3. "Der Seelenhorter" von Leo Lukas

Atlan Intrawelt 3Der Seelenhorter im Zwiegespräch mit einer Toten. Er erzählt ihr die Geschichte seines Lebens bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie ihn verlassen hat. Sie war eine seiner Geliebten. Und als sie noch am Leben war, hätte er ihr die Geschichte niemals erzählen dürfen. Immerhin ein Vorteil, den ihr der Tod eingebracht hat. Auch wenn sie mit den Informationen nichts mehr anfangen kann. Die Geschichte des Seelenhorters von seiner Geburt bis zum jetzigen Zeitpunkt ist eine sehr lange Geschichte.

Myaze und Kurnel verstehen sich nicht sehr gut. Er will ihre Burg und sie will sie ihm nicht geben. Die Betreuer kümmern sich nicht darum, was die Kinder in diesem seltsamen Bereich miteinander machen. Und so kommt es zum Kampf zwischen den beiden. An dessen Ende ist Kurnel tot und von Myaze quasi absorbiert worden, die daraufhin seine Stelle einnimmt und seine Gang übernimmt.

Später absorbiert sie eine Freundin, freiwillig quasi. Und sie erkennt, was diese Welt ist. Eine Art Prüfung, an deren Ende nur einer oder eine aus dieser Welt übrig bleiben wird.

Und der Erzähler wird bald tatsächlich von der Gier nach einer Seele übernommen. Er sucht sich dazu ein jüngeres Opfer aus, eine derjenigen, die erst mit der zweiten Welle in ihre kleine Welt hereingekommen ist. Ildo heißt sie und sie ist eine Außenseiterin. Allerdings eine mit einem scharfen Geist, wie er schnell erkennt. Er versucht, sie zu überzeugen, schafft das schließlich auch und in einem fast intimen Vorgang nimmt er ihre Seele in sich auf. Er hat ihr versprochen, dass er sie vollständig in sich aufnimmt und deshalb weißt er auch nichts zurück, was von ihr auf ihn überströmt. Einschließlich aller Phobien, Ängste und negativen Seiten. Was sich als Fehler erweist, denn nun wird auch er zum Außenseiter. Er erkennt, dass nur beim Übergang die negativen Teile einer fremden Seele auszuschließen sind. Und er erkennt, dass er die negativen Teile von Ildo nie mehr los wird.

Während die anderen ebenfalls ihre Fähigkeiten entdecken, versteckt er sich und entwickelt sich so auch nicht mehr weiter. Irgendwann bemerkt er, dass er nun nur noch zwei Möglichkeiten hat. Entweder, er ergibt sich sofort Myaze. Oder er flieht. Und das gelingt ihm dann schließlich auch.

Währenddessen begeben sich Atlan und Jolo von der Parzelle Poricium nach Karaporum. Sie müssen dazu einen Grenzfluss namens Zanf überqueren, der schon vielen zum Verhängnis geworden ist. Er stellt gleichzeitig eine Wetterscheide dar, die es auf der eher flachen Innenschale der Intrawelt an sich nicht gibt. Trotzdem ist Karaporum eher trocken und heiß, während Poricium eher feucht und sehr bewaldet war.

Atlan baut zusammen mit Jolo ein Floß und gemeinsam überqueren sie den Fluss. Allerdings nicht trockenen Fußes, denn eine plötzliche Flutwelle wirft sie ab. Jolo kann nicht schwimmen, Atlan muss ihn also retten. Sie erreichen das Ufer gemeinsam, aber ohne Ausrüstung. Und damit haben sie erst einmal ein Problem.

Sie treffen auf eine merkwürdige Gruppe, die sich quasi als Schausteller erweisen. Drei sehr verschiedene Figuren stellen sich ihnen vor. Der ständig vor sich hin blubbernde Ritz Toyd scheint der Anführer zu sein. Er ist ein Schaukämpfer, der sich mit Hilfe von Blase verständigt, die die Dhedeen übersetzen können. Albia ist eine Spielerin, eine sogenannte "Hohe Frau". Und die Vorzüge von Vischgret sind deutlich sichtbar. Sie ist eine Brunftschwester und gleichzeitig Konkubine. Ritz Toyd bietet dem Arkoniden an, dass er mit ihnen kommen kann. Auch sie wollen zum Einsiedler, der offensichtlich sehr viel Besuch für einen Einsiedler erhält. Und von dort aus weiter. Eventuell kann Atlan ihnen mit seinen Fähigkeiten helfen. Der Arkonide stimmt nach kurzer Besprechung mit seinem unwilligen Kameraden Jolo zu, dem es in erster Linie um die Nahrung geht, die er von der "Hohen Frau" erhalten kann.

