7. "Der Zorn des Erzherzogs" von Christian Montillon

Atlan Lordrichter 7Die Gefahr für die beiden Unsterblichen ist noch nicht gebannt. Kythara scheint sich wieder vollständig erholt zu haben und auch der Arkonide sollte eigentlich in Form sein, aber beide fühlen sich wie zerschlagen.

Die Untersuchung der Box, die sie gefunden haben, hat nichts ergeben. Vorläufig kümmern sie sich also um das Fortkommen von dieser Welt. Das erweist sich als schwierig. Vorübergehend können sie sich in einer verlassenen Stadt in einem Gebirgstal verstecken. Aber dann machen sie sich zum Raumhafen auf. Ihr Ziel ist eine der Stationen, die die Welt Maran'Thor umkreisen.

K'orhan-7muss inzwischen erkennen, dass ihnen die beiden ein unangenehmes Geschenk hinterlassen haben. Nachdem der Rechner der Station letztendlich doch die Berechtigung der Varganin anerkannte, speiste die Varganin Programme in den Rechner ein, die nun dafür sorgen, dass es in der Station zu Problemen kommt. Die Produktion von Robotern leidet darunter. Und K'orhan-7 muss erst einmal die Lüge von der Wahrheit trennen. Er kann die Saboteure nicht identifizieren, aber dass der schnell präsentierte Insektoide wohl kaum der Sündenbock sein kann, wird ihm sofort klar. Er erstattet dem Erzherzog Bericht.

Garbhunar hat aber noch ein anderes Problem. Er muss den Kommandanten loswerden. Torghunar ist ihm immer noch im Weg, und dass er die Flüchtlinge noch immer nicht gefangen setzen konnte, ist ein willkommener Grund, eine Änderung durchzuführen. Plötzlich sieht sich K'orhan-7 in einer ungewohnten Rolle. Er wird nämlich zum Kommandanten ernannt und wohnt dann der Hinrichtung bei, die Torghunar für sein Versagen bestraft. Garbhunar selbst ist durchaus klar, dass sein eigenes Verschulden bei der Flucht der Varganin, als sie von dem Arkoniden befreit wurde, eher ihm an zulasten ist. Aber falls wirklich einer der Lordrichter erscheinen sollte, würde es sich sicher besser machen, einen Sündenbock zu haben.

K-orhan-7 lernt Gorgh-12 kennen, der Kommandant der Wissenschaftler auf den Orbitalstationen ist. Sie machen dort zwar Fortschritte, aber nicht in einem Ausmaß, wie es Garbhunar gerne sehen würde. Aber die Hyperstaub-Produktion scheint in der Tat anzulaufen. Zusammen mit K'orhan-7 entwickelt der Chefwissenschaftler eine Strategie, um die Orbitalstationen zu verteidigen. Dazu wollen sie den Raumhafen abriegeln und verhindern, dass die beiden Gejagten den Planeten verlassen können.

Diese sind inzwischen aber bereits auf dem Raumhafen angekommen. Sie haben sich auch schon ein Raumschiff ausgesucht. Das hilft aber nicht weiter, denn sie können nicht ins Innere. Jemand müsste die Schleuse für sie öffnen. So lange das nicht passiert, können sie nicht unauffällig eindringen, um das Schiff zu erobern.

K'orhan-7 und Gorgh-12 betreten inzwischen den Raumhafen. Der neue Kommandant will gleichzeitig die Wachsamkeit seiner Soldaten testen.

Offensichtlich ist der Test aber unwirksam, denn die beiden Eindringlinge schaffen es, in das Shuttle zu kommen. Zusammen mit keinem geringeren als Gorgh-12 reisen sie zu den Orbitalstationen.

Auf dem Weg dorthin übernehmen sie das Schiff. Gorgh-12 leistet keine Gegenwehr, aber die zwei Soldaten an Bord müssen überwältigt werden. Und der Pilot erweist sich ebenfalls als renitent, aber er befolgt zumindest die Anweisungen. Er bestreitet, dass sich weitere Personen an Bord befinden. Kythara scheint ihm aber nicht zu glauben.

