4. "Kontakt auf Alarna" von Joachim Stahl

Atlan Dunkelstern 4Dunkle Materie, die vom Dunkelstern kommt, breitet sich aus, befällt Sonnen. Nur eine nicht. Sie liegt fast im Zentrum einer Kugelschale von Sonnen, die Materie sorgt außerdem für Störungen im Raum-Zeit-Gefüge.

Mit der Sonne muß also etwas besonders wichtiges sein und so entschließen sich Atlan und Kythara, da vorbeizufliegen und nachzuschauen. Das klappt aber nicht so ganz, es gibt Störungen beim Überraumflug. Als sie das System erreichen, stellt sich heraus, daß der Wissenschaftler so einige Verbesserungen an den Systemen vorgenommen hat, die aber nun irgendwie nach hinten losgehen. Zerknirscht macht er die Updates rückgängig.

Eine erste Orientierung ergibt, daß das System über Planeten verfügt und einer davon kann Leben tragen. Und obwohl doch die Sonne wichtig war, rückt nun der Planet ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Sie fliegen hin. Oder besser, sie versuchen es. Das klappt aber auch nicht so ganz, und plötzlich sind sie wieder am Rande des Systems.

Ein Arkonide gibt aber nicht so schnell auf und eine Vaganin schon gar nicht. Also versuchen sie es erneut und werden dabei fast umgebracht. Aber eben nur fast und weil sie vertrauen darin haben, daß, wer auch immer sie hier dauernd abweisen will, sie wohl nicht töten will, fliegen sie einfach ein drittes Mal los. Diesmal ist es richtig schlimm. Aber sie kommen durch und stehen plötzlich über dem Planeten.

Auch eine Landung gelingt. Sie suchen sich einen Platz in der Nähe eines Dorfes, in dem scheinbar primitive Bewohner zu finden sind. Sie entschließen sich daher, an die fünf Kilometer vom Dorf entfernt zu landen, um die Einwohner nicht zu sehr zu verstören. Was das ändern soll, weiß allerdings vermutlich nicht mal der Wissenschaftler. Um das Dorf zu erreichen, benutzen sie ihre eigenen Füße. Anscheinend funktioniert die Technik mal wieder nicht oder einfach nur das Denkvermögen der Protagonisten, denn etwas später funktioniert die Technik dann doch noch. Es tritt wieder das gleiche Phänomen auf, ein Phänomen, das sie von dem Dorf fernzuhalten versucht, ohne sie ernsthaft zu verletzen. Beim zweiten Versuch erreichen sie das Dorf schließlich und reden mit einem der Eingeborenen. Zur Begrüßung würde Atlan gerne etwas trinken, was er am Fluß denn auch tun darf. Kythara nimmt ein Fußbad, bis der Arkonide so weit ist.

Erst dann reden sie mit den Fremden, die sich als Vargiden entpuppen. Sie stammen von den Varganen ab, sind aber auf ihre Vorväter nicht sehr gut zu sprechen, denn diese haben beim aussähen ihrer Gene einiges verändert und so sind die Einwohner zwangsläufig sehr friedlich, ob sie wollen, oder nicht. Sie wissen durchaus um die Bedrohung, aber sie können sich ihr erwehren, nur durch die Kraft ihres Geistes. Und sie wollen weder Atlan noch den Vaganen helfen. Damit kehrt der freundliche Vargide ihnen die kalte Schulter zu.

Kythara versteht ihn sehr gut und fällt auf die Knie, eine umfangreiche Entschuldigung abliefernd. Der Vargide scheint beeindruckt, lässt sie aber ziehen. Erst als sie die AMENSOON erreichen, taucht er wieder auf. Atlan ist schon aufgefallen, daß die Körper der Vargiden makellos aussehen. Aber sein Extrasinn will ihm nicht verraten, woher das kommt, obwohl er es sehr wohl durchschaut. Der Vargide jedenfalls will ihnen nun doch helfen und Atlan wird klar, daß die Entschuldigung der Varganin einer gewissen eiskalten Berechnung entsprach. Er mischt sich ein und bietet an, daß die Vargiden wenigstens eine Gegenleistung enthalten. Kythara ist damit einverstanden, obwohl sie zunächst nicht sehr beglückt ist.

