4. "Murloths Berg" von Bernhard Kempen
Als sie sich orientieren wollen, stößt Atlan gegen eine nebulöse Gestalt, die allerdings real zu sein scheint. Auch die Gestalt hat die Anwesenheit von etwas bemerkt und reagiert auf den Arkoniden. Aber die Gestalt, die ein Wächter ist, weiß nicht, wie sie reagieren soll. Deshalb macht sich Ur'ogh-49 auf den Weg, seinen Auftrag zu erfüllen. Aber unsichtbare Wesen sind nicht ihr einziges Problem. Die Orgh sind ebenfalls noch da und sie testen eine Art Lichtkanone, als Atlan sie entdeckt. Das Experiment gerät außer Kontrolle und Atlan und die Varganin müssen sich verstecken, als die Orghs und sonstige Wesen in ihre Richtung flüchten. Als die Luft rein schein, machen sie sich auf den Weg, die Burg zu erkunden. Offensichtlich hat Murloth eine Zustandsform erreicht, die noch höher liegt, als die von Skanmanyon, an die sich Atlan noch erinnern kann. Als sie einen Ausgang erreichen, stellen sie fest, dass die Ebene ohne Schatten vor dem Berg unversehrt aussieht - was nahelegt, dass sie entweder in eine Zukunft versetzt wurden, oder aber in die Vergangenheit. Denn als sie auf der Welt angekommen waren, war die Ebene durch den Einschlag der vergessenen Positronik alles andere als unversehrt. Allerdings können sie sich nicht allzulange um die neue Erkenntnis kümmern, denn sie hören Geräusche aus dem Tunnel. Auf der Ebene befinden sich Orghs, hinter ihnen erscheint ebenfalls einer. Sie sitzen in der Falle. Der eine ist kein anderer als Ur'ogh-49. Er zögert keine Sekunde und greift an, muß aber erkennen, dass der humanoide Eindringling ein guter Kämpfer ist. Atlan kann ihn ausschalten, macht sich dann mit Kythara davon. Er kommt aber nicht weit, denn der Wächter greift sofort wieder an, diesmal Kythara. Also schaltet Atlan ihn diesmal etwas nachdrücklicher aus. Der Wächter meldet seine Beobachtungen weiter und überdenkt das Geschehen. Obwohl er nur untergeordnet ist, kann er sich einiges zusammenreimen und beschließt, den Arkoniden das nächste Mal entschiedener anzugreifen. Atlan und Kythara beobachten die Wesen wieder bei ihren Messungen mit den Lichtkanonen. Allerdings funktionieren die Experimente wieder nicht. Die Effekte wirken sich unangenehm für die beiden aus, denn sie werden von einer Art psionischem Erdbeben aus ihrem Versteck geschleudert und landen direkt vor den Insektoiden. Sie fliehen, allerdings direkt in einen Tunnel, der nach wenigen Metern wieder endet. Aber das ist noch nicht das Ende, plötzlich verschwimmt die Umgebung und das merkwürdige weiße Licht hat sie wieder. Alles scheint sich zu verschieben ... Kythara erhält Kontakt zu etwas, das Murloth sein könnte. Dann werden sie herumgewirbelt und von einem Sog nach oben gezogen, erleben Szenen aus einer Vergangenheit mit, in der sie sich offensichtlich selbst befinden. Schließlich landen sie wieder auf der Ebene ohne Schatten, inmitten der Insektoiden. Und sie begegnen ihrem Freund wieder, der sich auch zu erkennen gibt und sie gefangen nimmt. Ur'ogh-49 führt sie zu seinem Kommandanten, der sich als Garbhunar erweist und wie eine riesige Ameise aussieht. Offensichtlich weiß Garbhunar aber nicht so recht, was er mit den Gefangenen anfangen soll und als einer der Untergebenen die Lordrichter von Garb erwähnt, würde er die Gefangenen am liebsten töten. Er tut es dann aber doch nicht. Und Atlan kann in Ruhe die Bildschirme beobachten, die eine Flotte zeigen, die über der Psi-Quelle steht. Landende Beiboote bringen Material und rüsten damit die Station aus, aus der Kythara und Atlan erst vor kurzem geflohen sind. Einige Zusammenhänge werden somit klar. Ur'ogh-49 entdeckt irgendwie seine rebellische Ader, aber noch kann er sich zurückhalten. Ein Psi-Sturm bricht los, der Atlan und Kythara die Gelegenheit