2. "Vorstoß in die Intrawelt" von Christian Montillon

Atlan Intrawelt 2Der Wächter der Intrawelt steht zwischen Atlan, Kythara und dem Eingang in die Dyson-Spähre. Der Arkonide kann sich zwar denken, dass er einem Wächter gegenübersteht und es deswegen auch eine Chance gibt, ihn zu besiegen, aber genau weiß er es nicht. Als das Wesen ihn mit seinem gewaltigen Tentakeln ergreift und Kythara desgleichen, ist er sich da auch nicht mehr so sicher.

Schließlich sieht er die Tentakel des Wesens direkt vor sich. Dünne Fäden schieben sich daraus hervor, die über seinen Kopf tasten und darin verschwinden. Kythara geht es ebenso und der Arkonide vermutet, dass mit diesen Fäden das Wesen direkt in seinen Kopf gelangt und ihn so einer Prüfung unterzieht. Die Theorie scheint zu stimmen, denn plötzlich lässt das Wesen sie los. Kythara landet dabei sehr unsanft auf dem Kopf. Und dann verkündet er seine Entscheidung.

Einer der beiden darf in die Sphäre, der andere nicht.

Atlan verteilt bereits die Rollen, als ihm das Wesen klar macht, dass nicht etwa er in die Sphäre darf, sondern seine Begleiterin. Das passt dem Arkoniden gar nicht und er macht dem Wesen klar, dass er als Bekannter der Kosmokraten und als Ritter der Tiefe (zumindest als ehemaliger, aber das muss das Wesen ja nicht wissen) eigentlich eher das Recht auf die Reise in die Sphäre hätte. Das Wesen scheint sich seiner Sache nicht sicher und entscheidet sich um. Jetzt darf Atlan in die Sphäre, aber Kythara nicht mehr, sie muss quasi als Pfand außerhalb warten.

Sie fügt sich sofort, nicht wie der Arkonide, der unbedingt ins Innere der Sphäre wollte. Und Atlan erkennt, dass Kythara über weitaus mehr Größe verfügt, als er selbst.

Der Wächter verlangt, dass Atlan vollständig nackt in die Sphäre muss und schleudert ihn gegen die Decke des Raumes, wo der Anfang des Transferschlauches ist. Und so macht sich Atlan auf den Weg ins Innere der Sphäre, unbekannten Gefahren entgegen.

Er kann nicht ahnen, dass er bereits erwartet wird. Jaston und Paffloir sind Angehörige von Papa Schwarts Horden. Sie machen sich auf den Weg zum Ende des Transfertunnels. Das ist eine Aufgabe, die immer wieder von wechselnden Angehörigen von Papa Schwarts Horden durchgeführt werden muss. Wenn man Glück hat, findet man einen neuen Ankömmling.

Und das Glück haben sie. Denn Atlan taucht auf und sieht wie ein leichtes Opfer aus. Im Vergleich zu Atlan, sind die beiden blauhäutige Riesen, grobschlächtig und kräftig. Sie greifen den Arkoniden an, lauern ihm auf, aber er ahnt etwas. Trotzdem können sie ihn überwältigen, sie sind einfach kräftiger als er. Immerhin überlassen sie ihm einen Stofflappen, mit dem er seine Blöße bedecken kann.

Gefesselt nehmen sie ihn mit sich. Auf ihrer ersten Rast, treffen sie auf eine Gruppe von Vögeln. Einer davon setzt sich auf Atlans Schulter, stößt seinen Nadelspitzen, durchsichtigen Schnabel in die Schulter des Arkoniden und im nächsten Moment kann Atlan die Sprache der Blauhäutigen nicht nur verstehen, sondern auch sprechen.

Bei der nächsten Rast werfen sie ihm einige Brocken Fleisch hin. Plötzlich ist da dieses Echsenwesen, das sich als Jolo vorstellt und mit seinen Späßen die beiden Blauhäutigen zum Lachen bringt. Dabei nimmt er einem unbemerkt das Messer ab. Atlans Fesseln werden durchgeschnitten, er bekommt die Waffe in die Hand. Gemeinsam greifen sie an, besiegen die beiden und fliehen. Aber als die Blauhäuter wieder zu sich kommen, machen sie sich sofort auf die Verfolgung.

Jolo eröffnet Atlan, dass er zu den Freitümmlern gehört. Nach einiger Zeit, braucht er dringend eine Rast, denn die Fleischbrocken, die er von den Blauhäutern erhalten hat, liegen ihm doch sehr im Magen. Dabei werden sie von den beiden wieder eingeholt. Paffloir schießt einen Pfeil auf Atlan ab, der mit Racure vergiftet ist. Dem Arkoniden macht das nicht viel aus, was Jolo doch sehr erstaunt, denn bisher hat das Gift noch bei jedem Wesen tödlich gewirkt. Auch Paffloir ist sehr verwirrt. Jaston kommt nicht mehr dazu, sich zu wundern, er bekommt den Pfeil selbst zu kosten.

