1. "Zwischen den Dimensionen" von Bernhard Kempen
Zunächst einmal will er wissen, was es mit diesem Flammenstaub auf sich hat. Und deswegen sucht er die Nähe der Zaquoor. Das fällt auch nicht so schwer, denn noch ist Atlan mit einem Beiboot dieser Rasse unterwegs, das er vom Widerstand in den Reihen des Schwertes der Ordnung erhalten hat. Diesen Widerstand aber trifft er nicht mehr wieder. Dafür aber einen einzelnen Zaquoor, der in einem Beiboot sitzt. Und dieser Zaquoor hat einiges an Unbill hinter sich. Mit erstaunlichen Flugmanövern gelang es Atlan, einige seiner Gegner zur Explosion zu bringen und in einem dieser Schiffes saß auch sein neuer Begleiter. Und der wundert sich in der Folge doch sehr, was mit Atlan alles möglich ist. Da werden Schiffe abgeschossen, quasi blind und über Millionen von Kilometern, obwohl das Trefferfenster lediglich das Format eines Bierdeckels hat. Man trifft andere Rettungsboote und fabuliert über Schrödingers Katze, um damit anzudeuten, dass man erst weiß, was in dem Rettungsboot drin ist, wenn man es wirklich aufgemacht hat. Zuvor ist es ein schwebender Zustand, ein Zustand, bei dem an nicht weiß, was einen wirklich erwartet. Aber der Arkonide hat mehr und mehr den Eindruck, dass das bei ihm irgendwie anders ist. Er weiß zwar auch nicht mehr, aber er kann trotzdem voraussagen, was passieren wird, wenn eine Wahrscheinlichkeit gegeben ist, gelingt es ihm nämlich in der Regel, sie zu seinen Gunsten zu beeinflussen. Das stellen sie mehrfach fest. Auf einer Welt sogar in besonders ausgeprägtem Masse. Da legt Atlan quasi die Rahmenbedingungen fest, unter der eine Rasse in der Gefolgschaft der Garbyor funktioniert. Dass sie dreigeschlechtlich sind, zum Beispiel, wusste Atlan nicht. Aber er wird Zeuge eines Rituals, bei dem zwei Wesen von einem dritten begleitet sich der Fortpflanzung hingeben. Und er kämpft mit diesen Wesen. Obwohl er nur ein Beiboot hat, kann er ihre gesamte Flotte vernichten, was dem Zaquoor-Begleiter Atlans doch langsam unheimlich ist. Nicht so sehr wegen den Wundern, die Atlan wirkt, die sind schon schlimm genug. Aber wegen der Gnadenlosigkeit, mit der der Arkonide vorgeht. Die ist wirklich sprichwörtlich grausam und hinterlässt keine Freude bei dem Wesen. Als er die Gelegenheit hat, will er mit dem Schiff des Arkoniden fliehen. Aber er tut es dann trotzdem nicht, rettet sogar den Arkoniden, mit dem zusammen er seinen Weg fortsetzt. Einziger Wermutstropfen ist, dass Atlan nach dem Einsatz des Flammenstaubs zunehmend Probleme bekommt. Er wird müde, unkonzentriert, bekommt schlimme Kopfschmerzen, die immer schlimmer zu werden scheinen. Er braucht immer mehr Erholungspausen und merkt, dass er sich langsam in eine Richtung entwickelt, auf die er nicht stolz sein kann. Er mutiert zu einem Monster, einem selbstherrliche, gottgleichen Despoten. Und er erkennt, dass Tuxit doch Recht hatte. Der Flammenstaub ist gefährlich. Und er bringt ihn an den Rand seiner Selbstbeherrschung. Atlan ist sich nicht sicher, ob er das auf Dauer überstehen wird. Sein Extrasinn hingegen ist sich ziemlich sicher, nämlich dass er es nicht übersteht. Kritik von Ralf KönigMit Band 48 wurde der Intrawelt-Zyklus abgeschlossen und bezeichnend ist eigentlich, dass bei der abschließenden Kritik kaum Erwähnung fand, dass von "abgeschlossen" auch bei diesem Minizyklus wiederum keine Rede sein konnte. Verschiedentlich kam schon Kritik diesbezüglich auf, die auch durchaus nicht unberechtigt ist. Einerseits wird ein Minizyklus-Konzept verkauft, das andererseits aber eigentlich kaum greift, denn die einzelnen Zyklen sind alles andere als in sich abgeschlossen. Sie sind im Gegenteil so aufgebaut, dass nun eigentlich bereits der vierte Zyklus zum gleichen Themengebiet beginnt. Das wäre an sich nicht so schlimm, aber die Abgrenzung der einzelnen Zyklen fällt schon ein wenig schwerer, denn die Übergänge sind fließend. Allerdings ist es