gibt, sich eventuell doch in Sicherheit zu bringen. Tatsächlich, die Wächter kümmern sich nicht mehr um sie, sondern schützen sich eher selbst. Anstatt Deckung zu suchen, nutzt Atlan die Chance, in ein Beiboot zu kommen, das derzeit wegen dem Sturm nicht funktioniert. Das macht aber nichts, denn wenn der Sturm zu Ende war, würde sich das sicher ändern. Und so lange er tobte, war das Beiboot ein guter Schutz. Atlan macht sich mit den Kontrollen vertraut, was Kythara nicht so ganz versteht. Der Arkonide ist der Ansicht, dass ihre Begegnung mit dem Wesen aus dem Berg eine wichtige Bedeutung hat und sie von ihm den Auftrag erhalten haben, die Vergangenheit zu ändern. Deshalb will er eingreifen. Aber Kythara hält ihn davon ab, macht ihm klar, dass der Fremde immer dann eingegriffen hatte, wenn sie im Begriff waren, eine Veränderung an der Vergangenheit vorzunehmen. Deshalb kann sich der Arkonide auch irren, was Atlan auch einsieht. Als sie sich soweit geeinigt haben, hören sie Geräusche aus dem Antigravschacht. Sie ziehen erbeutete Strahler und richten sie auf die Öffnung. Währenddessen wird Ur'ogh-49 klar, dass sich in seinem Kopf einiges verändert hat. Er ist nicht mehr gehorsam und nur noch Zweckbestimmt, lässt sich auch nicht mehr instrumentalisieren. Er erkennt, dass er ein Individuum ist und frei sein kann, wenn er nur will. Also trifft er einen Entschluss und setzt ihn in die Tat um. Ur'ogh-49 hilft Atlan und Kythara, indem er zunächst einmal die von Atlan aktivierte Selbstzerstörung deaktiviert. Danach entwickelt er einen Plan, sie als Techniker in den Berg zu schmuggeln, weil sie wohl nur von dort aus weitertransportiert werden. Unglaublicherweise gelingt dieser Plan auch noch. Beide werden im Berg entmaterialisiert und als sie wieder zu sich kommen, sind sie tatsächlich wieder in der Gegenwart angekommen. Nicht nur sie, auch die Mordwespe ist mit ihnen transferiert worden. Und sie müssen miterleben, wie die fünf Städte untergehen, die Schlacht der Wesen den letzten Tribut fordert und alles zerstört wird. Sie verabschieden sich von Ur'ogh-49, der lieber seinem Volk helfen will. Und wenn er im Wirbel des Psi-Sturmes nicht sein Leben gelassen hat, dann umschwebt er vielleicht als körperlose Wesenheit den Berg mit der Psi-Quelle. Atlan und Kythara jedenfalls können plötzlich ihr Schiff wieder verwenden und fliegen zurück zum Raumschiff. Das kann aber immer noch nicht starten, weil unerklärlicherweise der Antrieb kaputt gegangen ist. Und der muss sich jetzt erst doch wieder selbst reparieren. Atlan schläft solange, wie Kythara die Ortungen auswertet. Und muss dann erfahren, dass die Psi-Kräfte der Quelle wegtransferiert werden. Möglicherweise zu den Lordrichtern von Garb, aber das ist noch nicht sicher. Eines scheint jedenfalls klar, die Entartung dieser Psi-Quelle scheint tatsächlich zu passieren. Der Cappin aus Band 13 hat also wohl recht gehabt. Aber so lange der Antrieb nicht funktioniert, bleibt ihnen nichts anderes, als zu warten. Und zu guter Letzt erleben wir noch Vernon, den Überrest eines Varganen-Bewußtseins, der Passagier in seinem eigenen Körper wird. FazitAnscheinend ist es jetzt eine ungeschriebene Regel, dass in jedem Ableger der PR-Serie mindestens einmal die Energie ausfallen muss. Bei Atlan ist das ja inzwischen schon Standard, in dieser Hinsicht gleichen sich Obsidian und die Lordrichter aufs Haar. Und wie schon bei Obsidian, begleitet uns eine zeitweise Energielosigkeit der Protagonisten zumindest durch das erste Drittel des Zyklus. Ein Vorschlag: Gebt den beiden doch einfach Schwerter in die Hand und deklariert die Serie zur Fantasy um - dann wirkt das doch etwas glaubwürdiger. Ein Produkt aus dem Hause PR, das den Stempel "Science Fiction" uneingeschränkt verdient