Atlan nimmt Gorgh-12 mit in einen anderen Raum, um ihn dort zu verhören. Der Chefwissenschaftler erweist sich als kooperativ. Nicht nur das, er wechselt sogar die Seiten, weil er mit der Situation ohnehin nicht zufrieden ist. Zudem ist er noch in der glücklichen Situation, dass er keinen Sprengkörper in sich trägt weil die Hyperkristalle in den Ringen das nicht vertragen. Atlan und Gorgh-12 ahnen nicht, dass sie einen Lauscher haben. Der Daorghor ist etwas aus der Art geschlagen und ein richtiger Jäger, der von Torghunar zum Schutz des Chefwissenschaftlers abgestellt wurde. Außer dem inzwischen toten Kommandanten der Station, weiß niemand von diesem speziellen Leibwächter. Er will die beiden Eindringlinge überwältigen, aber er überlegt es sich anders. Er will eigentlich auch den Würfel haben, den Atlan bei sich hat.

Anstatt die Ringe zu inspizieren, fliegen sie nun zu den Orbitalstationen. Plötzlich wird Befehl gegeben, dass alle Schiffe auf den Planeten zurück müssen. Auch ihr Shuttle ist davon betroffen. Ein Schiff materialisiert im System, ein rotes Schiff, das wie ein Seestern aussieht. Es ist ein Schiff der geheimnisvollen Lordrichter …

Der Würfel in Atlans Tasche reagiert auf das Erscheinen des Schiffes und wird heiß. Ob das nun an der Ankunft des Lordrichters liegt, oder andere Ursachen hat, ist unklar.

Atlan und Kythara müssen zunächst im Orbit bleiben, weil keine Schiffsbewegungen mehr stattfinden dürfen. Trotzdem wollen die beiden erneut in die Anlagen der Varganen eindringen. Sie beabsichtigen, Garbhunar zu besuchen und Informationen zu erlangen. Informationen über die Lordrichter.

Gorgh-12 hat dazu eine Idee. Es gibt einen Transmitter direkt unter den Quartieren, die der Erzherzog bezogen hat. Und er kann die beiden dorthin bringen. Zuvor aber wollen sie den Erzherzog entführen.

Garbhunar erschauert vor der Macht des merkwürdigen Gebildes, das vor ihm schwebt und die eigentliche Gestalt des Lordrichters verdeckt. Das mächtige Wesen verlässt sein Schiff nicht, regt sich aber trotzdem über die mangelhaften Fortschritte und die kaum vorhandenen Mengen an Hyperkristallstaub auf, die die Umsetzung der Planungen gefährden.

Unterdessen müssen sich Atlan und Kythara erst einmal um den Leibwächter kümmern, der seine Maske fallen lässt und eine Falle für sie vorbereitet hat. Sie können ihn aber überwältigen. Glücklicherweise wird gleich darauf das Landeverbot aufgehoben. Vom Schiff aus dringen sie mit der Hilfe von Gorgh-12 in die Station ein. Sie finden auch den Transmitter und bereiten ihre Flucht vor. Dann machen sie sich auf zu Garbhunar. Auch das klappt, aber das Wesen kann sich nur kurz über das Eindringen aufregen, dann schlägt das Implantat zu. Und Atlan und Kythara sehen sich dem merkwürdigen Gebilde gegenüber, das den Lordrichter darstellt.

Das Wesen hinter dem Gebilde erkennt den Arkoniden und identifiziert ihn als Atlan, den Kristallprinzen. Sie lassen sich davon nur kurz aufhalten, dann ergreifen sie die Flucht. Die beiden Roboter der Varghanen dienen als Ablenkungsmanöver, was auch fast klappt. Sie sind kurz vor der Entmaterialisierung, als die Truppen des Gegners den Raum stürmen. Im allerletzten Augenblick schaffen sie es, durch den Transmitter zu entkommen. Sprengladungen sollen verhindern, dass man ihnen folgen kann.

Was sie auf der neuen Welt erwarten wird, ist noch unklar. Auf jeden Fall sind sie nach Parkasthon unterwegs, einer Welt der Varganen, die nur eine Zwischenstation auf dem Weg nach VARXODON sein soll.

Fazit

Nun haben wir also einen Lordrichter kennen gelernt, aber wir wissen immer noch nicht, wer sich dahinter verbirgt. Dafür sind Atlan und Kythara auf einen weiteren Planeten geflüchtet. Was sie dort wohl erwarten wird?

