7. "Im Hort der Drieten" von Uwe Anton

Atlan Intrawelt 7Peonu hat sich mit Atlan und seinen Begleitern einen Happen einverleibt, an dem er schwer zu kauen hat. Ihm schmeckt das Stück der Seele des Arkoniden auf eine Weise, wie noch kein anderes zuvor. Und er hasst der Arkoniden fast dafür, dass sein Geschmack so präsent ist. Das hindert ihn aber nicht daran, sich weitere Gehilfen einzuverleiben. Trotzdem erkennt er, dass sie ihm nur bedingt helfen. Am Besten scheint tatsächlich der Seelenhappen des Arkoniden zu sein. Und so macht sich der Seelenhorter auf den Weg, dem Arkoniden zu folgen. Dabei begegnet er auch dem Maulspindler Abertack, der seinen Frieden gemacht zu haben scheint.

Atlan hat derweil andere Sorgen. Nicht nur dass ihm ein Stück seiner Seele fehlt, nein, die Umwandlung bedeutet für die inzwischen wieder Hohe Frau Albia nur einen Aufschub, aber noch lange nicht die Rettung. Das wird ihm immer klarer. Aber ändern kann er es nicht. Jedenfalls nicht, so lange er nicht andere Drieten findet, die ihm und ihr vielleicht helfen können. Aber die Parzelle Hüffen verspricht da Rettung.

Auf der geht es merkwürdig zu. Sie befindet sich noch im Bau und da die Drieten die Baumeister sind, findet man auch eine Kolonie von ihnen dort. Nicht nur sie, auch Pfleger sind dort zu finden. Eggober, der Anstitze, ist allerdings mit seiner Rolle doch etwas überfordert. Viel zu viele Probleme machen ihm zu schaffen. Ohne die Hilfe der Bajaren, ist er weitgehend verloren.

Diese sind auch durchaus gute Arbeiter, die aber ein Problem zu haben scheinen. Sie arbeiten praktisch nur auf Anweisung, sind nicht in der Lage, selbst Problemlösungen zu finden. Außerdem bedürfen sie beständigen Antriebes. Und das ist mühselig, findet Eggober. Andererseits ist er so beschäftigt, dass er sich darüber nur bedingt aufregen kann.

Als Atlan in der Parzelle ankommt, wird er nicht gerade mit Freuden begrüßt. Er scheint eher zu stören. Die Driete in seinem Team, öffnet ihm allerdings Türen. Ein Bajare namens Emball, verhilft ihnen zu einer Fahrt zu den Drieten. Dabei kommt es immer wieder zu Pannen, die auch auf die Verbindung zwischen Peonu und Atlan zurückzuführen sind. Wenn der Seelenhorter seine Verbindung zu dem Arkoniden anzieht, wird es für ihn unangenehm. Das passiert glücklicherweise aber eher selten.

Trotzdem wird es schwierig, den Hort der Drieten zu erreichen. Nicht nur Emball versucht das zu verhindern, sondern auch Eggober. Er scheint nicht verstehen zu wollen. Und die Drieten selbst sind außer Kontrolle.

Aber schließlich klärt sich die Situation doch langsam auf. Der Saboteur, der immer wieder in den Weg von Atlan und Albia zu kommen schien, entpuppt sich als Emball. Er ist in Wahrheit gar kein Bajare. Sein rot-weißes Brustfell ist nicht von Natur aus so gefärbt, sondern eigentlich grün-weiß. Denn in Wahrheit ist Emball ein Rapider. Mit der Brustbemalung hat er sich nur verkleidet. Es ist aber noch komplizierter. Eigentlich war Emball ein Bajare, ist aber dann zu den Rapidern übergelaufen. Dabei wurde sein Brusthaar permanent umgefärbt. Um sich als Bajare zu tarnen, musste er sich aber wieder anders färben. Und nur als solcher konnte er effizient sabotieren. Letztendlich tat er das nur, um zu beweisen, dass die Bajaren eigentlich unfähig sind und die Rapider viel besser. Was ihm dank Atlan nicht gelingt.

Eggober hingegen ist wirklich nur überfordert. Die Sabotagen in seiner Parzelle haben es für ihn sehr schwer gemacht. Die Drieten erholen sich nach Albias Eintreffen recht schnell. Und der Vorgesetzte des Anstitzen kann ihnen dann doch auch weiterhelfen. Zumindest verspricht er ihnen das. Was vor allem der Intervention von Albia zu verdanken ist, die ihre neugewonnenen Erkenntnisse nutzt und ihren Status als Driete ausspielt.

Ihr Zustand stellt sich schnell auch als etwas anderes heraus, als Atlan vermuten konnte. Sie ist nämlich in Wahrheit schwanger. Und bei den Drieten entbindet sie ihren Nachkommen.

Sobensten, der Vorgesetzte von Eggober, würde sich gerne aus der Verantwortung stehlen und Atlan und seine Freunde doch lieber schnell loswerden. Aber mit der Erinnerung an das Versprechen der Drieten, kann Atlan doch erreichen, dass Sobensten sie zur Klinik erst einmal begleitet, um ihnen dort weitere Informationen zukommen zu lassen.