beim Themenkomplex Intrawelt vielleicht noch am Besten gelungen, denn dieser ist wirklich von seinen örtlichen und inhaltlichen Gegebenheiten nicht mit den anderen Zyklen zu vergleichen gewesen. Mehr Elemente der Fantasy, eine abgeschlossene Welt mit ganz eigenen Bedingungen und immerhin ein Abenteuer, das genau in diesem Kontext ablief. Das passt schon besser zum Zykluskonzept, als das bis dahin der Fall war. Aus dem alten Zyklus wird eigentlich nur ein Element mit herübergenommen, und das ist dieser mystische, eigentlich unfassbare Stoff namens Flammenstaub, der Atlan nun begleiten soll. Und der offensichtlich nicht nur gefährlich für andere ist, sondern auch Eigenschaften hat, die den Träger selbst gefährden. Das wird Atlan zu Anfang gar nicht einmal so klar. Er geht seinen Weg in einem Umfeld, das dem Leser nur allzu bekannt ist. Nach dem Ende des Dunkelsterns, hat sich Dwingeloo doch etwas verändert. Die Lordrichter sind nicht sehr präsent, ihre Truppen fast führungslos, sie versuchen, sich zu sammeln. Und Atlan taucht mit seinem Beiboot auf, das ihn immerhin wie einen der Zaquoor aussehen lässt. Er findet einen neuen Begleiter, ist aber mit seiner Trauerarbeit bezüglich Kythara noch nicht sehr weit gekommen. Er hat auch kaum Zeit dazu, denn es geht schon wieder los. Diesmal kommt die Gefahr aber eigentlich aus einer ganz anderen Richtung. Sie kommt aus Atlan selbst. Der Arkonide muss mit dem Flammenstaub leben lernen, und das erweist sich als gar nicht so einfach. Zwar kann er die Umwelt beeinflussen und Ereignisse real werden lassen, für die lediglich Wahrscheinlichkeiten existieren. Und es scheint auch so, dass es umso schwerer für den Arkoniden wird, je unwahrscheinlicher das Ereignis ist, das er herbeiführen will. Aber wenn es eine Wahrscheinlichkeit gibt, wenn es mehrere Möglichkeiten gibt, und die gibt es ja eigentlich immer, dann kann der Arkonide seine Fähigkeiten auch benutzen. Das ist natürlich gefährlich, denn auf diese Weise könnte Atlan die gesamte bekannte Geschichte des PR-Universums auf den Kopf stellen. Andererseits kann man aber davon ausgehen, dass die Situation in der Serie ein Ergebnis dessen ist, was Atlan in der Serienvergangenheit erlebt hat. Insofern sind hier wohl keine großen Überraschungen zu erwarten. Trotzdem ist zu hinterfragen, wie lange ein solches Konzept existieren wird, denn eine solche Waffe in der Hand zu halten, ist sicher ein schönes Gedankenexperiment, aber für eine Serie auf Dauer nicht zu halten. Und das ist sicher auch Michael Marcus Thurner klar. Insofern wird es interessant werden, zu beobachten, wie lange der Arkonide mit diesem ungeheuren Potential und den fast göttlichen Fähigkeiten existieren darf. Geschickt ist jedenfalls der Kunstgriff, den Stoff zu einer Gefahr für die Gesundheit des Arkoniden zu machen. So wird er ihn wirklich sehr dosiert einsetzen. Und sich überlegen, wie er den Flammenstaub wieder loswerden kann, ohne zu sterben. Denn das ist ja anscheinend der einzige Weg, der Erfolg verspricht. FazitEine interessante Idee, die von Bernhard Kempen auch nicht ungeschickt umgesetzt wurde. Irgendwie erinnert das Geschehen aber immer noch an die unendliche Geschichte von Michael Ende. Atlan geht den Weg der Wünsche - wie Bastian Balthasar Bux. Nur kann er das Auryn nicht einfach ablegen. Der Flammenstaub ist fest in ihm verwurzelt. Aber ähnlich wie bei Ende, führt auch Atlan sein Weg geradewegs in den Untergang. Wirklich NICHT ÜBEL, was MMT und Bernhard Kempen zum Auftakt des neuen Zyklus anbieten. |
Flammenstaub
1. Zwischen den Dimensionen |

Am Ende des Intrawelt-Zyklus steht Atlan ohne Kythara da und fliegt so in die Galaxis Dwingeloo hinein. Glücklicherweise hat er auch den Seelenhorter abschütteln können, nachdem der Kythara getötet hat, machte sich der besiegte Chaotarchendiener auf den Weg in die Weiten des Alls. Ohne den Flammenstaub, denn sein Gefäß Atlan hat andere Pläne.