5. "Konvent der Händler" von Rüdiger Schäfer

Atlan Intrawelt 5Auf der Flachstation sind sie nicht mehr sonderlich willkommen, aber das stört Atlan nicht. Er bleibt einfach, obwohl der Kommandant ihm schon mehr oder weniger deutlich zu verstehen gibt, dass er sie lieber gehen sehen würde. Aber Atlan hat schließlich seine Hinweise, die er nicht so einfach ignorieren will. Und so wartet er einfach auf Luck, den Proporzen, der sich tatsächlich in der Flachstation sehen lässt. Eine glückliche Fügung, denkt sich der Arkonide.

Luck, der Proporze, ist ein mächtiges Wesen. Und er ist im Augenblick auch gerade mächtig gereizt, was seine Untergebenen zu spüren bekommen. Denn er wurde zum Konvent der Händler berufen. Da will er aber gar nicht hin, den meidet er eigentlich schon seit Jahren, weil er das ewige substanzlose Gelaber seiner lieben Kollegen nicht mehr hören kann. Aber diesmal bleibt ihm fast nichts anderes übrig, der Befehl kommt von den Herrschern seines Volkes und er hört sich auch deutlich nach einem Befehl an, sogar eigentlich nach einer Warnung. Wenn er nicht kommen würde, dann würde er sich nur Probleme einhandeln.

Also kommt er. Aber das mindert seinen Zorn nicht im Geringsten und so müssen einige aus seiner Gruppe leiden. Unter anderem sein Erzählsklave, Tuxit. Das vogelähnliche Geschöpf kann Geschichten erzählen, auf eine Weise, die ungeheuer berührt. Auch Luck, aber das will er sich nicht anmerken lassen. Also behandelt er ihn grob, wie er das gewohnt ist.

Luck reist mit eigener Gondel, denn als Händler ist er ständig unterwegs und hat nicht nur eine Legitimation, sondern ein eigenes Transportmittel. Und sein Volk ist sehr wichtig für die Infrastruktur, treibt Handel mit allem und jedem und noch eine Menge mehr, was sie im Detail tun, verraten sie aber nach Möglichkeit niemandem.

Als der Händler in der Flachstation ankommt, erkennt er Atlan sofort als gefährlichen Gegner. Er unterschätzt ihn keine Sekunde lang, sondern betrachtet dieses Wesen als Gewinner. Auch Atlan schätzt sein Gegenüber sofort richtig ein. Und er merkt, dass er so einfach nicht an ihn herankommt. Auch bei Spaziergängen wird er von seinen schweigsamen Wachen und den rattenähnlichen Dienern regelrecht abgeschottet. Atlans Problem ist am ehesten Albion, das Wesen, das sich von der Hohen Frau in einen Breiten Mann verwandelt hat. Als solcher ist er entsprechend labil und reizbar. Das merkt man dann auch, als er Atlan erklärt, dass man sich den Wachen besser nicht nähern sollte. Der Arkonide will trotzdem, weil er sich sagt, dass ein Spaziergang wohl kaum verboten sein kann. Nur missversteht ihn Albion wohl, als sie bei den Wachen ankommen, geht er ansatzlos zum Angriff über. Der Arkonide kam ihm unbewaffnet auch kaum helfen, denn die beiden Wachen erweisen sich als Meister des Schwertkampfes, die es mit jedem Ninja aufnehmen würden.

Wenn nicht im letzten Augenblick Luck der Proporze selbst eingegriffen hätte, wären wohl beide kaum zu retten gewesen. Zur Bestrafung will er seine beiden Wachen sogleich töten, was Atlan durch seine Fürsprache verhindert. Besorgt zeigt er sich aber wegen Albion, der schwer verletzt ist. Persönlich sorgt er dafür, dass der Breite Mann wieder gesund wird. Und ladet Atlan zu einem Essen ein, bei dem er auch den Erzählsklaven Tuxit kennen lernt und als besonderes Talent erlebt. Luck ist fast wütend, als er merkt, dass Atlan Tuxit sehr gern zu mögen scheint.