Sie gehen wieder in das Dorf, wo dem Arkoniden endlich klar wird, daß sie es eigentlich mit körperlosen Wesen zu tun haben, die die Körper nur projizieren und auch das Dorf wohl aus ähnlichen Gründen besteht. Sie betreten die Ruinen der Rhoarxi, von denen es auch auf dieser Welt welche gibt. Dort wird ein Datenträger mit dem Wissen der Vargiden gefüllt, während sie ihrerseits Informationen an die Vargiden weitergeben, die die Wesen vielleicht nicht von ihrer Welt aus gewinnen können. Und damit verlassen sie endlich Alarna wieder.

Nur um mit dem Schiff sofort wieder in eine Falle getrieben zu werden. Auch im Hyperraum können sie den Gegner nicht abschütteln und auch nicht in eine andere Richtung entschwinden. Mit dem Ergebnis, daß die AMENSOON (wieder einmal) beschädigt wird und notlanden muß. Auf dem Planeten Sothin wollen sie das Schiff reparieren. Und dabei waren sie, wie versprochen, auf dem Weg zu einem Rendezvous mit der MORYR der Cappins, um dort Informationen zu sammeln. Nur mit Glück konnten sie der Vernichtung entkommen. Und irgendwie haben sie das Gefühl, daß das Schlimmste noch kommen sollte ...

Fazit

Ein neuer Autor betritt mit diesem Roman die Bühne der neuen Atlan-Serie. Joachim Stahl ist ein Schwabe, wie die Vorstellung auf der Leserseite verrät. Er arbeitet für den Ehapa-Verlag und kümmert sich sonst um Micky Maus und Donald Duck. Beide sind mir zwar bekannt, gehören aber nicht zu meiner ständig gewählten Literatur, insofern kann ich darüber auch wenig sagen.

Im vierten Band des Dunkelstern ortet die Besatzung der AMENSOON eine Sonne, die offensichtlich von den herumgeschleuderten Auswürfen des Dunkelsterns verschont bleibt. Während viele sonstige Sonnen ebenfalls von der schwarzen Materie befallen scheinen, gibt es eine, die von diesen Auswürfen frei bleibt. Und diese Sonne wollen unsere Freunde unbedingt erreichen. Als sie im System dieser Sonne angekommen sind, ist aber der Planet scheinbar viel interessanter. Nur dass sie nicht herankommen. Beim ersten Mal werden sie einfach wieder hinausgeworfen, der zweite und dritte Versuch ist da schon schmerzhafter. Letztendlich erreichen sie aber den Planeten. Sie können sogar landen, aber das Dorf mit den Eingeborenen zu erreichen, erweist sich als ähnlich schwierig. Doch auch das schaffen sie dann, nachdem schon über die Hälfte des Romanes hinter uns liegt.

Die Einwohner des Planeten stammen von den Varganen ab und nennen sich Vargiden. Sie entstammen genau genommen den ausgestreuten Altivierungskapseln der Varganen. Sie wollten Atlan und Kythara fernhalten, weil sie die Varganen nicht mögen und dafür haben sie auch einen handfesten Grund: Ihre Erzeuger haben durch genetische Manipulationen dafür gesorgt, dass sie friedlich sein müssen. Und das gefällt ihnen nicht, was Kalarthras gar nicht verstehen kann, denn dadurch haben sie einen Frieden erhalten, den die Varganen so niemals hatten.

Aber natürlich haben sie auch ihre Freiheit in einem bestimmten Umfang verloren. Und da ist es schon verständlich, dass sie allergisch auf ihre Vorfahren reagieren. Sogar Kythara kann das verstehen und will deshalb auch den Planeten wieder verlassen, ohne Hilfe von den Vargiden zu erhalten. Sie bittet um Verzeihung und dann verlassen sie die Vargiden. Allerdings wartet der Vargide, mit dem sie geredet haben, bereits im Schiff auf sie und will ihnen nun doch helfen. Atlan bietet ihnen dafür sogar eine Gegenleistung an, was Kythara nicht zu gefallen scheint. Skrupellos und berechnend hat sie mit ihrer Entschuldigung versucht, die Vargiden doch zu überzeugen, was ihr auch gelungen ist. Aber Atlans Vorgehen ist nicht weiter schlimm, denn die Vargiden wollen nur Informationen - obwohl sie angeblich alles im Griff haben. Trotzdem wollen sie die Informationen von außen und dafür geben sie auch das Wissen an Atlan und Kythara weiter, das sie mit ihren besonderen Fähigkeiten gesammelt haben.

