2. "Hauch des Todes" von Michael Marcus Thurner
Aber der Arkonide hat nicht mehr die Kraft, nach einer anderen Welt zu suchen. Deswegen nimmt er die Situation als gegeben hin. Er verlässt das Schiff und legt den Anzug der Varganen ab. Ohne ihn, will er sich quasi von dem Flammenstaub reinigen, versuchen, sich selbst zu retten. Aber das ist nicht so einfach, denn der Stoff lässt ihn nicht so schnell aus dem Griff. Und er muss schon sterben, um ihn wirklich los zu werden. Wenigstens kann er sich auf dem Planeten austoben, ohne befürchten zu müssen, dass andere geschädigt werden. Denkt er zumindest. Denn es gibt sehr wohl andere auf dieser Welt. Sie leben wie Fische im Wasser, aber in der Lava dieser Welt. Sie haben Probleme mit erkaltendem Gestein, fühlen sich nur in den glühendheißen Lavaströmen wohl und sind von ihren Artgenossen abgeschnitten, die weiter unten, in der Nähe des Planetenkernes leben. Aber dort kommen sie nicht hin. Sie pflanzen sich fort, indem ein neues Leben mehrere Väter hat, aber nur eine Mutter. Eines dieser neuen Lebewesen entsteht aus der Erbmasse verschiedener Väter und entwickelt sich so zu einem Wesen, das Zusammenhänge erkennen und analysieren kann und daraus dann Lösungswege extrapoliert. In einem Umfeld voller Spezialisten, ist er damit eine Ausnahme. Eine, die seinem Volk das Leben retten wird. Die Namibander wollen nur überleben. Das ist eigentlich alles. Und das ist gar nicht so einfach, vor allem, weil Atlan mit seinen Bestrebungen eher noch dafür sorgt, dass die Lavaströme mehr erkalten. Wie ein Gott wandelt er über diese Welt und schöpft, bis er erschöpft ist. Und schließlich, vollkommen auf sich selbst reduziert, Millionen eigener Persönlichkeiten erlebt, die er eine nach der anderen ablegt, bis nur noch er und ein anderer übrig ist, der zumindest eine Idee hat, die ihn retten kann. Wenn einer von beiden stirbt, zusammen mit dem Flammenstaub, dann kann der andere ohne ihn weiterleben. Oder zumindest mit so weitgehend reduzierter Menge, dass er auch eine Chance auf das Leben hat. Das funktioniert sogar. Und so kann Atlan sich retten. Die Namibander können sich ebenfalls retten. Zumindest gelingt es, unter der Führung ihres neuen Anführers, einen Durchbruch weiter nach unten zu schaffen. Da es über ihnen immer kälter wird, liegt nur dort die Rettung. Und vielleicht der Kontakt zum eigenen Volk. Eine ungewisse Zukunft liegt vor den halbintelligenten Wesen. Und auch vor Atlan, der sich auf den Weg zurück zu seinem Schiff machen will. Aber selbst wenn er dort ankommt, wird es nicht einfach werden. Immerhin muss er diese Welt auch verlassen. Und er würde gerne auch seinen Varganen-Raumanzug wieder finden. Doch letzteres ist ihm nicht vergönnt. Verlassen kann er die Welt aber, denn ein Raumschiff der Cappins taucht unvermutet auf. Nicht irgendeines, sondern sogar ein Pedopeiler und dieser kann ihm den Weg in die Heimat ebnen. Oder in die Galaxis der Cappins. Aber lieber nach Hause, denn selbst wenn die Lordrichter in Dwingeloo verloren haben, ist die Milchstrasse immer noch in Gefahr. Kritik von Ralf KönigZum Jubiläum übernimmt der nicht mehr ganz neue Serienchef selbst den Staffelstab und damit wird irgendwie auch klar, wie Bernhard Kempen zu der Ehre kam, den neuen Zyklus zu beginnen. Die 50 ist als Zahl einfach wichtiger, als die 49, insofern wird auch klar, warum der letzte Band nicht unbedingt den Eindruck eines Zyklusauftakts vermittelte. Obwohl er ja schon eigentlich mitten im Thema spielte, vermittelte er trotzdem irgendwie eher den Eindruck eines Vorgeplänkels. Michael Marcus Thurner beschäftigt sich in Band 50 der Serie mit zwei Geschichten, die, unabhängig voneinander, sehr interessant geraten sind. Einerseits erschafft er ein faszinierendes Volk, das in einer warmen, feuchten Welt lebt. Erst mit der Zeit wird einem klar, dass hier eigentlich gar nicht von Wasser die Rede ist. Die Namibander leben auf einer Welt, auf der