6. "Das dritte Gesetz" von Cathrin Hartmann

Atlan Intrawelt 6Die Gruppe hat sich in Peresgau vergrößert. Tuxit, der Erzähler, begleitet den Arkoniden, Jolo und Albion auf ihrem weiteren Weg. Und seine Kenntnisse werden auch bald benötigt, denn in der Gondel, die sie zur nächsten Station ihrer Reise bringen soll, überkommt Albion eine Krankheit, die er sich selbst nicht zu erklären vermag. Tuxit kann aber Atlan zumindest sagen, was er tun soll, um die Qualen des Breiten Mannes zu lindern. Wasser und Massagen der Extremitäten des Wesens sollen helfen. Und sie scheinen auch zu helfen, zumindest kurzzeitig.

Albion beginnt, eine Geschichte zu erzählen, an die er sich plötzlich zu erinnern scheint. Die Geschichte handelt von einem Wesen namens Bidon, einem Drieten. Bidon ist - wie alle Wesens seines Volkes - ein großer Baumeister. Er hat zusammen mit den anderen seinen Planeten Makhara umgestaltet, so dass er nun zu einem filigranen Gebilde geworden ist, das zu bearbeiten inzwischen sogar gefährlich ist. Eine falsche Handlung kann eine Katastrophe auslösen.

Bidon ist kurz davor, einen Ableger seiner selbst im Leben willkommen zu heißen und er hat dazu Maras an seine Seite bekommen. Einer der ältesten, ein sehr erfahrener Driete. Das Volk der Drieten besteht aus Einzelgängern und da sie immer mehr werden, wird es auch immer schwieriger, genug Platz zu finden, damit sie sich nicht gegenseitig in den Weg kommen. Ausnahmen für gemeinsame Zusammenkünfte, gibt es nur wenige. Bei der ersten Geburt und bei der Aufzucht der Nachkommen können die Drieten andere um sich ertragen.

Und so kommt Kietai zur Welt. Aber er ist nicht der einzige, der an diesem Tag geboren wird. Ein zweiter Driete kommt zur Welt und löst nicht geringes entsetzen aus. Denn normalerweise wird immer nur ein Driete auf einmal geboren. Onagi wird so zum Nichtling und spielt die Hauptrolle in vielen Visionen Maras'.

Der unwillkommene Sohn erhält keine Ausbildung, das heißt, seine Erinnerungen werden nicht aktiviert und er wird nicht in die Geheimnisse der Baumeisterkunst eingeführt. Das wird zum Problem für den Nichtling, der nichts für seine Situation kann. Und so holt er sich sein Wissen schließlich mit Gewalt, dabei verstößt er aber gegen eines der drei Gebote, die nur als die Drei bekannt sind.

Das Primum lautet, dass man erschaffen soll, nicht aber zerstören. Das Sekundum bestimmt, dass man keinem anderen Drieten Schaden zufügen darf. Und das Tertium, dass man nicht ohne Nachkommen sterben soll. Einer der beiden Brüder soll diese Drei brechen. Aber welcher, das kann Maras nicht erkennen.

Genau genommen sind die Visionen vermutlich nicht sonderlich ernst zu nehmen. Trotzdem bewirken sie, dass kaum ein Driete den Nichtling leiden kann. Er wird so zu einem Ausgestoßenen seines Volkes. Bis er schließlich an Wissen kommt und einen Gegenstand von einem der anderen nimmt, den er dazu offensichtlich töten musste.

Aber das ist kaum jemandem klar, außer Kietai. Da niemand das erkennen will, beschließt er, seinen Elter zu beeindrucken. Er arbeitet an der Säule in der Höhle Bidons und will sie zu etwas besonderem machen, darauf hoffend, dass er dann gelobt wird. Doch es kommt anders. Die Säule stürzt ein und löst eine Kettenreaktion aus. Diese führt zur Vernichtung Makharas und letztendlich sorgt sie dafür, dass Kietai zwei der Drei gebrochen hat. Er hat zerstört und er hat andere Drieten getötet. Damit ist er sogar schlimmer, als Onagi.

