1. "Das Ewige Leben der Garbyor" von Hans Kneifel
Allerdings nehmen sie nicht den direkten Weg, sondern einen Umweg. Über Vassantor wollen sie sich dem Dunkelstern nähern und dort den ehemaligen Geliebten der goldhäutigen Kythara abholen, der dort seit undenklichen Zeiten im Tiefschlaf liegt. Dem Arkoniden ist die versunkene Welt Vassantor noch in durchaus unangenehmer Erinnerung, er würde am liebsten gar nicht hinfliegen. Und die unangenehmen Erinnerungen sind nicht der einzige Grund dafür, wie ihm der Extrasinn hämisch vorhält. Denn der uralte Arkonide ist offensichtlich in die noch wesentlich ältere Kythara verschossen. Da ist ein verflossener Rivale natürlich nicht unbedingt geeignet, die Stimmung des ehemaligen Kristallprinzen und Imperators zu heben. Da es aber immerhin lange drei Tage bis nach Vassantor sind, machen sich die Besatzungsmitglieder der AMENSOON und ihre dienstbaren Geister, die Wartungsroboter, über den arg in Mitleidenschaft gezogenen Kardenmogher her, um ihn in einen gebrauchsfähigen Zustand zurückzuversetzen. Und weil das einige Zeit dauert, blenden wir erst einmal um zu den Zaqoor. Das sind Elitesoldaten, die in Lohn und Brot bei den Lordrichtern stehen. Wobei - Lohn und Brot sind eigentlich die falschen Attribute. Eigentlich sollte man eher von Trodar reden. Das ist wohl so eine Art von Paradies für die Herren Zaqoor, das sie im Leben wie im Tode zu erlangen versuchen. Und ihr absolut Bester ist ein gewisser Gratnar. Ein wahrer Held, dem nichts anderes wichtig ist als Trodar - selbst in einem Manöver, bei dem die Fähigkeiten der Elitekämpfer lediglich getestet werden, geht es nicht ohne Todesopfer ab. Wer das Ziel Trodar vergisst oder verrät, der ist im wahrsten Sinne des Wortes am Ende - sein Implantat erinnert ihn mit schmerzhafter Explosion an seine verletzten Pflichten. Aber auch der Marquis Gratnar hat eine Schwäche, wenn auch nur eine kleine. Und zwar die ebenmäßige, nahezu perfekte Gestalt der schönen Scanibi. Und so entspannt sich der große Gratnar bei zweifelhaftem Tun mit seiner Freundin. Natürlich ist die Beziehung zu seiner Freundin nicht sein wahres Problem. Das aber wird ihm anfangs nicht einmal bewußt, denn die Übernahme durch den Cappin, der sich in seinen Körper unauffällig hinein pedotransferiert hat, bekommt der Zaqoor gar nicht mit. Dafür bekommt der Cappin hochbrisante Geheiminformationen mit, die er gleich abspeichert und an Kollegen weiterleitet. Dazu versetzt er sich sogar kurzfristig in seinen Körper zurück. Als er wieder in Gratnar angekommen ist, kommt der gerade zu sich und wundert sich sehr über die abgespeicherte Geheimnachricht. Solches ist nämlich strengstens verboten und er würde das natürlich auch niemals tun, denn die Folgen sind äußerst unerfreulich. Der ankommende Cappin muß erkennen, daß der verstörte Gratnar durchaus nicht unrecht hat, stürmen doch nur Sekundenbruchteile später bewaffnete Truppen in den Raum und mähen den überraschten mit den zwei Seelen nieder - und alle beide Seelen gleich mit. Für den Cappin ist das genauso das Ende, wie wenige Tage zuvor für einen Kollegen, der Atlan und Kythara aushalf (in Band 10 des Lordrichter-Zyklus: Flucht nach Varxodon von Arndt Ellmer - so erfahren wir wenigstens das Schicksal des damals erschossenen). Atlan und Kythara haben zwischenzeitlich auch ihr Ziel erreicht und zieren sich erst noch. Zumindest der Arkonide will lieber nicht so direkt hinfliegen, denn er wittert in jeder kleinsten Sonne eine Falle der Lordrichter und ihrer Truppen - nicht ganz zu unrecht, denn die Horden unter Erzherzog Garbfandogh haben bereits eine Falle aufgebaut. Aber davon wissen die Abenteurer um Atlan noch nichts. Sie ahnen es allenfalls. Kythara ist unternehmungslustig, überlegt es sich aber im letzten Augenblick anders und wird doch wieder vorsichtig. Nach einigem hin und her, nähern sie sich der Welt an und landen die AMENSOON in der Hoffnung, unbemerkt zu bleiben. Aber die Gegner sind schon in der Station und nachdem Atlan und Kythara mit fünf Robotern in die Station eingedrungen sind, kann Gorgh auch ein getarntes Schiff orten. Sie müssen sich beeilen. Der Vargane ist schnell geweckt, aber alles weitere ist weniger einfach. Die Angreifer schlagen zu und Atlan und Kythara sitzen plötzlich in der Falle. Sie fliehen aus der Krypta, in der der Schläfer lag, der langsam erwacht und gar nicht varganisch aussieht - bleiche Haut, schwarze Augäpfel ohne Pupillen oder Iris, kein goldenes