5. "Die Rache der Juclas" von Uwe Anton

Atlan Flammenstaub 5Der Angriff der Lordrichtertruppen hat Atlan und seine beiden Begleiter relativ unvorbereitet getroffen, obwohl der Arkonide schon "etwas geahnt hatte". Sie fliehen in die Wälder des Mondes und wollen sich in den Bergen verstecken, aber dagegen haben die Besatzer etwas einzuwenden. Noch sind sie aber mit den Angriffen auf die Juclas ausgelastet.

Carmyn Oshmosh hat Probleme mit ihrer Besatzung. Vor allem Myreilune, die Pilotin, erweist sich als beständiger Quell des Widerspruchs. Carmyn ist ihres Gemeckers langsam überdrüssig, sieht sich aber außerstande, sie in ihre Schranken zu weisen. Sie ist deswegen ganz froh, dass die Takererin Kaystale ab und zu deutlich macht, was sie von dem Gemecker der Pilotin hält. Myreilune hält Atlan nämlich für einen Verräter und plädiert dafür, ihn sich selbst zu überlassen. Wenn er denn noch lebt.

Carmyn löst sich aus dem Verbund des Ercourra-Clans und muss dabei erleben, wie ein Mitglied ihrer Besatzung stirbt, der Techniker war außerhalb des Schiffes unterwegs und kam über den Verbindungsschlauch nicht mehr rechtzeitig ins Schiff. Es war aber höchste Zeit, denn der Angriff des Schwerts der Ordnung hatte bereits begonnen.

Und so kann sie lediglich noch erreichen, dass das Schlimmste verhindert wird, weil einige der Juclas doch auf sie hören, als sie dazu auffordert, die Gegend lieber zu verlassen und sich zu einem Gegenangriff zu sammeln, statt sich Hals über Kopf in den Kampf zu stürzen.

Es bleiben aber nicht sehr viele Schiffe übrig. Fast 56.000 von den 100.000 Schiffen der Juclas sind verschwunden. Mit immerhin 45.000 Schiffen, kann Carmyn eine Art Widerstand organisieren. Neu gewählte Clansfürsten, machen ihr aber Probleme. Nur die Tatsache, dass der neu gewählte Fürst des größten Clans, der Murra, sich ihrem Kommando unterstellen will, ändert die Situation. Und so befiehlt sie schweren Herzens den Angriff, in der Hoffnung, wenigstens Atlan dabei befreien zu können.

Obwohl Myreilune immer noch meckert.

Atlan setzt derweil den Flammenstaub ein. Er benutzt ihn dazu, um einen Verfolger mit seinem Fluggerät gegen einen Baum knallen zu lassen. Danach verstecken sie sich in einer Höhle, wo er sich erst einmal von den Folgen des Angriffes erholen muss. Aber auch da werden sie gefunden und Atlan setzt den Flammenstaub erneut ein. Als sie die Höhle verlassen haben, muss er ihn noch einmal einsetzen, um einen Gleiter abstürzen zu lassen. Wenigstens ein funktionierendes Funkgerät haben sie nun und die Information, dass ihn den Bergen eventuell Technik zu finden ist. Zamptasch weiß das, er hat sie angeblich schon gesehen.

Um dorthin zu gelangen, benötigen sie aber Nahrung. Und eine gehörige Portion Glück, dass sie niemand aufspüren wird. Immerhin können sie das Funkgerät einsetzen, um in Erfahrung zu bringen, was sich über ihren Köpfen tut. Und Abenwosch, genauso wie Zamptasch, bringen dem Arkoniden doch einen gewissen Respekt entgegen. Spätestens nachdem ein vom Himmel fallendes Stück eines Raumschiffes zielgenau den sie verfolgenden Gleiter erwischt hat und dabei noch so freundlich war, genug davon übrig zu lassen, dass es zu einem funktionierenden Funkempfänger reichte.