Die Werber von der Intrawelt schicken Schiffe, um möglichst viele der Drieten zu retten. Überhaupt wollen sie schon lange, dass so ziemlich das halbe Volk ihnen folgt. Angesichts der Überbevölkerung eventuell keine schlechte Idee, aber bisher nicht von den Drieten akzeptiert. Die Rettung aber erzwingt das nun. Sie werden zur Intrawelt evakuiert und erhalten dort eine neue Heimat, auf der sie nicht nur weit genug auseinander leben, sondern auch bauen dürfen. Anfangs geht auch alles gut.

Aber dann wird Kietai von seiner Vergangenheit eingeholt. Außer Onagi weiß niemand von seinem Vergehen. Der leistet immer schlechtere Arbeit. Und ausgerechnet Kietai wird bestimmt, ihm zu sagen, dass die Pfleger unzufrieden sind. Onagi rastet aus, wirft sich auf den verhassten Bruder und würgt ihn, während er ihn beschuldigt, dass er ihn nie wirklich akzeptiert hat. Auch ist er offensichtlich der Meinung, dass letztendlich Onagi an allem schuld sei. Kietai wird langsam schwarz vor Augen und er droht unter den Händen des Bruders zu ersticken. Im letzten Augenblick kann er ihn erstechen. Und als er wieder klar sehen kann, sieht er all die anderen Drieten, die sie beide umstehen. Maras schaut ihn anklagend an, was er nicht versteht, denn immerhin hat er sich nur gegen Onagi gewehrt. Aber Maras geht es um etwas anderes. Er will wissen, ob die Worte Onagis der Wahrheit entsprechen und Kietai muss das zugestehen. Deshalb wird er schließlich zum Tode verurteilt. Aber da ist noch etwas, das ihm bliebt. Er ist allein, aber es gelingt ihm, einen Nachkommen zu zeugen. Damit hat er nicht die Drei gebrochen, wie von Maras vorhergesagt, sondern es bleibt bei zwei. Er wird nicht ohne Nachkommen sterben.

Einer dieser Nachkommen - viele, viele Generationen später - ist Albion. Und der droht an seiner Krankheit zu sterben. Atlan kann auf einer der Flachstationen einen Galimatiden finden, eine Art Bibliothekar. Von diesem erfährt er, dass es in der Nähe die Parzelle Hüffen gibt, auf der noch Drieten leben. Dorthin kann er sich wenden, um Hilfe zu erhalten. Als Gegenleistung will er nun den Geistesinhalt von Atlan haben. Der verweigert das aber mit der Begründung, dass er wegen seines Wissens gejagt wird und es deswegen recht ungesund wäre, dieses Wissen ebenfalls zu besitzen. Das Wesen akzeptiert dies. Als Gegenleistung erzählt ihm Atlan aber eine Geschichte. Nämlich die von dem Grün-Nomaden Luck dem Proporzen und seinem Ende.

Albion geht es nicht mehr gut und Atlan erkennt, dass es nur noch eine Chance für den Breiten Mann gibt, nämlich zur Hohen Frau zu werden. Also fordert er ihn mit einem "Spielchen" heraus und Albion geht darauf ein. So wird er wieder zu Albia, die widerstandsfähiger ist und größere Chancen hat, zu überleben. Sie machen sich also als nächstes auf den Weg zur Parzelle Hüffen, um bei den Drieten Rettung für Albia zu finden.

Kritik von Ralf König

Cathrin Hartmann heißt im wahren Leben Kathrin Lange. Unter ihrem Pseudonym scheint sie allerdings auch ihre sonstigen Romane zu veröffentlichen, zumindest ist in der Vorstellung im Lesermagazin nichts anderes ausgesagt. Die Autorin veröffentlicht vorwiegend im Bereich historischer Romane und ist bereits seit dem Jahr 2000 aktiv. Ich selbst habe sie bisher allerdings nur als Atlan-Autorin kennen gelernt.