Egal - es wird hoffentlich interessanter werden, als der Ausflug nach Maran'Thor, der wohl vor allem eines war - absolut überflüssig. Irgendwie hatte man den Eindruck, das Expose hätte nur aus einer Anweisung bestanden - nämlich irgendwie zu verhindern, dass Atlan und Kythara vorzeitig den Planeten verlassen können. Wie sonst erklärt sich der Ausflug zu den Orbitalstationen, der sie nicht mal dorthin bringt? Als dann das entscheidende passiert - nämlich die Ankunft des Lordrichters - hängen Atlan und Kythara in einem Schiff fest und verpassen beinahe das Wichtigste. Außerdem müssen sie sich mit einem Jäger befassen, der wenig nachvollziehbar agiert. Er freut sich, in Gorgh-12 einen offensichtlich ähnlich denkenden Artgenossen gefunden zu haben - aber will ihn trotzdem für seinen Verrat bestrafen. Er wurde von einem Gericht seines Volkes verurteilt, nicht mehr Soldat sein zu dürfen - aber Torghunar betraut ihn mit einer "Spezialaufgabe". Warum eigentlich? Damit er zur Stelle ist, wenn Atlan und Kythara das Schiff kapern und er die Handlung noch etwas verzögern kann? Irgendwie ist sein Auftauchen ziemlich unmotiviert und sein Handeln ist kaum nachvollziehbar.

Aber das ist nicht alles. Auf den ersten dreißig Seiten passiert eigentlich kaum etwas, außer dass gewisse Manipulationen entdeckt werden und alle irgendwie miteinander reden. Ziemlich gut zu lesen, aber auch das streckt allenfalls die Handlung. Torghunar bekommt seinen verdienten Lohn und wird durch jemanden ersetzt, der durchaus kompetent ist. Aber das lässt natürlich Garbhunar auch nur bedingt gelten. Der Lordrichter ist da aber noch schlimmer. Die beiden sind so klischeehaft böse, dass es schon fast keinen Spaß mehr macht. Da ist kaum zu erkennen, dass böse niemals nur böse und gute niemals nur gut sind. Außerdem erinnern die Lordrichter irgendwie an die Bösewichter aus dem Tradom-Zyklus der PR-Serie. Fehlt nur noch, dass der Erzherzog auf die Knie niedersinken muss und nicht aufschauen darf.

Das Verhältnis zwischen Atlan und Kythara ist seit Michael Marcus Thurners Doppelband auch ziemlich merkwürdig geworden. Teilweise hat man den Eindruck, dass sich die Kameraden plötzlich irgendwie misstrauen und das besondere Verhältnis zwischen den beiden ist insofern kaum noch existent. Das Ende des Obsidian-Zyklus und die ersten drei Romane des Lordrichter-Zyklus haben die beiden noch anders dargestellt.

Was übrig bleibt, ist eine Aneinanderreihung von Zufällen, die letztendlich schon ein Ziel hat, nämlich die Flucht nach Parkasthon. Das hätte aber auch schon auf Seite zehn passieren können, da wäre uns eine Menge erspart geblieben.

Die Episode Maran'Thor hat den Zyklus unnötig in die Länge gezogen und war insgesamt überhaupt nicht interessant. Schade, dass sich der Zyklus so gedreht hat. Hoffentlich wird es auf Parkasthon wieder besser.

Einziger Lichtblick ist, dass Christian Montillon auch seine Stärken hat. Er kann schreiben, er schafft es, teilweise sogar Spannung zu erzeugen, zum Beispiel als der Lordrichter materialisierte. Und die Dialoge zwischen den Protagonisten sind durchaus nicht aufgesetzt sondern ein Stück weit sogar interessant. Er charakterisiert die Personen auf meist nachvollziehbare Weise und schafft es, dass einem die Leute nicht gleichgültig sind. Zum Beispiel das Insekt am Anfang, das zum Sündenbock werden soll. Ein Glück, dass K'orhan-7 nicht so dumm ist ;-). Und Torghunar muss erleben, dass Unfähigkeit eben auf Dauer doch nicht belohnt wird. Gut so. Wenn die unglückliche Einbettung in den Gesamtzusammenhang nicht wäre, dann wäre das Ergebnis sicher erfreulicher gewesen. So aber ist es ziemlich LAU. Ich würde gerne einen Roman von dem Autor lesen, bei dem er selber das Expose geschrieben hat und das in einem anderen Zusammenhang spielt. Der Ausflug zu Atlan war aber leider nicht sehr gelungen.

Die Lordrichter

1. Kytharas Erbe
2. Gefangen im PSI-Sturm
3. Die fünf herrlichen Städte
4. Murloths Berg
5. Aufruhr auf Narukku
6. Kampf um Maran'Thor
7. Der Zorn des Erzherzogs
8. Azaretes Weg
9. Der Turm des Denmogh
10. Flucht nach Varxodon
11. Mond der Visionen
12. Angriff der Lordrichter

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