8. "Die Architekten der Intrawelt" von Horst Hoffmann

Atlan Intrawelt 8Kartnich ist ein Anstitze, der in der Vergangenheit eine wichtige Rolle spielte. Aber Kartnich hat ein Problem. Die Aufgabe, die er lösen soll, scheint zu schwer für ihn zu sein. Und sie scheint ziemlich unsinnig, Würfel anzuordnen und farblich so zu gestalten, dass sie ein bestimmtes Muster ergeben. Er ist nicht der einzige, der einen solchen Auftrag hat. Weitere Anstitzen sind in dem Hospiz untergebracht, die die gleiche Aufgabe haben. Und sie arbeiten gegen Kartnich. So kann er niemals fertig werden.

Aber sterben kann er auch nicht. Und trotzdem ist da noch mehr. Nur was? Kartnich weiß es nicht mehr.

Atlan hingegen bewegt sich zusammen mit seiner Gruppe, die nun neben Jolo und Tuxit auch noch aus dem kranken Eggober und Sobensten besteht, auf das Hospiz zu. Aber auf dem Weg dorthin, wird es schwierig für die Gruppe.

Sie begeben sich in die Bodenwelt, beschreiten einen Tunnel, der sie unter die Oberfläche der Intrawelt führt. Dort unten scheint es eine Art Zwischenboden zu geben, der rund um die komplette Schale der Intrawelt führt.

Aber es ist alles andere, als ungefährlich. Drei Roboter greifen an und nur mit viel Glück, kann Atlan sie besiegen. Sobensten ist fortan reichlich verwirrt und das legt sich auch nicht, als sie die Membran erreichen. Die Intrawelt ist noch nicht komplett fertig und zwischen dem Gebilde und dem normalen Universum, existiert eine Membran, denen nur die Anstitzen und vielleicht noch ihre Hintermänner widerstehen können. Aber auch Atlan kann es, zumindest ansatzweise. Er wird beinahe von der Membran beeinflusst und eingesaugt. Er scheint damit besonders Tuxit, aber auch Sobensten schwer zu beeindrucken. Trotzdem entschließen sie sich zu einem Umweg, denn zumindest für Jolo ist die Membran mit Übelkeit und Schwindelgefühlen verbunden, aber auch Atlan muss sich das nicht noch einmal antun, bei seinem ersten Kontakt hat er jedenfalls nur knapp widerstehen können.

Weitere Angriffe erfolgen. Sobensten will ihnen gerade davon erzählen, dass er Störungen ausmachen konnte, als eine gewaltige Explosion erfolgt, die sie wiederum nur mit viel Glück überleben. Atlan wird wütend und will alles wissen. Sobensten gesteht, dass es Probleme gibt, insbesondere seit Atlan und seine Freunde sich in der Bodenwelt aufhalten. Als sie den Ausstieg erreichen und das Hospiz vor sich sehen, scheint alles in Ordnung. Das Gebildet ist zwar verwirrend, aber es scheint keine Gefahr mehr zu drohen.

Trotzdem ist es noch nicht vorbei. Plötzlich stürzen viele Würfel aus dem Hospiz auf sie herab, nur knapp können sie entkommen. Wiederum ein Anschlag auf ihr leben.

Sie liefern Eggober bei dem Arzt ab, der das Hospiz leitet. Prielsnig ist für alle Patienten verantwortlich und er nimmt sich Eggobers sofort an. Atlan fragt ihn aber insbesondere nach Kartnich, denn von ihm sollen sie Informationen erhalten. Prielsnig reagiert reserviert, denn ausgerechnet mit ihm haben sie Probleme.

Kartnich hat sich aus seiner Scheinwelt befreit und erkannt, wo er ist. Seither droht er den Ärzten damit, dass er alle Patienten freilassen wird, wenn sie ihm nicht zum Sterben verhelfen. Aber die weigern sich, weil Sterbehilfe strengstens verboten ist. Das hat sogar Kartnich selbst verfügt, denn er ist auch der Erbauer des Hospiz. Vor fünf Millionen Tagen (was 13.500 Jahren nach Atlans Standard entspricht) war er ein wichtiger Mann in der Intrawelt. Einer der vier wichtigsten Anstitzen, genau genommen. Er wurde aber zu neugierig. Er erfuhr etwas, das ihn nichts anging. Um zu vergessen, ließ er das Hospiz ersinnen und gab auch die Anweisung, das Leben der Insassen in jedem Fall zu bewahren. Heute will er sich daran aber nicht mehr halten, und er scheint einen guten Grund dafür zu haben.

Atlan bietet sich an, mit Kartnich zu reden, um herauszufinden, warum er auf natürliche Weise nicht sterben kann. Trotz der Tatsache, dass Kartnich damit einverstanden ist, wird es recht gefährlich. Sie werden angegriffen, aber gleichzeitig beschützt. Und langsam wird Atlan klar, dass dafür in beiden Fällen Kartnich verantwortlich sein muss, der irgendwie einen inneren Zweikampf auszufechten scheint.