Und der Arkonide setzt auch seine Erfahrung ein, um ihnen zu zeigen, wie man in einer solchen Wildnis überleben kann. So erreichen sie schließlich die Berge. Und werden sofort entdeckt. Sie finden aber, wonach sie gesucht haben, bevor es zu spät ist. Sie dringen in ein unterirdisches Gebilde ein, das eine Raumstation sein könnte. Oder aber ein abgestürztes Raumschiff. Und sie hören Schritte. Als der Verursacher der Schritte um die Ecke kommt, halten sie den Atem an, aber das Wesen erweist sich als freundlich gesonnen.

Atlan erinnert der Ankömmling an den "Dieb von Gruelfin", den berühmten Florymonth. Zamptasch zieht erschrocken einen in seinem Spazierstock verborgenen Degen, der aber an einem Tentakel des kugelrunden Wesens mit der Taille zerbricht. Und das Wesen bittet um Frieden, bezeichnet sich selbst als friedlich und den Ankömmlingen freundlich gesonnen.

Währenddessen schickt Carmyn die Juclas in den Einsatz. Es bleibt ihr auch kaum etwas übrig, denn die erste fliegen ohnehin schon los, einfach so, ohne ihren Befehl, angetrieben von ihrem Hass auf die Takerer und ihrer Wut über die Niederlage. Die Gegner haben sich in den letzten Tagen aber formiert. Fast dreißigtausend Raumschiffe stehen ihnen gegenüber, aus verschiedenen Völkergruppen des Schwerts der Ordnung einschließlich der Takerer gebildet. Und sie stehen gut, in zwei Verteidigungsringen schirmen sie den Planeten gegen die Angreifer ab, so dass auch Carmyn nicht an den Mond Eptascyn herankommt.

Im Gegenteil, sie wird beinahe selbst vernichtet. Wenn nicht Gandusch, der neue Clansführer der Murras, in seinem Schiff VRIGOLL mit einer selbstmörderischen Aktion die AVACYN gerade noch gerettet hätte. Cadmyn muss erschrocken miterleben, dass sich der Clansführer für sie opfert. Und sie erkennt, dass sie kaum eine Chance hat, etwas für Atlan zu tun. Sie hat versagt.

Aber Gandusch hatte noch eine Botschaft, bevor er starb. Etwas geschah auf Eptascyn und die Besatzung der AVACYN sieht mit erstaunen, dass der innere Verteidigungsring sich aufzulösen beginnt. Der Innere, nicht der Äußere. Ein riesiges Gebilde löst sich von Eptascyn und strebt dem Weltraum entgegen. Auf der Oberfläche des Mondes kann man noch das Loch erkennen, in dem das Schiff gelegen hat.

Es ist ein uralter Sammler, der da aufsteigt und aus allen Rohren auf die Schiffe des Schwerts der Ordnung feuert. Und an Bord ist kein geringerer als Atlan, der sich bei Carmyn per Funk meldet und vermeldet, dass er mit seinen beiden Begleitern in Sicherheit ist.

Kritik von Ralf König

Uwe Anton präsentiert einen gut geschriebenen Roman mit interessanten Charakteren, obwohl das Thema zu Anfang kaum eigene Spannung bietet. Wir sind wieder im "Alltag" angekommen, nachdem mit der Intrawelt eher etwas besonderes abgehandelt wurde. Der Kampf gegen die Lordrichter geht nun also weiter. Und leider finden Atlan und die beiden Angehörigen der Juclas kein Lager der Varganen. Dafür setzt der Arkonide immer wieder seinen Flammenstaub ein. Wie lange mag das wohl noch gut gehen? Zumindest laut Aussage seines Extrasinns nicht mehr lange, denn der ist der Meinung, dass er spätestens nach drei, vier weiteren Einsätzen Probleme bekommt. Bei fünf ist er sicher, dass Atlan nicht mehr unter den Lebenden weilen wird. Und da haben wir auch schon das Problem des Flammenstaubs.

