9. "Im Bann des Dunkelsterns" von Bernhard Kempen

Atlan Dunkelstern 9Mit der Probe der schwarzen Substanz in der Hand, befinden sich die Kampfgefährten nach dem überstandenen Abenteuer wieder an Bord der MORYR. Zusammen mit der AMENSOON verbergen sie sich vor den Lordrichtern und ihren Handlangern und zumindest vorläufig haben sie die Zeit, sich um ihre Probleme zu kümmern.

Dazu gehört auch ein intensives Verhör des einzigen derzeit ansprechbaren ganjasischen Agenten Farangon. Er soll ihnen erzählen, wie er in die Horden Garbyors eingesickert ist und Kontakte zu den beiden anderen Agenten knüpfte. Einer dieser Agenten ist bereits tot, der andere stirbt wenig später an Bord der MORYR, obwohl er sich eigentlich auf dem Weg der Besserung befand. Eine Ursache dafür ist nicht zu erkennen.

Dafür erzählt Farangorn alles über ihre Abenteuer. Wie er sich auf sein erstes Opfer konzentrierte und dabei beinahe von einem viel intensiveren Objekt abgelenkt worden wäre. Aber er schaffte es dann doch, den untergeordneten Dienstgrad in der Waffenkammer des Raumschiffes der Garbyor zu übernehmen. Dessen Kamerad bemerkt etwas und er reagiert ohne zu zögern - er erschießt den Freund. Aber Farangon ist schnell genug, um nun seinerseits den anderen zu übernehmen und sich unauffällig in seinen Geist zu pedotransferieren. Er sammelt ab sofort Informationen.

Und muss erkennen, dass die Soldaten des Gegners einem Hobby frönen, das ihm als Ganjasen mehr als peinlich ist. Sex und immer wieder Sex, so sieht die Entspannung der Soldaten aus. Und das in allen Variationen. Sogar in den Rechnern stolpert er über entsprechendes Material. Er ist entsetzt. Und trotzdem gelingt es ihm, mit den anderen Agenten Kontakt aufzunehmen und immer wichtigere Soldaten der Garbyor zu übernehmen. Schließlich kommt er auch an einen Marquis heran oder besser in ihn hinein. Dieser wird zwar durch ein Netz abgeschirmt, das dereinst von Waringer zur Abwehr von Pedotransferern erfunden wurde und sich offensichtlich über mehrere Galaxien bis zu den Garbyor verbreitet hat. Er schafft das aber nur, weil der Marquis eine Schwäche hat. Eine Frau, in deren Gesellschaft er das Gerät zur Abwehr von Pedotransferern abnimmt. Seine beiden Freunde übernehmen die beiden Adjutanten des Marquis. Absprachen treffen sie bei gemeinsamen Schäferstündchen.

So erfahren sie von den Plänen des Schwertes der Ordnung, mit Hilfe von Umsetzern in die Welt der Varganen vorzudringen. Einen haben sie gefunden - Hinweise zumindest auf eine Station, die den Dunkelstern umkreist. In ANAKSA soll sich ein Umsetzer befinden. Was sich dann auch bestätigt.

Sie erleben auch das Ausbleiben der angeforderten Psi-Materie von der Quelle Murloth mit und immer wieder hören sie von Atlan und den Ereignissen, die aus den vorherigen Romanen schon bekannt sind.

Bis sie schließlich einen Plan schmieden, in dessen Verlauf sie nicht nur schwarze Materie entwenden wollen, sondern auch die Informationen über die Umsetzer zu Atlan bringen wollen.

Was auch soweit gelingt.

Nun ist es also an Atlan, Kythara und den Ganjasen, sich mit der schwarzen Substanz zu befassen und einen Plan zu schmieden. Sie machen sich an die Arbeit. Atlan kommt dabei auch Nereile näher, die ihn über den ehemaligen Ganjo Ovaron ausfragt. Der Arkonide erzählt von ihm ist aber doch recht entsetzt, als er bemerkt, dass sie in seinem Kopf herumtastet. Er bricht daraufhin das Gespräch ab, auch wenn sie Bedauern zeigt.