Vulkanausbrüche noch an der Tagesordnung sind, und zwar mitten in der Lava. Und auf diese Welt verschlägt es Atlan, dort versucht er, das Problem des Flammenstaubs in den Griff zu bekommen. Dort spielt er mit Wahrscheinlichkeiten, führt sich fast auf, wie ein Gott, ein Weg, den er schon im ersten Band des Zyklus eingeschlagen hat. Für die Namibander scheint die indirekte Begegnung mit dem Arkoniden nicht so schlecht zu enden, denn sie finden den Weg zu ihrem Volk zurück, wie es scheint. Aber trotzdem ist es eigentlich schade, denn die faszinierenden Wesen aus der Lava werden wohl kaum jemals wieder in der Serie auftauchen. Und dazu waren sie eigentlich viel zu gut aufgebaut. Atlan jedenfalls kämpft mit dem neuen, dunklen Element in seinem Körper und stellt fest, dass der Flammenstaub alles tut, um ihn umzubringen. Er begegnet sich selbst, anderen Ausprägungen seines eigenen Ichs, beeinflusst von gänzlich anderen Wahrscheinlichkeiten. Und erkennt irgendwann, dass das gar nicht stimmt. Nicht er ist der richtige, sondern ein anderer. Der letzte Überlebende, der einzige, der sich noch einigermaßen aufrecht halten kann. Also tut Atlan das einzige, was ihm noch bleibt. Er beeinflusst die Wahrscheinlichkeiten, holt sich so viel wie möglich von dem Stoff aus der Intrawelt von seinem Alter Ego und stirbt an dieser Überdosis. Aber nur, damit ein anderer Atlan leben kann. Der überlebende Arkonide macht sich, verletzt und erschöpft, auf den Weg zurück zu seinem Schiff. Und muss feststellen, dass der Ausflug durchaus teuer für ihn war. Nicht nur, dass es ihn an die Grenze geführt hat, er hat auch noch den Anzug der Varganen verloren, der ihm als einziges noch verblieben war. Damit dürfte wohl der letzte Bezug zu dem Volk Kytharas verloren gegangen sein. Man darf gespannt sein, ob er die Varganen überhaupt in diesem Handlungsabschnitt noch einmal wieder sehen wird. Übrig bleibt nun nur noch die Flucht von dieser Welt und die gelingt aufgrund der beeinflussten Wahrscheinlichkeiten. Der sterbende Atlan hat für den Überlebenden noch schnell eine Passage "herbeigewünscht" und sie auch erhalten. Ein Pedopeiler der Cappins erscheint über dem Planeten und sammelt den Arkoniden mit seinem Beiboot auf. Damit hat Atlan eine Möglichkeit, in die Heimat zurückzukehren. Wenn ihn denn die Cappins lassen. FazitAtlan muss sterben, damit er überleben kann. Soweit ist das schon klar. Der Trick, wie das gelingt, ist nicht unbedingt neu, aber immerhin auch nicht schlecht beschrieben. Der Roman besticht durch überzeugend geschilderte Charaktere, allerdings muss man auch konstatieren, dass das Zusammenspiel des einzigen Namibanders, der zu so etwas wie komplexem Denken fähig ist, und seiner "Gemahlin" allzu Klischeehaft daherkommt. Gleichzeitig präsentiert der Wiener Autor das aber mit der richtigen Portion Ironie, so dass das nicht schlimm ist. Viel schlimmer ist, dass mit dem Anzug der letzte Kontakt mit den Varganen abgerissen ist. Da wird wieder einmal gründlich aufgeräumt, ein Stilmittel, das bei PR viel zu häufig angewendet wird. Wenn man mit etwas nicht mehr klarkommt, wird es ohne Gnade und gründlich ausgemerzt. Da könnte man ruhig auch mal anders verfahren. Jetzt sind wir also mitten im Geschehen, Atlan steht wie angekündigt auf dem Sprung in die Sombrero-Galaxis. GUT. |
Flammenstaub
1. Zwischen den Dimensionen |

Atlan verliert seinen Begleiter bereits im ersten Band wieder, was einmal mehr beweißt, wie gefährlich es an der Seite des Helden von Arkon doch zugeht. Das merkt der Arkonide aber diesmal auch am eigenen Leib. Von seiner Selbstbeherrschung ist kaum noch etwas übrig, als er seinem Raumschiff Anweisung gibt, einen unbewohnten Planeten zu suchen, der ihm gewisse Überlebensmöglichkeiten gibt. Das Ergebnis dieser Suche ist eine Welt voller Vulkane, schlechter Luft und merkwürdiger Wesen, von denen Atlan aber nur am Rande etwas mitbekommt. Besonders schön ist die Welt jedenfalls nicht.