Haar - und verschanzen sich in Räumlichkeiten, die nur die Varganin zu kennen scheint. Von dort aus greifen sie auf den Rechner der Station zu und ärgern die Angreifer. Sie dezimieren die Elitetruppen des Erzherzogs und kämpfen sich dann wieder in die Krypta durch. Dort nehmen sie den Sarkophag mitsamt dem langsam Erwachenden mit und fliehen. Atlan deckt den Rückzug und beschäftigt die Eliteeinheiten lange genug, um der Varganin und ihrer Beute einen Vorsprung zu verschaffen. Der Rest ist Kampf und Flucht. Sie erreichen das Boot gerade so und versuchen, den Planeten zu verlassen. Das erweist sich als schwierig, denn zusätzlich zu den Kampftruppen, tauchen nun viele Raumschiffe auf, die alles daransetzen, die AMENSOON zu vernichten. Auch der Kardenmogher, der soweit wieder hergestellt scheint, allerdings noch so seine Macken hat, kann nicht wirklich helfen. Dafür aber ein überraschend auftauchendes Raumschiff, das den Arkoniden sehr an einen Pedopeiler erinnert. Eifärmige Raumschiffe sind auch dabei. Da werden doch nicht plötzlich die Cappins auftauchen? Auf jeden Fall vernichten sie den Gegner und übermitteln auch Koordinaten, an denen sie sich mit Atlan und Kythara treffen wollen. Die beiden nutzen die Zeit, um sich nach dem Einsatz erst einmal zu reinigen und dann nach Kalarthras zu schauen. Der Vargane hat immer noch keine goldenen Haare, seine Haut ist alabasterweiß und die Augäpfel pechschwarz. Kythara kann sich das nicht erklären, bestätigt aber daß der Vargane genau so alt ist, wie sie. Und damit weit über 800.000 Jahre alt. Bevor sie den Varganen ansprechen können, müssen sie ihn aber erst einmal wach bekommen. FazitDie Nummer 1 trägt dieser Roman zwar schon - zumindest in dem Zyklustitel. Aber eine wirkliche Nummer 1 ist er nicht, setzt er doch einfach die Geschichte fort, die im Lordrichterzyklus nicht zu Ende erzählt wurde. Und sie bleiben sich anscheinend treu - wieder geht es nicht direkt zum Ziel, nämlich dem Dunkelstern, sondern erst einmal zurück zur versunkenen Welt Vassantor. Was sie dort wollen, ist klar, der Zweck der Unternehmung allerdings weit weniger. Sie holen Kalarthras hauptsächlich deshalb, weil die Varganin einmal etwas mit ihm hatte. Was aber will Kythara von ihrem Ex? Vermutlich seine Kenntnisse über die Quelle nutzen, deren Energien zum Dunkelstern abgestrahlt wurden. Nachdem Kythara aber den Kardenmogher hat und eigentlich alles daransetzen sollte, schnellstmöglich in den Dunkelstern zu kommen, mutet der Umweg doch etwas merkwürdig an. Überflüssig, möchte man sagen, das wäre aber für einen ersten Band eines neuen Zyklus denn doch etwas zu viel. Ein Spam-Roman, wie man modernerweise heute sagt, zum Auftakt? Für eine Nummer 1? Das wäre doch etwas dünn. Glücklicherweise tröstet Hans Kneifel darüber hinweg - mit einer Geschichte, die ansprechend erzählt ist und über weite Strecken Spaß macht. Atlan ist sein Element, das merkt man deutlich. Bei kaum einem anderen Autor wirkt der Arkonide glaubwürdiger, der Extrasinn unverschämter und auch das Verhältnis mit der uralten Kythara wird ausgesprochen unterhaltsam präsentiert. Die Actionszenen sind gekonnt in Szene gesetzt und auch durchaus unterhaltsam. Da kann man über so manche Schwäche doch hinwegsehen - und einfach nur hoffen, daß die Kollegen in der Redaktion recht schnell merken, ob diese Form, eine neue Serie zu vermarkten, wirklich ankommt oder nicht. Gefällig ist es jedenfalls nicht, wenn man angeblich vollkommen Neues präsentiert bekommt - und dann plötzlich feststellen muß, daß man irgendwie doch die Vorgeschichte verpasst hat. Für Neuleser ist das mühsam und ärgerlich noch dazu. Auch wenn es vielleicht dazu dienen mag, die nächste Buchausgabe crossmedial zu vermarkten. Nicht jeder macht solches aber einfach so mit. Zu wünschen wäre es Atlan jedenfalls, wenn man sich wieder auf den Wahlspruch der alten Serie besinnen würde: Das absolute Abenteuer. Derzeit ist das nichts weiter als eine Erinnerung an eine glorreiche Vergangenheit... Trotzdem erhält der Roman aber ein GUT. |
Der Dunkelstern
1. Das Ewige Leben der Garbyor |

Das Abenteuer um die Quelle Murloth ist heil überstanden, die Helden können zu neuen Abenteuern aufbrechen. Nachdem die Quelle vernichtet ist, sind die Lordrichter schwer angeschlagen. Aber besiegt sind sie noch lange nicht. Das ist auch Atlan und Kythara durchaus klar. Und so machen sie sich auf, um das Ziel der Energien der Quelle anzufliegen, nämlich den Dunkelstern.