A. Eschbach: Exponentialdrift
Andreas Eschbach
Der schon seit vier Jahren im Koma liegende Bernhard Abel soll als Beispiel dienen. Aber bevor es so weit kommen kann, passiert etwas wirklich Unglaubliches. Vor der laufenden Kamera kommt der Patient plötzlich zu sich, blinzelt erstaunt und sagt einige Worte, die niemand versteht. Mmua de-hi sagt der Mann. Seine Frau ist nicht begeistert. Inzwischen hat sie nämlich einen neuen Freund namens Wolfgang Krenz, der sie gerne für sich haben würde. Aber trotz ihres festen Vorsatzes, ihrem Mann am Tag seines Erwachens gleich die Nachricht von ihrer Scheidung zu überbringen, tut sie es nicht. Er zieht wieder zu Hause ein. Arpa arbeitet in einem Lager und sieht den Bericht, als Bernhard Abel erwacht. Er besucht die Klinik, deren Adresse er von einer Praktikantin des Privatsenders bekommt, der die Geschichte ausgestrahlt hat. Dort bekommt er alle Informationen, die er benötigt, auf ausgesprochen wundersame Weise. Offensichtlich in Art einer Telepathie. Er besucht Abel und fragt ihn, ob er sich erinnere, ob die Verbindung aufrechterhalten werde. Dies ist nicht der Fall und so will sich der Mann wieder verabschieden, nicht allerdings ohne ein Wort zu nennen, bei dessen Klang Abel aufhorcht: Exponentialdrift. Er schlägt nach, aber da ist keine Information zu finden. Er redet mit Röber, aber der stellt klar, dass er niemandem verraten hat, wo Abel zu finden ist. Der Besucher hatte sich als alter Schulfreund ausgegeben und scheinbar alles schon vorher gewusst. Abel will daraufhin sein altes Notizbuch konsultieren, ob er einen Namen findet, der ihm bekannt vorkommt. Findet er nicht. Dafür übermannt ihn die Erinnerung. Er ist ein Außerirdischer, der in einen erlöschenden Körper schlüpfte, der gerade am frei werden war. Sozusagen. Er sieht einen Bericht im Fernsehen über einen Sauerstoffplaneten, den man mit den Hubble Teleskop gefunden hat. Und er erinnert sich an Details aus seiner Vergangenheit, an die Drake Formel, mit der ein Wissenschaftler namens Drake die Wahrscheinlichkeit außerirdischen Lebens berechnete. Er arbeitete in einem Softwareunternehmen, die Steuerungssoftware herstellt und er war einer der gefragtesten Spezialisten dort. Yves Lehrmann war sein Chef. Und der besucht ihn, stellt ihm Fragen den letzten gemeinsamen Termin vor seinem Schlaganfall betreffend, der auf dem World Trade Center stattfand, nur wenige Wochen vor dem Tag, an dem dieses Gebäude fiel. Aber an das Passwort erinnert er sich nicht. Vorgeblich. Dafür besucht Röber seinen ehemaligen Dozenten, weil er sich an den Besucher erinnern kann. Oder besser, an sein Muttermal, das wie ein Pferdekopf aussieht. Der Professor weiß nichts mehr. Dafür aber seine Sekretärin, die er gerade erst eingestellt hat. Armin Pallens ist ein offensichtlich etwas merkwürdiger Geist, der sich für einen außerirdischen hielt. Im Jahre 1990 kam er wieder zu sich, genau elf Jahre zuvor. Er erinnerte sich vor allem an ein Wort: Exponentialdrift. Und an dieses Wort erinnern sich auch noch andere Menschen, die aus dem Koma wieder erwachten und unter dem appallischen Syndrom litten. Sie erwachten in vielen verschiedenen Teilen der Welt, alle immer genau im Abstand von elf Jahren… Wolfgang Krenz gehört offensichtlich, wie Yves Lehrmann, zu einer merkwürdigen Vereinigung. Annas Vater ist ebenfalls dabei und auch ihr Onkel Lutz. Anna sollte eigentlich nicht dort sein, sie hat sich aber versteckt und hört geheimnisvolle Dinge, von denen sie eigentlich niemals etwas erfahren sollte. Schwüre