Sie erreichen den verwirrten, alten Mann. Atlan ist der einzige, den er zu sich lässt. Und er eröffnet ihm, dass er sterben will. Die Informationen, die Atlan von ihm haben will, will er aber nicht preisgeben. Der Arkonide setzt ihn unter Druck, langsam wird Kartnich klar, dass er nicht mehr lange widerstehen kann. Er hat sich zwar ohne seine Schwarzkammer zu Atlan getraut, aber er kann sie jederzeit rufen und den Arkoniden töten. Er zögert aber und als Atlan seine Freunde bei sich haben will, lässt er sie schließlich ein.

Und wird halb wahnsinnig, als er Tuxit erspäht. Er ist kurz davor, zu reden und wenn seine Schwarzkammer zu ihm gelangen kann, dann wird sie sein Leben auch bewahren. Wenn nicht, dann kann Kartnich wohl endlich sterben. Atlan entscheidet sich für die Barmherzigkeit, er lässt ihn sterben, indem er das EMP auslöst, das Prielsnig ihm vorsichtshalber mitgegeben hat.

Sterbend flüstert ihm der Anstitze zu, dass er sehr verwundert ist, dass Atlan ihm all diese Fragen stellt. Denn er hätte doch eine viel bessere Person im Team, der er alle Fragen stellen kann …

Atlan wird klar, dass er Tuxit meint. Er verlangt Antworten. Tuxit bittet darum, dass ihm Jolo die Vernähung seiner Flügel öffnen soll, was dieser nach Rücksprache mit Atlan auch tut. Und er bittet um den Cueromb des Arkoniden, gleichzeitig um dessen Vertrauen. Atlan stimmt auch hier zu. Und erkennt, dass der Cueromb wie angegossen passt und offensichtlich zu dem Wesen kehrt.

Tuxit gibt sich als Rhoarxi zu erkennen. Dereinst war er Angehöriger eines sehr alten Volkes in dieser Galaxis. Und die Rhoarxi waren auch die Hüter des Flammenstaubs …

Kritik von Ralf König

"Der Weg durch die Bodenwelt begann, monoton zu werden", äußert sich Atlan an einer Stelle und ich bin durchaus geneigt, ihm hierbei zuzustimmen. Der Roman krankt an einigen konzeptionellen Mängeln. Er diente offensichtlich lediglich dazu, die Informationsgewinnung durch den Arkoniden noch etwas hinauszuzögern.

Horst Hoffmann, der als Routinier nicht nur im Atlan-, sondern auch im Perry Rhodan Team gelten muss, erreicht dies, indem er Action ins Spiel bringt. Anschläge auf das Leben der Gruppe um Atlan werden inszeniert, um ihre Reise zum Hospiz und ihr Zusammentreffen mit Kartnich möglichst lange hinauszuzögern. Als sie ihn schließlich erreichen, stellt er sich auch noch als Urheber der Anschläge heraus. Das ist allerdings nicht sehr nachvollziehbar, denn er greift die Ankömmlinge schon an, als er noch gar nicht wissen kann, dass sie zu ihm kommen und ihm Fragen stellen werden, die er nicht beantworten will.

Aber das stört Horst Hoffmann und die Redaktion offensichtlich nicht weiter.

Immerhin ist der Anstitze aber gut charakterisiert. Sein Konflikt und seine Zerrissenheit wird von Horst durchaus gut dargestellt.

Atlan und seine Freunde erhalten von Sobensten endlich auf Seite 27 eine Schwebeplattform zur Verfügung gestellt, was die weitere Reise beschleunigt. Den halben Roman mussten sie also wieder einmal laufen. Und das in einer mittlerweile doch wieder technisierten Welt. Warum eigentlich? Erfahren sie so mehr über sich selbst? Das sollte Atlan kaum nötig haben. Aber natürlich kann man so die Informationen, die Atlan noch gewinnen darf, etwas länger zurückhalten.

Ebenfalls recht durchsichtig ist das Manöver, nur Atlan zu Kartnich vorzulassen. Würde Tuxit gleich mitkommen, könnte man sich mehrere Seiten schenken, die das Duell zwischen Atlan und Kartnich beschreiben, das allerdings mehr versprach, als es letztendlich hielt.

Dass Kartnich letztendlich sterben muss, ist irgendwo auch klar. Spätestens als er über seine Gedanken vermittelt, dass er alles über die Hintermänner weiß, wird einem irgendwie klar, dass das in Band 8 von 12 eindeutig zu früh ist. Es muss unbedingt verhindert werden, dass zu früh zu viele Informationen bekannt werden. Zumindest kommt es einem so vor.

Insofern kann man feststellen, dass der Roman weitgehend aus Maßnahmen besteht, das Ende möglichst lange hinauszuzögern. Und was ist dieses Ende?

