2. "Gefangen im PSI-Sturm" von Michael Marcus Thurner

Lordrichter 2Atlan und Kythara sind auf einer fremden Welt gestrandet, auf der sich eventuell eine Psi-Quelle der Varganen befindet. Und eventuell auch noch eine von der entarteten Sorte …

Um dies festzustellen, müssen die beiden Gefährten aber erst einmal einen Hypersturm überwinden und in die Nähe der Quelle kommen, was sich als gar nicht so einfach erweist. Das Schiff jedenfalls, dessen sie sich bedienen, will sie nicht bis zum Zentrum allen Übels bringen, sondern setzt schon erheblich viel früher auf. Also müssen sie zu Fuß weitergehen. Was sich als nicht ganz ungefährlich erweist.

Gleichzeitig erfahren wir näheres über die Einwohner dieser Welt. Das Studium scheint wesentlicher Lebensinhalt zu sein. Etarmagan jedenfalls geht jeden Tag in die Bücherei, an einen Platz, der ihm zugewiesen wird, und liest und liest und liest. Und erwirbt so eine Unmenge von Wissen, das er aber in einem kataklysmischen Reinigungsprozess wieder abgeben muss. Sonst würde ihn das Wissen in den Wahnsinn treiben.

Aber Etarmagan will mehr. Er sieht viel mehr in dieser Welt, erlebt Gefühle, ist damit ein Außenseiter, denn niemand sonst erlebt solche. Alle um ihn herum leben und arbeiten in dieser merkwürdigen Welt auf ihre merkwürdige Weise und kennen anscheinend nichts anderes.

Etarmagan aber entdeckt etwas, das ihn sehr verstört. Er verliebt sich, in eine Frau, die ihm direkt gegenüber sitzt. Aber sie ignoriert ihn. Und als er sich überwindet und ihr einen wunderschönen Schmetterling baut, nimmt sie dies lächelnd hin, aber sie will nichts von dem Geschenk wissen, das sich auf einem der Schränke in der Bibliothek niederlässt und dort einfach sitzen bleibt.

Also baut sich Etarmagan einen weiteren Schmetterling, der noch viel prachtvoller ist. Und er beobachtet. Erkennt, dass viele eitel sind und dass ausgerechnet die Frau, die er begehrt, auch zu den eitlen gehört. Also spricht er sie an und kommt endlich an sie heran. Und sogar mit ihr ins Bett.

Schon bald merken sie, dass es noch viele gibt, die Gefühle empfingen und sie bringen mehr und mehr dieser Varganen, die offensichtlich entartet sind, hinter sich. Bis schließlich eine Vielzahl von Wesen auf ihrer Seite steht. Und seine Freundin Carnji erweist sich als wichtig für ihn, denn sie treibt ihn dazu an, unermüdlich für ihre Sache zu kämpfen. So unermüdlich sogar, dass sie ihn in den Wahnsinn treibt. Er hat keinen Freiraum mehr und deshalb reagiert er gnadenlos, indem er sie erschlägt. Daraufhin verfällt er in einen Blutorgie, in deren Verlauf er viele der Varganen in seiner Stadt tötet, so lange, bis einen Übermacht sich gegen ihn stellt und ihn einfach erdrückt.

Aber Etarmagan ist nicht etwa tot. Er ist im Gegenteil sehr lebendig, als er an einer gänzlich anderen Stelle wieder zu sich kommt und kehrt in seine Wohnung zurück, wo er auf die ebenfalls wieder erstandene Carnji trifft. Die Frau droht ihm an, dass sie sich für diesen Tod fürchterlich rächen wird und verlässt ihn daraufhin, geht in eine der anderen vier Städte und baut eine Bewegung auf, die gegen Etarmagan vorgehen soll.

Der Vargane entdeckt daraufhin, dass es wohl Teil ihrer wahren Bestimmung sein muss, ihre Eignung zum Kampf zu beweisen. Deshalb bringt er alle dazu, die er nur erreichen kann, sich auf dem Platz vor der Bibliothek zu treffen und gegeneinander zu kämpfen. Dies resultiert in tausendfachem Tod - und der Aufforderung durch einen Handlanger Carnjis, sich vor der Stadt zu treffen, um gegen die Truppen seiner einstigen Freundin anzukämpfen. Etarmagan stimmt zu und muss sich von dem Boten töten lassen. Aber er hat in der Bibliothek mittlerweile genug über Kriegskunst gelernt und eine Menge Ideen, deshalb organisiert er die Truppen aus seiner Stadt sehr überlegt und stattet sie mit Waffen aus. Das verschafft ihm die nötige Überlegenheit. Er gewinnt, trotz Unterlegenheit was die Anzahl der Soldaten angeht, wegen seiner Taktik und seiner Waffen gegen Carnji. Den Boten, der ihn ermordete, lässt er als Exempel hinrichten, regelrecht vernichten, so dass er nicht mehr wiedergeboren werden kann. Und Carnji besucht ihn in der Nacht, wo sie sich nach langer Zeit wieder einmal lieben. Von da an, werden beständig Schlachten dieser Art zwischen den Städten geschlagen.

Bis Etarmagan-Murloth, wie er sich inzwischen nennt, klar wird, dass es so nicht weitergehen kann. Die Schlachten sind immer gleich und erwecken kaum noch das Interesse seiner Soldaten. Was ihm fehlt, ist Spontanität, mit der er auf die Angriffe reagieren könnte, etwas, was die Schlachten also wieder interessant macht.