Trotzdem nimmt er sie mit zum Konvent nach Pregesbau, in seinen Gondeln. Atlan wird mit Jolo zu Tuxit "verbannt", während Albion beim Chef selbst mitfahren darf. Er versteht allerdings nicht, was der Proporze wohl von ihm will. Beim Konvent angekommen, dem so genannten Thongning, trennen sie sich voneinander. Luck muss sich auf den Konvent vorbereiten und Atlan und die anderen wollen sich mit der Umgebung vertraut machen. Die riesige Zeltstsadt, in der sie angekommen sind, wirkt zwar provisorisch, scheint aber trotzdem schon lange genug dort zu bestehen. Und die Gegend ist tückisch, wie der Arkonide erkennen muss. Mit seiner Erfahrung, findet er sich in dem Gebiet allerdings schnell zurecht. Weder die betrügerischen Händler, noch Langfinger, bereiten ihm Probleme. Im Gegenteil, auf diese Weise findet er noch einen Führer durch die Zeltstadt.

Trotzdem wäre sie ihm beinahe zum Verhängnis geworden, wenn nicht durch das Eingreifen eines der beiden Wachtposten, die ihn am Anfang beinahe getötet hätten, das Schlimmste hätte verhindert werden können. So kommt Atlan mit dem Leben davon und erkennt, dass die beiden nicht mehr für Luck tätig sind. Die, die ihn töten wollten, aber sehr wohl. Offensichtlich will der Grün-Nomade sie loswerden.

Und langsam macht sich die Erkenntnis breit. Luck hat Albion als einen Vertreter der vermeintlichen Schöpfer der Intrawelt erlebt. Er will ihn auf seine Seite bringen und so sein Volk dazu zwingen, sofort aktiv zu werden und die Schöpfer zu einer Reaktion herauszufordern. Die wollen aber nicht, sondern warten lieber, bis die Schöpfer sich von selbst melden. Mit einem Vertreter der Schöpfer an seiner Seite, könnte er aber vieles erzwingen. Dazu muss er nur Atlan und seine Begleiter loswerden. Einschließlich Tuxit, der zu viel weiß. Das alles gelingt ihm aber nicht, Atlan kann entkommen und mit der Unterstützung der beiden ausgezeichneten Kämpfer, gelingt es ihm außerdem, Tuxit zu befreien. Gemeinsam mit Albion schließlich dringt er in die Versammlung ein, lässt ihn reden und stellt Luck so zur Rede. Der spielt den Ball aber geschickt zurück und plötzlich ist Atlan der Böse. Aber Tuxit kann im letzten Moment klar machen, dass nur Luck allein die Verantwortung trägt und finstere Pläne gegen den Konvent geschmiedet hat. So lernt Atlan ein weiteres Geheimnis der Nomaden fest. Sie sind nicht nur in Clans aufgeteilt (die Farben bezeichnen die Clan-Zugehörigkeit, die roten scheinen die gefährlichsten zu sein), sondern er erkennt auch, dass sie Symbionten sind. In ihren voluminösen Körpern, leben schlangenartige Wesen, die sich alle auf Luck stürzen und die Schlange in ihm töten. So erklärt sich auch, dass es scheinbar Nomaden ohne Intelligenz gibt. Sie sind nicht ohne Intelligenz, nur ohne Schlange.

Nachdem Luck überführt ist, wird ihnen die Weiterreise erlaubt. Atlan und seine Getreuen, einschließlich Tuxit, der immer noch nicht verstehen will, warum Atlan ihn retten will, aber zu seinen Gunsten eingegriffen hat, weil er irgendwie erkannt hat, dass der Arkonide noch wichtig ist. Mit den Gondeln machen sie sich auf den Weg. Und werden bald näheres über die Erschaffung der Intrawelt erfahren.