Die Information, dass Tuxit eigentlich eine sehr wichtige Person ist. Ein Nachkomme der Rhoarxi nämlich, die Hüter des Flammenstaubs waren.

Und dafür stolpern wir 60 Seiten lang durch die Bodenwelt, erfahren Belangloses über das Hospiz und seine Insassen und müssen Kämpfen beiwohnen, die man teilweise als Haarsträubend bezeichnen muss? Ich denke dabei unter anderem an einen Arkoniden, der einen Hebel aus der Wand brechen will, während die Roboter - wie üblich blind und möglichst unfähig - in der Gegend herumballern und alles treffen, nur nicht den Arkoniden. Und dann haut er mit dem improvisierten Knüppel, den er aus der Wand gebrochen hat, den dritten Roboter zu Klump. Nachdem er zuvor die beiden anderen überlistete, indem er irgendwie dafür sorgte, dass sie schossen, als er genau zwischen ihnen stand. Und sich damit gegenseitig vernichteten.

Naja …

Oder die Einlage, als er in bester Bruce Lee Manier kickboxenderweise gegen die Medoroboter des Hospiz vorgeht. Ohje …

Auch verblüffend war die Information, dass die Anstitzen viel von ihrer Energie aus der künstlichen Sonne abzapfen. Eine Kunstsonne mit Steckdosen, sozusagen. Wie das gehen soll, das verschweigt uns der gute Horst aber. Mit dem Vermerk, dass Sobensten die Nachfrage des Arkoniden einfach ignorierte. Naja, so was muss man ja auch nicht erklären.

Uiuiui …

Die Verwandschaft mit Endes Romanen ist ja übrigens schon in Vandemaans Anspielungen auf Lukas und Emma, die Lok zum Ausdruck gekommen (Intrawelt 4). Die Membran und das sie umgebende Gebiet, erinnern einen aber auch recht stark an das Nichts aus Endes "Unendlicher Geschichte". Da gab es ein Nichts, das alles verschlang und immer größer wurde. Hier ist es quasi anders herum, die Membran wird ja immer kleiner, je mehr sich die Intrawelt ihrer Vollendung nähert. Dafür verwirrt sie aber auch die sich Nähernden (abgesehen von den Anstitzen) und zwingt sie quasi dazu, sich hineinzustürzen. Dies wiederum ist eine recht deutliche Verwandschaft zu Endes "Nichts". Aber das kann natürlich auch reiner Zufall sein. Oder eine nette Idee, die als Hommage gedacht ist.

Zeilenschinden ist manchmal schon schwer. Andererseits kann man Horst auch nur bedingt vorwerfen, dass er ein offensichtlich äußert dürftiges Expose umsetzen musste. Aber wir wollten uns ja nicht mehr mit Trennung zwischen Expose und Leistung des Autors aufhalten. Also bewerten wir das, was da steht.

Fazit

Atlan Band 44, der gleichzeitig der achte Band der Intrawelt ist, hätte man ohne große Verluste einfach weglassen können. Die notwendigen Informationen daraus hätten sich auch als Epilog in Band 7 ganz gut gemacht und den Roman damit durchaus aufgewertet. Aber nun ist er ja schon geschrieben. Und zwar wie von Horst gewohnt durchaus routiniert. Abgesehen von gewissen haarsträubenden Begebenheiten, hat Horst auch ansprechende Arbeit geleistet. Über weite Strecken ist der Roman lesbar, obwohl oben genannte Aussetzer die Wertung doch deutlich nach unten drücken. Über ein LAU kommt der Roman jedenfalls leider nicht hinaus.

Aufgewertet wird der Roman natürlich auch noch durch gewisse Informationen, die er ja durchaus transportiert. Ein Lückenfüller ist er insofern nicht. Aber Informationen dürftig zu streuen, um sie möglichst über 12 Bände verteilen zu können, ist ja eine mittlerweile gängige Praxis. Ob der Leser damit dann zufrieden ist, dass er Romane vorgesetzt bekommt, die zwar keine Lückenfüller aber doch ziemliche Langweiler sind, scheint hierbei nur entfernt von Interesse zu sein.

Oder?

Wenn nicht, dann möchte ich das hiermit angemerkt haben ;-).

Es hätte der Intrawelt-Reihe jedenfalls nicht geschadet, wenn man so weitergemacht hätte, wie man angefangen hat. Mit Romanen in einer fremdartigen und interessante Welt. Ohne Technik waren die Geschichten irgendwie besser lesbar. Seit es anders ist, geht es Schritt für Schritt bergab.

Intrawelt

1. Wächter der Intrawelt
2. Vorstoß in die Intrawelt
3. Der Seelenhorter
4. Gefangen im Himmelsnetz
5. Konvent der Händler
6. Das dritte Gesetz
7. Im Hort der Drieten
8. Die Architekten der Intrawelt
9. Das Symbol der Flamme
10. Wanderstadt Aspoghie
11. Die Kathedrale der Rhoarx
12. Atlan, Bote des Flammenstaubs

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