hat, wäre an so manchen Fan jedenfalls nicht verschwendet. Interessant auch, dass Atlan bei Zweikämpfen gar nicht mehr überprüft, ob die Energie vielleicht wieder funktioniert, sondern gleich in Aktion tritt. Eigentlich vernünftig. Angesichts der Tatsache, dass bei den Gegnern aber die Energie grundsätzlich zu funktionieren scheint, bleibt irgendwie auch die Logik auf der Strecke. Das Funktionieren von Energie scheint eher auf Erfordernisse der Dramaturgie Rücksicht zu nehmen. Deutlich wird das auch gegen Ende der Geschichte, als das Beiboot plötzlich wieder funktioniert, das in Band 2 der Lordrichter noch so funktionsunwillig war. Dafür fällt dann aber der Antrieb wieder aus, so dass sie auf dem Planeten bleiben müssen. Schöne Technik, die dort Verwendung findet. Erschreckend auch das Verständnis von Zeit, das in dem Roman präsentiert wird. Wie wir inzwischen ja wissen, ist das mit der Zeit ganz einfach: Es geschieht, weil es geschah. Trotzdem hat der Arkonide nichts anderes zu tun, als sich Gedanken über ein Zeitparadoxon zu machen, das er gerne herbeiführen würde. Warum hat ihm eigentlich sein Extrasinn nicht gleich was auf die Finger gegeben? Auch wenn Atlan das vielleicht zu dieser Zeit noch nicht wissen konnte, den Exposeautoren jedenfalls war es bekannt. Und Atlan hätte zumindest mit gebotener Vernunft agieren müssen. Immerhin war die Varganin in dieser Hinsicht intelligenter. Vielleicht sollte sich der Extrasinn einmal fragen, ob der Arkonide nicht irgendwie beeinflusst wird? Merkwürdig ist auch, dass Atlan sich nicht einmal Sorgen macht, dass sie nun in der Vergangenheit sind. Wäre es nicht ein unerfreuliches Schicksal, Jahre in der Vergangenheit gestrandet zu sein? Oder hat er sich bereits ausgemalt, wie angenehm es wäre, mit der schnuckeligen Varganin auf die Gegenwart zu warten? Auch seine Annäherungsversuche in der Transportkiste legen nahe, dass da die Triebe die Oberhand über den Extrasinn gewonnen haben. Irgendwie köstlich, aber insgesamt ist es in jedem Fall auffällig, wie wenig ernst der Arkonide die Situation nimmt. Aber das nur am Rande. Bernhard Kempen jedenfalls überzeugt durch seine Art zu erzählen, die irgendwie erfrischend anders ist, als die Art der etablierten Autoren. Und davon lebt Band 16 der Serie auch über weite Strecken. Ur'ogh-49 ist zum Beispiel eine Figur, die sehr schön beschrieben wird und wohl weit gehend von Bernhard mit Leben erfüllt wird. Die Atmosphäre, die vor allem Michael Marcus Thurner in seinem Doppelband geschaffen hat, wird auch in diesem Roman gut übertragen und macht dementsprechend auf ähnliche Weise Spass. Da macht es auch fast nichts mehr, dass in dem Roman eigentlich kaum etwas passiert. Außer dem Herumgespringe in dem Berg, das letztendlich zu nichts führt und kaum neue Erkenntnisse bringt. Der Informationsgehalt am Ende von Band 4 der Lordrichter entspricht dem von Band 1 der Lordrichter, insofern hätte man sich die letzten drei Romane eigentlich auch sparen können. Zumindest der Doppelband von Michael Marcus Thurner wäre ehrlicherweise aber trotzdem ein Verlust gewesen. Letzten Endes ist es aber nur Bernhard Kempens erfrischende Art, die sich auf gutem Niveau bewegt, die die Qualitäten des Romans ausmachen. Oben genanntes führt eigentlich zu einem durchaus miesen Ergebnis, das Bernhards Art zu Schreiben quasi per Saldo noch auf ein NICHT ÜBEL retten kann. |
Die Lordrichter
1. Kytharas Erbe |

Auf der anderen Seite des Transmitters, müssen sie sich erst einmal orientieren. Es ist alles weiß und irgendwie wesenlos, trotzdem kann Atlan seine Begleiterin mühelos erkennen. Schnell erkennen sie, dass sie offensichtlich in Murloths Berg angekommen sind und dass sie von Psi-Materie umgeben sind, die sich in einem diffusen Aggregatzustand befindet.