Paffloir kehrt zu seinem Herrn zurück und erzählt ihm eine Geschichte. Weiter kann er den beiden Flüchtlingen nicht folgen, denn sie haben das Gebiet der Freitümmler erreicht. Und Atlan wird von Jolo zu dessen Anführer Jamoklias gebracht. Die ganze Zeit fragt er sich schon, ob er tatsächlich in einer Hohlwelt ist. Da er sich fast ständig zwischen Bäumen bewegt, kann er keinen Horizont erkennen. Aber die Sonne zumindest steht immer am gleichen Fleck.

Paffloir ist wütend, weil Atlan und Jolo ihn so hereingelegt haben. Deshalb geht er, in seinem Lager angekommen, direkt zu Papa Schwart. Er erzählt ihm, dass Jolo sie in einen bösen Hinterhalt gelockt hat. Von Atlan erzählt er nichts. Er will erreichen, dass Papa Schwart einen Krieg gegen die Nachbarn beginnt. Und es gelingt, der Anführer der blauhäutigen glaubt ihm jedes Wort. Noch mehr, er macht ihn sogar zum Anführer der Horden, die in den Krieg ziehen sollen. Paffloir hat währenddessen mit einigen Bekannten geredet und will neben Atlan, der ihm ja nun ganz alleine gehören würde, auch gleich noch Papa Schwart beseitigen, um selbst der Chef zu werden.

Dazu beseitigt er auch einen der Berater Papa Schwarts, denn dieser kommt ihm auf die Schliche.

Atlan währenddessen wird Jamoklias vorgestellt. Langsam dämmert dem Arkoniden, dass sein Extrasinn doch Recht hatte, als er vor Jolo warnte, denn ihm wird klar, dass er nicht etwa Gast der Freitümmler ist, sondern vielmehr deren Sklave wird. Er darf für sie niedere Arbeiten verrichten, das auch noch unter der Aufsicht von Jolo. Er kann dem Wesen aber nicht böse sein. Anscheinend verfügt der über die Fähigkeit, andere Wesen für sich einzunehmen, indem er sie auf irgendeine Weise beeinflusst.

Und so muss Atlan arbeiten, bis eines Tages die Horden Papa Schwarts angreifen. Er hat von seinen Peinigern einen Holzkragen erhalten, der ihn in seiner Bewegungsfähigkeit doch stark einengt. Trotzdem entschließt er sich, den Freitümmlern zu helfen. Er kämpft gegen die Angreifer. Er kann gerade noch Paffloir daran hindern, Jolo zu töten. Dafür will ihm der den Kragen abnehmen, aber das gefällt Jamoklias gar nicht. Atlan stellt ihm aber in Aussicht, dass er den Anführer der Angreifer gefangen nehmen wird und ihnen damit einen Sieg verschaffen kann. Das gefällt Jamoklias und so schickt er den Arkoniden los, der sich an die Verfolgung von Paffloir macht.

Als er ihn erreicht, ist Paffloir nicht mehr am Leben. Denn er hat eine Begegnung mit Papa Schwart gehabt, der sehr wohl wusste, dass Paffloir gegen ihn arbeitet. Er tötet ihn deswegen mit dem Gift Racure und erklärt ihm dabei genüsslich, wie er ihn hinters Licht geführt hat. Atlan zögert nicht, er nimmt Papa Schwart gefangen und stellt ihm seinen baldigen Tod in Aussicht, wenn der Angriff nicht sofort aufhört. Schwart stimmt sofort zu und zieht sich mit seinen Truppen zurück.

Jamoklias ist damit durchaus zufrieden, aber er will Atlan nicht mehr im Lager haben. Da Atlan ihm einen Gefallen getan hat, verzichtet er auch darauf, ihn an die Sklavenhändler zu verkaufen. Stattdessen jagt er ihn davon und Jolo gleich mit. Atlan hat nichts dagegen und macht Jolo klar, dass er ihn genauso gut beschützen kann, wie die Freitümmler. Gemeinsam verlassen sie das Gebiet der Freitümmler und machen sich auf den Weg zu anderen Teilen der Intrawelt. Atlan wird klar, dass es doch nicht so schnell gehen wird, wie er dachte. Ein Versuch, über den Verbindungstunnel kurz zurück zu gehen und Kythara Bescheid zu geben, dass es noch dauern wird, scheitert daran, dass der Tunnel geschlossen ist. Er muss also weitergehen, ohne Kythara informieren zu können.

