4. "Gefangen im Himmelsnetz" von Wim Vandemaan
Abertack genießt - wie jeder Angehörige seines Volkes - die Arbeit an den Fäden sehr. Er kann direkt am Faden, ohne weitere Hilfsmittel, bis in Schwindelerregende Höhen aufsteigen. Er tut dies auch sehr oft, um Teile des Fadens zu reparieren. Eines Tages steigt er am Faden nach oben, führt die Reparatur durch und lässt sich dann - schneller und immer schneller - wieder hinab gleiten. Er lockert den Biss, um noch schneller abrutschen zu können, wie im Flug nähert er sich der Erde, bis ihn eine Windböe erfasst und er tatsächlich den Halt verliert. Todesfurcht kennen sie nicht, die Wesen, sie ist ihnen genetisch erst gar nicht eingepflanzt worden. Und doch kann Abertack seine Furcht vor dem Ende nicht verleugnen. Er stürzt ab und sieht unter sich plötzlich einen Schwarm der fliegenden Schlangen. Geistesgegenwärtig krallt er sich an einer davon fest, die ihn abbremst, aber dann zusammen mit ihm in die Tiefe stürzt. Mit Hilfe ihrer Artgenossen kann sie sich befreien. Aber da ist Abertack von der Oberfläche schon gar nicht mehr so weit entfernt. Er ist nicht mehr so schnell, als er in die Baumkronen kracht, wird dann gar noch, schmerzhaft zwar, aufgehalten, als er durch die Zweige rutscht. Und schlägt schließlich auf der Erde auf, aber längst nicht mehr Spinnenzerquetschend schnell. Er braucht eine Weile, bis er sich erholt hat, aber dann kann er aufstehen und in seine Behausung zurückkehren, die in der Gondelstation am unteren Ende des Fadens ist. Nur hat er fortan ein Problem. Er hat Höhenangst und das ist für einen Maulspindler so gut wie ein Todesurteil. Da er aber von seinen eintausend Tagen Lebensspanne ohnehin nur noch wenige übrig hat, glaubt er, den Rest überstehen zu können. Und danach ist seine Existenz ohnehin beendet, oder er wird in die Flachstation versetzt. Trotzdem hofft er, dass nach Möglichkeit keine Besucher ihn stören. Und wenn doch, dass er ihr Begehren ablehnen kann. Das kann natürlich nicht gut gehen, denn immerhin sind Atlan und seine beiden Gefährten auf dem Weg zu ihm. Nicht nur sie allerdings, sondern auch eine merkwürdige Schar von Wesen. Eine art Lokomotive, allerdings eine biologische Lokomotive, die durchaus auch zu trinken braucht, ihr Herr und Meister und ein Passagier machen sich auf den Weg. Der Passagier ist ein intelligentes Affenwesen, das ein Problem hat. Es muss ein Medikament finden, das es, wenn überhaupt, auf der anderen Seite der Intrawelt gibt. Und da hilft nur das Himmelsnetz. Die Motive des "Lokomotivführers" sind allerdings wesentlich profanerer Art. Ihm geht es nur um Geschäfte. Und so treffen beide Gruppen vor der Gondelstation aufeinander. Eine Stimme informiert sie, dass es bis zum anderen Morgen dauern wird, sie vorzulassen und zu prüfen. Deshalb entschließen sie sich, das Nachtlager aufzuschlagen und gemeinsam zu Rasten. Dabei wendet sich der Eigentümer der Lok an Atlan. Er interessiert sich sehr für den Cueromb, den der Arkonide bei sich trägt. Aber Atlan will ihn nicht verkaufen. Der Händler äußert sich darauf rätselhaft, der Eigentümer sei letztendlich derjenige, der ihn am meisten begehrt. Und tatsächlich - in der Nacht muss Atlan feststellen, dass ihm der Cueromb entwendet wurde. Es geht bereits auf den Morgen zu, als er Jolo vermisst, der als Wachtposten eingeteilt war. Beides, sowohl den Cueromb, als auch Jolo, findet er schließlich bei der organischen Lok. Der Echsenartige soll gerade an das Wesen verfüttert werden. Im Zweikampf kann sich Atlan sein Eigentum zurückholen und darüber hinaus erhält er - als Gegenleistung für das Leben des Händlers - auch noch ein biomechanisches Fernrohr und eine Schusswaffe, eine Art Vorderladergewehr, allerdings