Und so machen sie sich auf den Weg zu Peonu, dem Einsiedler. Durch die Steppen der Parzelle Karaporum. Quasi ins Ungewisse. Atlan ist misstrauisch, aber er bemerkt nicht, dass er einen unsichtbaren Begleiter hat.

Der künftige Seelenhorter suchte sich eine andere Heimat. Er fand ein Lager, in dem noch alle Kinder aktiv waren, keiner war sich seiner Fähigkeiten bereits bewusst. Das sind ideale Voraussetzungen für ihn und schnell wird er mächtiger und mächtiger. Bis er schließlich der letzte Überlebende ist.

Aber da geht es erst richtig los.

Ein Gleiter holt ihn ab und bringt ihn in eine Stadt, in der die eine Million Gewinner lebt. Und diese Gewinner müssen nun das Spiel fortsetzen. Es kann nur einer oder eine übrig bleiben. Klug nutzt er seine Überlegenheit aus und nähert sich so mehr und mehr der Entscheidung, die er dann ausgerechnet gegen Myaze suchen muss. Er nutzt die Chance, die sie ihm gibt aus, übernimmt ihr Potential, was ihn an den Rand des Untergangs bringt und hat somit gewonnen.

Nur was?

Irgendwann kommt er wieder zu sich, aber ohne das Wissen über jene Zeit Hinter den Materiesenken. Dieses Wissen wird ihm in einer Hypnoschulung wieder abgenommen. Außerdem erkennt er eine Narbe auf seiner Brust. Ein Muster, kristallin wie eine Schneeflocke.

Danach wird er seinem Team vorgestellt. Er soll ein Team von ausgesuchten Elitekämpfern führen, dem nur eines fehlt, nämlich die Seele. Dafür ist er prädestiniert und so erhalten sie einen ersten Auftrag. Der Auftraggeber im Hintergrund hat auch einen Namen. Xpomul hat das Team aufgestellt und gemeinsam sollen sie in seinem Namen für Chaos sorgen. Und das tun sie auch. Bald werden sie Xpomuls Champions genannt. Lange Jahre kämpft er so siegreich für die Mächte des Chaos. Bis er eines Tages erkennen muss, dass seine Psikräfte nachlassen. Nachdem er von Hinter den Materiesenken zurückgekehrt ist, wurde seine Psifähigkeit modifiziert. Seither kann er nicht mehr ganze Seelen aufnehmen, sondern nur noch Splitter davon. Dafür beherrscht er dann aber den Eigentümer der Seele, der alles tun würde, um den Teil der Seele, der ihm genommen wurde, wiederzubekommen. Und so verliert er immer mehr von seiner Psikraft, was anfangs kaum ein Problem ist, aber nach vielen Jahrhundertausenden ein Problem wird. Als er erkennt, dass es mit ihm abwärts geht und als ihm klar wird, dass das über kurz oder lang sein Ende bedeuten wird, macht er das, was er schon einmal getan hat. Er läuft weg.

Die Jahre danach sind schrecklich. Aus einer Eliteliga abgestiegen in einen Bereich, in dem er vor den Chaosmächten einigermaßen sicher ist, da fühlt er sich nicht mehr sehr wohl. Und so nimmt er den Auftrag eines merkwürdigen Wesens an, das sich Yagul Mahuur nennt. Als der Lordrichter ihm von der Intrawelt und dem Flammenstaub erzählt, ist er zunächst eher nur am Rande interessiert. Er will sich ein Stück der Seele des Lordrichters holen, aber das Eishaarfeld verhindert das. Und das macht ihn neugierig. Er hört zu und erkennt, dass der Flammenstaub ihm nutzen bringen kann. Und so akzeptiert er den Auftrag.

