A. Eschbach: Kelwitts Stern
Andreas Eschbach Rezension von Wolfgang Ruge
Das Buch Der Roman Kelwitts Stern ist das vierte Werk des Bestseller-Autors Andreas Eschbach und erschien nach seinem wohl erfolgreichsten Roman Das Jesus Video. Im Jahr 2000 wurde das Buch mit dem Kurd-Lasswitz Preis für den besten deutschen Roman ausgezeichnet. Die Handlung Kelwitt ist Jomburaaner. Auf seinem Heimatplaneten Jombuur ist es Brauch jedem Neugeborenem einen Stern zu schenken. Wenn die jungen Jomburaaner dann erwachsen werden begeben sie sich auf eine Pilgerfahrt zu ihrem Stern. So erfahren sie, gleich einem Orakel, wie ihr Leben weiter verlaufen wird. Auch Kelwitt begibt sich auf eine Pilgerfahrt. Bei dem Stern den man ihm geschenkt hat, handelt es sich um unsere Erde. Eigentlich soll Kelwitt nur beobachten, doch als er entdeckt, dass sein Stern bewohnt ist, entschließt er sich entgegen allen Regeln zu landen. Die Landung misslingt, Kelwitts Raumschiff stürzt ab. Wie es das Schicksal so will, landet er nicht etwa in einer Metropole wie New York sondern mitten in der Schwäbischen Alb. Er setzt einen Funkspruch an sein Mutterschiff ab und entschließt sich, sich zu verstecken bis er wieder abgeholt wird. Dann macht er sich auf die Suche nach einem Versteck. Dabei trifft der ziemlich hilflose Alien auf die Familie Mattek, genauer gesagt auf Vater Wolfgang und seine Tochter Sabrina, die gerade wieder einmal ,aufgrund ihres promiskuitiven Sexualverhaltens, von einem Internat geflogen ist. Vater Wolfgang möchte die Polizei verständigen, doch auf Drängen von Sabrina, die vermutet, dass man mit dem armen Kelwitt irgendwelche Experimente machen wird, nimmt ihr Vater den Außerirdischen bei der Familie Mattek auf und versteckt ihn. So findet Kelwitt Unterschlupf bei Familie Mattek und lernt mit Hilfe des TV-Programms und den Alltagsgesprächen der Matteks die Sprache der Erdenbewohner. Die Folge ist, dass Kelwitt sich in einem starken schwäbischen Dialekt und mit vielen Werbeslogans verständigt. Natürlich ist die Landung von Kelwitts Schiff nicht unbemerkt geblieben. Hermann Hase, Geheimagent des BND, hat den Absturz beobachtet, und findet Kelwitts Raumschiff. Natürlich erstattet der pflichtbewusste Agent sofort Meldung und wird von seinen Vorgesetzten für verrückt erklärt. Da er sich aber ganz sicher ist, macht er sich ohne Hilfe auf die Suche nach dem Außerirdischen. Zu der Entdeckung des Raumschiffs durch Hermann Hase kommt der Umstand, dass eine Lehrerin Sabrinas Kelwitt sieht, gerade als er, als Baby getarnt, mit dieser die Stadt erkundet. Sie erzählt es einer Freundin in Kanada, welche es wiederum ihrem Sohn erzählt, welcher die Geschichte ins Internet stellt, und so kursieren auf der Datenautobahn bald die wildesten Verschwörungstheorien. Währenddessen entwickelt Sabrina Gefühle für Kelwitt die über Sympathie hinausgehen, und in ihr wächst der Wunsch auszuprobieren, wie es wohl ist mit einem Alien Sex zu haben. Vater Wolfgang beobachtet diese Entwicklung mit Sorge, kann sich aber nicht darum kümmern, weil ihn seine Arbeit als Feuerwerkskörper-Fabrikant nun in der Weihnachtszeit sehr stark einspannt. Die Wochen vergehen, und die Ankunft von Kelwitts Mutterschiff rückt näher, aber auch Hermann Hase kommt Kelwitt immer näher auf die Spur. An Silvester kommt es schließlich zum Showdown. Die Familie Mattek muss Kelwitt zu seinem Mutterschiff bringen, bevor Hermann Hase ihn findet. Auffälliges Was an Kelwitts Stern auffällt, ist der – insbesondere im Vergleich zu anderen Eschbach-Romanen – überaus simple Plot: „Außerirdischer landet in der schwäbischen Alb“. Dieser hätte auch als Basis