5. "Aufruhr auf Narukku" von Horst Hoffmann

Lordrichter 5Die Auswirkungen des psionischen Sturms auf Narukku sind noch überall spürbar. Die vergessene Plattform bringt die Überreste des Kristalls mit auf den Planeten. Die Auswirkungen sind für die Mordwespen alles andere als angenehm.

Garbhunar, der Erzherzog, leidet ebenfalls unter den Bildern, die seinen Geist überschwemmen. Er kann sich kaum noch dagegen wehren und muss erkennen, dass die für unangreifbar gehaltene Station den Gewalten aus dem All hilflos ausgeliefert ist. Auch er kann den Gewalten nicht entkommen. Auch sein Bewusstsein, wie das aller anderen Mordwespen, verlässt den Körper, als es von dem Psisturm regelrecht aus den Insektenleibern gezerrt wird …

Atlan und Kythara können im Augenblick nicht sehr viel anderes tun, als die Geschehnisse von der Zentrale der festsitzenden AMENSOON aus zu beobachten. Noch funktioniert der Antrieb nicht. Dabei resümieren sie die bisherigen Ergebnisse, die eigentlich auch eher dünn sind. Sie haben einen Ableger der Psi-Quelle gefunden, der Murloths Berg genannt wird. Außerdem wissen sie, dass sich die Quelle an keinem der Orte befindet, die von den Varganen für ihre Psi-Quellen damals vorgesehen waren. Offensichtlich wurde sie also entfernt. Das passt zu dem, was der Cappin Carscann gesagt hat. Die Quelle soll offensichtlich pervertiert werden und genau dazu passen auch die Geschehnisse in Murloths Berg, die die Bemühungen der Mordwespen zeigen, die Quelle in ihrem Sinne tätig werden zu lassen.

Aber der Berg scheint nur eine Art Ableger zu sein. Es gibt auch ein Zentrum der Wolke, in der sich die beiden befinden, und dort scheint sich auch das eigentliche Zentrum der Quelle zu befinden.

Auf dem Planeten liefern sich die verbliebenen Androiden mittlerweile ein erbittertes Gefecht, das letzte Gefecht sozusagen, denn die Insekten in der Anlage, die für immer neue Androiden mit alten Erfahrungen gesorgt haben, werden von dem Angriff dahingerafft. Die Anlage an sich funktioniert aber eigentlich noch, nur gibt es einen einzigen Überlebenden, einen, der den offensichtlichen Todesimpuls aus dem Inneren der Wolke überstanden hat. Plötzlich sterben nämlich alle Insekten, nur eine der Mordwespen überlebt den Impuls und fragt sich doch sehr, wie das passieren konnte. Langsam glaubt er, zu begreifen, dass sein Überleben auch was mit göttlicher Fügung zu tun haben könnte, dass er überleben soll, um sicherzustellen, dass die nutzlosen Androiden auch alle getötet werden.

Opalmagor ist einer dieser Androiden und er will nicht kämpfen. Wollte er eigentlich noch nie und hat deshalb auch noch niemanden getötet. Seine Artgenossen kennen diese Skrupel nicht, und als sie ihn erwischen, setzen sie alles daran, ihn umzubringen. Er tötet zum ersten Mal, um sich zu retten, aber dann lässt er das und flieht einfach. In die Wüste hinein, irrt stundenlang umher und ist dem Verdursten nahe, vor dem ihn auch eine Fata Morgana kaum retten kann. Die Beeren, die er kurz darauf findet, allerdings schon. Sie haben zwar berauschende Wirkung, aber sie verhelfen ihm immerhin dazu, sein Ende noch einige Stunden hinauszuzögern. Und wer weiß schon, was bis dahin passieren kann.

Ein Gleiter zum Beispiel, der ihm helfen könnte. Aber vielleicht kommt er ja auch von den Feinden, deshalb warf sich der Androide lieber in Deckung.

Als er sich die Mulde, in der er zu liegen gekommen ist und in der er die Beeren entdeckt hat, endlich genauer anschaut, erkennt er, dass es sich um einen gewaltigen Fußabdruck handelt. Und er erinnert sich an etwas, das er gelesen hat, als die Androiden noch vordringlich Informationssammler waren. Riesige, elefantenartige Tiere, sollten in dieser Wüste leben, die ihre Wissenschaftler aber für ausgestorben hielten. Angesichts der Fußabdrücke, scheinen sich die Wissenschaftler auf jeden Fall geirrt zu haben.

Atlan und Kythara legen ihre Präferenzen für die unmittelbare Zukunft fest, die unter anderem die Feststellung der eigenen Position und das Finden von Mitteln gegen die anscheinend unerfreuliches vorhabenden Lordrichter beinhalten. Zuvor aber wollen sie lieber noch den Androiden helfen. Außer kämpfenden Wesen und vielen, vielen Toten finden sie aber nichts. Nur einen Naruku, der in der Wüste einsam vor sich hin stolpert und um Hilfe zu winken scheint, sich aber schnell in Deckung wirft, als er sie sieht. Sie fliegen weiter und Kythara ist leicht sauer auf den Arkoniden, weil der seine menschliche Seite entdeckt hat, anstatt endlich mit den eigentlichen Problemen weiterzumachen.