Währenddessen wird Erzherzog Garbgursha, der ein Experiment mit einem Nullfeldtunnel nicht erfolgreich beenden konnte, zu einem der Lordrichter gerufen. Yagul Maruuh empfängt ich und macht ihm klar, dass er den Arkoniden Atlan endlich fangen muss. Und zwar lebend, damit man dessen Erfahrungen nutzen kann, um mit dem Projekt Umsetzer endlich weiterzukommen. Er hat dazu auch einen Plan, der ziemlich unfehlbar sein soll.

Atlan und Kythara haben auch einen Plan. Sie wollen sich nach Koopar begeben und dort nach dem Umsetzer schauen. Diesen könnten sie dann dafür verwenden, in die ANAKSA-Station überzusetzen, denn grundsätzlich funktioniert so ein Umsetzer wie ein Transmitter mit spezieller Verkleinerungsfunktion. Um dies zu erreichen, machen sie sich mit einer Gruppe der Cappins unter Führung von Offshanor auf den Weg. Die Schwarze Substanz aber lassen sie zurück.

Kaum haben sie die Region um Koopar erreicht, fallen ihnen gewisse parallelen auf. Ein Planet um Zentrum, eine Kugelschale von Sonnen drumherum, das hatten sie schon einmal. Insgesamt neun Supernovae waren die Folge. Langsam tasten sie sich an Koopar heran. Plötzlich passiert es. Wellen greifen nach dem Schiff, wie sie für Hyperstürme nicht untypisch sind, und trotzdem sind sie ganz anders. Was auch immer passiert ist, plötzlich können sie nur noch in einem Radius von weniger als 300 Lichtjahren orten. Kythara hat einen Verdacht. Vermutlich sind sie verkleinert worden. Die Frage ist nun nur, ob das auf ein Experiment vom Planeten Koopar zurückzuführen ist, oder ob es sich um eine Falle für Atlan und seine Freunde handelt.

Was auch immer der Hintergrund ist - zunächst einmal sorgt es für Misstrauen unter den Freuden. Alle schauen Farangon an, der natürlich die nahe liegende Alternative ist. Aber genauso verdächtig ist natürlich Kalarthras mit seiner Schwarzen Substanz im Blut, die ja geortet werden könnte. Oder auch Atlan mit seiner Ritteraura und seinem Zellaktivatorchip. Vielleicht aber ist es auch Gorgh, dessen Selbstvernichtungsimplantat zwar deaktiviert, aber immerhin noch vorhanden ist. Auch dieses könnte geortet werden.

Um einige dieser Vermutungen einzugrenzen schmieden sie einen Plan. Der Kardenmogher soll auf Koopar angesetzt werden. Als Besatzungsmitglieder sind Atlan, Kalarthras und Heroshan Offshanor vorgesehen. Kythara lenkt mit dem Rest der Besatzung die Aufmerksamkeit auf die AMENSOON und ermöglich so, dem Kardenmogher unauffällig zu verschwinden. Tatsächlich schaffen es Atlan und seine zwei Gefährten, drei Tage lang unbehelligt zu bleiben. Dann aber, als sie gerade den Rand des Systems erreicht haben und sich einen Plan überlegen, wie sie nun vorgehen sollen, werden sie plötzlich ohne Vorwarnung attackiert …

Fazit

"Im Bann des Dunkelsterns" stellt den mittlerweile dritten Beitrag Bernhard Kempens zu Atlan dar. Der Roman setzt die Abenteuer um Atlan und Kythara in Dwingeloo fort. Zur Abwechslung sind unsere Helden mal nicht ständig auf der Flucht, sondern schmieden gemeinsame Pläne, wie sie gegen die Lordrichter und den Dunkelstern sowie die Umsetzer vorgehen können.