für einen Film von Michael „Bully“ Herbig dienen können. Und nicht nur durch den Plot unterscheidet sich dieser Roman von anderen Werken Eschbachs. Die Figuren wirken zum Teil klischeehaft und handeln so, wie man es von klischeebehafteten Figuren erwarten würde. Das beste Beispiel hierfür ist BND-Agent Hermann Hase oder die promiskuitive Sabrina. Hinzu kommt, dass Eschbach einen recht simplen Erzählstil benutzt, so dass manche Kritiker in dem Buch eher einen Jugendroman sehen. Außerdem fallen nach viele Kleinigkeiten auf, die Eschbach in anderen Romanen anders gemacht hat (u.a. fällt auf, dass die Lovestory ungewöhnlich viel Platz bekommt). Es bleibt die Erkenntnis: Kelwitts Stern ist kein typischer Eschbach. Positives und Negatives Wenn man den Roman ganz nüchtern betrachtet, ist Kelwitts Stern eigentlich ein eher schlechter Roman. Simple Story, oberflächliche Charaktere und das ganze auch noch für Bravo-Leser geschrieben. Dennoch ist Kelwitts Stern ein gut zu lesender Roman, und das liegt an folgenden Punkten: Der Schreibstil ist nicht sonderlich kompliziert und aus diesem Grund sehr flüssig zu lesen. Kelwitts Stern ist eine angenehme Lektüre. Die Charaktere sind zwar oberflächlich, aber ich werde den Eindruck nicht los, dass sie genau das sein sollen, denn Kelwitt ist sehr gut charakterisiert. Das klischeehafte Verhalten der anderen Figuren hat einen positiven Nebeneffekt: Der Roman ist witzig. Keine Seite auf der es nichts zum schmunzeln gibt. Ich persönlich finde die Geschichte um Hermann Hase am amüsantesten, aber das ist natürlich eine rein subjektive Meinung. Auch Kelwitts Versuche, sich zu verständigen, was in Werbeslogans im schwäbischen Akzent geschieht, sind einfach witzig. Neben der simplen Hauptstory entwickelt Eschbach interessante Nebenschauplätze, die zum Teil eine interessante Thematik aufweisen, wie z.B.: die Bedeutung der Bibel oder anderer Schriften, die Frage ob es eine universale Deutung gibt. Einer Thematik der man einen gewissen intellektuellen Anspruch nicht absprechen kann. Fazit:Ich kann den Verriss Felix Darwins auf der Seite des Buchhändlers Amazon nicht nachvollziehen. Ich zitiere: „Es ist nicht ganz angemessen, dem Autor von Die Haarteppichknüpfer mangelnden Einfallsreichtum bei der Wahl seiner Stoffe vorzuwerfen. Die Frage sei jedoch erlaubt, ob es nötig war, "E.T." auf die Schwäbische Alb zu verlegen. Andreas Eschbach kann erzählen, keine Frage, und diese Fähigkeit lässt ihn auch bei diesem Buch nicht völlig im Stich. Aber so voraussehbar und albern hätte es trotzdem nicht werden müssen. Sehr schade. --Felix Darwin“ Die Fähigkeit zu Erzählen hat Eschbach auch in diesem Roman vollkommen behalten. Sicherlich ist die Story nicht übermäßig anspruchsvoll aber sie als albern und voraussehbar zu titulieren, wird der Geschichte dann doch nicht gerecht. Wer einen Roman mit kosmischen Geheimnissen und einer umwerfenden Pointe wie Die Haarteppichknüpfer erwartet wird von dem Roman schwer enttäuscht sein. Aber so einen Roman will Andreas Eschbach auch gar nicht liefern. Der Roman soll eine witzige Geschichte erzählen, den Leser unterhalten und amüsieren. Der Roman ist sehr humorvoll und liest sich sehr flüssig. Und da er in der Weihnachtszeit spielt, passt Kelwitts Stern thematisch zu dieser Zeit sehr gut. Man darf nur nicht den Fehler machen den Roman mit Werken wie Das Jesus Video, Die Haarteppichknüpfer oder Eine Billion Dollar zu vergleichen. Das Ziel einen Humorvollen SF-Roman zu schreiben hat Eschbach meiner Meinung nach ohne Frage erreicht. Und daher komme ich zu der Bewertung: GUT |
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