Trotzdem kann Atlan nicht anders, er lässt eine Sonde dem einsamen Naruku folgen. Dann will er von Kythara endlich wissen, welche Informationen sie ihm vorenthaltet, denn dass sie genau das tut, hat er irgendwie im Gefühl. Sie gesteht, dass sie dem Bordrechner Informationen entlocken konnte, während sie in ihrer Kabine war und nicht schlafen konnte. Durchaus interessantes, unter anderem die Tatsache, dass in VARXODON, der Hauptstadt ihres Reiches, eventuell eine Waffe sein würde, die ihnen in dieser Situation nur helfen konnte. Diese Hauptwelt war in einer Dunkelwolke versteckt worden, als die Lemurer zu einer Macht in der Galaxis aufstiegen und offensichtlich bis heute ein Geheimnis für diese Volk geblieben. Die Waffe nennt sich Kardenmogher und Atlan kennt sie auch, denn schon Magantilliken, der Henker der Varganen, hatte versucht, sie einzusetzen, war aber an der komplizierten Aktivierungsprozedur gescheitert. Kythara ist da zuversichtlich, obwohl sie zugibt, dass der Erfinder etwas verrückt war und man deshalb aufpassen muss. Wie sie an diese Hauptwelt kommen will, verrät sie auch nicht. Dafür ärgert sie den Arkoniden, weil sie ihm klarmacht, dass sie gerne eine der fünf Städte respektive die Anlagen darunter untersucht hätte, aber dort bei ihrem Ausflug ja wegen der Empfindlichkeit des Arkoniden nicht gelandet werden konnte. Bevor Atlan sich aufregen kann, bemerkt er, dass der Androide ein Problemchen hat. Und zwar ein gewaltiges Problemchen. Und das ist natürlich im Moment viel wichtiger.

Dass Toghar-134, die Mordwespe, das Beiboot entdeckte und den Varganen zuordnen konnte, können sie ja auch nicht wissen. Atlan rettet unterdessen den Androiden, im wahrhaft letzten Augenblick, indem er das riesige Monster tötet. Aber Opalmagor ist schon ziemlich schwer verletzt, nur der Medotank der Varganen kann verhindern, dass er sofort stirbt. Ihn sogar wieder zu Bewusstsein bringen, was sogar die Varganin bezweifelte. Und Opalmagor erzählt, während Toghar-134 die neuerliche Ortung des Gleiters auswertet und den Todesimpuls für die Androiden vorbereitet.

Opalmagor erzählt die Geschichte von acht Varganen, die einst den Stützpunkt auf Narukku gegründet haben. Die Androiden erschufen sie aus Langeweile, um sich ein angenehmes Leben zu gönnen. Eines Tages töteten sie sich mit der Kyrachtyl-Droge, die den Varganen, die ihrer Unsterblichkeit überdrüssig waren, das Sterben erleichterten und ihren Geist schmerzlos vom Körper trennte. Die Androiden wurden weiterhin produziert und lernten und lernten von den Rechnern, gaben in der Katharsys ihres nächtlichen Schlafes alles Wissen an den Rechner ab und lebten so lange vor sich hin. Bis eines Tages die insektoiden Mordwespen erschienen und die Anlage übernahmen, mit dem bekannten Ergebnis. Bevor er ihnen verraten kann, wo sich der Hauptrechner befindet, wird der Impuls abgestrahlt und im selben Augenblick sterben alle Androiden auf dieser Welt. Auch die Anlage, die sie erzeugt, wird zerstört. Und Atlan und Kythara machen sich auf den Weg, um den Punkt anzufliegen, von dem aus der Impuls abgestrahlt wurde und der mit dem Standort des Hauptrechners und damit der ersten Siedlung der acht Varganen identisch sein muss. Sie ahnen nicht, was sie erwartet.

Die Station wird von Thogar kontrolliert. Er versucht alles, um die Eindringlinge abzuwehren, in den Fallen der Station umkommen zu lassen, aber sie entkommen allen Fallen. Mehr noch, der Rechner scheint sich mit der Zeit gegen den Insektoiden zu stellen. Er steht im Dunkeln, wartet auf die beiden gnadenlosen Gegner, die sich nähern - und empfängt den Todesimpuls, mit zweitägiger Verzögerung, als er offensichtlich nicht mehr wirklich nützlich ist.

Atlan und Kythara haben schreckliches mitgemacht, bis hin zu einem Zweikampf miteinander, den sie nur überleben, weil sie von zwei robotischen Begleitern rechtzeitig paralysiert werden. Sie erreichen die Zentrale und erfahren von dem Rechner die letzten Geheimnisse, unter anderem die Namen der acht Varganen, die auf dem Planeten gelebt haben. Die Namen selbst sind vermutlich nicht mehr wichtig. Sie beschließen, die AMENSOON auf dem Planeten zu verstecken, bis es sich repariert hat und stattdessen mit Transmittern auf den Weg nach Varxodon zu machen. Auf dem Umweg über eine Welt namens Maran'Thor, die beiden bekannt zu sein scheint. Dort wollen sie die Waffe holen, von der sie sich Hilfe erwarten.