ohne Munition. Beides nimmt er an sich, bevor sie schließlich Abertack gegenüber treten. Das affenähnliche Wesen schildert sein Problem zuerst. Aber einem Verwandten das Leben retten, erscheint Abertack nicht als wichtig. Ewig ist das Netz, ein einzelnes Leben zählt da nicht. Er lehnt ab, insgeheim erleichtert, weil er damit nicht mit der Gondel aufsteigen muss. Sein Körper ist immer noch verletzt, um die Bandagen zu tarnen, hat er sie bestickt, so dass sie nun wie Schärpen aussehen. Der Händler unternimmt einen unverhohlenen Bestechungsversuch, was ihm ebenfalls einen Rauswurf beschert. Und auch die Begründungen der Hohen Frau und Jolos überzeugen das Spinnenwesen nicht. Schließlich bittet er Atlan herein. Der Arkonide tritt ein und schaut sich um, als müsse er die Behausung inspizieren, dann lässt er seine Autorität spielen. Er macht Abertack klar, dass es einen Anschlag auf das Netz geben wird. Und da dieses Netz ewig ist und der gesamte Lebensinhalt der Maulspindler, bleibt ihm nicht viel übrig, als einzulenken. Schließlich nimmt er Atlan mit und akzeptiert auch seine beiden Begleiter. Gemeinsam steigen sie in die Gondel und fliegen zur Flachstation. Dort angekommen, treffen sie auf merkwürdige Gestalten. Die Flachstation ist ein Ort, an dem sich viele treffen und von ihm geht auch ein Faden nach oben, der für alle verboten ist, außer offensichtlich für die Erbauer. Natürlich würde Atlan gerne dorthin reisen, aber das ist ihm im Augenblick nicht vergönnt. Zunächst muss er zugeben, dass es nicht ganz der Wahrheit entspricht. Einen Anschlag auf das Netz wird es nicht geben. Trotzdem wird er akzeptiert, denn seine Andersartigkeit wird durchaus bemerkt. Der Oberbefehlshaber der Station gibt ihm deshalb eine Legitimation. Und auch seine Begleiter sollen eine solche erhalten, aber dann trifft die Hohe Frau auf einen alten Feind. Die edle Dame will sie töten lassen, so kommt es zu einem Kampf. Dabei setzt die Verwandlung der Hohen Frau ein. Sie erweist sich als eine Art Wechselwesen. Sie beginnt, sich in einen Mann zu verwandeln und zeigt dabei äußerst labile Züge. Sie schlägt um sich, will sich befreien, mit ihren gestiegenen Kräften gelingt ihr das dann auch und sie rennt vor allen anderen davon. Bei Atlan angelangt, ist die Verwandlung soweit abgeschlossen und der nunmehr Breite Mann beruhigt sich etwas, allerdings nicht sehr. Als die Verfolger auftauchen, gibt es Verletzte und aus der Weißen Waffe werden Schüsse abgefeuert. Die Situation beruhigt sich erst, als Abertack eingreift und die Angreifer ruhig stellen kann. Trotz aller Verwirrungen und obwohl die Maulspindler diese Besucher lieber gehen sehen würden, lassen sie Atlan und seine Begleiter in der Station. Sie erhalten außerdem Legitimationen. Und die Information, dass Luck der Proporze sich auf dem Weg in die Station befindet. Insofern brauchen sie ihn nicht mehr zu suchen. Sie werden ihm bald begegnen … Abertack wird zu seinen Vorgesetzten berufen. Die eröffnen ihm, dass er einen Nachfolger an die Seite bekommt. Der Maulspindler ist wie betäubt. Nach seinen tausend Lebenstagen wird seine Lebenszeit enden. Und die letzten Tage bis dorthin soll er darauf verwenden, seinen Nachfolger einzulernen. Auch sein heldenhafter Einsatz führt leider nicht zu einer Verlängerung seines Lebens, obwohl er sich dafür eine Beförderung in die Flachstation verdient hätte. Die Herrscher seines Volkes wollen ihre Meinung trotzdem nicht ändern, wie ihm sein alter Lehrmeister mitteilt. Der Maulspindler ist enttäuscht. Er fliegt zurück auf den Boden und trifft dort auf den Affenähnlichen, der sich nicht fortbewegt hat. Er fragt ihn, warum er immer noch da sei? Der Affenspindler antwortet, wo er denn