Mit dem sechsten Band der Intrawelt, der gleichzeitig auch der zweiundvierzigste Band der neu gestarteten Atlan-Serie ist, gibt sie ihr Debüt im Kreise der Atlan-Autoren. Und es ist ein Debüt, das zumindest einen gewissen Lesegenuß bietet. An seine beiden unmittelbaren Vorgänger, reicht der Roman allerdings nicht ganz heran.

Wieder einmal wird uns eine Lebensgeschichte geboten und damit werden gleichzeitig einige Geheimnisse gelüftet, die erst kurz zuvor aufgeworfen wurden. Rüdiger Schäfer beschrieb bereits, dass der Breite Mann Albion einem Volk angehört, das zu den Erbauern gehört. Und damit scheint er Recht zu haben, denn Albion erzählt eine Geschichte, während sein Körper gleichzeitig von einer rätselhaften Krankheit geschwächt wird. Er hat diese Geschichte nicht selbst erlebt, sie entstammt der kollektiven Erinnerung seines Volkes. Die Drieten sind eingeschlechtliche Lebewesen, die normalerweise in ihrer Lebenszeit nur ein Kind zeugen. Jedenfalls zur gleichen Zeit. Aber vor langer Zeit war da ein Driete namens Bidon. Er hat zwei Nachkommen unmittelbar nacheinander gezeugt und somit für eine Unmöglichkeit gesorgt. Der zweite Nachkomme wurde so als Nichtling aufgezogen, man enthielt ihm die Geheimnisse des Volkes vor, aktivierte sein ererbtes Wissen nicht, erst als es nicht mehr anders ging. Aber der erste Nachkomme sollte der Vernichter der Heimatwelt der Drieten werden. Und damit hat er dafür gesorgt, dass die Überlebenden in die Dienste der Pfleger traten. Sie haben somit die Intrawelt erbaut, zumindest aber gestaltet.

Diese Geschichte ist gut erzählt und interessant, trotzdem unterbricht sie den neu gewonnenen Fluss der Geschichte ein wenig. Atlan ist in dem Roman nur der Pfleger des/ der Drieten, muss ihm das Leben bewahren, soweit es eben geht. Und es gelingt ihm auch, letztendlich vor allem dadurch, dass er Albion dazu bringt, sich wieder in Albia, die Hohe Frau, zu verwandeln, denn als solche war er doch widerstandsfähiger. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Ihr nächstes Ziel steht bereits fest, die Parzelle Hüffen, dort sollen sich noch Drieten befinden und Atlan vermutet, dass diese eventuell helfen könnten, Albia zu retten. In der Erzählung gibt es auch die eine oder andere Ungereimtheit, nämlich dass Drieten dort ihr Geschlecht nicht wechseln. Es wäre angesichts der Tatsache, dass sie sich durch Zellteilung vermehren, allerdings auch überraschend gewesen, wenn sie das getan hätten. Es muss also im Laufe ihrer Evolution einen Punkt geben, an dem sie sich von eingeschlechtlichen in zweigeschlechtliche Wesen verwandelten. Über den wurde aber nicht berichtet.

Fazit

Das Thema eines Konfliktes zwischen Brüdern ist nun wahrlich kein neues, schon in der Bibel kann man darüber lesen. Cathrin hat es aber lesenswert umgesetzt. Die Geschichte ist gut erzählt und enthüllt einige Geheimnisse, insofern wird die Handlung auch vorangebracht. Trotzdem fällt sie im unmittelbaren Vergleich vor allem zu dem ausgezeichneten Roman von Rüdiger Schäfer etwas ab. Cathrins Debüt hat sich aber ein GUT mehr als verdient.

Intrawelt

1. Wächter der Intrawelt
2. Vorstoß in die Intrawelt
3. Der Seelenhorter
4. Gefangen im Himmelsnetz
5. Konvent der Händler
6. Das dritte Gesetz
7. Im Hort der Drieten
8. Die Architekten der Intrawelt
9. Das Symbol der Flamme
10. Wanderstadt Aspoghie
11. Die Kathedrale der Rhoarx
12. Atlan, Bote des Flammenstaubs

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