8. "Der Zorn der Lordrichter" von H.G. Ewers
Kritik von Ralf KönigNachdem H.G. Ewers bereits einmal einen Gastroman für die Perry Rhodan Serie beigesteuert hat, greift er nun auch wieder einmal zum Stift für die Atlan-Serie, deren Geschicke er als Expose-Autor auch eine Zeitlang bestimmt hat. Nach langen Jahren, lesen wir so wieder eine Geschichte von dem "Altmeister" der Perry Rhodan Serie, der mit die meisten Romane für die größte SF-Serie der Welt beigesteuert hat und immer bekannt dafür war, tolle Geschichten mit herrlich skurrilen Charakteren zu entwickeln. Allerdings war H.G. Ewers auch nie unumstritten, immer wurden seine Geschichten und vor allem seine Charaktere, die sich selten aus dem Expose ergaben, kontrovers diskutiert. Trotzdem kann man unterm Strich sicher sagen, dass H.G. Ewers ein wichtiger Autor in der Seriengeschichte war und es ist gut, dass er wieder einmal die Gelegenheit erhält, sich in dieser Weise seinen Fans zu präsentieren. Kontrovers ist allerdings für seinen vorliegenden Roman auch das richtige Wort. Lange Jahre hat man den Schreibstil des Autors vermisst und in der heutigen Serie, hat er sicher auch nicht mehr die Freiheiten, die er früher einmal hatte. Trotzdem sind die Charaktere, die Ewers schildert, nicht uninteressant und seine Fähigkeiten, Raumschlachten auch vom strategischen Standpunkt aus darzustellen, immer noch vorhanden. Sein Wissen über die Kunst des Krieges, bringt der Autor denn auch in die Geschichte ein. Das ist auch alles wunderbar dargestellt, leider fehlt dem ganzen ein klein wenig Glaubwürdigkeit. Denn wie will Ewers uns erklären, dass die Gegner genau da materialisieren, wo er sie haben will? Kommen sie ganz woanders im System an, ist die ganze schöne Planung zunichte gemacht. Und leider finden sich im gesamten System auch denkbar wenige Raumminen, die es dann glaubwürdiger machen würden, dass die Raumschiffe der Gegner genau da ankommen, wo sie ankommen sollen. H.G. Ewers verzichtet allerdings darauf, diese Merkwürdigkeit zu beschreiben. In der PR-Serienvergangenheit sind Zufälle dieser Art nun zwar wahrlich nicht selten, aber der Weltraum ist halt nun mal dreidimensional und mächtig groß. Da könnte es schon passieren, dass die Gegner sich auch mal nicht ans Drehbuch halten. Die Schlacht selbst ist dann zwar durchaus gut beschrieben, aber man wird irgendwie wieder das Gefühl nicht los, dass zwischen "Elite-" und "-besatzung" auch in diesem Fall wieder mehr liegen als ein reiner Bindestrich. Denn die Figuren an Bord von Atlans Schiff, leiste sich wieder eine ganze Reihe von merkwürdigen Aussetzern. Kleckern sich mit Getränken voll und sind dann ganz und gar davon abgelenkt, sich wieder trocken zu legen, kriechen auf dem Boden herum, anstatt die Ortung im Blick zu halten, gifteln herum, anstatt das Raumschiff zu fliegen ... naja, so richtig überzeugend ist das denn doch nicht. Und dazu kommt ja noch, dass sie genau auf dieser Welt in einer Art Eliteakademie ausgebildet worden sind. Atlan hingegen ist nun regelrecht zum Superhelden geworden. Er hat alles im Griff, wickelt alle Gegner mal nebenher um den Finger, spielt alle gegeneinander aus und ist so souverän, dass man sich manchmal schon fragt, wie das denn plötzlich kommt. Das ist zwar durchaus wohltuend, aber man ist es eigentlich schon gar nicht mehr gewöhnt, deswegen kommt es manchmal auch etwas merkwürdig herüber. Und zum Schluss wird dann eine Weltraumparty gefeiert, die einen fast schon an StarWars denken lässt, wo auch nach jeden Erfolg der Rebellion ein Blankpolierter, gold glänzender C3PO auf eine strahlende Prinzessin zurollte und sich irgendjemand irgendwie auszeichnen ließ. Immerhin interessant ist dann der Auftritt von Ovaron. Ein Splitter zumindest von ihm, und man fragt sich, ob die Geschichte mit den Bewusstseinssplittern aus dem Roman von Wim Vandemaan da irgendetwas damit zu tun hat ? vielleicht ja doch, oder es ist reiner Zufall. Jedenfalls kriegt Atlan noch ein Bewusstsein zu dem Sammelsurium von Extrasinn und Flammenstaub hinzu. Langsam wird es eng in Atlans Geist. Und ganz zum Schluss, als man schon fast nicht mehr daran geglaubt hat, kriegt man sogar noch etwas Information angeboten. Die Lordrichter waren an Informationen interessiert, die Atlan ebenfalls nicht unbekannt sind. Nämlich an denen über den vierten Stamm der Rhoarxi. Er spielt also in der Tat noch eine Rolle in der Geschichte. Was man ja eigentlich auch fast erwarten konnte, es kommt selten vor, dass bei Perry Rhodan eine Information nur mal so in den Heftroman kommt. FazitMan stellt fest, dass H.G. Ewers sich weiterentwickelt hat. Seine Romane sind mit denen von früher nur schwer zu vergleichen und das macht eine Bewertung nicht einfach, denn eigentlich will man ja, wenn man nach langen Jahren endlich mal wieder einen Ewers in Händen hält, gerne in Erinnerungen schwelgen. Ein etwas zwiespältiges Gefühl bleibt so zurück, einerseits hat man durchaus einen guten Roman gelesen, andererseits fehlt einem doch etwas. Nur was? Rorvic und a Hainu, Tengri Lethos, die Söhne des Lichts oder einfach nur ein paar erfrischend spritzige Ideen? Einiges davon hätte den Roman sicher aufgewertet. Trotzdem war es aber eine interessante Lektüre mit für einen mittelalten Leser (;-)) durchaus vorhandenen Reminiszenzen. Angesichts der Schwächen, die aber leider immer wieder auftraten, fällt es schwer, da in der Bewertung sehr hoch zu greifen. Schön war es aber in jedem Fall mal wieder "einen Ewers" in Händen zu halten. NICHT ÜBEL. |
Flammenstaub
1. Zwischen den Dimensionen |