hingehen solle? Sein Problem sei nicht gelöst und deshalb könne er auch nicht mehr nach Hause. Abertack wird sehr nachdenklich und bittet ihn daraufhin in die Gondel. Er will ihm trotzdem helfen, denn plötzlich hat er das Gefühl, es gäbe kaum etwas wichtigeres, als Leben zu retten. Kritik von Ralf KönigWim Vandemaan ist das Pseudonym eines neuen Autors in der Atlan-Serie, wie sie auch schon in den vorhergehenden Zyklen zum Einsatz gekommen sind. Der Autor stammt aus Deutschland, aber einige Bezüge zu Holland sind aus der Vita des Autors, die auf der Leserkontaktseite abgedruckt ist, ersichtlich. So erklärt sich wohl auch das Pseudonym. Wim Vandemaan erzählt die Geschichte der Maulspindler, die Eigentümer und Erbauer des Himmelsnetzes sind, am Beispiel des spinnenähnlichen Wesens Abertack. Ausgestattet mit einer Art Spule am Maul des Wesens, können die alles umspannenden Fäden hergestellt und gewartet werden. Das entstehende Material ist ungeheuer widerstandsfähig und kann so von nichts und niemandem angegriffen oder beschädigt werden. Allerdings gibt es eine Ausnahme. Die Ausscheidungen einer Art fliegender Schlangen sind doch in der Lage dazu. Abertack ist ein sehr menschlicher Maulspindler, das ist aber so nicht beabsichtigt. Eigentlich sollten sie alle im Sinne ihrer Philosophie erzogen sein und damit kein Problem mit dem Tod oder mit Höhen haben. Abertack entwickelt die Ängste durch einen Absturz aus Schwindelerregender Höhe. Trotzdem dauert es noch einen Weile, bis er diese neuen Erkenntnisse dann auch umsetzt, um anderen Lebewesen zu helfen. Die Geschichte um den Maulspindler ist sehr schön erzählt und es ist auch gut, dass Wim sie abgeschlossen hat, obwohl die Geschichte um Atlan bereits beendet war. So erhält der Roman eine irgendwie besondere Note. Überhaupt ist der Erzählrhythmus der Geschichte ungewöhnlich, entspricht so gar nicht dem, was in den letzten Zyklen so passiert ist. Die Intrawelt erweist sich als sehr bunter Ort, irgendwie erinnert sie an Phantasien aus den Romanen eines Michael Ende. Merkwürdige Gestalten treiben sich in der Intrawelt herum. In Ermangelung von Technik, wird eine Art Biotechnologie verwendet - oder eben gar keine. Die Wesen verhalten sich auch wunderbar fremdartig, insofern nimmt man der Geschichte, trotz eindeutiger Fantasy-Elemente, die Science Fiction auch irgendwie ab. Insofern ist Wim Vandemaan hier schon ein besonderer Roman gelungen, auch wenn man Atlan als eher andere Art der Science Fiction sieht, mit deutlichen Bezügen zur Fantasy, die ja auch in der alten Serie schon eine Rolle gespielt hat. Das passt insofern auch wunderbar und die Geschichte der Intrawelt hat gegenüber ihrem Vorgänger einen eindeutigen Vorteil: Man will irgendwie wissen, wie es weitergeht. Bis zum vierten Band ist die Intrawelt insofern durchaus ein Genuß. FazitAlles in allem ist der Roman von Wim Vandemaan ein vergnügliches und spannendes Ereignis. Die Intrawelt insgesamt entwickelt sich zu einem Ort, über den man gerne mehr erfahren will. Atlan ist mit diesem Zyklus auf dem richtigen Weg. Der vierte Band der Reihe erzählt eine gute Geschichte, die neugierig macht auf mehr. Mit einem Bonus für den Neueinsteiger, ist er sogar SEHR GUT geworden. |
Intrawelt
1. Wächter der Intrawelt |

Das Himmelsnetz wird von einer Spezies intelligenter Spinnen gewartet und erzeugt. Ausgestattet mit einer Art Spule am Maul des Wesens, können die alles umspannenden Fäden hergestellt und gewartet werden. Das entstehende Material ist ungeheuer widerstandsfähig und kann so von nichts und niemandem angegriffen oder beschädigt werden. Allerdings gibt es eine Ausnahme. Die Ausscheidungen einer Art fliegender Schlangen sind doch in der Lage dazu.