11. "Mond der Visionen" von Hans Kneifel

Atlan Lordrichter 11Nach dem Fehlschlag auf der Hauptwelt der Varganen, VARXODON, fehlt Atlan und seinen beiden Begleitern in ihrem Kardenmogher immer noch der Hegnudger, ohne den das kleine Raumgefährt der Varganen offensichtlich kaum funktionsfähig ist. Deshalb gibt es nur noch eine Möglichkeit - nämlich der Ausflug nach Vassanthor, ebenfalls einer versunkenen Welt, die Atlan von früher her kennt. In Flashbacks erinnert er sich an seine Zeit mit dem Seher Vrentizianex, dessen kristallenen Augen, die er als Strafe eingesetzt bekommen hat, ihm immer noch gegenwärtig sind.

Vrentizianex wurde auch als der Kyriliane-Seher bezeichnet. Seine Augen verliehen ihm die Macht, fast überall hin zu blicken und so Dinge zu sehen, die verborgen bleiben sollten. Vrentizianex aber brach das "Große Tabu". Dem Arkoniden Atlan ist nicht bekannt, was genau der Seher verbrochen hatte. Aber die Strafe der Varganen war fürchterlich. Er bekam statt seiner Augen Kristalle eingesetzt. Seine echten Augen wurden in einem Baum versteckt, dem Baum der Erinnerungen auf Zercascholpek.

Vrentizianex selbst sollte tausend Tode sterben. Da er als Vargane ebenfalls unsterblich war, wurde er ausgestoßen und verbannt, als die meisten Varganen in den Mirkokosmos zurückkehrten.

Das war achthundertausend Jahre vor der terranischen Zeitrechnung.

Vrentizianex wurde gefoltert, indem er immer wieder die eigenen Erinnerungen durchleben musste. Dies trieb ihn in den Wahnsinn und schließlich in den Tod.

Atlan wird von Erinnerungen in Visionen geplagt, aber er kann dem Sprechzwang entgehen, indem er von sich aus einige Informationen mit Kythara austauscht, die ihrerseits sehr genau über die Episode Bescheid zu wissen scheint.

Als der Mond schließlich erreicht wird, können die Anlagen von Kythara in Betrieb genommen werden. Der Rechner scheint widerspruchslos gehorchen zu wollen. Atlan macht sich auf den Weg ins Innere des Mondes, um den Hegnudger abzuholen.

Aber das erweist sich als schwierig, denn die Station ist doch nicht so ganz auf seiner Seite. Er erlebt neuerliche Visionen, setzt sich aber schließlich damit durch, dass er sich von Kythara als Berechtigter gegenüber der Station bestätigen lässt. Gehorsam händigt der Rechner den Hednudger an Atlan aus und lässt ihn durch einen Transmitter treten, der ihn zurück zum Schiff bringen soll.

Dies passiert aber nicht. Atlan landet in einem anderen Bereich der Station. Er hat den Verdacht, dass auch Kythara schon auf diesem Planeten war, ein Verdacht, der offensichtlich auch nicht ganz falsch ist. Denn Kyhtara selbst denkt ebenfalls über ihre Vergangenheit auf dem Planeten nach, sie hatte wohl auch einen Lebensgefährten auf diesem Planeten, dessen gedankliche Ausstrahlungen sie empfangen kann. Seelenwanderung, wie sie auch Magantilliken beherrschte, könnte dafür der Grund sein.

Atlan steht einer Bedrohung gegenüber, der er sich gar nicht bewusst ist. Der Seher Vrentizianex erscheint ihm und führt ihn zu einer Frau, die ihm sehr gut bekannt ist. Er steht Ischtar gegenüber und ist fasziniert von der Frau, mit der zusammen er sogar einen Sohn hatte. Sie bittet ihn zu einem Gastmahl, aber der Arkonide hat Probleme, sich zu konzentrieren und so wird es schwierig, denn Nahrungsaufnahme im Raumanzug funktioniert nun mal kaum.

Kythara stellt unterdessen fest, dass Atlan in Gefahr ist. Der Rechner der Station behauptet, die Ausstrahlungen von Vrentizianex zu empfangen und gerade dabei zu sein, den unerwarteten Gegner mit einer Visionsmaschine zu vernichten. Der Gegner ist Atlan, wie Kythara schnell klar wird, und sie lässt sich zu ihrem Begleiter bringen. Der Arkonide ist unterdessen so weit, zu glauben, dass Ischtar tatsächlich anwesend ist und befiehlt seinem Raumanzug, sich zu öffnen.

Sauerstoff entweicht. Atlan bekommt keine Luft mehr und kann sich kaum noch auf den Befehl konzentrieren, mit dem der Anzug wieder geschlossen wird. Er stürzt zu Boden ... ... und direkt in die Arme von Kythara, die im rechten Augenblick hinter ihm steht. Sie schließt ihn in einer Blase ein, lässt Sauerstoff einströmen aus ihrem eigenen Anzug. Und schafft es auf diese Weise, den Arkoniden im wahrhaft letzten Augenblick zu retten. Sein Anzug schließt sich wieder, als sie ihm den Befehl dazu gibt. Gegenüber dem Rechner der Station bezeichnet sie den Arkoniden als tot und da dessen Funktionen kaum noch anmessbar sind, glaubt die Station alles und lässt sie mit dem vermeintlich hingerichtete ziehen.

Aber Atlan ist natürlich nicht tot. Im Kardenmogher kommt er langsam wieder zu sich, nur um sofort wieder bewusstlos zu werden und in einem merkwürdigen Dialog mitzuerleben, wie der Extrasinn mit der Varganin diskutiert. Er denkt lange über die Ereignisse nach. Die scheinbare Begegnung mit der Varganin Ischtar hat ihn sehr bewegt.

Fazit

Es passiert zwar nicht viel in dem Roman und das, was passiert, ist reichlich vorhersehbar. Dass wir den Hegnudger dringend brauchen, das wussten wir ja schon vorher. Und dass wir den in diesem Roman wohl finden werden, war eigentlich auch so weit klar. Aber was Hans Kneifel daraus gemacht hat, war durchaus lesenswert.

Die Geschichten aus der Vergangenheit waren interessant aufbereitet und vor allem der Kampf des Arkoniden gegen die Visionsmaschine der Varganen spannend geschildert. Auch die Gefühlswelt der Varganin und das Verhältnis zwischen den beiden war sehr gut geschildert.

Insgesamt ist der Roman von Hans Kneifel einer der bessern in dem Zyklus und erhält somit ein klares GUT.

Einzig störend war für mich das immer noch verwendete Motiv einer nur mangelhaft funktionierenden Anlage, die noch das eine oder andere Teil zum funktionieren braucht. Hoffentlich können wir im Abschlußband des Zyklus wenigstens noch so etwas wie einen Fortschritt erkennen.

Die Lordrichter

1. Kytharas Erbe
2. Gefangen im PSI-Sturm
3. Die fünf herrlichen Städte
4. Murloths Berg
5. Aufruhr auf Narukku
6. Kampf um Maran'Thor
7. Der Zorn des Erzherzogs
8. Azaretes Weg
9. Der Turm des Denmogh
10. Flucht nach Varxodon
11. Mond der Visionen
12. Angriff der Lordrichter

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