Allerdings gilt das auch nur bis zum Ende der Geschichte. Als sie in die Falle getappt sind, kommt es wieder zu den üblichen Verfolgungen, was die Vermutung nahe legt, dass es sich bei der Ruhepause um eine vom Gegner gewollte handelt, die dazu da war, Atlan genau das tun zu lassen, was er schließlich auch getan hat. Irgendwie ergreift der Arkonide recht selten selbst die Initiative und wenn er es denn doch tut, dann in einer Form, die dem Gegner in die Hände spielt. Das mag nun am Arkoniden liegen - oder an der Konzeption der Handlung. Ich bilde mir jedoch ein, dass das in der Vergangenheit mal anders war.

Gut lesbar ist die Geschichte von Bernhard Kempen auf jeden Fall. Er schreibt flüssig und sorgt so dafür, dass das Lesen an sich nicht allzu lange aufhält. An der Formulierung merkt man schon, dass es recht schwer ist, den Roman einzuordnen. Einerseits ist er schon ganz gut lesbar, aber dieser Rückgriff in die Vergangenheit, der zu einem guten Teil die Vorgeschichte aus der Sicht der ganjasischen Agenten schildert, hat auch seine Nachteile. Es ist über weite Strecken ein Wiederkäuen von Informationen, die wir bereits kennen beziehungsweise die man sich aus den bisherigen Zusammenhängen zusammenreimen konnte. Eine Bestätigung eher als eine neue Erfahrung.

Das kann ganz reizvoll sein, aber in dem Fall ist es nicht sonderlich gelungen. Amüsant allenfalls noch die Art und Weise, wie die drei Agenten auf die neue Kultur, in der sie spionieren sollen, reagieren. Allerdings schmunzelt man darüber allenfalls am Anfang. Im weiteren Verlauf der Geschichte stört es dann eher ein wenig. Immerhin gibt es endlich mal den berühmten und of geforderten Sex in PR - wobei daran in Geschichten über Atlan auch früher kaum Mangel herrschte.

Bemerkenswert auch der kurze Abschnitt über Kytharas "Gefühle", dass mit ihrer Planung eventuell etwas nicht stimmen könnte und sie deshalb mit einer Falle rechnet. Konsequenz? Keine natürlich, wir fliegen trotzdem rein. Wenn dem so ist, könnte man sich die komplette Episode über ihre "Gefühle" auch sparen, zumal das ja nicht das erste Mal ist. Ziemlich plot driven, das Ganze. (Jenes "plot driven" wird langsam zum Unwort des Jahres ;-)),

Aber letztendlich geht auch dieser Roman zu Ende. Atlan und Kythara sind mal wieder in eine Falle getappt und wir erleben wieder mal einen Cliffhanger, als die Angreifer auf den Kardenmogher zufliegen. Im nächsten Roman von Arndt Ellmer werden wir dann schließlich nach Koopar wirklich vorstoßen. Vielleicht passiert da ja dann mehr.

Nachdem die Romane der letzten Zeit Hoffnung aufkommen ließen, dass endlich mal mehr passieren würde, ist die Geschichte von Bernhard da schon ein kleiner Rückschlag. Es geht wieder nicht recht vorwärts, wir drehen uns wieder einmal im Kreis. Mit dem Ergebnis, dass wir wieder in einer Situation festsitzen, die uns nur allzu vertraut vorkommt. Nur der Ort ist mal wieder ein anderer.

Der Roman von Kempen ist zwar nett zu lesen, aber irgendwie zu brav. Teilweise ist er sehr gut geschrieben, die Figuren sind auch schön charakterisiert, obwohl in den letzten Beiträgen von Buchholz und Schäfer mehr Atlan-Feeling aufkam. Alles in allem ist die Geschichte aber NICHT ÜBEL. Sie fällt zumindest nicht allzu unangenehm auf.

Der Dunkelstern

1. Das Ewige Leben der Garbyor
2. Der letzte Kampf der Erysgan
3. Im Zeichen des Bösen
4. Kontakt auf Alarna
5. AMENSOON in Not
6. Die Varganen von Cramar
7. Angriff der Togronen
8. Fluchtpunkt Craddyn
9. Im Bann des Dunkelsterns
10. Vorstoß nach Kopaar
11. Chaos im Miniaturuniversum
12. Endstation Anaksa

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