Garbhunar wird nach unglaublicher Reise und langen Qualen wieder in seinen Körper geworfen. Gerade rechtzeitig, um den Transmitterimpuls mitzubekommen. Er zögert nicht und informiert die Lordrichter, die die beiden offensichtlich schon erwarten. Auf vielen anderen versunkenen Varganenwelten genauso, wie in Varxodon …

Fazit

Horst Hoffmann ist ein erfahrener Autor, der schon lange Routine entwickelt hat. Das merkt man dem Roman auch an, der routiniert geschrieben ist, aber trotzdem auch Gefühl vermittelt. Man merkt, dass Horst die Geschichte nicht egal war. Er lässt den Leser an einer Geschichte teilhaben, der eine gewisse Tragik innewohnt, die gleichzeitig sehr gut geschrieben ist. Die Geschichte ist spannend im besten Sinne, obwohl es auch einige Ungereimtheiten gibt.

Wenn Atlan und Kythara bereits erkannt haben, dass die wichtigeren Ereignisse nicht auf Narukku spielen, dann sollten sie eigentlich alles daransetzen, diese Welt zu verlassen. Dass sie das nicht tun, hat durchaus nachvollziehbare Gründe, wenn denn das Triebwerk tatsächlich nicht geht. Diese Tatsache folgt aber offensichtlichen dramaturgischen Gründen und ist insofern reichlich künstlich herbeigeführt. Es ist nicht glaubwürdig, dass immer die Technik dann ausfällt, wenn die Protagonisten noch ein bis zwei Hefte Zeit brauchen müssen, um die nächste Station zu erreichen.

Viel besser ist doch die Begründung, die Horst dann tatsächlich abliefert. Nämlich dass sie die Anlagen unter der Station noch durchsuchen müssen, um dort Hilfe gegen die Lordrichter zu finden. Das macht einen Verbleib auf dieser Welt nachvollziehbarer, als dieser dramaturgisch notwendige Ausfall der Triebwerke.

Merkwürdig erscheint auch, dass Horst die Androiden als absolut kreative und gnadenlose Kämpfer bezeichnet. Die Mordwespe, die als letztes noch übrig ist, denkt über das Projekt als vollen Erfolg und bedauert, dass die Androiden getötet werden müssen, um die Lordrichter zufrieden zu stellen. Dabei ist doch in Band 3 des Zyklus noch gesagt worden (von Michael Marcus Thurner), dass die Androiden eher so was wie eine Enttäuschung waren, weil sie nicht kreativ genug waren. Und deshalb machten sich die Mordwespen auch Gedanken darüber, das Experiment mit den Androiden schnell wieder abzubrechen. In dem Roman ist keine Rede davon, da ist wohl bei der Übergabe in den Exposes irgendwie etwas schiefgegangen.

Trotzdem ist das nur eine Kleinigkeit, und zwar deshalb, weil Horst Hoffmann einen guten Roman abgeliefert hat. Einen, dessen Spannung sich immer mehr steigert. Vor allem die Szenen um den Androiden sind stark geworden und bewegen den Leser sehr. Die Art des Arkoniden, verschreckt auf die Kämpfe zu reagieren, ist zwar einerseits etwas merkwürdig, weil ein alter Mensch wie Atlan vielleicht doch etwas weniger empfindlich reagieren dürfte, andererseits hat gerade dieser menschliche Zug an Atlan mir gefallen, stellt er doch klar, dass der Arkonide keinesfalls abgestumpft ist. Da wirkt die wesentlich ältere Vaganin manchmal erheblich kälter, aber auch sie macht in dem Roman eine Entwicklung durch, wie überhaupt das Verhältnis zwischen den beiden im Vergleich zum Vorgängerband wesentlich überzeugender geworden ist.

Am Ende lässt uns der Roman wieder einmal mit einem Cliffhanger zurück - er lässt die beiden Protagonisten auf eine fremde Welt springen und gibt dem Leser gleichzeitig die Information, dass die Lordrichter von dieser Entwicklung keines falls überrascht werden. So dosiert eingesetzt, sind sogar Cliffhanger spannungssteigernd.

Insgesamt verdient sich Horst Hoffmann mit dem Roman ein entschiedenes GUT. Seine Art, zu schreiben, überdeckt manche Schwächen, für die er vielleicht nicht einmal etwas kann, weil sie möglicherweise aus dem Expose kommen. Alles in allem macht der Roman Spass und erfüllt einen wichtigen Zweck. Er war sehr unterhaltsam.

Die Lordrichter

1. Kytharas Erbe
2. Gefangen im PSI-Sturm
3. Die fünf herrlichen Städte
4. Murloths Berg
5. Aufruhr auf Narukku
6. Kampf um Maran'Thor
7. Der Zorn des Erzherzogs
8. Azaretes Weg
9. Der Turm des Denmogh
10. Flucht nach Varxodon
11. Mond der Visionen
12. Angriff der Lordrichter

This page is part of PROC Community. There are many other interesting projects at the PROC Community:

News:

×