Kritik von Ralf König

Nahtlos setzt Rüdiger Schäfers Roman den von Wim Vandemaan fort. Man merkt ziemlich schnell, dass Schäfer mit dem Arkoniden sehr vertraut ist. Wiederum nimmt man dem Autor ab, was er schreibt. Die Schilderung des Arkoniden ist durchaus nachvollziehbar und sehr vertraut. Er wirkt nicht wie der Trottel, der sich von allen nur herumschieben lässt, sondern wird selbst aktiv, gestaltet sein Vorgehen bis zu einem gewissen Grad, ist nicht nur Spielball der Ereignisse, wie zu oft in den Romanen davor.

Die Intrawelt wird ebenfalls gut eingebunden, erfährt eine Erweiterung, die rudimentären Handelsstrukturen, von den Nomaden eingeführt und aufrechterhalten, werden erklärt. Ihre Art, die Kunden einfach dorthin zu locken, wo sich ohnehin Nomaden aufhalten, ist durchaus nicht ungeschickt und ihr Verhalten zwar ein klein wenig Klischeehaft, aber durchaus stringent.

Merkwürdig ist nur, dass Tuxit, der seiner eigenen Bedeutung in dieser Geschichte sehr kritisch gegenüber steht, der Meinung ist, Atlan sei etwas besonderes und ihm müsse dringend geholfen werden. Klar, das impliziert schon seine Rolle, aber es ist schon etwas seltsam, dass überall, wo er hinkommt, auch jemand ist, der seine Bedeutung gleich erkennt. Andererseits ist Tuxit ein faszinierendes Wesen, das Neugierig macht und von dem man gerne mehr lesen würde.

Der Roman ist über weite Strecken sehr spannend, regt aber auch zum Schmunzeln an. Insgesamt kann man sagen, dass die Mischung einfach stimmt. Und so ist der fünfte Blick in die Intrawelt ebenfalls ein durchaus erfreulicher.

Auch auf Atlans Problem wird immer wieder - auch schon in dem Roman von Vandemaan, da aber vielleicht noch zu wenig, eingegangen. Der Verlust eines Stücks seiner selbst, seiner Persönlichkeit, belastet ihn, aber zusammen mit seinem Extrasinn kann er die Probleme, die ihn immer wieder überkommen, durchaus überstehen. Trotzdem ist ihm klar, dass früher oder später eine endgültige Lösung her muss, weil er auch fühlt, dass er auf Dauer nicht mit dem Verlust eines Teils seiner Seele leben kann. Und so ist auch klar, dass man dem Seelenvampir Peonu aus Band 3 noch einmal begegnen wird. Früher oder später wird Atlan sein Eigentum wiederhaben wollen. Wie er dann dem ehemaligen Vertreter der Chaosmächte gegenüber treten wird, wird sicher eine interessante Frage sein.

Fazit

Wenn der Auftakt besser gewesen wäre, dann wäre der Zyklus insgesamt bisher sicher einer der Besten. Aber auch so lässt er im Augenblick wenige Wünsche offen. Die Romane, spätestens seit Leo Lukas übernommen hat, sind samt und sonders sehr lesenswert. Die Geschichte weckt Interesse, liefert durchaus immer wieder Informationen und macht Spaß. Das kann gerne so bleiben. SEHR GUT.

Als nächstes darf Uwe Anton den Staffelstab übernehmen. Die Auswahl der Autoren ist bislang durchaus gelungen. Und auch Uwe Anton ist ein Garant dafür, dass gute Unterhaltung geboten wird. Normalerweise jedenfalls. Insofern kann man sich auf den nächsten Band sicher auch schon freuen.

Intrawelt

1. Wächter der Intrawelt
2. Vorstoß in die Intrawelt
3. Der Seelenhorter
4. Gefangen im Himmelsnetz
5. Konvent der Händler
6. Das dritte Gesetz
7. Im Hort der Drieten
8. Die Architekten der Intrawelt
9. Das Symbol der Flamme
10. Wanderstadt Aspoghie
11. Die Kathedrale der Rhoarx
12. Atlan, Bote des Flammenstaubs

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