Dafür bekam er aber schon einige Informationen von Jolo, der ihm während ihrer gemeinsamen Arbeit einiges über die Entstehung der Intrawelt berichtete. Geschichten und Mythen jedenfalls, die erfahrungsgemäß auch einen Kern Wahrheit enthalten. Demnach gab es einen Schöpfer, der sich selbst erdacht hat, und drei Ableger von ihm, mit denen er sein Wissen teilt. Er hat nicht nur die Intrawelt geschaffen, sondern auch die Völker darin, zumindest lautet so der Mythos. Die Sonne im Zentrum wird immer wieder abgeschaltet während der Nacht, die ein Drittel so lang ist, wie der Tag. Zwischen Tag und Nacht gibt es jeweils noch eine Stunde Dämmerung. So ist quasi der Zustand der Intrawelt. Zum Sternenstaub aber konnte oder wollte Jolo nichts sagen. Gemeinsam mit Jolo macht er sich auf den Weg zu weiteren Abenteuern.

Kritik von Ralf König

Atlan und Kythara werden getrennt und der Arkonide geht allein in die Sphäre. Keine besonders glückliche Entscheidung, wie ich finde. Die Varganin war als wichtiger Chrakter aufgebaut und gehört zur neuen Atlan-Serie dazu. Ohne sie, wird es recht einsam werden. Hoffen wir, dass die neuen Gefährten des Arkoniden mit der Varganin mithalten können und sie nicht komplett aus der Serie verschwindet.

Christian Montillon bleibt es vorbehalten, den ersten Kontakt mit der neuen Welt zu knüpfen. Und er tut dies auf recht muntere Weise.

Zwar sind auch Widersprüche in dem, was er schreibt. So zum Beispiel Anfangs, als Atlan mit dem Wächter zu schachern beginnt, wer denn nun in die Intrawelt darf. Als er schließlich gewonnen hat, macht er aber nicht weiter, obwohl das Wesen offensichtlich ziemlich wankelmütig ist. Sicher wäre ihm bei weiterer Hartnäckigkeit auch gelungen, noch Kythara mitzunehmen. Was der Serie kaum schaden würde.

Atlan wird vollkommen nackt auf die Reise geschickt. Nicht mal seinen Anzug darf er mitnehmen, aber dass es wieder einmal eine verordnete Technikpause geben würde, das war ja bereits seit Band 1 bekannt.

Zwischenzeitlich erfahren wir, dass Atlan angeblich Rippen hat. Wie denn das? Hat sich bei dem Übergang noch mehr in dem Arkoniden verändert, als gedacht?

Als Pfeilgift wird in der Intrawelt Racure verwendet. Naja, etwas kreativer könnte es schon sein. Einfach ein paar Buchstaben beim Curare umgestellt, und schon haben wir ein neues Gift … Als Atlan von dem Pfeil getroffen wird, reagiert er nicht mal. Er zieht ihn raus und das war es dann auch. Ihm wird nicht einmal schlecht. Früher brauchte der Aktivator immer eine Weile, bis er den Körper entgiftete. Auch das hat sich offensichtlich geändert.

Und als er schließlich Sklave bei den Freitümmlern ist, wird ihm von Jamoklias anscheinend eine ungeheuer lange Liste an niederen Arbeiten aufgetragen. Die sich dann allerdings darin erschöpft, dass er den ganzen Tag das gleiche tut.

Die blauhäutigen Wesen scheinen übrigens "Monster, Inc." zu entstammen. Wer den Film gesehen hat, wird wissen, wie man sich die Pholdek vorstellen muss.

Die Welt in der Sphäre wird aber nichtsdestotrotz konsequent und sehr fremdartig geschildert. Die Translatorvögel sind zwar auch nicht sehr originell, sie lassen einen an einen gewissen Roman von Douglas Adams denken, auch wenn es da ein Fisch war. Trotzdem entspannt sich eine interessante Geschichte, die, wenn man die geschilderten Widersprüche abzieht, sehr lesenswert und unterhaltsam geraten ist.

Eine neue Welt wie diese zu beschreiben, ist sicher nicht ganz einfach. Christian Montillon hat das aber gut umgesetzt, was er vom Exposeautor bekommen hat.

Fazit

Der zweite Band der Serie war jedenfalls weitaus besser, als der erste. Als Einstieg in die Intrawelt, war er eigentlich auch besser geeignet, als Hubert Haensels "Überführungsband". Eventuell wäre es besser gewesen, die Überführung in einem Nebensatz abzuhaken und im ersten Band gleich auf dem Mond einzusteigen, von dem aus der Zugang in die Intrawelt möglich ist. Montillons Roman verdient sich jedenfalls ein durchaus gelungen, oder in unserem Ranking auch GUT genannt.

Intrawelt

1. Wächter der Intrawelt
2. Vorstoß in die Intrawelt
3. Der Seelenhorter
4. Gefangen im Himmelsnetz
5. Konvent der Händler
6. Das dritte Gesetz
7. Im Hort der Drieten
8. Die Architekten der Intrawelt
9. Das Symbol der Flamme
10. Wanderstadt Aspoghie
11. Die Kathedrale der Rhoarx
12. Atlan, Bote des Flammenstaubs

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