Bei der Übergabe entpuppen sie sich dann sogar noch als Geisteswesen, der Extrasinn des Arkoniden will Atlan seine Erkenntnisse nicht mitteilen und fordert ihn auf, doch selber drüber nachzudenken. Schöner Extrasinn, der seine Erkenntnisse mit seinem Herrn und Meister nicht teilen will.

Am Ende sind Atlan und Kythara eigentlich nicht sonderlich viel weitergekommen. Sie werden nach wie vor von den Garbyor gejagt - über die es auch eine Nebenhandlung gibt. Und als sie eingekreist sind, wird auch der Sinn der Nebenhandlung klar. Ein Zaquoor, der seinen Zeuger nicht mag und sich deshalb gegen ihn stellt ist vorläufig ihre Rettung. Dafür geht es dem Schiff aber gar nicht mehr so gut und nach der Schlacht müssen sie auf einem Planeten notlanden, wo sie sich wieder herzustellen hoffen.

Joachim Stahl bringt es mit dem letzten Satz auf den Punkt. "Es hat erst angefangen. Das Schlimmste kommt noch", lässt er Atlan sagen. Natürlich meint er damit die Situation, in der sich die beiden befinden, aber irgendwie passt es auch auf den Zyklus. Nach bereits vier von zwölf Romanen stehen wir immer noch am Anfang, viel passiert ist nicht und es steht in der Tat zu befürchten, dass das Schlimmste erst noch kommen wird. Der Roman von Joachim Stahl war nicht besonders schlecht, wenn man ihn mit seinen Vorgängern vergleicht, aber auch absolut nicht herausragend. Über weite Strecken war er sogar recht zäh. Dass Atlan und Kythara sich unbedingt dem Planeten nähern wollen, mag noch angehen. Dass sie zurückgewiesen werden, aber trotzdem stur bleiben, kann man sogar noch verstehen. Aber das Stilmittel gleich zweimal anzuwenden - für den Anflug und die Annäherung an das Dorf - war denn doch etwas zu viel. Dadurch wurde die Annäherung an den Planeten recht gestreckt und der Kampf mit den Garbyor zum Schluss kam beinahe zu kurz. Nicht dass er besonders erwähnenswert gewesen wäre, denn etwas anderes als bei den anderen Kämpfen passiert eigentlich auch nicht. Insofern ist das Ergebnis nach vier von zwölf Romanen nicht sehr befriedigend und lässt einen auch nicht mit großer Spannung auf den nächsten Roman blicken. Von einem "es geht jetzt los" ist jedenfalls nicht sehr viel zu bemerken. Wann geht es denn nun wirklich los - ist man versucht zu fragen.

Solide Unterhaltung wird uns geboten, nicht spektakulär, nicht außergewöhnlich und eigentlich auch nicht sonderlich aufregend. Das ist nicht das absolute Abenteuer, das Atlan sonst verspricht. Langsam sollte es wirklich endlich losgehen. Die Leistung des neuen war aber insgesamt nicht schlecht, so dass, mit einem Bonus für den ersten Roman, ein NICHT ÜBEL für den Roman noch herausspringt.

Der Dunkelstern

1. Das Ewige Leben der Garbyor
2. Der letzte Kampf der Erysgan
3. Im Zeichen des Bösen
4. Kontakt auf Alarna
5. AMENSOON in Not
6. Die Varganen von Cramar
7. Angriff der Togronen
8. Fluchtpunkt Craddyn
9. Im Bann des Dunkelsterns
10. Vorstoß nach Kopaar
11. Chaos im Miniaturuniversum
12. Endstation Anaksa

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