wie bei den drei Musketieren, die eigentlich ja vier waren, fliegen hin und her und die Rede ist von einem Bernhard Abel, der ein Passwort gesetzt hat, mit dem er sie offensichtlich unter Druck setzte. Das weiß sogar der außerirdische in Abels Körper. Allerdings wird sie erwischt und erfährt dann, dass die vier nur üben. Ihr Vater ist nämlich Schriftsteller und alle vier haben ein Manuskript vor sich, aus dem sie sich in verteilten Rollen vorlesen, damit der Schriftsteller hören kann, ob es auch gut klingt. Er verweist das Mädchen des Zimmers. Danach erweist er sich als geistesgegenwärtiger Lügner, denn sie planen in der Tat etwas. Und zwar für den 3. Juni 2002. Mittlerweile nimmt Bernhard immer mehr von seiner neuen Aufgabe wahr, verrennt sich aber auch auf Holzwegen, von denen er zumindest teilweise wieder abgebracht wird, und zwar von einem der anderen Komapatienten, einem Engländer, der vor 22 Jahren erwachte. Er erfährt sogar einen Begriff aus seiner Welt, der möglicherweise sein Name sein könnte und was die Exponentialdrift ist. In kürze wohl so etwas, wie der Bedarf der Menschheit, sich immer weiter auszubreiten. Möglicherweise bis in die Heimat der außerirdischen … An seinem Eheleben findet er jedenfalls wieder gefallen. Bis er durch den "Kanal", einer Art allgegenwärtigem Informationskanal, erfährt, dass sie eine Affäre hatte. Mit eine Mann, den er von früher kennt und dem er einen Besuch abstattet. Um sich davon zu überzeugen, dass er unrecht hat. Aber natürlich beweist er sich damit nur, dass alles wahr ist. Und er erfährt von diesem Datum. Er schickt daraufhin seine Frau los, um von ihm zu erfahren, was dahinter steckt. Und Wolfgang verrät es ihr. Röber fährt wieder einmal nach Berlin, um seine Freundin zu heiraten. Da sie aber anderes zu tun hat, macht er sich einen schönen Abend alleine und landet mit einer netten, jungen, gut gebauten, blauhaarigen Frau im Bett, die er von einem früheren Besuch kennt. Sie war Sekretärin seines Doktorvaters, ist dann aber entlassen worden, weil sie zu viel wusste. Und sie will dieses Wissen weiterverkaufen. Aber zunächst einmal will sie ihn und die Nacht wird unglaublich. Dafür trifft er am anderen Tag einen merkwürdigen Kerl im grünen Mantel. Und später erfährt er, dass sie tot ist, ermordet. Möglicherweise von diesem Mann im grünen Mantel. Aber zunächst einmal steht er unter Verdacht und seine Freundin ist nicht mehr zu sprechen für ihn. Mittlerweile wird der Plan der vier Verschwörer klar. Sie haben ein Steuerungssystem entwickelt, das durchaus in der Lage wäre, die Ergebnisse aller Observatorien zu beeinflussen, weil sie tatsächlich überall installiert sind. Dazu wollten sie ins Internet einen Virus einschleusen, der von dieser Software entsprechend interpretiert werden kann als Signal von Außerirdischen. Dies würde dann, so die Hoffnung, alle Menschen auf der Welt innehalten lassen, vor allem, wenn deutlich wird, dass die außerirdischen feindlich gesonnen sind, und alle Welt gegen den vermeintlichen Gegner vereinen. Allerdings geht der Plan schief. Offensichtlich, entdeckt Lutz, der Programmierer, gibt es unterhalb der Ebene Internet noch eine weitere Ebene, die direkt jede CPU dieser Welt überwachen kann und solche verräterischen Signale einfach schon vorher ausfiltert. Dies kann er feststellen, nachdem ihm Evely, die Frau von Bernhard, das Passwort mitteilt, das Bernhard offensichtlich kurz vor seinem Hirnschlag, der ihn ins Wachkoma beförderte, auf die Manschette seines Hemdes schrieb. Es lautet Ko-airin. Das