Er nistet sich in der Intrawelt ein und baut ein Netzwerk aus Wesen auf, von denen er Stücke der Seele nimmt. Aber er kommt dem Flammenstaub nicht näher. Immerhin erfährt er, dass der Flammenstaub nicht abtransportiert werden kann, sondern nur mitgenommen, im eigenen Körper. Aus dem kann er dann auch extrahiert werden, was ihm klar macht, dass die Lordrichter seinen Tod mit eingeplant hatten. Aber vielleicht verhilft ihm der Flammenstaub zur nötigen Macht, um wieder in die erste Liga der Champions zurückzukehren, wo er sich immer wohl gefühlt hat, eine Art von Verlängerung zu erreichen? Er erfährt, dass der Flammenstaub "an einer Stelle zwischen Tag und Nacht" verborgen ist. Und der Zweck der Intrawelt ist der, den Staub aufgrund dessen Wirkung von Normaluniversum fern zu halten.

Atlan ist eine Figur, die für den Seelenhorter sehr interessant ist, denn er ragt aus der Masse der anderen hervor. Er ist gut, das stellt er fest, während er den Neuankömmling genau beobachtet. Und so lockt er ihn in die Falle.

Zusammen mit den anderen, die ihn begleiten. Zunächst sieht alles sehr normal aus. Er begrüßt den Arkoniden, dessen besondere Ausstrahlung ihm sofort unangenehm auffällt. Und auch der Arkonide erkennt, dass der andere eher ein Gegner ist. Trotzdem sind sie höflich miteinander. Er will ihm den "Begrüßungskuss" geben. Aber Atlan ist misstrauisch. Er registriert die Zunge, die sich ihm entgegenreckt. Seine Abwehrversuche aber scheitern, der Seelenhorter ist schneller. Er schlägt ihn nieder und leckt ihm übers Gesicht. Ritz Toyd will Atlan helfen, bezahlt das aber mit seinem Leben. Die anderen leisten keinen Widerstand mehr. Nur der Arkonide versucht den Widerstand, muss aber erkennen, dass er keinen mehr leisten kann. Ein Band zwischen dem Seelehorter und ihm selbst hindert ihn daran, ein Teil seiner Seele, das auf den anderen übergegangen ist. Er kann ihn nicht mehr angreifen. Vischgret und Albia müssen ebenfalls einen Teil ihrer Seele abgeben.

Er erhält dafür einen Auftrag von dem Seelenhorter Der lässt ihn seine eigenen Interessen verfolgen. Sollten die mit dem Flammenstaub zu tun haben, kann das nur ein Vorteil für ihn sein. Er schickt also Atlan zusammen mit Jolo und Albia auf die Reise, um sich zu den Maulspindlern zu begeben. Sie soll er um eine Passage für das Gondelsystem bitten.

Vischgret aber hat eine andere Aufgabe. In der Zeit seiner Einsamkeit hat er etwas entdeckt, was ihm für kurze Zeit Zerstreuung bringt, und das ist der Sex. Da es keine Wesen seines Volkes mehr gibt, hat er sich entsprechend umoperieren lassen und ist so mit vielen Wesen kompatibel. So auch mit der Konkubine. Aber er hat nicht lange Freude an ihr. Als Atlan und die anderen verschwunden sind, entzieht sie sich ihm quasi durch Selbstmord. Etwas in ihrem Kopf explodiert. Vermutlich hat sie das noch von den Brunftschwestern. Und so ist sie für ihn verloren, was sehr bedauerlich ist. Er hat ihr zumindest zugetraut, dass sie länger durchhalten würde, als all die anderen.

So muss er sie auf seinem Friedhof beisetzen.

Aber da gibt es vielleicht noch eine andere Hoffnung. Eine unter den Neuankömmlingen, die ebenfalls sehr attraktiv sein soll …

Kritik von Ralf König

… vielleicht ja Kythara, die irgendwie doch den Zugang in die Intrawelt erhält? Hoffen wir mal, dass die Varganin nicht in die Fänge dieses unglaublich mächtigen und schrecklichen Wesens gerät.

Leo Lukas schreibt seinen ersten Roman für die Serie Atlan und angesichts des Ergebnisses, kann man eigentlich nur hoffen, dass es nicht auch der Letzte sein wird. Er entwirft die Lebensgeschichte eines Chaotarchendieners, der in einer vergleichbaren Position wie Atlan zu sein scheint. Nur war er eben nicht hinter den Materiequellen, sondern hinter den Materiesenken. Er ist ebenfalls unsterblich und war lange im Auftrag der Kosmokraten unterwegs. Wir kennen also nun das Wesen, das Yagul Mahuur in die Intrawelt vorausgeschickt hat.