Da kommen die beiden Fremden gerade recht, die eine Gruppe seiner Soldaten stellen konnte.

Atlan und Kythara treffen auf die ersten Anzeichen von Zivilisation, durchsuchen eine Hütte, die einladend geöffnet ist, treffen aber niemanden darin. Sie suchen weiter und begegnen schließlich den ersten Wesen, die sie beide als Varganen identifizieren. Die Varganen verlieren aber keine Zeit, sich ihnen feindlich zu präsentieren. Sie greifen an und wollen Atlan und Kythara töten. In einer Schlucht, mit dem Rücken zur Wand, kämpft Atlan schließlich gegen die Varganen, weil ihm nichts anderes übrig bleibt. Er kommt mit den Aggregaten nicht nach oben, weil sie nicht funktionieren, aber Kythara kann sich auf diese Weise retten. Und sie rettet auch den Arkoniden, indem sie einfach eine Lawine aus Steinen auf die Varganen niederregnen lässt, vor der sich der Arkonide gerade noch in Sicherheit bringen kann.

Die Nachricht von dieser kreativen Art zu kämpfen erreicht auch Etarmagan. Und so lässt er die beiden Fremden jagen, die versuchen, sich in einem Gebirgen in Sicherheit zu bringen. Als sie gerade glauben, sich in einem Kamin retten zu können, der sie nach oben ins Gebirge bringen würde, an eine Stelle, die auch gegen eine große Zahl von Angreifern einigermaßen leicht zu verteidigen wäre, wird ihnen der Fluchtweg abgeschnitten und ihnen bleibt nichts, als die Kapitulation, wenn sie ihr Leben nicht verlieren wollen. Und so ergeben sie sich den Truppen Etarmagan-Murloths …

Fazit

Wieder befinden wir uns auf einem Planeten, ohne Möglichkeit, die Außenwelt zu erreichen. Das scheint langsam ewig gleiches Stilmittel der Miniserien zu werden, einen abgeschlossenen Raum zu erschaffen, indem die Abenteuer ungestört von der sonstigen Handlung und möglichst ohne den Einsatz von allzu viel Technik ablaufen können. So interessant die letzten Atlan-Abenteuer auch waren, dieses etwas zu starre Muster darf gerne auch wieder einmal aufgebrochen werden.

Michael Marcus Thurner kreiert eine Welt, wie sie merkwürdiger und fremdartiger kaum sein könnte. Die Varganen verhalten sich nicht eben nachvollziehbar, ihre Welt erlaubt ihnen offensichtlich nicht sehr viel eigene Entwicklung. Insofern muss man sich fragen, inwiefern das Verhalten dieser Wesen von außen beeinflusst wird. Da gibt es Lordrichter, die offensichtlich über die Welt der fünf herrlichen Städte wachen und nach Kriegern suchen. Reimt sich Etarmagan hier nur eine Welt zusammen, die es so gar nicht gibt?

Im Hinterkopf behalten muss man auch, dass ja eine Psiquelle der Varganen in der Nähe ist, die eventuell auch entartet sein könnte. Das würde zu dem merkwürdigen Verhalten Etarmagans und seiner Freunde auch passen. Zunächst verhalten sie sich einigermaßen normal, wenn auch in einem sehr starren Gefüge, und dann verlieren sie jegliche Hemmung, drehen regelrecht durch.

Was auch immer dahintersteckt, Michael Marcus Thurner hat es jedenfalls verstanden, die neue Welt auf eine interessante und unterhaltsame Weise zu präsentieren, auch wenn er in die Handlungsebene um Etarmagan-Murloth erheblich mehr investiert hat, als in die Aktionen Atlans und Kytharas auf dieser Welt. Das wird sich aber sicher im nächsten Band ändern, denn da müssen die beiden Besucher im Mittelpunkt stehen und ihr Überlebenspotential einmal mehr beweisen.

Über weite Strecken liest sich der Roman sehr gut, werden die Figuren gelungen charakterisiert. Insofern ist der Roman sehr unterhaltsam und hat sich ein GUT redlich verdient. Nicht ganz nachvollziehbar erscheint lediglich das entartete Verhalten, das von einer plötzlichen Gefühlsaufwallung hin zu Aggression und gnadenloser Gewalt führt. Ob das wirklich so hätte sein müssen, sei einmal dahingestellt. Vorhersehbar konnte man es jedenfalls nicht nennen, aber es kam auf eine Weise unerwartet, die so auch nicht gefiel. Deshalb auch die leichten Abzüge in der B-Note.

Insgesamt macht der Roman aber durchaus neugierig auf mehr. Der Zyklus lässt sich bisher gut an.

Die Lordrichter

1. Kytharas Erbe
2. Gefangen im PSI-Sturm
3. Die fünf herrlichen Städte
4. Murloths Berg
5. Aufruhr auf Narukku
6. Kampf um Maran'Thor
7. Der Zorn des Erzherzogs
8. Azaretes Weg
9. Der Turm des Denmogh
10. Flucht nach Varxodon
11. Mond der Visionen
12. Angriff der Lordrichter

This page is part of PROC Community. There are many other interesting projects at the PROC Community:

News:

×