Und es ist irgendwie auch etwas merkwürdig, was da passiert. Atlan scheint plötzlich in der Rolle des Herrschers dieser Welt zu sein und deswegen wird er mit allen Problemen behelligt, ob sie ihn nun etwas angehen oder nicht. Der eigentliche Ganjo hingegen, wird zum Statisten degradiert. Im vorigen Band noch ein gewiefter Politiker, der alle Schliche kennt, dackelt er nun hinter Atlan her und lässt sich durch die Handlung schieben, eigentlich nur damit beschäftigt, um seine Position und seine Wiederwahl Angst zu haben. Sollte er eigentlich nicht, denn noch vor zwei Wochen wurde er als durchaus geschickter Ganjo vorgestellt, der weiß was er tut und dem seine Wähler auch Kompetenzen zugestehen.

Dass Atlan sich um Probleme mit den Juclas kümmert, mag im Übrigen auch noch angehen. Aber doch nicht bis ins kleinste Detail hinein.

Dazu kommt noch, dass der Roman sprachlich nicht unbedingt zum Rest der Serie passt. Da werden Juclas geschildert, die ungehemmt ihre Triebe ausleben, was durchaus zu ihnen passt. So sind die Beschreibungen zumindest teilweise auch nicht schlecht, aber im Detail denn doch zu umgangsprachig. Ein Beispiel: Literweise werden da gleich die Körperflüssigkeiten verspritzt.

Als sich die Lage dann ein wenig beruhigt, wendet sich Atlan einem anderen Problem zu. Aus irgendeinem Grund, der entweder nicht erwähnt wurde oder den ich überlesen habe, muss er dringend zu Eschens Stern. Aus dem Überleitungstext am Ende geht dann immerhin hervor, dass dort wohl der vierte Stamm der Rhoarxi vermutet wird. Vorher aber motiviert er mal eben noch die Absolventen der Raumakademie mit ausgesuchten Plattheiten dazu, an ihrer Seite zu kämpfen. Wohlgemerkt Elitekämpfer, deren Format wir an Bord der AVACYN ja teilweise schon bewundern konnten. Und auch in diesem Band wieder zu lesen kriegen. Die herumkeifende Pilotin jedenfalls, die von Teamfähigkeit wohl noch nicht mal was im Lexikon gelesen hat, ist mir nach wie vor eher unsympathisch. Von der ständig Symbiontenflüssigkeit süffelnden Orterspezialistin ganz zu schweigen.

Und dann fliegt er nach Eschens Stern, wo er quasi zufällig über einen Lordrichter stolpert. Bei einem Zwischenstopp, genau genommen. Ohne zu zögern, fangen sie eine Raumschlacht mit ihm an, was auch nur geht, weil der Sammler glücklicherweise mitgekommen ist. Der Lordrichter hat aber alles geplant und so stolpert Atlan in die Falle. Seine Verehrerin, die entstellte Elitekämpferin Kaystale, kann dem Einfluss des Eishaarfeldes widerstehen. Und obwohl sie von Erinnerungen überwältigt wird, lenkt sie den Lordrichter doch ein klein wenig ab. So viel zumindest, dass Atlan den Flammenstaub einsetzen kann. Einen Grund hat er nun dafür, denn der Lordrichter wird ihn töten, insofern kann er sein Leben auch gleich durch den Einsatz dieser Substanz aufs Spiel setzen. Und das klappt dann auch, der Lordrichter stürzt seines Eishaarfeldes beraubt zu Boden.

Und entpuppt sich als recht gewöhnlicher Cappin. Erschreckt stellt der Lordrichter fest, dass er betrogen wurde. Wesentliche Informationen wurden ihm wohl vorenthalten. Dass man das Schwert der Ortung besser nicht hintergeht, muss er nun auf eher schmerzhafte Weise lernen.

Die Erinnerungen Kaystales verleihen der Figur übrigens durchaus eine gewisse Tiefe. Aber leider sind sie doch etwas deplaziert, denn in dem Augenblick, in dem das Eishaarfeld alle Mitglieder der Expedition außer Atlan und Kaystale bannt, ist die Information über ihre Vergangenheit ziemlich zweitrangig. So geht der eigentlich interessante Beitrag eher unter. Und für die Geschichte spielt er leider auch keine Rolle. Dazu war er insgesamt viel zu nebensächlich eingebracht.

Fazit

Es sind nur noch wenige Atlan-Romane, bis die Serie endet. Der Roman Eschens Welt trägt die Nummer 9 dieser Zwölfer-Staffel, und eigentlich passiert denkbar wenig in der Geschichte. Atlan agiert in einer Rolle, die er eigentlich gar nicht haben sollte. Denn eigentlich ist der Ganjo immer noch Oberhaupt dieser Gemeinschaft, während Atlan eher militärische Aufgaben hat. Auch ist nicht so ganz nachvollziehbar, warum Atlan nach Eschens Stern will. Der Zwischenstopp hätte auch etwas deutlicher als solcher klassifiziert werden können. Und zu guter Letzt haben sich alle Personen doch sehr verändert. In H.G. Ewers Roman waren die Figuren jedenfalls noch ganz anders beschrieben worden, als sie sich nun zum Teil verhalten.

Insgesamt trägt der Roman diesen Namen in jedem Fall zu Unrecht, denn um Eschens Welt geht es eigentlich kaum. Er spielt allenfalls als Fernziel eine Rolle. Ankommen tut man dort nicht, und vermutlich spielt auch der Nachfolgeband vorwiegend an Bord der AVACYN, denn der Lordrichter wird uns seine Lebensgeschichte erzählen. So fragt man sich denn doch, warum dieser Roman diesen Titel hat und was er an dieser Stelle überhaupt soll Spannung steigert er jedenfalls kaum. Er verschleppt nur und weiß nicht einmal durch eine ausgefeilte Geschichte zu unterhalten. Dieser eher grobschlächtige Stil passt für mich persönlich auch kaum zur Serie, insofern war das Lesevergnügen doch eher getrübt. MIES.

Flammenstaub

1. Zwischen den Dimensionen
2. Hauch des Todes
3. Todeszone Shimayn
4. Die Versammlung
5. Die Rache der Juclas
6. Ein Zentralgehirn in Not
7. Entscheidung auf Extosch
8. Der Zorn der Lordrichter
9. Eschens Welt
10. Lordrichter Saryla
11. Die verlorenen Rhoarxi
12. Das Schwert der Ordnung

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