Uwe bringt seine Kritik an dieser Konstellation aber überzeugend vor und man merkt sehr deutlich, dass auch dem Exposeteam und seinem Autoren klar ist, dass diese Form eines "Deus ex machina" nur ein kurzfristiger Kunstgriff sein kann. Konsequenterweise will Atlan auch nicht zu Ende denken, wohin ihn der konsequente Einsatz des Flammenstaubes führen kann. De facto wird er neben den Kosmokraten und Chaotarchen zu einer Art dritter Macht, kann Geschehnisse Realität werden lassen, die vielleicht gar nicht vorgesehen waren. Und so vielleicht sogar für eine Negasphäre sorgen?

Wie auch immer, der Arkonide will sich das gar nicht vorstellen.

Der Ausflug erweist sich letztendlich aber trotzdem als spannend. Uwe hat offensichtlich recherchiert (oder Rainer? ;-)) und setzt das bei den Überlebensstrategien, die Atlan wählt, geschickt um. Außerdem finden sie doch noch so etwas ähnliches, wie das Lager der Varganen. Es ist zwar nicht von den goldhäutigen aus dem Mikroversum, aber dafür findet sich ein Sammler, indem sich wohl eine Schwester von Florymonth findet. Und den kann Atlan einsetzen, um einen Befreiungsschlag zu landen. Leider allerdings wieder mit Cliffhanger, wobei der diesmal durchaus nicht schlecht gelungen ist.

Obwohl gut geschildert, ist auch die Besatzung der AVACYN etwas fragwürdig. Da haben wir eine Pilotin, die immer dagegen schießt und eine Kommandantin, die offensichtlich kein Mittel dagegen findet. Und wir haben eine takerische Söldnerin, die sich wohl für die Ganjasen entschieden hat, und die muss der Pilotin sagen, dass ihr Verhalten mit Loyalität nichts gemein hat. Wäre das nicht eigentlich Aufgabe der Kommandantin?

Aber egal, mit der Koordination des Angriffs auf die Lordrichter-Truppen, ist Carmy ebenfalls etwas überfordert. Dies ist allerdings nicht so verwunderlich, denn die Juclas sind auch einigermaßen unberechenbar.

Zu guter Letzt haben wir an Bord auch noch eine Technikerin, die mit dem Verlust eines Freundes nicht klar kommt und Amok läuft. Also nach der PR-Definition wohl so was wie eine Elitebesatzung … Mal ehrlich, die Gruppe ist interessant und die Charaktere sind vielschichtig. Aber es gab schon Zeiten, als man den Leuten eher abnahm, dass sie etwas können. Wenn man da nur an einen Nome Tschato, den Löwen, denkt… Aber diese Zeiten sind wohl vorbei.

Fazit

Anfangs eigentlich nur nett präsentierter Durchschnitt, entwickelt sich der fünfte Band langsam in eine Richtung, die zu gefallen weiß. Uwe nutzt die Gelegenheit, ein Geheimnis aufzubauen und steigert die Spannung nicht ungeschickt, bis sie mit dem Auffinden des Sammlers einen wirklichen Höhepunkt findet. Dann endet es auch schon wieder abrupt. Aber man freut sich diesmal wirklich auf die Fortsetzung, das sogar aus mehreren Gründen. Zum einen, weil man wirklich wissen will, wie es weitergeht, zum anderen aber auch wegen Luc Bahl. Der Autor wusste schon bei Bastei zu begeistern. Insgesamt steigert sich der Roman zum SEHR GUT, den uns Uwe hier anbietet. So kann es gerne weitergehen.

Flammenstaub

1. Zwischen den Dimensionen
2. Hauch des Todes
3. Todeszone Shimayn
4. Die Versammlung
5. Die Rache der Juclas
6. Ein Zentralgehirn in Not
7. Entscheidung auf Extosch
8. Der Zorn der Lordrichter
9. Eschens Welt
10. Lordrichter Saryla
11. Die verlorenen Rhoarxi
12. Das Schwert der Ordnung

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