Peonu erreicht schließlich die Parzelle Hüffen und auch Albia, die er mit Atlan zusammen losgeschickt hatte. Aber Albia erweist sich als Problem. Sie will nicht mehr gehorchen und das kann er nicht zulassen. Er will sie an dem Seelenstück packen, das er von ihr gekostet hat. Aber das geht nicht. Sie hat sich in Albion zurückverwandelt und kann sich Peonu damit irgendwie entziehen. Entweder, weil er die weibliche Komponente der Seele aufgesaugt hatte, oder weil er sie gerade im Prozess der Transformation einfach nicht erreichen konnte. Was auch immer, Peonu wird aus dem Hort vertrieben, ohne Albia schaden zu können. Sein einziger Erfolg in der Parzelle ist der, dass er sich einen Happen von Emballs Seele einverleiben kann. Ob ihm die Seele eines Flüchtlings aber wirklich nützen kann, ist erst noch die Frage. Atlan jedenfalls erreicht er erst einmal nicht, er bleibt aber auf seinen Fersen.

Kritik von Ralf König

Interessanter Ansatz, den der einstige Chef hier wählt. Die Arbeiter in der Parzelle bestehen aus Bajaren, es gibt von ihrem Volksstamm aber auch noch andere, nämlich Rapider. Und daneben noch Bruggeren und Juventer. Ein Schelm, wer böses dabei denkt ;-). Die Anspielung ist aber deutlich genug. Wer die Gruppe der Bayern in der Champions League erkennt, der weiß, worum es hier geht, nämlich mal wieder um Fußball. Seit dem Roman von Leo Lukas, scheint das irgendwie Mode zu sein. Es ist aber durchaus ironisch präsentiert und wenn man weiß, dass der ehemalige Chef ein Fan der Bayern, der neue aber einer von Rapid ist, wird einem schon klar, wie brisant der gebotene Stoff ist. Aber der neue hat sich wohl nicht getraut, seinen ehemaligen Chef zu zensieren. Und so bleibt dieses durchaus ironische Stück der Geschichte erhalten. Was dem Roman nicht geschadet hat.

Uwe schreibt besser, als zuletzt. Er erzählt seine Geschichte launig, aber sehr gut lesbar. Es ist ein Roman, den man lesen kann, ohne sich allzu sehr anzustrengen. Das war in der Vergangenheit manchmal leider nicht der Fall.

Trotzdem ist der Roman in einigen Bereichen etwas zu routiniert geschrieben, um wirklich herauszuragen. Vor allem im Vergleich zu einigen der Vorgängern, fällt er doch etwas ab (schon wieder …). Die Geschichte kann auch nicht mit allzu vielen neuen Informationen glänzen, nach dem letzten Roman von Cathrin Hartmann wusste man über die Drieten, die Anstitzen und ihre Rolle doch schon einigermaßen Bescheid.

Das schadet dem Roman aber nicht allzu sehr. Es macht trotzdem Spaß, in die Welt des Arkoniden einzutauchen. Und es wird langsam auch klar, dass der Verlust eines Stücks seiner Seele ein Problem darstellt. Zwar ist es nach den letzten Romanen nicht sehr eingängig, weil es doch oft so war, dass der Arkonide fast unbeeinflusst zu agieren scheint, aber trotzdem leidet der Arkonide und vor allem sein Extrasinn, sie scheinen sich irgendwie zu entfremden, manchmal zumindest. Wohin das wohl führen wird? Es wäre gut, das langsam einmal etwas deutlicher darzustellen.

Peonu ist übrigens gut getroffen und interessant charakterisiert. Gut ist, dass auch er Probleme mit dem Seelenhappen eines Wesens hat, dass hinter den Materiequellen war, ein Diener der Kosmokraten war und außerdem Unsterblicher ist. Damit hat Atlan ja eine Menge mit dem Seelenhorter gemeinsam. Und der Seelenhappen des Arkoniden ist ein Problem für Peonu. Er schmeckt intensiv, macht deswegen andere Seelenhappen für Peonu fast ungenießbar. Sie schmecken schal, geben ihm nicht sehr viel. Und er bereut eigentlich schon, dass er das Seelenstück des Arkoniden genommen hat.

Hoffentlich führt das nun nicht dazu, dass er es freiwillig zurückgibt. Oder dass die Auflösung des Problems sich so darstellt, dass Peonu von dem ungewohnten Happen so gelähmt ist, dass er dem Arkoniden bei der nächsten Begegnung kaum noch etwas entgegenzusetzen hat. Bei dem, was hier aufgebaut wurde, wäre das schon irgendwie schade.

Fazit

Die Geschichte ist wieder einmal sehr zergliedert. Jeder Autor bekommt seine eigene Parzelle als Spielwiese, damit er mit den anderen nicht allzu große Berührungspunkte hat. Das macht es den neuen natürlich leicht. Uwe Anton könnte man da schon etwas mehr zutrauen. Aber vielleicht wird es ja in den nächsten Romanen anders, wie man gewissen Äußerungen des Chefautors in einem gewissen Interview der Terracom entnehmen kann. Dort nimmt er auch Stellung zu den fußballbezogenen Themenbereichen der letzten Romane. Eine durchaus interessante Lektüre.

Wie auch der Roman von Uwe Anton in einigen Bereichen. Im Vergleich zu den anderen Romanen, ist er allerdings "nur" NICHT ÜBEL. Noch weiter abfallen sollten die Nachfolger nicht, bisher war der gebotene Stoff durchaus gut verträglich. Das darf schon so bleiben.

Intrawelt

1. Wächter der Intrawelt
2. Vorstoß in die Intrawelt
3. Der Seelenhorter
4. Gefangen im Himmelsnetz
5. Konvent der Händler
6. Das dritte Gesetz
7. Im Hort der Drieten
8. Die Architekten der Intrawelt
9. Das Symbol der Flamme
10. Wanderstadt Aspoghie
11. Die Kathedrale der Rhoarx
12. Atlan, Bote des Flammenstaubs

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