Atlan lernt es ebenfalls kennen und vermutlich ist dieser Verlust eines Teils seiner Seele genau die Verletzung, die sein Zellaktivator nicht heilen kann. In der PR-Serie ist von dieser Beeinträchtigung nichts mehr zu bemerken. Heilung scheint es also zu geben, zumindest kann man darauf hoffen. Wie das passiert, bleibt allerdings noch ein Geheimnis.

Bemerkenswert ist, dass dieses Geheimnis tatsächlich einmal wieder so aufgebaut wird, dass man Lust hat, es zu erkunden. Das Ende dieses Roman lässt tatsächlich nach längerer Zeit wieder mal das Gefühl aufkommen, dass man unbedingt weiterlesen muss, dass man wissen will, wie es weitergeht im Himmelsnetz, in dem der Arkonide wohl im nächsten Roman gefangen sein wird. Auch wie er mit dieser Verletzung, dieser Abhängigkeit von dem Seelenhorter, klar kommt, ist die Frage, Beantworten wird sie mit Wim Vandemaan in zwei Wochen ein neuer Autor, der in die Atlan-Serie einsteigt.

Leo Lukas kreiert für den vorliegenden Roman einige neue Charaktere, die herrlich zwielichtig sind und die einen immer wieder überraschen. Er baut sie sorgfältig auf, um sie am Ende fast alle wieder zu töten. Nur Albia bleibt übrig, wird den Arkoniden weiter begleiten.

Vischgret nimmt leider ein tragisches Ende unter dem schrecklichen Seelenhorter. Aber letzten Endes ist ihre Entscheidung nur konsequent. Die durchaus üblichen ironischen Seitehiebe des Autors fehlen auch diesmal nicht, wenn zum Beispiel Jolo Atlan augenzwinkernd vorwirft, dass er von den "Rieseneutern" Fräulein Vischgrets wohl blind geworden ist, wenn ihm die Spielutensilien Albias nicht aufgefallen sind. Auch Atlan ist durchaus konsequent dargestellt, als sehr aufmerksamer, guter Kämpfer, der sich von der holden Weiblichkeit auch gerne mal ablenken lässt. Vermissen kann man aber die Zwiegespräche mit seinem Extrasinn, die bei Leo leider etwas zu kurz gekommen sind. Trotzdem kann man feststellen, dass auch der Arkonide von dem Wiener Autor sehr gut charakterisiert wird.

"Es kann nur einen geben" ist ein Thema, das nicht nur diesen Roman, sondern auch einen gewissen nicht ganz unbekannten Film dominiert. Leo Lukas nimmt das nur als Aufhänger und als am Ende auch tatsächlich nur einer übrig bleibt, macht er auch konsequent weiter. Einziger Kritikpunkt meinerseits ist höchstens, dass der Roman etwas zu kurz geraten ist. Vielleicht wäre in diesem Fall ein Doppelband angemessener gewesen, um die Lebensgeschichte des Chaotarchensprößlings mehr zur Geltung zu bringen. Aber letzten Endes war es schon in Ordnung so.

Fazit

Natürlich muss man mit dem Stil des Autors, mit seinem besonderen Humor, etwas anfangen können, sonst ist man von dem Roman vielleicht nicht sehr erbaut. Wenn man sich aber darauf einlässt, sich von der besonderen Stimmung eines Romans von Leo Lukas gefangen nehmen und unterhalten lässt, dann hat man Spaß an der Geschichte, die im übrigen auch sehr viel von dem lange vermissten Sense of Wonder vermittelt. Davon darf gerne mehr kommen. SEHR GUT.

Intrawelt

1. Wächter der Intrawelt
2. Vorstoß in die Intrawelt
3. Der Seelenhorter
4. Gefangen im Himmelsnetz
5. Konvent der Händler
6. Das dritte Gesetz
7. Im Hort der Drieten
8. Die Architekten der Intrawelt
9. Das Symbol der Flamme
10. Wanderstadt Aspoghie
11. Die Kathedrale der Rhoarx
12. Atlan, Bote des Flammenstaubs

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