teilt er Yves über das Handy mit und bereut das hinterher auch sogleich, denn plötzlich tauchen überall merkwürdige Gestalten auf, die sich um die vier Verschwörer kümmern … Röber bringt inzwischen seinen Doktorvater dazu, ihm von seiner Theorie zu erzählen und der macht ihm klar, dass es genauso wie Gene auch sogenannte Meme gibt, das sind eine Art von geistigen Grundmustern, die einen Menschen beeinflussen und zu einer bestimmten Meinung bekehren können. Herrschaft über solche Meme zu haben, wäre gleichbedeutend mit der Herrschaft über die Erde. Ein erschreckender Gedanke, wie der Professor findet und deshalb will er auch möglichst wenigen Menschen diese Informationen zukommen lassen. Röber erhält sie nur, weil er den Professor quasi erpresst mit dem Wissen über einen neu hinzugekommenen unter der Reihe der Außerirdischen. Ein befreundeter Reporter, der auch schon bei der Ermordung der ehemaligen Sekretärin Vera zugegen war, sorgt dann allerdings dafür, dass die beiden mit ihrer Idee an keine Öffentlichkeit mehr treten können. Zwei prominente Wissenschaftler werden am anderen Tag als Opfer eines Mordes tot aufgefunden … Und für alle, die wisse wollen, wie es ausgeht, gibt es hier einen Spoiler. Wer es nicht wissen will, der möge diesen Teil besser nicht lesen, denn er erklärt alles: SPOILER Fazit:Interessantes Thema, das wirklich unterhaltsam aufbereitet wird. Die Charakterisierung der Personen ist sehr gelungen. Der Roman macht Spaß und weckt Spannung. Die Schlagzeilen, die vor jedem Kapitel erscheinen, lassen Erinnerungen aufkommen. Was 2001 doch alles passiert ist, aber auch 2002, es erschreckt einen selbst im Nachhinein, rührt einen zu Tränen, wenn man erfährt, dass Menschen wie George Harrison oder Astrid Lindgren uns für immer verlassen haben, lässt einen wieder einmal erkennen, dass die Zeit einfach nur rasend schnell vergeht. Die einzelnen Teile nehmen auch immer wieder Bezug auf diese Schlagzeilen, lassen den Kontext noch wesentlich glaubwürdiger erscheinen. Insgesamt ein gelungenes Buch, das als Fortsetzungsgeschichte sicher unerträglich war. Was war ich froh, nach dem "Fortsetzung folgt" immer gleich Weiterlesen zu können ;-). Die Story ist ein echter Pageturner. Allerdings mit einem Schönheitsfehler: Es endet etwas sehr schnell und überstürzt. Es hätte der Geschichte gut getan, das Ende etwas auszudehnen, die losen Fäden nicht so schnell und überstürzt zu verbinden. Gerade für die Aufbereitung der Fortsetzungsgeschichte der FAZ in einem Buch hätte man sich gewünscht, dass das Ende entsprechend überarbeitet wird. Dafür bietet das Buch aber ein Making of, das durchaus einen adäquaten Ersatz bietet und einiges näher erklärt … Ach ja, ein kleines Detail am Rande. Der Schriftsteller, der Teil dieser Gruppe von Verschwörern ist, trägt den Namen Peter Eisenhardt. Das wäre nun an sich nichts besonderes und für viele wird der Name auch keine Bedeutung haben. Aber für diejenigen, die Jesus Video gelesen haben, hat es wohl ... ;-) |
A. EschbachDie HaarteppichknüpferSolarstation Jesus Video Kelwitts Stern Quest Eine Billion Dollar Exponentialdrift Der Letzte seiner Art Das Mars-Projekt Perfect Copy Die seltene Gabe Eine Trillion Euro Das Buch von der Zukunft |

Als Dr. Röber die Kameraleute des Privatsenders in das Krankenzimmer lässt, beginnt er zu ahnen, dass dieser Besuch kein guter ist. Und wirklich, die Kameraleute versuchen, ihn in eine Falle zu locken, ihn zu Aussagen die Kosten der Behandlung eines Patienten zu verraten, der am appallischen Syndrom leidet.